Tarantella

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tarantella (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die Tarantella ist ein aus Süditalien stammender Volkstanz. Sie zeichnet sich durch eine schnelle Musik im 3/8- oder 6/8-Takt aus.

Athanasius Kircher (1641): Tarantella als Gegengift (antidotum tarantulae)

Vermutlich wurde ihr Name von der Stadt Tarent in Apulien abgeleitet. Der Volksmund leitet den Namen jedoch von „Tarantula“ oder „Lycosa Tarentula“, einer in Italien und im Mittelmeerraum anzutreffenden Spinne, her. „Tarantella“ hieße dann im Ursprung „kleine Tarantula“. Der Biss der Tarantel ist schmerzhaft, aber nicht der Auslöser des Tarantismus. Dieser wird vielmehr mit dem Gift der Europäischen Schwarzen Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) in Verbindung gebracht. Der wilde Tanz sollte dabei eine Therapie darstellen: Die Musiker kamen ins Haus des Patienten oder auf den Marktplatz und begannen zu spielen; der Gebissene tanzte bis zur völligen Erschöpfung, um das Gift aus dem Körper zu treiben.

Eine erste schriftliche Dokumentation des Tanzes geht auf Athanasius Kircher (1602–1680) zurück[1] Im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Romantik, griff die Instrumentalmusik diese Musikform auf. Komponisten, die sich mit der Tarantella befassten, sind zum Beispiel Franz Schubert, Gioachino Rossini (La Danza), Franz Liszt, Sergei Rachmaninow, William Henry Squire, Alexander Borodin, Pjotr Tschaikowski, Frédéric Chopin und der US-amerikanische Komponist Louis Moreau Gottschalk („Grand Tarantelle for Piano & Orchestra“). Kurt Weill komponiert die Gerichtsszene seiner Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny als Tarantella. Der zweite Satz von John Coriglianos erster Sinfonie (1990) trägt die Bezeichnung Tarantella, und Elliot Goldenthal verwendet in seinem Ballett Othello (1998) eine ebensolche von vierzehnminütiger Dauer, um die Entwicklung von Iagos Plan gegen Othello darzustellen. Franz Josef Degenhardt griff den Tanz sowohl inhaltlich als auch spieltechnisch im Jahre 1963 in seinem gleichnamigen Stück "Tarantella" des Albums "Rumpelstilzchen" auf. Heute bekannte Komponisten sind zum Beispiel Otello Profazio, Beppe Junior, I Calabruzi, Mino Reitano, Pino Di Modugno, Eugenio Bennato, Renzo Arbore, Enza Pagliara, Manekà, Nidi D'arac, Ariacorte, und Alla Bua.

Tarantella-Tänze (Le Tarantelle)[Bearbeiten]

Tarantella ist eine Begriffsbezeichnung mehrerer Tänze (ital. Tarantelle mit jeweiliger Herkunftsbezeichnung, calabrese etc.):

  • Pizzica (Apulien)
  • Tarantella del Gargano (Apulien)
  • Taranta (Apulien)
  • Viddaneddha (Kalabrien)
  • Tarantella Guappa (Kalabrien)
  • Zampugnaru Onoratu (Kalabrien)
  • Piglia o cane (Kampanien)
  • Tammuriata nera (Kampanien)
  • Tarantella Molisana (Molise)
  • Tarantella Lucana (Basilikata)
  • Quadriglia (Basilikata, Sizilien)
  • Curdedda (Sizilien)
  • Maranzanata malandrina (Sizilien)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Athanasius Kircher: Magnes sive de arte magnetica opus tripartitum. Rom 1641

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tarantella – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiversity: Benutzer:H.-P.Haack/ Entwicklung der Psychiatrie/ Die Tarantella als Heiltanz im 17. Jahrhundert. – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch
 Wiktionary: Tarantella – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen