Star (Bootsklasse)

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Klassenzeichen
Star red.svg
Bootsmaße
Länge üA: 6,92 m
Länge WL: 4,72 m
Breite üA: 1,73 m
Tiefgang: 1,02 m
Masthöhe: 10 m
Gewicht (segelfertig): 680 kg
Gewicht (Ballast, Kiel): 394,5–408,5 kg
Segelfläche
Segelfläche am Wind: 27,92 m²
Großsegel: 20,5 m²
Fock: 7,5 m²
Sonstiges
Takelungsart: Slup
Yardstickzahl: 97
Klasse: international / olympisch

Der Star (oder deutsch: Starboot, engl.: Starboat) ist ein offenes Zweimann-Kielboot und als Einheitsklasse die älteste Bootsklasse, die als Regattayacht bei Olympischen Spielen eingesetzt wird. Der Star ist ein Regattaboot für den anspruchsvollen und athletischen Segler, deshalb zieht es in diese Bootsklasse immer wieder die Topsegler aus aller Welt (Dennis Conner, Russell Coutts, Paul Elvstrøm, Mark Reynolds, Torben Grael, Iain Percy u. a.).

Geschichte[Bearbeiten]

Segelriss Star

Der Star wurde 1910 als offenes Zwei-Mann-Kielboot von William Gardner und Francis Sweisguth entworfen. Ein Jahr später, 1911, wurde ein internationaler Interessenverband gegründet, der seit 1922 nahezu jährlich eine Weltmeisterschaft für Star-Boote veranstaltet.[1] Bereits 1932 wurde der Star als olympische Bootsklasse ausgewählt. Er war damit die erste Einheitsbootsklasse, die bei Olympischen Spielen gesegelt wurde.

1968 wurde der Star allerdings zum ersten Mal durch eine andere Bootsklasse ersetzt, die Tempest. Nach den Olympischen Spielen 1976 bekam das Boot die olympischen Ringe zurück.[2] Für die Olympischen Spiele 2016 wurde der Star erneut nicht nominiert. Das veranstaltende Olympische Komitee Brasiliens konnte jedoch eine weitere Disziplin nominieren und entschied sich für das Starboot. Im Gegenzug müssen sämtliche damit verbundenen Kosten vom Veranstalter getragen werden.

Die lange olympische Geschichte erklärt die internationale Verbreitung der anspruchsvollen Bootsklasse. Seit 1911 vertritt die International Star Class Yacht Racing Association als weltweiter Verband die Interessen der Star-Klasse. Sie ist in zwei „Hemisphären“, Süd und Nord, und diese in jeweils 21 „Distrikte“ aufgeteilt, welche wiederum in sogenannte „Flotten“ (beispielsweise 23 in Deutschland) untergliedert sind. Süddeutschland gehört gemeinsam mit Österreich, Weißrussland Kroatien, Tschechien, Georgien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Russland und der Ukraine zum Distrikt 17. Norddeutschland gehört mit Großbritannien, Benelux und Dänemark zum 13. Distrikt. Die Hamburger Flotte wurde 1931 begründet, die jüngste Flotte in Deutschland ist die Bremer Flotte von 1995.[3]

Bis Dezember 2011 wurden insgesamt 8472 Stare gebaut.[4]

Rumpf[Bearbeiten]

Star hoch am Wind, Crew reitet aus

Zulässige Werkstoffe für den Knickspant-Rumpf sind Holz, Polyester und Epoxidharz. Inzwischen wurde jedoch das Holz fast vollständig aus dem Bereich der Rennyachten verdrängt und ist nur noch bei älteren Rümpfen zu finden.

Der Rumpf besitzt einen in Querrichtung leicht gewölbten Flachboden, der in Längsrichtung gebogen ist. Dies führt zu einem relativ kurzen Vorsteven, der sich schon oberhalb der Wasserlinie befindet. Das Heck hat einen leicht positiven Spiegel (Plattgattheck).

Die Baupläne sind für jedermann vom Central Office der ISCYRA in Chicago erhältlich.

Rigg, Takelage, Segel[Bearbeiten]

Starboot Regatta auf dem Wannsee (2010)

Das einfache Rigg verleiht dem Star auf dem Wasser ein fast unverwechselbares Erscheinungsbild. Neben dem weit vorne stehenden Mast sticht vor allem die im Vergleich mit dem Rumpf große Großsegelfläche ins Auge. Bei einer Bootslänge von 6,92 m besitzt der Großbaum eine Länge von circa 4,5 m und ragt damit knapp über das Heck hinaus; das Großsegel hat eine Fläche von über 20 m². Mit der Fock zusammen trägt der Star mehr als 27 m² Segelfläche.

Anders als die meisten modernen Regattaklassen besitzt der Star neben Fock und Großsegel keinen Spinnaker oder Gennaker. Der Star ist trotzdem ein komplex zu segelndes Boot, da eine Vielzahl von Trimmmöglichkeiten es ermöglichen, das Rigg den Erfordernissen entsprechend einzustellen.

Regatten: Internationale Meister[Bearbeiten]

Eine Besonderheit der Starboot-Klasse ist es, dass man bereits am Segelzeichen erkennen kann, mit wem man es zu tun hat. Die Weltmeister der Klasse haben das Recht, statt des roten Klassenzeichens einen Fünfzack-Stern in Gold, Sieger einer Kontinental oder Hemispheren Meisterschaft einen in Silber, Distrikt-Meister einen in Blau und die Gewinner einer Anfänger Distrikt-Meisterschaft den Stern in Grün anzubringen. Olympiasieger erhalten einen goldenen Stern, der oberhalb der olympischen Ringe steht. Es gilt als äußerst unfein, den Segelmacher darauf hinzuweisen, den entsprechenden farbigen Stern anzubringen, wenn dieser es nicht von sich aus tut. Weltmeistertitel werden innerhalb der Klasse höher geschätzt als olympische Siege.[5]

Olympische Sommerspiele[Bearbeiten]

Die Olympischen Sommerspiele 1940 und 1944 fanden wegen des Zweiten Weltkrieges nicht statt.

Für die Segelwettbewerbe im Sommer 1976 auf dem Ontario-See in Kanada wurde der Star durch das Kielboot Tempest ersetzt. Bei der Sitzung der International Sailing Federation am 7. Mai 2011 wurde das Starboot ab 2016 erneut aus dem olympischen Programm genommen.[6]

Goldmedaillengewinner
Jahr  Nationalität  Skipper/Steuermann  Crew/Vorschoter Segelnummer Bootsname
1932 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Gilbert Gray Andrew Libano      615 Jupiter
1936 Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich Peter Bischoff Hans-Joachim Weise     1287 Wannsee
1948 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Hilary Smart Paul Smart     2570 Hilarius
1952 ItalienItalien Italien Agostino Straulino Nicolò Rode     2958 Merope
1956 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Herbert Williams Lawrence Low     3745 Kathleen
1960 Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion Timir Pinegin Fyodor Shutkov     3802 Tornado
1964 BahamasBahamas Bahamas Durward Knowles Cecil Cooke     4789 Gem
1968 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Lowell North Peter Barrett     4733 North Star
1972 AustralienAustralien Australien John Anderson David Forbes     —
1980 Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion Walentin Mankin Aleksandr Muzychenko     6494
1984 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Bill Buchan Steve Erickson     6960
1988 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Michael McIntyre Bryn Vaile     —
1992 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Mark Reynolds Harold Haenel     7592
1996 BrasilienBrasilien Brasilien Torben Grael Marcelo Ferreira     —
2000 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Mark Reynolds Magnus Liljedahl     7829
2004 BrasilienBrasilien Brasilien Torben Grael Marcelo Ferreira     —
2008 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Iain Percy Andrew Simpson     —
2012 SchwedenSchweden Schweden Fredrik Lööf Max Salminen     —

Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

In dieser Liste werden nur diejenigen Weltmeisterschaften aufgeführt,

  • in denen keine Olympischen Sommerspiele stattfanden,
  • oder der Star nicht bei Olympischen Spielen zugelassen war,
  • oder der Zugang zu den Olympischen Spielen signifikant beschränkt war.

Alle Teilnehmer in den Weltmeisterschaften der 1920er Jahre und während des Zweiten Weltkrieges kamen aus Nordamerika. Der Weltmeister des Jahres 1984 aus Brasilien nahm an den Olympischen Spielen im selben Jahr teil.

Weltmeister in den Jahren ohne Olympische Spiele
Jahr und Austragungsort  Nationalität  Skipper/Steuermann  Crew/Vorschoter  Bootsname
1924 Western Long Island Sound Vereinigte StaatenVereinigte Staaten   USA Jack Robinson Arthur Knapp Jr. Little Bear
1928 Newport Beach Vereinigte StaatenVereinigte Staaten   USA Prentice Edrington Gilbert Gray Sparkler II
1940 San Diego Vereinigte StaatenVereinigte Staaten   USA James Cowie Gordon Cowie Rambunctious
1944 Lake Michigan Vereinigte StaatenVereinigte Staaten   USA Gerald Driscoll Malin Burnham
1976 Nassau (Bahamas) Vereinigte StaatenVereinigte Staaten   USA James Allsopp Michael Guhin Mustard Seed
1980 Rio de Janeiro Vereinigte StaatenVereinigte Staaten   USA Tom Blackaller David Shaw Chewbacca

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Star (keelboat) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Star Class History. Liste der Ergebnislisten bei der International Star Class Yacht Racing Association. Abgerufen am 11. Mai 2013. Ohne Weltmeisterschaft blieben demnach nur die Jahre 1927–1931, 1933–1938, 1940–1943, 1968, 1982, 1984, 1986–1992, 1998, 2000 und 2001, also 28 der 91 Jahre von 1922 bis einschließlich 2012.
  2. Website Starclass: Ausführliche Regattaergebnisse der Olympischen Spiele seit 1932 in der Starboot-Klasse Abgerufen am 5. Februar 2009
  3. Website Starclass: Karte der Distrikte Abgerufen am 5. Februar 2009
  4. Website: Starklasse
  5. Yacht 1976 Heft: 10 Atempause? Starboote in Deutschland (Seite: 63)
  6. Meldung der ISAF