Eine Nacht in Venedig

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Werkdaten
Titel: Eine Nacht in Venedig
Form: Operette
Originalsprache: Deutsch
Musik: Johann Strauss
Libretto: Camillo Walzel und Richard Genée
Literarische Vorlage: Le Château trompette von François Auguste Gevaert
Uraufführung: 3. Oktober 1883
Ort der Uraufführung: Berlin
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Venedig um die Mitte des 18. Jahrhunderts
Personen
  • Barbara Delaqua (Sopran)
  • Herzog Guido von Urbino (Tenor)
  • Annina, Fischerstochter (Soubrette)
  • Caramello, Leibbarbier des Herzogs (Tenorbuffo)
  • Pappacoda, Makkaronikoch (Bariton)
  • Senator Bartolomeo Delaqua, Gatte von Barbara (Bass)
  • Ciboletta, Zofe bei Delaqua (Alt)
  • Agricola Barbaruccio (Alt)
  • Ein Herold (Bariton)
  • Sechs Frauen der Senatoren (Soprane und Alte)
  • Senator Barbaruccio (Schauspieler)
  • Senator Testaccio (Schauspieler)
  • Constantina Testaccio, dessen Gattin (Schauspielerin)
  • Enrico Piselli, Seeoffizier (Schauspieler)
  • Centurio, ein Page (Schauspielerin)
  • Balbi, ein Diener (Schauspieler)
  • Peppino, ein Junge (Kinderrolle oder Schauspielerin)
  • Kavaliere, Gäste, Musikanten, Diener, Senatoren und deren Frauen, Maskenträger, Gondolieri, Matrosen, Fischer, Volk (Chor, Ballett und Statisterie)

Eine Nacht in Venedig ist eine „komische Operette“ in drei Akten von Johann Strauss. Das Libretto stammt von Camillo Walzel (Pseudonym: Friedrich Zell) und Richard Genée. Am 3. Oktober 1883 fand die Uraufführung im Neuen Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater in Berlin statt. Die Operette dauert knapp drei Stunden. Die Handlung spielt in Venedig um die Mitte des 18. Jahrhunderts und ist eine Verkleidungs- und Verwechslungskomödie mit Liebesverwirrungen zwischen zwei Ständen.

Entstehung[Bearbeiten]

Friedrich Zell und Richard Genée hatten zwei Textbücher für eine neue Operette zur Auswahl: Eine Nacht in Venedig und Der Bettelstudent. Johann Strauss wählte das erste Buch; mit dem anderen begann Karl Millöckers Karriere. Wie viele andere Wiener Operetten ist das Libretto die Bearbeitung einer französischen Opéra comique (daher die Bezeichnung „komische Operette“): Le Château trompette (1860) von François Auguste Gevaert. Ein Plagiats-Vorwurf aus Paris zeigte jedoch, dass solche Zweitverwertungen nicht mehr so unproblematisch waren wie noch eine Generation zuvor.

Weil Strauss’ Ehefrau ein Verhältnis mit Franz Steiner, dem Direktor des Theaters an der Wien, begonnen hatte, wollte Strauss die Operette nicht dort uraufführen lassen und nahm das Angebot aus Berlin an. Die Premiere wurde zum Misserfolg. Trotzdem wurde das Werk immer wieder gespielt, allerdings zumeist in Bearbeitungen. Die im westlichen Europa bekannteste dieser Bearbeitungen stammt von Erich Wolfgang Korngold (1923). Im östlichen Europa wurde die Bearbeitung von Walter Felsenstein (1952) wesentlich häufiger gespielt. Diese hielt sich, anders als die Bearbeitung von Korngold, deutlicher am Original und vermied die bei Korngold eingearbeiteten Nummern aus anderen Operetten von Strauss.

Die bekanntesten Musiknummern sind der Lagunenwalzer und das Gondellied. Die Wiener Venedig-Mode hatte später ihren Höhepunkt im Themenpark Venedig in Wien.

Im Zusammenhang mit einer Medien-Debatte um den angeblichen Niedergang der Wiener Operette bearbeitete Erich Wolfgang Korngold als Parteigänger der Konservativen das Stück im Jahr 1923 für das Theater an der Wien. Der Tenor Richard Tauber erhielt darin eine Paraderolle. Diese Fassung ist etwa an der Wiener Volksoper bis in die jüngste Zeit häufig gespielt worden und auch auf Tonträgern präsenter als das Original.

Orchester[Bearbeiten]

Zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, eine Harfe, Schlagwerk und Streicher

Handlung[Bearbeiten]

Die Operette spielt während des Karnevals in Venedig Mitte des 18. Jahrhunderts.

Erster Akt[Bearbeiten]

Bild: Platz am Canale grande

Herzog Guido von Urbino ist in Venedig dafür bekannt, dass er in puncto Frauen nichts anbrennen lässt. Besonders während des Karnevals ist er darauf erpicht, seine Frau mit einer anderen Schönen zu betrügen. Zu diesem Zwecke hat er die Senatoren der Stadt mit ihren Gattinnen zu einem Maskenball eingeladen. Weil aber die Senatoren wissen, was der Lüstling im Schilde führt, haben sie beschlossen, ihre Frauen zu Hause zu lassen. Bartolomeo Delaqua geht sogar noch einen Schritt weiter: Er will seine ihm Angetraute während des Balles im außerhalb der Stadt gelegenen Kloster unterbringen und statt ihrer deren Zofe Ciboletta als Begleitperson mitnehmen. Dieser Plan ist Herzog Guido zu Ohren gekommen. Ausgerechnet die rassige Barbara soll nicht an seinem Fest teilnehmen? Dies muss unter allen Umständen verhindert werden, ist sie doch in diesem Jahr das Objekt seiner Begierde! Er hat sie zwar noch nicht gesehen, aber was man so alles über sie berichtet, hat seine Neugierde geweckt.

Caramello ist nicht nur Guidos Leibbarbier, sondern auch sein Faktotum, das ihm schon so oft in peinlichen Situationen geholfen hat. Er erhält den Auftrag, Barbara Delaqua aufzuspüren und seinem Palazzo zuzuführen.

Die schöne Barbara wiederum verspürt überhaupt keine Lust, den Plänen ihres Mannes Folge zu leisten. Sie ist vielmehr ebenfalls darauf aus, sich während des Karnevals zu amüsieren. In solchen Notsituationen pflegt sie mit dem Fischermädchen Annina die Kleider zu wechseln, um in deren Rolle zu schlüpfen. Mit Annina verbindet sie eine alte Freundschaft, schließlich hatten beide schon als Säuglinge dieselbe Amme gehabt. Barbara hat einen Verehrer, von dem ihr Gatte nichts weiß. Es ist sein Neffe, der charmante Seeoffizier Enrico Piselli. Mit ihm will sie heute das Karnevalstreiben genießen.

Caramello hat herausgefunden, dass ein Gondoliere Delaquas Frau zum Kloster bringen soll. Also drückt er dem jungen Mann ein erkleckliches Sümmchen in die Hand, und schon ist Caramello zu dem bestellten Gondoliere geworden. Jetzt hat er leichtes Spiel, die Schöne seinem Herrn und Meister zuzuführen.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Bild: Prunksaal im Palazzo des Herzogs

Bei der Ankunft im Palazzo stellt sich heraus, dass Caramello einem Irrtum aufgesessen ist; denn das Mädchen in der Gondel ist nicht des Senators Gattin, sondern das Fischermädchen Annina, das er nur allzu gut kennt. Schließlich hat er ihr schon mehrere Male die Ehe versprochen, aber immer gekniffen, wenn es ernst zu werden drohte. Und nun soll er Annina als Barbara Delaqua seinem Herrn vorstellen? Caramello hat kein gutes Gefühl dabei; doch er sieht keinen anderen Ausweg. Mit eifersüchtigen Blicken registriert er, dass seine Freundin in der Rolle der Senatorengattin eine glänzende Figur macht, und diese selbst kokettiert genüsslich mit ihrer Rolle. Auch der Herzog lässt sich täuschen und ist von der kessen Person aufs Höchste entzückt. Es gelingt ihm allerdings nicht, mit der Angebeteten auch nur eine Minute alleine zu sein.

Als neue Gäste werden Senator Delaqua mit Gattin angemeldet. Der Herzog ist zunächst verwirrt, glaubt er doch, dass letztere schon längst da sei. Annina aber besänftigt ihn: sie selbst sei schon die richtige. Die Begleiterin des Herzogs sei nur die Zofe Ciboletta. Aber diese scheint Pfeffer im Blut zu haben. Gleich macht sie sich an den Herrn des Hauses ran. Ihre Absicht ist, bei ihm eine Stelle für ihren Liebhaber, den Makkaronikoch Pappacoda, zu ergattern. Dies wiederum passt Delaqua überhaupt nicht. Er hat sie schließlich nur deshalb mitgenommen, damit sie für ihn beim Herzog einen Verwalterposten erbitte.

Dritter Akt[Bearbeiten]

Bild: Auf dem Markusplatz

Inzwischen hat die Festgesellschaft ihr Karnevalstreiben vom Palazzo auf den Markusplatz verlagert. Senator Delaqua staunt nicht schlecht, als er dort seine liebe Gattin am Arm seines Neffen Enrico Piselli flanieren sieht. Eigentlich sollte sie doch noch im Kloster sein! Empört stellt er sie zur Rede. Und wie zieht sich die elegante Dame aus dem Schlamassel? Sie gaukelt ihrem Gatten einfach vor, der Gondoliere habe sie gegen ihren Wunsch ans falsche Ziel gebracht, ja, er habe sie regelrecht entführen wollen. Der teure Enrico aber habe dies bemerkt und sie aus der fatalen Lage befreit. Deshalb müsse auch er Enrico dankbar sein.

Als Senator Delaqua nun seine echte Ehefrau dem Herzog präsentiert, ist dieser verblüfft; schließlich ist sie heute bereits die dritte Dame, die Barbara Delaqua sein soll. Aber wie dem auch sei, er hat an Annina einen solch großen Gefallen gefunden, dass er sie unbedingt auf Dauer in seiner Nähe haben möchte. Da sie aber offenbar mit Caramello liiert ist, ernennt er diesen kurzerhand zu seinem Verwalter. Auf diese Weise wird Annina zwangsläufig des Öfteren im Palazzo auftauchen. Und wenn mal Caramello durch einen Auftrag von ihm verhindert ist, sich um seine Freundin zu kümmern, dann böte sich vielleicht doch noch die Gelegenheit, ...

Bekannte Musiknummern[Bearbeiten]

  • Sei mir gegrüßt, du holdes Venetia (entstammt der Korngold-Bearbeitung 1923, original aus Strauss-Operette Simplicius)[1]
  • Willkommen, meine Freunde
  • Komm in die Gondel, mein Liebchen, o steige nur ein
  • Treu sein, das liegt mir nicht (nach der Korngold-Fassung 1923)
  • Ach, wie so herrlich zu schaun, sind all die reizenden Fraun
  • Alle maskiert, wo Spaß, wo Tollheit und Lust regiert!
  • Drum sei fröhlich, sei selig, Venezia!

Verfilmungen[Bearbeiten]

Das Werk wurde dreimal verfilmt:

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrew Lamb: Eine Nacht in Venedig. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Opera. Macmillan, London 1998, ISBN 0-333-73432-7 (4 Bde., hier speziell Bd. 1).
  • Kevin Clarke, „'Der Walzer erwacht – die Neger entfliehen': Korngolds Operetten(bearbeitungen) von Eine Nacht in Venedig 1923 bis zur Stummen Serenade 1954“, in: Arne Stollberg (Hrsg.), Erich Wolfgang Korngold: Wunderkind der Moderne oder letzter Romantiker? München: edition text + kritik 2008, ISBN 978-3-88377-954-6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marcel Prawy: Johann Strauss. Verlag Ueberreuter, Wien 1991, ISBN 3-8000-3393-3, S. 171.

Weblinks[Bearbeiten]