Tanaka Shōhei

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Tanaka Shōhei (jap. 田中 正平; * 15. Mai 1862; † 16. Oktober 1945) war ein japanischer Physiker, Musiktheoretiker und Erfinder.

Werk[Bearbeiten]

Shōhei schloss im Jahr 1882 ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Tokio ab. Mit einem staatlichen Stipendium wurde er gemeinsam mit Mori Ōgai nach Deutschland entsandt, wo er bei Hermann Helmholtz und Carl Stumpf studierte.[1] Tanakas Dissertation betraf die reine Stimmung und praktische Hilfsmittel zu ihrer Umsetzung.

Tanaka schlug die Teilung der Oktave 2/1 in 53 gleiche Stufen vor als eine genaue Näherung für reine Dur- und Mollakkorde. Als erster gelangte er zu einem klaren Verständnis dieser Stimmung. Die reine große Terz 5/4 wird durch die 17. Stufe und die reine Quinte 3/2 durch die 31. Stufe angenähert. Tanaka bemerkte, dass von den Kommata sowohl das Schisma \tfrac{3^8*5}{2^{15}}=\tfrac{(3/2)^8*(5/4)}{2^5} wegen 8*31+17=5*53, als auch das Kleisma \tfrac{5^6}{2^6*3^5}=\tfrac{2*(5/4)^6}{(3/2)^5} wegen 53+6*17=5*31 temperiert werden. Überdies zeigte er, dass die 53-stufige Stimmung die einzige gleichstufige Stimmung mit dieser Eigenschaft ist, sowohl Schisma als auch Kleisma zu temperieren.

Zur Darstellung der Klassen von Tonhöhen, die beim Fortschreiten in reinen Quinten und Terzen entstehen, verwendete Tanaka wie auch der Musiktheoretiker Hugo Riemann das Eulersche Tonnetz. Tanakas Konstruktion der 53-stufigen Stimmung wurde später von Adriaan Daniël Fokker verallgemeinert.

Tanaka schlug eine Klasse harmonischer Kadenzen vor, durch die eine traditionelle japanische Klangästhetik wiedergegeben werden soll, wobei pentatonische Skalen (vgl. japanische Tonleitern) ermöglicht und Vorhaltstöne einbezogen werden, wie sie bei den mit der Shō gespielten Akkorden auftreten. Tanakas Vorschläge wurden im 20. Jahrhundert von einer Reihe japanischer Komponisten und Musiktheoretiker aufgegriffen.

Tanaka war sowohl Erfinder als auch Theoretiker. Zum Musizieren in reiner Stimmung entwarf er ein Enharmonicum mit 20 Tasten und 26 Tonhöhen in jeder Oktave, das er patentieren ließ. Vom Berliner Instrumentenbauer Johannes Kewitsch ließ er eine Version mit fünf Oktaven bauen. Tanaka führte dieses Gerät in verschiedenen Städten, u.a. in Berlin, Leipzig, Stuttgart, Zürich und im Juli 1890 im Wiener Konservatorium vor.[2] Zudem demonstrierte er es in der japanischen Gesandtschaft in Wien dem Komponisten Anton Bruckner, der großes Interesse für das Instrument zeigte.[3] Tanaka entwickelte auch eine Rechenmaschine.

Schriften[Bearbeiten]

  • Studien im Gebiete der reinen Stimmung, in: Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft, Band 6, Nr. 1, Breitkopf und Härtel, Leipzig 1890, pp. 1-90 (Ascii-Scan, fehlerhaft)

Literatur[Bearbeiten]

  • William Pole: A New Keyed Musical Instrument for Just Intonation. In: Nature. Band 44, Nr. 1141, 10. September 1891, S. 446–448.
  • Rey Akai: Dr. Tanaka's Enharmonium. In: ROS Bulletin. Februar 1992, ISSN 0736-9549, S. 16–17.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Strasser: Simon Sechters Abhandlung über die musikalisch-akustischen Tonverhältnisse. Erstveröffentlichung, Kommentar und Konsequenzen für die Aufführungspraxis. Dissertation. Universität Salzburg. Lang, Bern 2008, ISBN 978-3-03-911635-5, S. 134 ff.
  2. Deutsche Kunst- und Musikzeitung. Nr. 20. Wien 1890, S. 182.
  3. Friedrich Eckstein: Erinnerungen an Anton Bruckner, Wien 1924
Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Tanaka der Familienname, Shōhei der Vorname.