Tibor Foco

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Tibor Foco (* 18. April 1956 in Linz) ist ein ehemaliger Zuhälter, der im Verdacht steht, am 13. März 1986 die Prostituierte Elfriede Hochgatterer ermordet zu haben. Er wurde am 31. März 1987 rechtskräftig zu lebenslanger Haft, ein mutmaßlicher Komplize zu 18 Jahren Haft verurteilt. Die Kronzeugin, die den tödlichen Schuss abgegeben haben soll, erhielt einen Freispruch. Das Verfahren wurde jedoch auf Grund schwerer Mängel wieder aufgenommen. Während der Haft begann Foco mit dem Studium der Rechtswissenschaft. Tibor Foco flüchtete am 27. April 1995 aus der Haft in Linz während eines Studienausgangs durch ein Toilettenfenster der Johannes Kepler Universität Linz mit einem von Helfershelfern bereitgestellten Motorrad.

Der Mord[Bearbeiten]

Elfriede Hochgatterer wurde in der Nacht vom 13. März 1986 in Linz schwer misshandelt und dann neben den Gleisen der Westbahn durch einen Schuss aus einem Revolver ins Gesicht getötet. Ihre Leiche wurde am nächsten Morgen gefunden. Die Tote war im Bereich des Unterleibes entkleidet. 200 Meter vom Fundort der Leiche entfernt hatte Hochgatterer gearbeitet, daneben befand sich auch das Rotlichtlokal "Bunny", das Tibor Foco gehörte. In diesem Bereich wurden Blutspuren gefunden.

Die Ermittlungen[Bearbeiten]

Tibor Foco wurde am nächsten Tag unter dem Verdacht verhaftet, den Mord an der "Konkurrentin" begangen zu haben. Er bestritt jedoch immer die Tat und erhielt zuerst auch von seiner Exfrau ein Alibi. Dieses widerrief sie später. Die damalige Geliebte Focos Regina Ungar, die für ihn auch als Prostituierte arbeitete, bestritt ebenfalls zuerst die Tat, erklärte aber nach verschiedenen anderen Versionen schließlich, dass sie von Foco zum Schuss auf Hochgatterer gezwungen worden war. Nach einem Monat nannte sie mit dem Lederwarenhändler Hans Peter Löffler plötzlich einen angeblichen Mittäter, der daraufhin auch verhaftet wurde.

Der Prozess[Bearbeiten]

Der Prozess gegen Foco, Ungar und Löffler begann am 23. Februar 1987 im Linzer Landesgericht. Am 31. März 1987 wurde Foco zu lebenslanger Haft, der angebliche Komplize zu 18 Jahren verurteilt. Ungar trat als Kronzeugin auf und wurde wegen „entschuldigenden Notstandes“ freigesprochen.[1]

Ungereimtheiten im Fall[Bearbeiten]

  • Die Linzer Polizei soll zahlreiche Ermittlungsfehler begangen haben und Zeugen gelenkt bzw. laut Ungar gefoltert haben.
  • Einer der ermittelnden Kriminalbeamten ist inzwischen mit der Exfrau Focos verheiratet, die das erste Alibi zurückgezogen hatte.
  • Bei einer Sachverständigen wurde eingebrochen und Beweismaterial gestohlen, eine Anzeige erfolgte erst nach 5 Jahren.
  • Die in den USA in Florida lebende Kronzeugin Regina Ungar widerrief am 5. März 1993 ihr damaliges Geständnis.
  • Schließlich intervenierten auch die damaligen Geschworenen für die Wiederaufnahme.

Nach der Flucht[Bearbeiten]

  • 1996 wurde der vermeintliche Komplize Hans Peter Löffler in einem dreitägigen Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen und erhielt eine Haftentschädigung von 235.949,93 Euro plus Zinsen.[2]
  • Im Frühjahr 1997 wurde das Urteil gegen Foco zu lebenslanger Haft aufgehoben und Foco freies Geleit bis zum 1. Oktober 1997 gewährt.
  • Eine Kaution von ATS 100.000.- wurde hinterlegt. Tibor Foco kehrte nicht zurück und ließ die Kaution von ATS 100.000.- verfallen.
  • Im April 2000 wurde vom Landesgericht Linz neuerlich Anklage wegen Verdacht des Mordes eingebracht und ein internationaler Haftbefehl ausgestellt.
  • Im Februar 2005 wurde abermals ein sicheres Geleit im Falle einer freiwilligen Rückkehr von Tibor Foco zugesichert.

Der Aufenthaltsort Focos ist trotz verschiedener Gerüchte weiterhin unbekannt. Die Interessen Focos werden durch dessen Eltern wahrgenommen, die mehrfach in den Medien auftraten und die komplette Einstellung des Verfahrens verlangen.

In der veröffentlichten Meinung gilt Foco heutzutage zumeist als unschuldiges Opfer von Polizei- und Justizwillkür. So wird dies auch im Fernsehfilm „Die Geschworene“ (mit Christiane Hörbiger in der Titelrolle) dargestellt, der den Fall künstlerisch frei behandelt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vor 25 Jahren: Fall Foco - Die Hinrichtung der Elfriede Hochgatter, OÖ Nachrichten am 12. März 2011
  2. Haftentschädigung im Fall Foco, Gericht und Gefangen, Marcus J. Oswald, 2008