Rachetragödie

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Die Rachetragödie ist eine spezielle Form der klassischen antiken Tragödie. Während bei dieser sich das Tragische im Wesentlichen aus der so genannten „Fallhöhe“ des adligen tragischen Helden ergibt, beschäftigt sich jene mit dem Problem, ein Unrecht zu sühnen ohne selbst unrecht zu handeln. Der Held scheitert an der Unauflösbarkeit dieses Widerspruchs: Um der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen muss er – nun selbst schuldig geworden – bei der Ausführung der Rache sterben.

Die Rachetragödie war eine besonders beliebte Dramenformen auf englischen Bühnen im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Das damalige Weltbild sah alle Erscheinungen in einer großen Seinskette miteinander verknüpft, die sich von Gott an der Spitze bis zum unbelebten Stein am unteren Ende erstreckte. Eine individuelle Handlung wie zum Beispiel ein Königsmord konnte das gesamte Weltgefüge bedrohen, hieraus ergibt sich die unabdingbare Pflicht des Einzelnen, derartige Untaten zu sühnen.

Die wohl bekannteste Rachetragödie ist Shakespeares Hamlet: Die Titelfigur ist verpflichtet, den Mord am Vater zu rächen, der von seinem Bruder und jetzigen König getötet wurde.