Sitosterolämie

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Klassifikation nach ICD-10
E78.5 Hyperlipidämie, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Sitosterolämie ist eine seltene angeborene Fettstoffwechselstörung, bei der es zur Anreicherung von Phytosterinen in verschiedenen Geweben des Körpers kommt. Die Erkrankung gehört zu den Seltenen Krankheiten (orphan diseases).

Pathologie[Bearbeiten]

Nur ein geringer Teil der mit der Nahrung aufgenommen pflanzlichen Sterole (Phytosterine) wird im Verdauungstrakt resorbiert. Normalerweise werden diese Phytosterine, darunter Sitosterol, Stigmasterol und Campesterol, über die ABC-Transporter ABCG5 und ABCG8 größtenteils wieder in das Darmlumen ausgeschieden. Durch diesen Mechanismus wird die Aufnahme der körperfremden Phytosterine aus dem Darm beschränkt. Der geringe Anteil an Phytosterinen, der ins Blut gelangt, wird über die Leber eliminiert.

Durch autosomal-rezessiv vererbte Mutationen in den für die ABC-Transporter kodierenden Genen wird die Ausscheidung von Phytosterinen aus den Mukosa-Zellen in das Darmlumen vermindert. Aus ungeklärter Ursache ist die Exkretion von Phytosterinen durch die Leber vermindert, ebenso wie die Cholesterol-Biosynthese. Der Blutplasma-Spiegel der Sitosterole steigt aufgrund der Ausscheidungsstörung stark an und fördert die frühzeitige Arteriosklerose.

Klinisches Bild[Bearbeiten]

Im Rahmen der Fettstoffwechselstörung kommt es zur Ablagerung von Fett in der Haut und den Sehnen (Xanthome). Des Weiteren können Gelenkschmerzen, Arthritis sowie Angina pectoris auftreten.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Die Sitosterolämie ist eine Seltene Krankheit (orphan disease). Bisher (Stand: November 2011) wurden 40 Fälle beschrieben.[1] Die Anzahl Betroffener dürfte größer sein, insbesondere da das Krankheitsbild als Hyperlipidämie fehldiagnostiziert werden kann.[2]

Therapie[Bearbeiten]

Eine Behandlung mit Ezetimib senkt die Phytosterol-Spiegel. Für diese Indikation ist der Wirkstoff in den USA seit 2002 zugelassen. Eine restriktive Diät mit stark reduzierter Aufnahme von Phytosterolen kann indiziert sein.

Prognose[Bearbeiten]

An Sitosterolämie erkrankte Personen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, vorzeitig an Folgen einer koronaren Herzkrankheit (KHK) wie einem Herzinfarkt zu versterben.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Erkrankung wurde 1974 erstmals beschrieben.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • K. Tsubakio-Yamamoto, M. Nishida, Y. Nakagawa-Toyama, D. Masuda, T. Ohama, S. Yamashita: Current therapy for patients with sitosterolemia–effect of ezetimibe on plant sterol metabolism. In: Journal of atherosclerosis and thrombosis. Band 17, Nummer 9, September 2010, S. 891–900, ISSN 1880-3873. PMID 20543520. (Review).
  • S. E. Hazard, S. B. Patel: Sterolins ABCG5 and ABCG8: regulators of whole body dietary sterols. In: Pflügers Archiv – European Journal of Physiology. Band 453, Nummer 5, Februar 2007, S. 745–752, ISSN 0031-6768. doi:10.1007/s00424-005-0040-7. PMID 16440216. PMC 1785388 (freier Volltext). (Review).
  • K. E. Berge, H. Tian, G. A. Graf, L. Yu, N. V. Grishin, J. Schultz, P. Kwiterovich, B. Shan, R. Barnes, H. H. Hobbs: Accumulation of dietary cholesterol in sitosterolemia caused by mutations in adjacent ABC transporters. In: Science. Band 290, Nummer 5497, Dezember 2000, S. 1771–1775, ISSN 0036-8075. PMID 11099417.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Orphanet: Prävalenz Seltener Krankheiten. Nr. 1, November 2011. (online, pdf-Datei; 440 kB)
  2. Robert D. Steiner: Sitosterolemia. In: Medscape. 6. Juli 2011.
  3. A. K. Bhattacharyya, W. E. Connor: Beta-sitosterolemia and xanthomatosis. A newly described lipid storage disease in two sisters. In: The Journal of clinical investigation. Band 53, Nummer 4, April 1974, S. 1033–1043, ISSN 0021-9738. doi:10.1172/JCI107640. PMID 4360855. PMC 333088 (freier Volltext).