Thomas Kyd

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Thomas Kyd (* 3. November 1558 in London; † 16. Juli 1594 ebenda) war ein englischer Dramatiker und gilt neben William Shakespeare und Christopher Marlowe als einer der bedeutendsten elisabethanischen Dramatiker.

Leben[Bearbeiten]

Über Kyds Leben ist wenig bekannt. Seine Eltern Anna und Francis Kyd ermöglichten ihm eine gute Schulbildung an der Merchant Tailor’s School und er dürfte dann in den Diensten eines Aristokraten gestanden haben. Um 1585 verfasste er wahrscheinlich Stücke für die Theatergruppe „The Queen’s Company“. Ab 1591 wohnte und arbeitete er mit Christopher Marlowe zusammen und war mit Ben Jonson und John Lyly befreundet.

Kyd und Marlowe[Bearbeiten]

Kyds Leben scheint eng mit dem Christopher Marlowes verknüpft. Am 12. Mai 1593 wurde er im Zusammenhang mit staatsgefährdenden Plakaten (sog. Dutch Church Libels[1]), die in London kursierten und von einem gewissen Tamburlaine[2] (der Hauptfigur aus dem Drama „Tamburlaine“ von Marlowe) unterzeichnet waren, verhaftet. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung, in der er einige Jahre zuvor zusammen mit Marlowe gelebt hatte, wurden im Rahmen der Fahndung nach den Urhebern obiger Plakate zwar nicht diese, aber andere Schriften ( of “vile heretical conceits denying the deity of Jesus Christ.” ) gefunden, die ihn massiv des „Atheismus“ und der Häresie beschuldigten. Er wurde verhaftet und zur Erpressung eines Geständnisses im Bridewell Gefängnis gefoltert. Er versuchte, alle Schuld auf Marlowe abzuschieben,[3][4] der allerdings während Kyds Haft am 30. Mai 1593 unter obskuren Umständen selbst zu Tode gekommen war. Die wirkliche Todesursache Marlowes (lange Jahre galt er als bei einer Wirtshausschlägerei erstochen) wurde erst mit der Entdeckung der Originalunterlagen des Coroners Inquest[5] 1925 durch Leslie Hotson in den Britischen Staatsarchiven aufgeklärt. Kyd wurde später freigelassen, starb aber nur etwa ein Jahr später, wohl an den Folgen der Torturen, verarmt, jeden Patrons beraubt und in Ungnade.

Werk[Bearbeiten]

Mit seinem überschaubaren Werk hatte Kyd wesentlichen Einfluss auf die Literatur seiner Zeit. Zu seine Werken werden neben der Spanischen Tragödie, Solimon und Perseda, Cornelia und eine Ur-Hamlet Fassung gezählt. Sein Drama Die Spanische Tragödie (The Spanish Tragedy, etwa 1592), eine Rachetragödie, wurde zum Vorbild für viele Stücke, die in dieser beliebten Gattung geschrieben wurden. Zugeschrieben wird Kyd der Ur-Hamlet, ein nicht überliefertes Drama, das aus der von Saxo Grammaticus überlieferten Amletus-Sage schöpfte, das ebenfalls eine Rachethematik gehabt und das Shakespeare als Quelle für seinen Hamlet gedient haben muss. Das Stück „Arden of Feversham“ wird ihm nicht mit ausreichender Sicherheit zugeschrieben.

Quellen[Bearbeiten]

  • Albert E. Jack, Thomas Kyd and the Ur-Hamlet, PMLA 1905
  • T. W. Baldwin, On the Chronology of Thomas Kyd’s Plays., Modern Language Notes 1925
  • Howard Baker, Ghosts and Guides: Kyd’s “Spanish Tragedy” and the Medieval Tragedy, Modern Philology 1935
  • Arthur Freeman: Thomas Kyd. Facts and Problems. Clarendon Press, Oxford 1967
  • Peter B. Murray: Thomas Kyd. Twayne Publ., New York 1969
  • Frank R. Ardolino: Apocalypse and Armada in Kyd’s “Spanish Tragedy”. Northeast Missouri State Univ. Press, Kirksville 1995 (Sixteenth Century Essays & Studies, 29) ISBN 0-940474-31-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A Libell, fixte vpon the French Church Wall, in London. Anno 1593o
  2. Tamburlaine The Great – Part I
  3. Kyd’s Accusations
  4. Kyd’s Letter To Sir John Puckering
  5. The Coroner’s Inquisition

Weblinks[Bearbeiten]