Streufdorf

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50.35361111111110.684444444444314Koordinaten: 50° 21′ 13″ N, 10° 41′ 4″ O

Streufdorf
Gemeinde Straufhain
Höhe: 314 m ü. NN
Einwohner: 850
Postleitzahl: 98646
Vorwahl: 036875
Evangelisch-Lutherische Kirche St. Marien aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts

Evangelisch-Lutherische Kirche St. Marien aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts

Streufdorf ist ein Ortsteil der 1993 neugebildeten Einheitsgemeinde Straufhain im Landkreis Hildburghausen in Thüringen. Streufdorf ist der Verwaltungssitz der Gemeinde.

Lage[Bearbeiten]

Streufdorf liegt im Heldburger Land in einer Vorgebirgslandschaft südlich vom Thüringer Wald und nordöstlich vom Grabfeld. Die Landesgrenze zu Bayern ist etwa zwei Kilometer entfernt. Zu Zeiten der deutschen Teilung lag Streufdorf in der 5-km-Sperrzone, was die Entwicklung deutlich behinderte. Streufdorf liegt an der Landesstraße 1134 in Richtung Hildburghausen. Von 1888 bis 1946 bestand eine Bahnverbindung nach Hildburghausen und nach Lindenau über Heldburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Gaden(Kemenaten) der Wehrkirche mit Zweiländermuseum

Am 3. Februar 799 wurde Streufdorf erstmals urkundlich erwähnt.[1] Über die Geschichte gibt die Niederschrift zur Burgruine Straufhain Auskunft.

Die Ortschaft Streufdorf gehört zu den ältesten Ansiedlungen der Südthüringer Gegend. Hier war der Stammsitz der Ritter von Streufdorf. Streufdorf war 1614–1679 von Hexenverfolgung betroffen. 36 Menschen gerieten in Hexenprozesse, von 23 Frauen wurden 15 hingerichtet, von 13 Männern fünf. Eine Frau verstarb in der Haft.[2]

Streufdorf war, wie viele nahe der innerdeutschen Grenze gelegene Orte, 1952 (Aktion Ungeziefer) und 1961 (Aktion Festigung) durch Zwangsaussiedlungen von Familien ins Innere der DDR betroffen. Ein Gedenkstein im Dorf erinnert daran.[3]

Im Jahre 2012 lebten 850 Personen im Ortsteil.[4]

Die Kirche St. Marien ist ein herausragender historischer Bau.[5] Am 8. November 2009 wurde das Zweiländermuseum Rodachtal eröffnet, das die Geschichte der Region zeigt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johannes Leib (* 28. April 1591 in Streufdorf, † 15. März 1666 in Coburg), Arzt, Jurist, Theologe und Parömiograph
  • Mahr Gatzius (* 1595 in Streufdorf, † 1629), Opfer eines Hexenprozesses: die Schwangere wurde für die Niederkunft aus dem Kerker entlassen, 40 Tage nach der Geburt erneut verhaftet und bis zu einem Geständnis gefoltert, dann verbrannt.[6]
  • Johann Caspar Rüttinger (* 1761 Streufdorf, † 1830 ), Violinist, Organist, Musiklehrer, Komponist
  • Johann Paul Heßner (*1767 Streufdorf, † 1827 ), Violincellist, Hoftrompeter, Musiklehrer

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Klaus Fuchs: Das Heldburger Land–ein historischer Reiseführer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2013, ISBN 978-3-86777-349-2
  • Hans Löhner: Das "Bimmelbähnle" von Hildburghausen nach Lindenau-Friedrichstal : Eine Thüringer Schmalspurbahn ins Heldburger Land. Verlag Michael Resch, Neustadt/Coburg 2000, ISBN 3-9805967-5-3.
  • P. Lehfeld: Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens, Heft XXXI, Herzogthum Sachsen-Meiningen, Amtsgerichtsbezirke Heldburg und Römhild, 1904, Reprint, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 978-3-86777-378-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 277.
  2. Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“., Bereich Stressenhausen, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 237.
  3. Was ist mit den Tätern passiert? Thüringische Landeszeitung, 11. Juni 2012
  4. Webseite der Gemeinde Straufhain Abgerufen am 14. April 2012
  5. Kirchengemeinde Streufdorf auf der Webseite des Kirchenkreis Hildburghausen Abgerufen am 14. April 2012
  6. Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Stressenhausen, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 237.

Weblinks[Bearbeiten]