Stringer Davis

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James Buckley Stringer Davis (* 4. Juni 1899 in Birkenhead, Cheshire, England; † 29. August 1973 in Chalfont St Giles, Buckinghamshire, England) war ein englischer Schauspieler. Stringer Davis war von 1945 bis zu deren Tod 1972 mit der sieben Jahre älteren Charakterschauspielerin Margaret Rutherford verheiratet. An ihrer Seite spielte er in verschiedenen Verfilmungen der Miss-Marple-Romane von Agatha Christie die Rolle des Mr. (Jim) Stringer, des Vertrauten Miss Marples, der in den literarischen Vorlagen jedoch nicht vorkommt. Margaret Rutherford hatte darauf bestanden, dass ihr Ehemann in den Filmen mitspielt, und so wurde eine Rolle für ihn dazugeschrieben.

In Deutschland wurde Stringer Davis von dem Schauspieler Walter Bluhm synchronisiert, der auch Stan Laurel seine Stimme lieh.

Leben[Bearbeiten]

Stringer Davis wurde am 4. Juni 1899 in der nordenglischen Stadt Birkenhead geboren. Sein Vater George Davis war ein Bankangestellter, seine Mutter Hausfrau. Davis besuchte die Uppingham Public School und erhielt dort bereits eine militärische Grundausbildung. Unmittelbar nach seinem achtzehnten Geburtstag meldete er sich zum Militärdienst und wurde als Leutnant des 3rd Battalion South Lancashire Regiment noch im August 1918 an die Front geschickt. Er war in dieser Endphase des Ersten Weltkriegs noch in Kämpfe involviert und wurde im September 1919, rund 10 Monate nach Friedensschluss, aus dem Militärdienst entlassen.[1]

Davis' Eltern hatten sich kurz nach seiner Rückkehr aus dem Militärdienst getrennt. Seine Mutter bewohnte in Reading, einer Stadt am Zusammenfluss von Kennet und Themse auf halber Strecke zwischen Oxford und London, ein weiträumiges Haus. Davis lebte in ihrer Nähe oberhalb eines Bootshauses unmittelbar an der Themse.[2] Seit seiner Entlassung aus dem Militärdienst arbeitete Stringer Davis als Schauspieler und Regisseur und gehörte der Schauspielgruppe der Oxford Repertoire Company an. Im Jahre 1930 lernte Margaret Rutherford ihren späteren Ehemann kennen. Rutherford war zu dem Zeitpunkt noch eine weitgehend unbekannte Schauspielerin. Im September 1925 hatte Rutherford zwar am Old Vic Theatre ihren ersten professionellen Bühnenauftritt gehabt, nach einem Jahr Engagement war sie dort jedoch nicht weiter beschäftigt worden und hatte die folgenden zwei Jahre wieder ausschließlich von Klavier- und Sprechunterricht gelebt und bis zu ihrem Engagement durch die Oxford Repertoire Company nur sehr kleine Rollen gehabt.[3] Über ihre erste Begegnung mit ihrem Mann schrieb Rutherford später in ihrer Autobiografie:

„Gerade als ich [am Theater] ankam, sah ich einen jungen Mann, der es gerade verließ. Mir fielen seine leuchtenden blauen Augen auf, seine lässig-elegante Kleidung und seine höfliche Art. Ich konnte meine Augen kaum von ihm nehmen. Es war offensichtlich, dass er ein Schauspieler war. Er hatte dieses besondere Etwas. Aber er war in Eile, weil er an dem kurzen Dankgottesdienst, mit dem an der Woodstock Road der Beendigung des Ersten Weltkrieges gedacht wurde, teilnehmen wollte. Sein Name war Stringer Davis.“.[4]

Davis und Rutherford verband über die nächsten 15 Jahre eine platonische Beziehung, die in ihrer Intensität wechselte, zeitweilig aber sehr eng war. Regisseur und Schauspieler Frith Banbury zählt zu dem Personenkreis, der beide näher kannte und war wie andere Personen aus dem Umkreis der beiden Schauspieler davon überzeugt, dass die sich nur sehr langsam entwickelnde Beziehung unter anderem darauf zurückzuführen war, dass Davis bisexuell war.[5] Eine weitere Rolle spielte jedoch, das Davis' Mutter Ethel der Beziehung ablehnend gegenüberstand.[6]

Mit Eintritt Großbritanniens in den Zweiten Weltkrieg meldete sich der mittlerweile 40-jährige Davis erneut zum Militärdienst. Am 15. Oktober 1939 wurde er zum Leutnant des East Yorkshire Regiment ernannt und sofort eingezogen. Rutherford und Davis blieben im engen Briefkontakt, sie sandte ihm unter anderem türkische Zigaretten, die er bevorzugt rauchte, und Taschentücher, weil er immer wieder an Erkältungen litt. Am 25. April 1940 gehörte Stringer zur British Expeditionary Force, die in Frankreich eingesetzt wurde. Er war Teilnehmer der Schlacht von Dünkirchen und gehörte zu den britischen Soldaten, die bis zum 4. Juni 1940 evakuiert wurden.[7] Ein Missverständnis zwischen Davis und Rutherford verhinderte, dass sie sich während seines Fronturlaubs trafen, was für eine kurze Weile dazu führte, dass Rutherford ihren Kontakt zu ihm abbrach.[8] Davis diente bis fast zum Ende des Zweiten Weltkrieges und leistete Militärdienst unter anderem in Nordafrika und Nordwest-Europa. Erst in den letzten Monaten des Krieges erhielt er längeren Fronturlaub.[9]

Stringer Davis und Margaret Rutherford heirateten am 26. März 1945. Rutherford war zu dem Zeitpunkt 53 Jahre alt. Ihr Biograf Andy Merriman hält es für möglich, dass ein Grund für die so lange aufgeschobene Verheiratung Rutherfords Sorge war, dass sie möglichen Kindern die in ihrer Familie auftretende psychische Instabilität vererben würde: Rutherfords Mutter hatte Selbstmord begangen, ihr Vater hatte ihren Großvater erschlagen und den größten Teil seines Lebens in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt verbracht.[10] Die Flitterwochen des Ehepaars waren kurz: Rutherford trat zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit in einer von Ivor Novellos Musicals auf und Davis leistete nach wie vor Militärdienst. Erst am 8. Oktober 1945 wurde Davis aus dem Militärdienst entlassen.[11]

Seinen ersten Filmauftritt hatte Davis 1948 in dem Film Miranda, in dem er einen Museumswärter spielte. Die Rolle hatte er auf Rutherfords Bitte erhalten, die gleichfalls in dem Film mitspielte. Insgesamt erschien Davis in mehr als 20 Filmen, in denen Rutherford eine Rolle übernahm. In späteren Jahren machte sie es zur Bedingung ihres Engagements, dass auch ihr Mann eine Rolle in ihren Filmen erhielt.[12]

Margaret Rutherford starb am 22. Mai 1972 nach langer und schwerer Krankheit, während der sich Davis um sie gekümmert hatte. Rutherford hielt gegen Ende ihres Lebens fest, dass ihr Mann seine Karriere nicht ernsthaft verfolgt habe, um sich um sie zu kümmern und nannte ihn ihren Felsen von Gibraltar, um seine Bedeutung zu unterstreichen. Nach Rutherfords Tod trat Stringer nur noch einmal in einer Episode einer Fernsehserie auf. Davis starb am 29. August 1973 friedlich in seinem Schlaf.[13]

Das Ehepaar nahm Anfang der 1960er Jahre den Schriftsteller Gordon Langley Hall, (geboren entweder am 15. Oktober 1937 oder im Jahre 1922; † 18. September 2000) bei sich auf, der Ende der 1960er Jahre durch eine der weltweit ersten geschlechtsangleichende Operationen eine Frau wurde und dann unter dem Namen Dawn Langley Simmons zahlreiche Bücher, darunter eine Biographie über Rutherford, schrieb.

Nach dem Tode Stringers fälschte ihre langjährige Haushälterin Davis' Testament und brachte sich so in den Besitz der Wertgegenstände des Ehepaars, darunter Porzellan, der von Rutherford gewonnene Oscar und Golden Globe, Silberzeug, Schmuck und Gemälde, die in der anschließenden Gerichtsverhandlung auf 1031 Britische Pfund geschätzt wurde.[14] Die Gegenstände wurden zum Teil bei einem Antiquitätenhändler in Fulham wiedergefunden, die Orden von Rutherford befanden sich bei Sothebys. Die Haushälterin wurde auf Kaution zunächst freigelassen. Zum angesetzten Gerichtstermin erschien sie nicht. Das Urteil wurde gegen sie nie vollstreckt.[15]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Ausführlichere Beschreibungen zum Leben von Stringer Davis finden sich in Biografien seiner Ehefrau Margaret Rutherford, die zu größerem Ruhm als er gelangte.

  • Margaret Rutherford: An Autobiography. As told to Gwen Robyns. Reprinted. Allen, London 1972, ISBN 0-491-00379-X.
  • Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners. Aurum, London 2009, ISBN 978-1-84513-445-7.
  • Klaus F. Rödder: „Die haben ihre Methoden – wir die unseren, Mr. Stringer“. Boesche, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-923809-87-5.
  • Dawn Langley Simmons: Margaret Rutherford. A Blithe Spirit. Sphere, London u. a. 1985, ISBN 0-7221-7861-1.
  • Andy Merriman: Margaret Rutherford. Die Schauspielerin hinter Miss Marple. Landshut, Weber, 2011, ISBN 978-3-9809390-8-9

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 30.
  2. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 32.
  3. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 30.
  4. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 31. Im Original lautet das Zitat: Just as I was arriving, I saw a handsome man leaving. I noted his clear blue eyes, debonair dress and courtly style. I could not take my eyes off him. It was obvious that he was an actor. He had the special something. He was in a hurry to attend the five minute Armistice service on the corner of the Woodstock Road. His name was Stringer Davis.
  5. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 84.
  6. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 30.
  7. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 62.
  8. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 64.
  9. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 30.
  10. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 88.
  11. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 92.
  12. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 96.
  13. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 88.
  14. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 268.
  15. Andy Merriman: Margaret Rutherford. Dreadnought with Good Manners., S. 268.