Tempelreinigung

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Tempelreinigung, Holzschnitt (1860) von Julius Schnorr von Carolsfeld
Darstellung der Tempelreinigung von Rembrandt

Als Tempelreinigung bezeichnet man eine Geschichte aus dem Leben Jesu, der zufolge er Händler aus dem Jerusalemer Tempel vertrieb und predigte, dass der Tempel zum Beten dienen solle.

Darstellung in den Evangelien[Bearbeiten]

Von einer Tempelreinigung (auch: Tempelaustreibung) durch Jesus berichten alle vier kanonischen Evangelien (Matthäus 21,12ff EU; Markus 11,15ff EU; Lukas 19,45ff EU; Johannes 2,13–16 EU). Bei Markus ist die Erzählung umrahmt von der Verfluchung des Feigenbaums (s. 11,12-25 EU). Während die Synoptiker, also Matthäus, Markus und Lukas, diese biblische Erzählung jeweils an den Anfang der Leidensgeschichte stellen, findet man den Bericht von der Tempelreinigung im Johannesevangelium schon im 2. Kapitel als ein Ereignis in der Anfangszeit des öffentlichen Auftretens Jesu – anlässlich eines Passafestes. Alle Evangelien vermitteln dem Leser das Bild eines in dieser Situation zornigen und aggressiven Jesu.

Da die Opfertiere (Ochsen, Schafe, Tauben) für den Tempelkult toragemäß makellos sein mussten, wurden sie den Pilgern zum Kauf angeboten. Geldwechsler tauschten die gebräuchlichen römischen Münzen in tyrische, da nur diese keine Abbildungen von Menschen trugen und daher als Tempelwährung galten.

Als Jesus im Jerusalemer Tempel (gemeint ist der auch den Heiden zugängliche Vorhof) die Händler und die Geldwechsler sitzen sah, trieb er sie der Überlieferung des Johannesevangeliums zufolge mit einer Geißel aus Stricken aus dem Tempel. Dabei stieß er Tische um und verschüttete das Geld der Wechsler mit den Worten: „Macht meines Vaters Haus nicht zum Kaufhaus!“ (Joh 2,16 EU) und „Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker‘? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“ (Mk 11,17 EU)

13[…] weil das Osterfest der Juden nahe bevorstand, zog Jesus nach Jerusalem hinauf. 14Er fand dort im Tempel die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler sitzen. 15Da flocht er sich eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle samt ihren Schafen und Rindern aus dem Tempel hinaus, verschüttete den Wechslern das Geld und stieß ihre Tische um 16und rief den Taubenhändlern zu: ‚Schafft das weg von hier! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhause!‘“

– ‚Die Heilsbotschaft nach Johannes‘ 2,13-16.[1]
Fresco in Padua von Giotto

Die Führungsschichten Jerusalems verstanden die Tempelreinigung vermutlich vor allem als einen offenen Angriff auf ihre Autorität und Profitquelle, weshalb sie den Tod Jesu beschlossen. In der Passionsgeschichte stellt die Tempelreinigung damit einen erzählerischen Höhepunkt dar.

Die Historizität der Tempelaustreibung ist umstritten, da zum einen ein Widerspruch zum in der Bergpredigt geforderten Gewaltverzicht entsteht und zum anderen hier die theologischen Motive die biblische Szenerie dominieren (Johannes setzt die Tempelaustreibung mit der Vollmachtsfrage in Zusammenhang). Andererseits spricht Jesus auch davon, „nicht gekommen zu sein, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Mt 10,34 EU). Die Vertreibung der Tiere und Händler aus dem Tempel durch Jesus ist außerdem geschichtlich ohne Vorbild und Parallele, was für ihre Echtheit spricht. (siehe aber auch [2])

Modell des herodianischen Tempels, in dem die Tempelreinigung stattfand.

Die Tempelaustreibung kann man unter anderem dahin gehend auslegen, dass Jesus durch eine prophetische Zeichenhandlung den wahren Tempelkult wiederherstellen, die Zerstörung des jetzigen Tempels anzeigen oder die wirtschaftliche Macht der Tempelaristokratie oder die moralische Legitimation ihrer Profitquelle in Frage stellen wollte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Willam: Tempelreinigung, Herder 1925 Wien, 1925
  • W. Bösen: Warum musste Jesus „wirklich“ sterben?, in: Katechetische Blätter 2 (1998) 76–81

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tempelreinigung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Tempelreinigung Lesung von Markus 11, 15–19, Vortragskünstlerin: Caroline Piazolo

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Das Neue Testament. 4. Auflage. Privilegierte Württembergische Bibelanstalt, Stuttgart 1923 (übersetzt von Hermann Menge). (Einheitsübersetzung siehe: Joh 2,13-16 EU)
  2. Jewish Encyclopedia: „It would appear from Talmudic references that this action had no lasting effect, if any, for Simon ben Gamaliel found much the same state of affairs much later (Ker. i. 7) and effected some reforms.“ (Die Tempelreinigung muss wegen der Angabe „much later“ irgendwann zwischen den Jahren +30 und +70 stattgefunden haben)