Klosterschule

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Ein Benediktinerpater im
Stiftsgymnasium Melk, um 1890

Klosterschulen (Scholae monasticae, claustrales) waren mit Klöstern verbundene Bildungseinrichtungen, in denen Mönche und Nonnen den Unterricht erteilten.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Knaben auf dem Weg in die Klosterschule. Bologneser Handschrift des Decretum Gratiani, Mitte des 14. Jahrhunderts

Klosterschulen hatten bei ihrer Entstehung im 6. Jahrhundert zunächst nur die Bildung von Klostergeistlichen zum Ziel, wurden aber später auch für Laien erweitert.

Benediktiner[Bearbeiten]

Die Begründung der Klosterschulen im Abendland wird der Legende nach auf Benedikt von Nursia, den Ordensstifter der Benediktiner und Gründer von Monte Cassino (529), und seinen jüngeren Zeitgenossen Cassiodorus zurückgeführt. Wesentlichen Aufschwung nahmen sie innerhalb des Fränkischen Reichs unter Karl dem Großen namentlich durch Benedikt von Aniane. Seit dieser Zeit teilte man sie in exteriores, die sich auch solchen öffneten, welche Laien bleiben wollten, namentlich Junkern, und interiores, für künftige Mönche (pueri oblati).

Die Benediktiner haben den wissenschaftlichen Unterricht insbesondere auf den Britischen Inseln gepflegt und von dort aus während ihrer Missionstätigkeit über Europa verbreitet, in Gallien, Spanien und durch Bonifatius auch in den germanischen Regionen des Fränkischen Reiches (= späteres Deutschland). Seit dem 12. Jahrhundert traten die die Zisterzienser sowie die Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner hinzu, die auch außerhalb der Klöster lehrten. Später kamen die Prämonstratenser, die von Gerhard Groote gestifteten "Brüder vom gemeinsamen Leben" hinzu.

Domschule[Bearbeiten]

Sie blieben in Deutschland neben den ähnlich eingerichteten Dom- oder Kathedralschulen der Bischofsstädte lange die einzigen gelehrten Bildungsanstalten. Die ältesten deutschsprachigen Klosterschulen, die ihren Höhepunkt in ottonischer und salischer Zeit erreichten, sind die 724 gegründete Reichenau, St. Gallen (Mitte des 7. Jh.), Niederaltaich (731 bzw. 741), Fulda (744), Kremsmünster (777), Fulda (Hrabanus Maurus im 9. Jahrhundert), Melk a.d. Donau (985), Admont, St. Florian (1071) sowie Corvey, Hirsau, Prüm, das Schottenstift in Wien und Hersfeld.

Pfarrschule[Bearbeiten]

Bereits im 11. Jahrhundert verfielen viele Klosterschulen, nachdem Reformen sie stärker von der Außenwelt abschirmten. In den wachsenden Städten blühten die Domschulen auf, zu denen weitere Pfarreischulen (Pfarrschulen unter dem jeweiligen Pfarrer, auch Küsterschulen unter Assistenz des Küsters) kamen.[1] Die anspruchsvollste Bildung ging ab dem 13. Jahrhundert an die Universitäten über. Eine bedeutende Schule im Übergang war in Paris Saint-Victor mit Wilhelm von Champeaux.

Unterricht[Bearbeiten]

Der Unterricht umfasste als Lehrstoff die sieben Freien Künste sowie als theologischen Lehrkursus das Bibelstudium und die kirchlichen Ordnungen und Regeln. Die sieben freien Künste umfassten das Trivium (Grammatik, Rhetorik und Dialektik) und das Quadrivium (Musik, Arithmetik, Geometrie und Astronomie).

Neuzeit[Bearbeiten]

In der katholischen Kirche drängten in der Frühen Neuzeit die Jesuitenkollegien die älteren Lehranstalten der Benediktiner sowie die neueren der Barnabiten und Piaristen in den Hintergrund. Die Schulen der Bettelorden bestanden weiter.

Theologische Hauslehranstalt[Bearbeiten]

Die klostereigenen Theologischen Hauslehranstalten fokussierten ihre Ausbildung auf den theologischen Bereich, weil sie bereits auf in Klosterschulen vorgebildete Knaben zurückgreifen konnten.

Klosterschulen für Mädchen[Bearbeiten]

Mehrere katholische Frauenorden betrieben im Mittelalter zahlreiche Erziehungsanstalten für die Töchter des Adels, von denen nicht wenige als Nonnen ein humanistisches Gelehrtenniveau erreichten. In der Neuzeit wurden weitere neue Orden zur Mädchenerziehung gegründet, z.B. die verbreiteten Ursulinen. Die abgeschirmten Klosterschulen für Mädchen wurden in katholischen Ländern besonders von höheren Gesellschaftskreisen genutzt. In jüngerer Zeit haben sich diese Schulen sozial geöffnet, doch zurzeit leiden alle Erziehungsorden an fehlenden Novizinnen.

Evangelische Klosterschulen[Bearbeiten]

In einigen Ländern, die sich der Reformation anschlossen, wurden die Einkünfte mehrerer Klöster und Domstifter zur Stiftung von Gelehrtenschulen verwendet, welche noch jetzt die Namen Klosterschulen, Domschulen oder Fürstenschulen führen. Auch wurden ganze Klöster in Schulen umgewandelt. So entstanden beispielsweise in Sachsen die Schulen in Schulpforta, Meißen und Merseburg (später nach Grimma verlegt); in Thüringen die Schule in Roßleben; Ilfeld gehörte bis 1866 als Exklave zu Hannover. In Württemberg wurden nach der Reformation durch die 1556 erlassene Klosterordnung die vierzehn verbliebenen Mannsklöster mit einer Ausnahme ebenfalls in Klosterschulen umgewandelt. Von diesen Klosterschulen existieren heute einzig noch die Evangelischen Seminare Maulbronn und Blaubeuren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franz-Michael Konrad: Geschichte der Schule: Von der Antike bis zur Gegenwart, München 2007, S.28

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Schwaiger u.a.: Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte, München 2002
  • Roland Girtler: Die alte Klosterschule - eine Welt der Strenge und der kleinen Rebellen, Wien 2000 (Böhlau)

Siehe auch[Bearbeiten]