Smaragd von Saint-Mihiel

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Smaragd von Saint-Mihiel (* 2. Hälfte 8. Jahrhundert; † 29. Oktober um 830), Mönch, Schulleiter und schließlich Abt, wirkte zur Zeit Karl des Großen und Ludwig des Frommen als Exeget, Grammatiker und paränetischer (ethisch-ermahnender) Schriftsteller. Er ist der Nachwelt vor allem bekannt als Verfasser des ersten karolingischen Fürstenspiegels Via Regia (Königsweg) um 810.[1]

Leben[Bearbeiten]

Smaragd ist in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts geboren und stammt wahrscheinlich aus Spanien oder dem an Spanien orientierten Gebiet, vielleicht als Abkomme einer vornehmen westgotischen Familie aus Septimanien. Schon als Leiter einer Klosterschule hatte er Kontakt mit dem Aachener Hof Karls des Großen. In Karls letzten Regierungsjahren wurde er zum Abt des Klosters Saint-Mihiel bei Verdun ernannt (um 805, sicher bezeugt ab 812). 809/10 bittet Karl der Große Smaragd nebst Theodulf von Orléans um ein Gutachten in der theologisch und politisch wichtigen Frage des Filioque (Dreifaltigkeitslehre, die eine der Gründe für die Trennung zwischen östlich-orthodoxer und westlich-katholischer Christenheit bildete). Smaragd unterstützte die aquitanischen Bestrebungen der monastischen Reformer um Benedikt von Aniane, welcher 816, mit Hilfe Ludwig des Frommen, alle Klöster im Frankenreich der strengen norma rectidudinis (Norm der Richtigkeit) unterordnen wollte. Smaragd verfasste etwa 817 einen eigenen Kommentar zu diesem Regelwerk.[2] Die engen Verbindungen zu Ludwig dem Frommen verschafften ihm 816, 824 und 826 fünf Urkunden für sein Kloster Saint-Mihiel. Die große kirchliche Reformsynode von 816 in Aachen wurde von ihm wohl mit vorbereitet, gesichert ist seine Teilnahme. Im Sinne der aquitanischen Reformen verlegt Smaragd um 820 das eigene Kloster Saint-Mihiel vom Bergort Castellion in das Tal zu dem Ort Godinécourt.

Sein bekanntestes Werk Via regia (Königsweg) verfasste er zwischen 811 und 814 für Karls Sohn Ludwig den Frommen, zu dieser Zeit noch Unterkönig von Aquitanien. Diese Schrift ist der erste vollständig ausgeführte Fürstenspiegel im Westen. Sie ist einfach aufgebaut (20 Tugenden, 12 Laster) und wurde wegen ihrer Klarheit später auch als allgemeines Tugendbuch genutzt. Dies war möglich, da die Tugenden für den Herrscher alle aus dem für alle Christen geltenden Moralfundus entnommen sind, folglich ist die Bibel Hauptquelle. Die Christenpflichten des Königs ergeben sich für Smaragd aus dessen Taufe. Daher sind spezifische Herrschertugenden auch nur in Details von den Christenpflichten eines Mönchs zu trennen und werden von Smaragd auch nur am Rande erwähnt. Ganze Passagen der Via regia finden sich konsequenterweise in dem wenig später erschienenen Werk Diadema monachorum (Mönchskrone, eine Art Mönchspiegel) wieder. Als Vorbilder für den König werden in Via regia vor allem David, daneben auch Salomon und Ijob aus dem alten Testament genannt. Dass trotz aller Harmonievorstellungen zwischen Kirche und Reich, der König sich durch die Freilassung der Sklaven (servi), primär der Kriegsgefangenen, als erlöster Christ bewähren soll, zeigt das für die Zeitumstände kritische Potential von Teilen der christlichen Traditionen.

In seinen Schriften zur Sprach- und Formschulung des Latein, nutzte Smaragd neben den heidnischen Autoren der Antike auch frühchristliche Werke. Priscian folgend bildete er die lateinische Sprache nach dem Prinzip der Analogie fort.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Meyer: Smaragd's Mahnbüchlein für einen Karolinger . In: Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-Historische Klasse, 1907, S. 39–74
  2. Alfred Spannagel – Pius Engelbert (Hrsg.): Smaragdi abbatis expositio in Regulam S. Benedicti, Siegburg 1974 (Corpus consuetudinum monasticarum / 8)