Snegurotschka

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Dieser Artikel behandelt die russische Märchengestalt; zu Adaptionen siehe Schneeflöckchen.
Snegurotschka, Bild von Wiktor Michailowitsch Wasnezow

Snegurotschka, auch Snegurka (russisch Снегурочка, zu deutsch Schneemädchen oder Schneeflöckchen) ist eine russische Märchengestalt. Es ist auch der Titel mehrerer russischer Märchen. Es diente als Vorlage für das gleichnamige Theaterstück von Alexander Ostrowski, dieses wiederum als Vorlage für die Oper mit Ballett Snegurotschka von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow.

Die in Russland bekannteste Geschichte stammt aus den Märchensammlungen von Alexander Afanassjew, die von 1855 bis 1863 in acht Heften erschienen sind. Einige dieser Märchen stammen auch von Wladimir Iwanowitsch Dal.

Snegurotschka im Märchen[Bearbeiten]

Die bekannteste Geschichte aus der Sammlung von Afanasiew handelt von einem alten Ehepaar, das sich ein Kind wünscht, aber nie eines bekommt. Eines Tages sieht das Paar Kindern beim Schneemannbauen zu. Sie beschließen, sich ein Kind aus Schnee zu bauen. Es erwacht zum Leben und wird von der Frau Schneemädchen genannt. Die alten Leute gewinnen das Mädchen lieb wie eine eigene Tochter und behalten es bei sich. Als der Frühling naht, wird das ansonsten sehr umgängliche und intelligente Schneemädchen trübsinnig und verschwindet im Sommer beim traditionellen Sprung über ein Lagerfeuer.[1]

In einem weiteren Schneemädchen-Märchen aus der Sammlung von Iwan Chudjakow entsteht das Schneemädchen aus einer geschmolzenen Schneekugel. Es entsteht ebenfalls im Haus eines älteren Ehepaars, von denen es als Tochter angenommen wird. Snegurotschka verirrt sich wenig später im Wald und landet bei der Hexe Baba Jaga, die es bei sich festhält und als Kindermädchen beschäftigt. Mit Hilfe eines Ochsen entkommt Snegurotschka und findet zu seinen Zieheltern zurück.[2]

Im (später von Tschaikowski mit einer Schauspielmusik versehenen) Märchendrama von Alexander Ostrowski ist Snegurotschka die Tochter von Väterchen Frost und der Frühlingsgöttin. Durch diese Wurzeln ist sie einerseits von kühlem Gemüt, andererseits voller Sehnsucht nach Liebe. Sie verliebt sich in einen Menschen, den sie heiraten will, doch schmilzt sie unter der machtvollen Sommersonne, worauf sich ihr Verlobter im Meer ertränkt. Hinter ihrem Tod steckt die Macht des Sommergottes.[3]

Heutige Bedeutung von Snegurotschka[Bearbeiten]

Heute ist Snegurotschka in der russischen Bevölkerung vor allem bekannt als Begleiterin von Väterchen Frost in der Neujahrsnacht, wenn dieser den russischen Kindern Geschenke bringt. Diese Rolle spielt Snegurotschka seit den 1920er Jahren, als dieser Mythos von den Kommunisten als Gegenpol zu traditionell christlichen Weihnachtsmotiven aufgebaut wurde und sich auch im postsowjetischen Russland hielt.[4]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Die Geschichte von Snegurotschka in der Fassung von Ostrowski wurde mehrfach verfilmt. Zum ersten Mal bereits zur Zeit des Zarenreichs als Stummfilm vom Filmpionier Starewitsch 1914, zum zweiten Mal als sowjetischer Märchenfilm 1965 unter dem Regisseur Pawel Kadotschnikow[3]. Motive des Märchens finden sich überdies in dem 1964 in der UdSSR verfilmten Märchen Abenteuer im Zauberwald - Väterchen Frost mit Natalja Sedych; des Weiteren bezieht sich der Märchenfilm Frühlingsmärchen von Alexei Katyschew aus der UdSSR von 1971 auf Snegurotschka; und auch der Märchenfilm Die Eisfee (Ледяная внучка) aus der UdSSR von 1981 unter der Regie von Boris Ryzarew greift in der Gestalt des Eisfee-Mädchens Aspekte des Schneeflöckchen-Mädchens auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Märchen der russischen Schriftsteller, Verlag Prawda, Moskau 1985, Übersetzung aus dem Russischen: Oksana Fedotova, 2005
  • Russische Märchen, Königsfurt-Verlag 2006, Übersetzung aus dem Russischen: Sigrid Früh, Paul Walch (enthält die Version nach Chudjakow)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Snegurochka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexander Afanasiew: Narodnye russkie skazki, Moskau 1861
  2. Iwan Chudjakow: Velikorussikie skazki, Moskau 1860-62
  3. a b nach: Ulf Diederichs: Who’s who im Märchen, München 1995
  4. Maerchen RU - Volksmärchen aus Russland