Straußenfarn

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Straußenfarn
Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris)

Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris)

Systematik
Farne
Klasse: Echte Farne (Polypodiopsida)
Ordnung: Tüpfelfarnartige (Polypodiales)
Familie: Onocleaceae
Gattung: Matteuccia
Art: Straußenfarn
Wissenschaftlicher Name
Matteuccia struthiopteris
(L.) Tod.

Der Straußenfarn oder Straußfarn (Matteuccia struthiopteris) ist ein auch in Mitteleuropa heimischer Farn aus der Familie der Onocleaceae. Er ist die einzige in Europa vorkommende von insgesamt nur zwei Arten der Gattung Matteuccia.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Straußenfarn ist eine ausdauernde Pflanze mit einem kräftigen Rhizom. Die Blätter bilden einen aufrechte, trichterförmige Rosette. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 30 bis 150 Zentimetern.

Die sterilen Blätter (Trophophylle) sind hellgrün und breit-lanzettlich im Umriss. Die Hauptfiedern sind fiederspaltig bis fiederschnittig. Der jeweils innerste Abschnitt besonders der untersten Fiedern ist sichelförmig über die Blattspindel gebogen.

Die Sporophylle sind von den sterilen Blättern deutlich unterschieden und sind bei der Sporenreife dunkelbraun und straußenfedernähnlich. Sie haben einen lineal-lanzettlichen Umriss, die Hauptfiedern sind fiederlappig, die einzelnen Abschnitte sind zusammengerollt. Die Sori stehen in zwei Reihen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 80.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Straußenfarn ist eine sommergrüne Rosettenpflanze, die bedingt durch ihr Rhizom in einer Reihe wächst. Er zeigt Heterophyllie d.h. die äußeren Blätter, die sogenannten Trophophylle, dienen der Photosynthese, inneren Blätter, Sporophylle genannt, dienen vor allem der Fortpflanzung.

Die Sporophylle sind zuerst grün, und sie werden später braun. Die Sporen unterliegen als Körnchenflieger der Windausbreitung oder sie breiten sich in Flussnähe als Wasserschwemmlinge aus.

Sporenreife ist von Juli bis August.

Es findet eine lebhafte vegetative Vermehrung durch über 0,5 m lange, unterirdische Ausläufer statt.

Der Straußenfarn wächst in Herden an zum Teil nur schwach beschatteten, frischen bis feuchten, meist etwas durchsickerten, nur selten überschwemmten, kalkarmen bis schwach sauren, meist basen- und zum Teil auch nährstoffreichen, sandig-kiesigen bis sandig-lehmigen Böden in Flussauenwäldern. Er ist gegen Beschattung empfindlich.

Vorkommen[Bearbeiten]

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Art besitzt ein zirkumpolares Areal. Die Verbreitung wird als submeridional/montan bis boreal mit subozeanischem Schwerpunkt beschrieben.

In Deutschland ist er selten, in etlichen Bundesländern sogar gefährdet. In Deutschland zählt er daher zu den besonders geschützten Arten. In Österreich kommt er zerstreut vor; er fehlt jedoch in Wien und Vorarlberg, desgleichen in Liechtenstein.

Der Straußenfarn wird häufig als Zierpflanze angepflanzt. In den Maritimprovinzen Kanadas und in Japan werden junge, noch eingerollte Triebe auch als Gemüse verzehrt.

Allgemeine Verbreitung[Bearbeiten]

Der Straußenfarn kommt in Europa vor, hier allem im Norden: in Skandinavien, in Finnland, und bis ins nördliche Norwegen; in Mitteleuropa kommt er vor allem östlich des Rheins vor; im Süden reicht sein Areal bis zu den Westalpen und bis in die Poebene, weiterhin kommt er in Rumänien und in der Ukraine vor.

Der Straußenfarn ist eine boreale bis kontinentale Art, die bei uns die Westgrenze ihrer Verbreitung erreicht.

Standort[Bearbeiten]

Der Straußenfarn wächst in Auwäldern, Hochstaudenfluren und an Bachufern der (collin-)submontanen bis montanen(-subalpinen) Höhenstufe. Er ist kalkmeidend und wächst auf sickernassen, nährstoffreichen, sandigen bis kiesigen Schwemmböden.

Taxonomie[Bearbeiten]

Zeichnung des Straußenfarnes aus Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1885

Der Straußenfarn wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum unter dem Basionym Osmunda struthiopteris erstveröffentlicht.[1] Das Art-Epitheton struthiopteris wurde von Linné nach den straußenfederartigen fertilen Wedeln gewählt (spätlateinisch struthio und griechisch strouthion = Strauß und griechisch pteris = Farn).

Agostino Todaro stellte den Straußenfarn 1866 in die neu geschaffene Gattung Matteuccia, die zu Ehren von Carlo Matteucci (1811–1868), einem italienischen Physiologen und Elektrophysiker, der 1862 Unterrichtsminister war, benannt wurde.

Weitere Synonyme sind Onoclea struthiopteris (L.) Roth, Struthiopteris germanica Willd. und Struthiopteris filicastrum All.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 13. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen, Volk und Wissen, Berlin 1987, ISBN 3-06-012539-2.
  •  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta): Lycopodiaceae bis Plumbaginaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3309-1, S. 158–160.
  •  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 7., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1994, ISBN 3-8252-1828-7.
  •  Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  •  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta): Lycopodiaceae bis Plumbaginaceae. 2., ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3322-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 1066, Digitalisat.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Straußenfarn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien