Sitterswald

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49.1310157.066097235Koordinaten: 49° 7′ 52″ N, 7° 3′ 58″ O

Sitterswald
Wappen der ehemaligen Gemeinde Sitterswald
Höhe: 197–342 m
Fläche: 1,72 km²
Einwohner: 1521 (31. Dez. 2007)
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 66271
Vorwahl: 06805
Sitterswald (Saarland)
Sitterswald

Lage von Sitterswald in Saarland

Katholische Kirche in Sitterswald

Katholische Kirche in Sitterswald

Sitterswald ist ein Ortsteil der saarländischen Gemeinde Kleinblittersdorf im Regionalverband Saarbrücken. Bis Ende 1973 war Sitterswald eine eigenständige Gemeinde.

Geographie[Bearbeiten]

Nordwestlich von Sitterswald liegt Auersmacher und südwestlich Rilchingen-Hanweiler. Östlich von Sitterswald bildet die Blies die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Im Nordosten liegt auf deutscher Seite die Bliesgersweiler Mühle und auf französischer Seite Bliesgersweiler und im Südosten der Saargemünder Ortsteil Neunkirchen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bedeutung des Ortsnamens[Bearbeiten]

Der Ortsname Sitterswald geht auf den Waldnamen Sitterswald zurück und findet sich als Ortsname nur ein einziges Mal in der Bundesrepublik Deutschland. Der Wald lag auf dem Bann von Rilchingen-Hanweiler, wurde 1935 gerodet und dem Bau der Siedlung zur Verfügung gestellt. Dieser Wald gab dem neuen Dorf seinen Namen.

Der Namensbestandteil Sitters- (Seiters-) wird unterschiedlich gedeutet. Als seichtes, sumpfiges Land[1] oder als zur Rodung ausgeschiedenes Land.[2]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Der Boden, auf dem Sitterswald errichtet wurde, teilte vor 1935 die Geschichte von Rilchingen-Hanweiler. Die Grundsteinlegung des Ortes Sitterswald erfolgte im Jahr 1935.

Im Jahr 1935 kam es, etwas überstürzt, zum Bau der Kleinsiedlung Sitterswald, die zunächst noch „Auersmacher Siedlung“ genannt wurde. Es sollte ein Dorf werden, welches nicht, wie alle anderen Dörfer der Umgebung, organisch gewachsen war, sondern auf dem Reißbrett entworfen wurde.

Der Entwurf hierzu stammte von der Reichsheimstätte der NSDAP und der DAF und wurde nach der Rückkehr des Saarlands zum Deutschen Reich verwirklicht. Solche Siedlungen entstanden zeitgleich in Griesborn, Dorf im Warndt und in Neunkirchen-Haus Furpach.

Zunächst waren 215 Siedlerstellen, 10 Großsiedlerstellen und 17 Eigenheime geplant. Eine Kirche war beim heutigen Quallenbrunnen geplant, ein Feierabendhaus an der ehemaligen Bäckerei Bur. Für den Sportplatz waren Teile des Mühlenwaldes vorgesehen. Dieser Plan wurde weitgehend beibehalten, allerdings gab es Änderungen beim Standort der Kirche und des Sportplatzes. Auch die 10 Großsiedlerstellen und die 17 Eigenheime wurden nie gebaut.

Im September 1935 erfolgte der erste Spatenstich im Flur „Naualmet“, heute Ellwiesergarten.

Am 25. Juni 1937 befasste man sich auf dem Reichskommissariat mit dem Schulhausneubau in der Siedlung Auersmacher-Sitterswald. Eine Turnhalle war ebenfalls geplant, die zeitgleich mit dem Schulhaus errichtet werden sollte. Die Realisierung erfolgte aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg.[3]

Der Bau der Siedlung Sitterswald war von vornherein auch von außenpolitischer Bedeutung. Nicht umsonst setzte man sie an die Grenze zu Frankreich. Man wollte, dass die Siedlung von Saargemünd her gesehen wird. Ziel war es zu zeigen, was das Deutsche Reich für sein Volk tut.[4] In einigen französischsprachigen Berichten wird die Siedlung „Hitlerdorf“, „Hitlersdorf“ oder „Adolf-Hitler-Dorf“ genannt.[5]

In den Jahren 1952 bis 1956 wurde die katholische Kirche erbaut.[6]

Am 1. Januar 1974 wurde Sitterswald in die Gemeinde Kleinblittersdorf eingegliedert.[7]

1977 hat sich Sitterswald als Sieger des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ hervorgetan. Seit 1992 besteht eine Partnerschaft mit Behringen (Thüringen). Es besteht ein reger Austausch der Vereine Sitterswald und Behringen mit gegenseitigen Besuchen. Die Partnerschaft wird maßgeblich vom Heimat- und Verkehrsverein Sitterswald e.V. gestaltet.

Seit 1995 verbindet eine Fußgängerbrücke über die Blies als Freundschaftsbrücke Deutschland mit Frankreich. Auf französischer Seite der Brücke, im Saargemünder Ortsteil Neunkirchen, liegt die Bliesmühle, eine ehemalige Wackenmühle, die zur Herstellung von Steingut-Masse genutzt wurde, Sie beherbergt heute ein Themenmuseum für Steingut-Technik. Einzigartig in Europa ist die bedeutende Sammlung von Maschinen und Spezialhandwerkzeug der Keramikindustrie.

Politik[Bearbeiten]

Ortsvorsteher[Bearbeiten]

  • 1974–2001: Günter Kallenborn (SPD)
  • seit 2001: Harald Thieser (SPD)

Sitzverteilung im Ortsrat (Stand: August 2009)[Bearbeiten]

Partei Stimmen in % Sitze im Ortsrat
SPD 65,4 % 8 Sitze
CDU 21,6 % 2 Sitze
Die Linke 13,0 % 1 Sitz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Sitterswald besitzt zwei Bushaltestellen, die von der Linie 501, 147 und R14 der RSW GmbH angefahren werden. Jeweils nach Kleinblittersdorf über Auersmacher, und von Kleinblittersdorf nach Hanweiler bzw. über Bliesransbach bis nach Homburg. Von Kleinblittersdorf kommt man dann mit der Stadtbahn (Saarbahn) weiter nach Saarbrücken.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Michael Mohr: 50 Jahre Sitterswald – Historische Zeitabläufe von 1935–1985. Kapitel I, S. 19
  2. Pfälzisches Wörterbuch: Seiters
  3. Michael Mohr: 50 Jahre Sitterswald – Historische Zeitabläufe von 1935–1985. Kapitel I+II
  4. Michael Mohr: 50 Jahre Sitterswald – Historische Zeitabläufe von 1935–1985. Kapitel II, S. 46
  5. Auch unter 26e régiment d’infanterie de ligne in der französischsprachigen Wikipedia
  6. Katholische Kirchengemeinde "St. Josef der Arbeiter"
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 806.