Heftklammer

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Verkupferte Heftklammer (oben); Heftklammern nach offenem und geschlossenem Heften von der Seite und auf der Rückseite des Heftgutes

Eine Heftklammer ist ein zunächst U-förmig gebogenes Metallstück, das mittels eines Heftgeräts in die zu verbindenden Materialien eingebracht wird. Zumeist werden dabei die Enden umgebogen. Heftklammern bestehen meist aus verkupfertem oder verzinktem Stahl. Eine häufige Anwendung ist die Büroheftklammer, die eine dauerhafte Verbindung zwischen zwei oder mehreren Blättern Papier oder Ähnlichem herstellt. Eine lösbare Verbindung kann mit einer Büroklammer erreicht werden. Eine Büroheftklammer kann mit einem Klammerentferner wieder entfernt werden. Mit etwas Geschick kann sie auch von Hand aufgebogen, und so die Verbindung wieder gelöst werden. Beim Entfernen bleiben jedoch in jedem Blatt zwei Löcher zurück.

Ausführungen[Bearbeiten]

Klammerstäbe (24/6)

Heftklammern gibt es in verschiedenen Ausführungen und Größen, z. B. als 24/6, 26/6, 26/8, 23/6 für ca. 30, 23/8 für ca. 50, 23/10 für ca. 70 und 23/13 für ca. 100 Blätter, sowie in wenigen Millimeter kleinen Ausführungen. Einzig die Ausführung 24/6 ist genormt. Die DIN 7405 („Heftklammer 24/6 für Büro-Heftgeräte; Heftklammer, Klammerstab“) vom Dezember 1963, die die Vorgängernorm vom Dezember 1942 abgelöst hat, regelt dabei die Maße, Ausführung, Benennung, Packung und Bestellbezeichnung. So entsprechen zum Beispiel lediglich Schachteln mit 1000 Heftklammern dieser Norm; andere Packungsgrößen sind nicht vorgesehen. Die Klammern müssen außerdem in Klammerstäben mit jeweils 50 (± 1 Toleranz) Stück zusammengefasst und verklebt sein.

Die Bezeichnung 24/6 bedeutet, dass zur Herstellung der Heftklammer der Draht Nr. 24 gemäß der Deutschen Heftdrahtlehre zu verwenden ist (je kleiner die Zahl desto stärker der Draht), und die Heftklammer eine Schenkellänge von 6 mm (− 0,2 mm Toleranz) hat. Eine Normierung anderer Ausführungen war ursprünglich geplant, ist aber bis heute nicht umgesetzt worden.

Heftklammern können einen runden oder abgeflachten Querschnitt aufweisen, aus verzinktem, verkupfertem oder verzinntem Stahldraht, aber auch aus Aluminium (bei Teebeuteln) bestehen.

Zur Klammerung von Geheften werden manchmal auch Heftklammern mit Ösen, eigentlich U-förmigen Ausbuchtungen verwendet. Diese werden Ringösen-Heftklammern oder Ringklammern genannt und erfordern spezielles Setzwerkzeug. Zwei oder vier Klammern im richtigen Abstand im Rückenfalz eines Heftes erlauben so das Ablegen im Ordner.

In der Buchbinderei ist die dünnere, flexiblere Fadenheftung bedeutsam. Auch eine Haushaltsnähmaschine kann fadenheften und durch die Perforation den Falz positionieren helfen.

gestapelte Heftklammern

Werkzeuge[Bearbeiten]

Heftgerät und Heftklammernentferner[Bearbeiten]

Die Heftklammern werden in einem Heftgerät verwendet, um mehrere Blatt Papier aneinanderzuheften. In der deutschen Alltagssprache wird dieses Gerät fälschlicherweise häufig als Tacker, gelegentlich auch als Nagler bezeichnet, in Österreich Klammermaschine, in der Schweiz Bostitch (nach dem US-amerikanischen Hersteller Bostitch – ursprünglich „Boston Wire Stitcher“)[1]. Der Stempel des Heftgeräts drückt zunächst die beiden Schenkel der Klammer durch das Papier, bis sie auf Führungen im Fuß (Amboss) des Geräts treffen, von denen sie umgebogen werden.

Man unterscheidet zwischen geschlossenem und offenem Heften: Bei ersterem werden die Schenkel nach innen gebogen, bei letzterem nach außen, was erforderlichenfalls das Trennen der Blätter erleichtert. Bei vielen handelsüblichen Heftern kann zwischen diesen Modi gewechselt werden, indem man die Klammerführungsplatte im Amboss des Hefters verschiebt oder dreht. Meistens wird aber das geschlossene Heften angewandt, manche einfache Heftermodelle beherrschen auch nur diesen Modus.

Ein Klammerentferner ist ein Gerät, mit dem man Heftklammern aufbiegen und entfernen, somit also die Heftung wieder lösen kann.

Tacker[Bearbeiten]

Heftklammern werden auch im Handwerk zum Heften von Materialien eingesetzt. Heftmaschinen für diesen Zweck sind sehr unterschiedlich aufgebaut:

In einem Handtacker wird per Handhebel eine Feder gespannt, die bei der Auslösung dann mittels eines Schlagstifts auf eine einzelne Heftklammer schlägt, die dann ein Auflagematerial an eine (dickere) Unterlage heftet. In einem festen und hinreichend dicken (sollte dicker sein als die Klammerschenkel lang sind) Unterlagenmaterial (meist Holz) hält eine Heftklammer, ähnlich wie ein Nagel, auch ohne Umbiegen.

Mit einem Schlagtacker werden Klammern mit Schwung eingeschlagen. Man bedient diese Geräte ähnlich wie einen Hammer.

Größere Kräfte als manuelle Tacker entwickeln Elektrotacker und druckluftbetriebene (pneumatische) Tacker: Sie schießen entsprechende Klammern oder Nägel mit großer Kraft in den jeweiligen Untergrund, z. B. zum Befestigen von Polsterstoffen, Dämmplatten, Profilbrettern und Bodendielen.

Viele Tacker haben als Sicherheitsmerkmal eine „Fühlernase“ an der Klammeraustrittsstelle. Sie gibt die Auslösung erst frei, wenn der Tacker mit einer bestimmten Kraft auf die Unterlage gedrückt wird. Damit soll das gefährliche „Verschießen“ von Klammern vermieden werden. Die Schlagkraft fast jedes Tackers kann verstellt und damit an Material und Klammerhöhe angepasst werden, etwa über eine Rändelschraube. Manche Tacker können wahlweise auch aufgereihte Nägel einschlagen.

Drahtheftmaschinen[Bearbeiten]

Im Druckereiwesen bei der Endfertigung und in der Massenproduktion kommen sogenannte Drahtheftmaschinen zum Einsatz. Diese Maschinen biegen aus Draht (Durchmesser etwa 0,5 mm), der auf einer Rolle bereitgestellt wird, selbstständig eine Heftklammer in der richtigen Länge, stoßen diese durch das Papier und biegen die Enden nicht leicht gebogen, sondern flach (engl. flat clinch) um, damit man die fertig gehefteten Dokumente platzsparender stapeln kann.

Chirurgisches Gerät[Bearbeiten]

Zum Verschluss von Hautwunden werden Metallklammern (engl. staples) eingesetzt, die von außen die Haut zusammenhalten, ohne sie zu durchbohren. Auch im Körperinneren lassen sich Klammern verwenden, nur werden diese in der Regel nicht einzeln gesetzt, sondern es werden Klammernahtgeräte verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste überlieferte Hefter war eine Heftmaschine bzw. ein Befestiger von König Ludwig XV. von Frankreich um 1700. Jede Heftklammer war handgemacht und mit dem Abzeichen des königlichen Gerichts beschriftet.[2]

Moderne Papierbefestigungsgeräte entsprechen eher dem Vorbild des durch ein Patent am 30. September 1841 geschützten Geräts von Sam Slocum. Dieses einfache Gerät befestigte Nadeln in Papier, um es zusammenzuheften.

Am 7. August 1866 wurde ein weiterer neuer Papierhefter patentiert durch die Novelty Mfg Company. Er erlaubte es, eine einzelne Heftklammer zu laden, vor allem um Bücher zu binden oder Teppiche, Möbel oder Kästen zu befestigen. Heftklammern für dieses Gerät wurden von der P.N. Mfg Co. in verschiedenen Größen hergestellt: 3/16 inch, 1/4 inch, 3/8 inch und 1/2 inch.

George W. McGill erhielt am 24. Juli 1866 das US-Patent 56,587 für eine kleine, biegsame, maschinell herstellbare Heftklammer, den Vorgänger der modernen Heftklammer. Am 13. August 1867 erhielt er schließlich das US-Patent 67,665 für eine „Presse“, mit der die Heftklammern in das Papier hineingedrückt werden konnten. Er zeigte seine Erfindung auf der Jahrhundert-Ausstellung 1876 in Philadelphia. In den nächsten Jahren entwickelte McGill den Papierhefter weiter. Am 18. Februar 1879 schließlich wurde ihm das Patent No. 212,316 für ein Einzel-Heftklammer-Gerät verliehen. Dieses Gerät wog über ein Kilogramm und konnte jeweils eine einzelne 1/2 inch breite Draht-Heftklammer durch mehrere Papierblätter drücken.[2]

Sein Konkurrent Henry Heyl ließ allerdings umgehend ein leichteres, alltagsgebräuchliches Gerät patentieren und gilt so teilweise als Erfinder.[2]

Die Drahtheftmaschine wurde von Hugo Brehmer in Amerika erfunden, aber erst von seinem Bruder August Brehmer zur Perfektion gebracht und 1872 patentiert. Das erste mit Draht geheftete Buch war der amtliche Katalog zur Weltausstellung in Philadelphia (PA) im Jahre 1876.

Große Verbreitung fand in Österreich von 1970 bis 1990 die kleine, funktionell designte 24/6 Heftmaschine „Frog“ von Sax: Aus Stahlblech, verchromt, Basis und Kappe jedoch farbig lackiert, auf jeder Seite ein Sichtloch, das an Froschaugen erinnerte.

Alternativen[Bearbeiten]

Klammerlose Heftung von 4 Blättern mit einem Stanzwerkzeug.
Auf dem roten Blatt ist die Vorder- und Rückseite, auf dem blauen Blatt ist die gestanzte Zunge ohne Falz dargestellt

Auch ohne Draht lassen sich einige wenige Blätter zusammenheften.

  • Spezielle Klammerloshefter („Ökohefter“) stanzen in die Blätter eine Zunge, falzen sie in die Gegenrichtung und schieben diese Zunge in einen Schlitz zurück. Dies wird mit einem einzigen Pressvorgang bewerkstelligt. Der Vorteil besteht in der geringen Auftragsdicke sowie in dem eingesparten Gewicht. Damit ist es möglich, geheftete Blätter mit Luftpost ohne Mehrgewicht zu versenden. Lösbar ist diese Heftung ebenfalls, jedoch ist ein weiteres händisches Heften ohne Hilfsmittel kaum bzw. nur schlecht möglich.
  • Eckenklammern werden auf eine Ecke des Blattstapels (hier beispielsweise mit acht Blatt) gesteckt, um die Kante geschlagen und zum Schluss mit den Blättern nach hinten geknickt.
Eckenklammern, Vorder- und Rückseite, sowie lose


Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Heftgerät – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Heftklammer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Heftklammern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Untersuchungen zur deutschen Alltagssprache, abgerufen am 20120425
  2. a b c jjev: Der Erfinder des Hefters - Geistesblitze: Tack Tack!. In: badische-zeitung.de, Meinung, Geistesblitze, 18. Februar 2012 (19. Februar 2012)