Louis Moreau Gottschalk

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Louis Moreau Gottschalk

Louis Moreau Gottschalk (* 8. Mai 1829 in New Orleans, Louisiana; † 18. Dezember 1869 in Tijuca, heute Alto da Boa Vista in Rio de Janeiro, Brasilien) war ein US-amerikanischer Pianist und Komponist französischer Herkunft.[1]

Familie[Bearbeiten]

Gottschalks Vater − geboren in London − war ein spanischer Jude. Die Großeltern mütterlicherseits lebten auf Santo Domingo, wo der Großvater als Gouverneur tätig war. Während der Sklavenaufstände zogen Familienangehörige um 1800 nach New Orleans. Da die mütterlichen Vorfahren aus Frankreich stammten, wurde in der Familie Französisch gesprochen.[2]

Leben[Bearbeiten]

Louis Moreau Gottschalk − erstes Kind von insgesamt sieben Kindern − wuchs im Stadtteil Old New Orleans auf, wo er die Musik der Kreolen und der Afroamerikaner kennenlernte. Seit 1842 studierte er in Paris Komposition bei Jacques Fromental Halévy und Hector Berlioz sowie Klavier bei Camille Stamaty. Er war befreundet mit Georges Bizet und Camille Saint-Saëns. In das Pariser Konservatorium wurde er als US-amerikanischer Staatsbürger nicht aufgenommen. Sieben Jahre nach seiner Ablehnung nahm dasselbe Konservatorium den ehemaligen Bewerber jedoch als Mitglied in die Jury für die Aufnahmeprüfungen auf. 1845 war Chopin bei Gottschalks Konzert im Salle Pleyel anwesend.[1]

In Spanien wurde er mehrfach von König und Königin ausgezeichnet. Unter anderem hatte er in Spanien das Stück Die Belagerung von Saragossa für zehn Klaviere geschrieben.

1853 verließ Gottschalk wieder Europa[1] und kehrte in die USA zurück, wo seine Karriere als ein gefeierter Konzertpianist begann, der mit eigenem Sonderzug reiste. Außerdem hatte er längere Aufenthalte in der Karibik (1856–1862), den Flügel am Kraterrand eines erloschenen Vulkans, zwischen Himmel und Erde.[3] Er bereiste konzertierend die gesamten USA, spielte in vom Bürgerkrieg umkämpften Städten, vor einem Goldgräberpublikum, führte auf seinen Reisen zwei Flügel mit, einen Klavierstimmer, seinen Impresario, schickte bei einer Verspätung seinem Publikum Telegramme und inszenierte den Marsch aus dem Tannhäuser mit vierzehn Klavieren.[3]

1865[1] musste Gottschalk wegen einer Affäre nach Lateinamerika fliehen,[4] wo er bis zu seinem Tode lebte. Hier komponierte er z. B. die Sinfonie Nr. 1 La Nuit des Tropiques, gab Konzerte und veranstaltete Musikfestivals.

Am 24. November 1869 brach er wegen eines Malaria-Anfalls zusammen, von dem er sich nicht mehr erholte.[5] Drei Wochen später, am 18. Dezember 1869, starb er im Alter von 40 Jahren in einem Hotel in Tijuca, Rio de Janeiro, vermutlich an einer Überdosis Chinin.[5] [6]

Im Jahr 1870 wurden seine sterblichen Überreste in die Vereinigten Staaten zurückgebracht und wurden auf dem Green Wood Cemetery in Brooklyn, New York beigesetzt.[7] Seine Grabstätte wurde ursprünglich von einem prächtigen Denkmal aus Marmor, von einer Statue mit dem Titel „Engel der Musik“ gekrönt, die im Jahr 1959 durch Vandalismus schwer beschädigt wurde und nun wieder renoviert werden soll. [8]

Rezeption[Bearbeiten]

Gottschalks Werk umfasst auch eine Reihe publikumswirksamer Klavierstücke, die teilweise der gehobenen Salonmusik zuzuordnen sind, zum Beispiel The Dying Poet (Der sterbende Dichter) und The Last Hope (Die letzte Hoffnung). Bedeutender jedoch sind seine nationalen Klavierstücke, die von der spanischen, lateinamerikanischen und kreolischen Musiktradition geprägt wurden, zum Beispiel die Klavierstücke The Banjo und La Bamboula (1848). Mit seinen technisch schwierigen Kompositionen feierte Louis Moreau Gottschalk in Paris Triumphe als ein Virtuose, der es zu einer internationalen Anerkennung brachte. In den USA beeinflusste er das Werk von Charles Ives.[4]

Gottschalk dokumentiert in seinem Werk frühe Formen der afroamerikanischen Tanzmusik, aus der sich später der Jazz entwickeln sollte. Als Pianist zählt er zur Gruppe der ersten international erfolgreichen Pianisten, die bereits Techniken aus dem späteren Ragtime (Synkopierung, Walking Bass, Stride) benutzten.

Diskographie[Bearbeiten]

Eine pianistisch herausragende Aufnahme gottschalkscher Klavierstücke legte der texanische Pianist Ivan Davis 1972 unter dem Titel Der Bananenbaum vor (Decca). 1987 spielte Raymund Havenith eine Auswahl von 8 Klavierstücken unter dem Titel „Frühe amerikanische Klaviermusik“ ein (Musicaphon).

Der irische Pianist Philip Martin hat seit 1990 für das britische Plattenlabel Hyperion das vorhandene zweihändige Klavierwerk Gottschalks eingespielt (bislang acht Alben erschienen, die mittlerweile den Status von Referenzaufnahmen genießen). Weiterhin hat diese Klavierwerke Georges Rabol eingespielt.

Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Louis Moreau Gottschalk: Notes of a Pianist. Nachdruck: Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2006, ISBN 0-691-12716-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • John G. Doyle: Louis Moreau Gottschalk 1829-1869. A bibliographical study and catalog of works. The College Music Society, Detroit 1983
  • Dieter Hildebrandt: Pianoforte oder der Roman des Klaviers im 19. Jahrhundert. Hanser, München 1985, ISBN 3-446-14181-2 (Kapitel: Der Krieg im Saal).
  • Wolfgang Lempfried: Das abenteuerliche Leben des Pianisten und Komponisten Louis Moreau Gottschalk. in: Pianoforte. Zeitschrift für Klaviere und Flügel Jg. 2 (1992), Heft 1, S. 28–37.
  • S. Frederick Starr: Bamboula! The Life and Times of Louis Moreau Gottschalk. University of Illinois Press, 2000.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Louis Moreau Gottschalk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Brockhaus Musik: Lemma Gottschalk. Mannheim/Leipzig 2006.
  2. Weblink: Lebenslauf von Louis Moreau Gottschalk.
  3. a b Dieter Hildebrandt: Pianoforte oder Der Krieg im Saal. Das Klavier im 19. Jahrhundert. Hanser, München 1985, Kapitel XII.
  4. a b Roger Willemsen: Klassik trifft Jazz. In: NDR Kultur, Folge 98/16. Juli 2011.
  5. a b Lowens/Starr, Grove online
  6. nach einem Text von Jeremy Nicholas für das Booklet der Aufnahme „Gottschalk Piano Music“ von Philip Martin aus dem Hyperion Label, „Er starb an einem Emphysem, Ergebnis eines geplatzten Abszesses im Bauch.“
  7. A Brooklyn Mystery Solved: Vandals Did It, in 1959. New York Times, May 3, 2010