Prostitution

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Prostituierte in Deutschland, 2001

Prostitution (von lateinisch prostituere „nach vorn/zur Schau stellen, preisgeben“), früher Gewerbsunzucht, bezeichnet die Vornahme sexueller Handlungen gegen Entgelt. Moderne Prostituierte bezeichnen ihre Tätigkeit als Sexarbeit. Erfolgt die Prostitution unfreiwillig, so spricht man von Zwangsprostitution. Prostitution ist in vielen Kulturen zu finden. Die gesellschaftliche Bewertung der Prostitution ist regional sehr unterschiedlich, unterliegt einem starken Wandel und wird von religiösen Vorstellungen beeinflusst. In der Prostitution Tätige gehören zu einer sozialen Gruppe, die bis heute von Diskriminierung, Stigmatisierung und Verfolgung bedroht ist. Über Jahrhunderte sind sie bis in unsere Zeit Spielball von Gesellschaft und Politik und systematischen Anfeindungen, bis hin zur Kasernierung, Deportation und Ermordung ausgesetzt. Waren sie über die Jahrhunderte per se als kriminelle Täterinnen und Täter abgestempelt, gleichrangig mit anderen Verbrechern, werden sie seit Ende des 19. Jahrhunderts von Teilen der Gesellschaft als Opfer behandelt. Zeitgenössische Prostitutions- und Menschenrechtsverbände wehren sich gegen Kategorisierung jeglicher Art und fordern sachliche Betrachtung des Lebensentwurfs und rechtliche Anerkennung als Arbeit. Die Diskussion wird bis heute kontrovers geführt.[1]

Quellenlage und Datenerhebung[Bearbeiten]

Es gibt keine systematische zusammenhängende Datenerhebung über die geschichtlichen, gesundheitlichen oder sozialhygienischen Aspekte der Prostitution. Weder in Deutschland noch international. Die Problematik ist dem Umstand geschuldet, dass viele Aspekte der Prostitution nicht seriös erfasst werden können, da diese Personengruppe im Verborgenen agiert. Wissenschaftliche Erhebungen konnten und können daher hauptsächlich nur in Krisenorten, wie Krankenhäusern, Psychiatrien, Kinderheimen, Flüchtlingslagern, Polizeistationen und/oder Gefängnissen stattfinden und sind durch die Umstände von der dort konzentrierten sozialen Personengruppe, den damit verbundenen Problemen, Ort, Zeit, den kulturellen, sozialen und politischen Hintergründen beeinflusst. Auch ist ein Grund, dass viele Frauen dieser Tätigkeit nur nebenbei, gelegentlich oder für einen kurzen Lebensabschnitt nachgehen. So gibt lediglich Schätzungen über Anzahl und Umstände der Prostitution.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten]

Altertum und Antike[Bearbeiten]

Darstellung aus einem Lupanar in Pompeji
Blick in eine Zelle des pompejanischen Bordells von Africanus und Victor

Im Altertum, so zum Beispiel in Babylon und bei den Phöniziern in Tyros, existierte vor mehr als 3000 Jahren die so genannte Tempelprostitution. Frauen vollzogen dort sexuelle Handlungen gegen „Geschenke“ an den Tempel oder Opfergaben für die Gottheit. Dies stand jedoch immer in einem kultischen Zusammenhang und galt als den Göttern wohlgefällig. Im Gilgamesch-Epos 6. Tafel Verse 5 bis 79 sieht Albert Schott eine Kritik an den Auswüchsen der kultischen Prostitution.[4]

Hauptartikel: Tempelprostitution

Für die Zeit der griechischen Antike sind Prostituierte im heutigen Sinne, also ohne sakralen Hintergrund, bezeugt. Die Griechen unterschieden zwischen der gewöhnlichen „Hure“ (Porna) und der „Gesellin“ (Hetäre). Auch die Feldzüge Alexanders des Großen wurden von zahlreichen Prostituierten begleitet. Prostitution gab es sowohl von Männern als auch von Frauen, doch sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern wurde nur Männern die Inanspruchnahme von Prostituierten, gleichgültig welchen Geschlechts, zugestanden. Einblick in das Bordellwesen liefern insbesondere die Funde aus den Lupanaren in Pompeji.

Hauptartikel: Prostitution in der Antike

Im Alten Testament wird Prostitution sowohl als kultische als auch als Erwerbsprostitution erwähnt, zum Beispiel Spr 6,26 EU. Die Prostitutionsverbote Lev 19,29 EU und Dtn 23,18 EU beziehen sich nur auf kultische Prostitution.[5] Es wird als naheliegend angesehen, dass ein Witwer die Dienste von Prostituierten in Anspruch nimmt. Dies wird von Tamar, der Schwiegertochter Judas', ausgenutzt, die sich prostituiert, damit Juda die ihr vorenthaltene Leviratsehe an ihr vollzieht (Gen 38,12–30 EU). Der dabei gezeugte Sohn Perez und seine Mutter Tamar werden im Neuen Testament als Vorfahren Jesu in seinem Stammbaum genannt (Mt 1,3 EU). Neben Tamar findet sich mit Rahab noch eine weitere Frau im Stammbaum Jesu, die üblicherweise als Prostituierte gedeutet wird (JosEU; Mt 1,5 EU).

Im Neuen Testament wird berichtet, dass Jesus mit Prostituierten so wie mit allen gesellschaftlichen Außenseitern einen respektvollen Umgang pflegte (Lk 7,36–50 EU). In den Paulusbriefen wird Prostitution verworfen (1 Kor 6,15 f. EU). Im christlich geprägten Weltbild wurde Prostitution in Verbindung gebracht mit Scham oder Sünde.

Die ersten schriftlichen Überlieferungen von Prostitution in Japan gehen auf das 8. Jahrhundert zurück, dürften aber viel weiter zurückreichen. Kurtisanen genossen Prestige und Anerkennung.

Hauptartikel: Prostitution in Japan

Mittelalter[Bearbeiten]

Die kirchliche Moral verurteilte die Prostitution; dennoch argumentierten einflussreiche Autoren wie Augustinus, es handele sich um ein „kleineres Übel“. Der Prostitution wurde eine Ventilfunktion für die sexuellen Bedürfnisse derer zugesprochen, die das mittelalterliche Heiratsrecht benachteiligte. Gerade im Spätmittelalter gab es in vielen deutschen Städten Bordelle, die im Besitz der Gemeinde waren – Prostitution war nicht nur geduldet, sondern institutionalisiert. Die Stadträte verpachteten die Bordelle an Hurenwirte, die sich im Gegenzug verpflichteten, gewissen Auflagen – etwa Hygienebestimmungen oder Vereinbarungen über die Bezahlung der Huren – nachzukommen.

Neben dieser Sonderform der Prostitution im Spätmittelalter gehen Historiker von häufiger Gelegenheitsprostitution und fahrenden Prostituierten, insbesondere in ländlichen Gebieten, aus.

Neben den lateinischen Ausdrücken werden Prostituierte im Mittelalter auch mit dem Begriff „freie Frauen“ bezeichnet.[6]

Hauptartikel: Prostitution im Mittelalter

Renaissance und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Kurtisane Tullia d’Aragona, Bild von Alessandro Moretto um 1537

Die Zeit der Renaissance war neben Kunst, Kultur und Wissenschaft in Europa auch eine Blütezeit des Kurtisanenwesens, eine gesellschaftlich akzeptierte Form der Prostitution. Vor allem in Rom, das auch „Haupt der Welt“ (Roma caput mundi) genannt wurde, bestimmte diese Form der Prostitution wesentlich den Ruf und das Erscheinungsbild der Stadt. Die speziellen Gesellschaftsstrukturen und das kulturelle Klima in Rom im 16. Jahrhundert schufen die Voraussetzungen für ein Nebeneinander klerikaler Prachtentfaltung und käuflichen Geschlechtsverkehrs.

Bei Feiern, Theateraufführungen, Gelagen und Empfängen vor allem kirchlicher Würdenträger wurde die Abwesenheit von Frauen immer mehr als Verlust und Mangel empfunden. Um diese „Lücke“ zu füllen, lud man Kurtisanen zu diesen Gesellschaften ein. Der Begriff „Kurtisane“ leitet sich von dem Wort „Cortigiana“ ab, was eigentlich Hofdame bedeutet, und bezeichnete um 1500 die gehobene Prostituierte, vergleichbar mit den Hetären des antiken Griechenlands.

In spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten waren die „Hübschlerinnen“ oft zunftähnlich organisiert. Mit der Kirchenspaltung und der darauf folgenden Reformation verloren viele Prostituierte ihre Rechte und wurden aus den Städten vertrieben, da die protestantische Sichtweise die Prostituierten als Sinnbild und Überbleibsel der Verderbtheit der katholischen Gesellschaft ansah. Viele von ihnen wurden als Hexen verbrannt.[7]

Zu der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und dem damit verbundenen Zerfall der Gesellschaft und Folge der Verwüstung der Dörfer und Städte zogen viele entwurzelte Frauen, aber auch andere weibliche Angehörige und Ehefrauen der Soldaten mit den Heeren als Trosshuren mit. Der Tross erreichte teilweise solche Dimensionen, dass er professionell von sogenannten Hurenweibeln organisiert werden musste. Ein Schicksal einer Frau in dieser Zeit wurde von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen im Romanzyklus Trutz Simplex verarbeitet.

17. Jahrhundert[Bearbeiten]

In Frankreich war die Prostitution im 17. Jahrhundert strafbar. Im Jahre 1658 hatte Ludwig XIV. veranlasst, dass alle Frauen, die der Prostitution nachgingen, wegen Unzucht oder Ehebruchs verurteilt worden waren, in die Salpêtrière zu internieren seien, bis sie Buße getan hätten und durch einen Priester die Absolution erhalten hatten.[8] Gleichwohl gab es Straßenprostitution und Bordellwesen. Gleichzeitig blühte die Kultur der Kurtisanen und Mätressen, von denen einige so mächtig und reich wurden, dass sie sogar Regierungsgeschäfte beeinflussen konnten und auf etlichen Ölgemälden porträtiert wurden. Die ganze Zunft der damaligen Kunst war von Prostituierten als Modell abhängig, da die bürgerliche Frau sich nie als Modell für ein Gemälde zur Verfügung gestellt hätte. Auch in der darstellenden Kunst, wie Theater, Oper oder Ballett waren die Übergänge zur Prostitution fließend, so dass in der italienischen Oper aus Schicklichkeit Frauen sogar ganz untersagt wurde zu singen und stattdessen Kastraten auftraten, die die Frauenrollen besetzten.

Hauptartikel: Prostitution in Frankreich

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Transport der Freudenmädchen zur Polizeiwache, Étienne Jeaurat, 1755

Im Jahre 1794 wurde im § 999 des Preußischen Allgemeinen Landrechts festgelegt, dass sich „liederliche Weibspersonen ... in die unter Aufsicht des Staates geduldeten Hurenhäuser“ zu begeben hätten. Als „liederliche Weibspersonen“ galten Frauen, „welche mit ihrem Körper ein Gewerbe betreiben“ wollen.

Der britisch-niederländische Arzt und Sozialreformer Bernard de Mandeville sprach sich 1724 in einer populären Streitschrift für eine legalisierte, staatlich kontrollierte Prostitution aus.[9] Seine Bescheidenen Streitschrift für Öffentliche Freudenhäuser enthält eine für die Zeit angesichts verschiedener Querelles des femmes durchaus einfühlsame und differenzierte Geschlechterpsychologie.[9] Jonathan Swifts etwas später erschienene Satire A Modest Proposal spielt vermutlich auf den 1729 bereits sprichwörtlich gewordenen Titel an.[9] Als Mittel gegen Geschlechtskrankheiten empfiehlt Mandeville, die Prostituierten umsonst medizinisch zu behandeln, wenn sie eine Ansteckung freiwillig meldeten, aber sie zu verbannen und hart zu bestrafen, wenn sie diese verbärgen.[9]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Au Salon de la rue des Moulins von Henri de Toulouse-Lautrec, 1894
Prostituierte in einem Bordell in Yokohama, Ende 19. Jahrhundert; Fotografie von Kusakabe Kimbei

Wegen des Bevölkerungswachstums in der Zeit der industriellen Revolution nahm die Zahl der Prostituierten insbesondere im 19. Jahrhundert zu. Ein immer größer werdender Anteil der Stadtbevölkerung lebte in Armut. Besonders betroffen waren davon Frauen, die meistens nur über eine geringe Ausbildung verfügten und denen häufig nur Tätigkeiten offen standen, in denen sie geringfügige Gehälter verdienten. Zu den Gelegenheitsprostituierten zählten Dienstmädchen, Modistinnen, Blumenfrauen und Wäscherinnen, die sich auf diese Weise ihr Gehalt aufbessern mussten. Manche Frauen waren nur durch die Prostitution in der Lage, ausreichend Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Immer mehr Staaten gingen dazu über, die Prostitution gesetzlich zu regulieren. Eine solche Regulierung, gerechtfertigt durch eine beabsichtigte soziale, gesundheitspolitische oder auch moralische Kontrolle, machte es den Prostituierten praktisch unmöglich, ihrem Milieu zu entkommen. Die Reglementierung zementierte auch die sexuelle Doppelmoral, die Prostituierte gesellschaftlich ächtete, die Prostitution aber gleichzeitig als ein für Männer notwendiges Übel oder erwünschtes Erprobungsfeld ansah. Viele Frauen der Mittelschicht wehrten sich gegen diese Doppelmoral.

In Bremen wurde im sogenannten Bremer Reglement von 1852 festgelegt, dass die Prostitution „kein Gewerbe im eigentlichen Sinne“ sei. Durch diese Unterscheidung zwischen Prostitution und erlaubtem Gewerbe wurde die Sittenwidrigkeit unmittelbar juristisch verankert.[10]

In Großbritannien wurden in den Jahren ab 1864 die Contagious Diseases Acts mit dem Zweck der medizinischen Kontrolle zur Vermeidung der sich immer weiter ausbreitenden Geschlechtskrankheiten erlassen. Josephine Butler führe den Kampf der Ladies' National Organisation gegen die Contagious Diseases Acts anführte. Diese Kampagne, die in Prostituierten weniger ‚Schuldige‘ als Opfer männlicher Lüsternheit sah, „veränderte […] die politische Landschaft Großbritanniens während der spätviktorianischen Zeit. Mit der Kampagne wurden soziale und sexuelle Konventionen hinterfragt, die nie zuvor öffentlich diskutiert wurden. Die Kampagne radikalisierte zahlreiche Frauen, härtete sie ab gegenüber öffentlichen Angriffen und Verleumdungen und schuf eine Infrastruktur des politischen Protests“.[11] Die Erlasse wurden 1883 außer Kraft gesetzt und 1885 vollständig aufgehoben. Das Problem war dadurch aber nicht aus der Welt geschafft, da die Erlasse wichtig waren. Nachdem die Frauenbewegung ihr Ziel erreicht hatte, ließ das Interesse an den Rechten der Prostituierten nach. Eine große Verelendung war die Folge, da die Bordelle auf Antreiben der Frauenverbände geschlossen worden waren und die Prostituierten dazu gezwungen waren, auf die Straße zu gehen, wo sie polizeilicher Willkür und Gewalt durch Freier und konkurrierende Zuhälter erst recht schutzlos ausgeliefert waren. Folge war, dass die Prostitutionskriminalität in die Höhe schoss. Die Geschlechtskrankheiten breiteten sich durch die nun nicht mehr kontrollierbare und kontrollierte Prostitution ungehemmt aus und fingen an, das Bürgertum zu durchsetzen, da die Hauptkunden zumeist die Söhne und Ehemänner der bürgerlichen Frauen waren, die sich in den Verbänden engagierten.

In der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts war ein deutlicher Bewertungswandel der Prostitution zu beobachten. Aus politischen Gründen wurde dies oft abgetan: „Vertreter der naturalistischen Schule wie Richard Dehmel, Max Dauthendey, Otto Erich Hartleben, Otto Julius Bierbaum und Karl Bleibtreu widmeten sich der Befreiung der Frau von moralischen Konventionen, der freien Liebe und der Erhöhung der Prostituierten zur ‚venus vulgivaga‘ in einer Weise, die eher lüstern als politisch zu nennen war.“ (Gordon A. Craig). Jedoch vgl. zum Beispiel das Motiv in Thomas Manns Roman Doktor Faustus.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Soldatenbordell in einer ehemaligen Synagoge, Brest, Frankreich, 1940

Auf der Ebene des Völkerrechts gab es Versuche, sich auf Standards zur Bekämpfung von Prostitution und Menschenhandel zu einigen. Beispiele sind unter anderem das Internationale Übereinkommen vom 18. Mai 1904 zur Gewährung wirksamen Schutzes gegen den Mädchenhandel und die Konvention zur Unterbindung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution anderer vom 2. Dezember 1949.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden von der Wehrmacht und der SS Wehrmachtsbordelle eingerichtet. Frauen, die bei dieser Form der Zwangsarbeit mit Geschlechtskrankheiten angesteckt wurden, wurden in Vernichtungslager verbracht oder exekutiert. In den Konzentrationslagern gab es Lagerbordelle. Es war allerdings bei allen Kriegsparteien üblich, Kriegsbordelle einzurichten. Den von den japanischen Besetzern Ostasiens euphemistisch so genannten „Trostfrauen“, meistens Chinesinnen und Koreanerinnen, drohte ähnliches.

Hauptartikel: Militärprostitution

In der DDR bediente sich das MfS der offiziell seit 1968 unter Strafe stehenden Prostitution zur Informationsgewinnung über den „Klassenfeind“.[12] Die Prostitution wurde nicht nur geduldet, sondern sogar durch Schulungen gefördert. Es wurden sowohl männliche als auch weibliche Prostituierte eingesetzt. Die Staatssicherheit der DDR nannte diese Art des Einsatzes „Frauenspezifische Verwendung“. Mit Informationen über sexuelle Deviationen der „Zielpersonen“ (Freier) wurden Dissidenten erpressbar. Haupteinsatzorte bei West-Besuchern waren die Intershops sowie die Leipziger Messe, internationale Kongresse und Veranstaltungen und die dazu genutzten Devisenhotels.

Im Zusammenhang mit der sexuellen Revolution ist die Prostitution von einem Tabuthema allmählich in den Rang eines gesellschaftlich zumindest hingenommenen Alltagsphänomens aufgerückt. Weite Teile der Frauenbewegung lehnten und lehnen die Prostitution scharf ab und fordern auch in Deutschland eine Regelung ähnlich wie in Schweden, wo nicht die Prostituierte, sondern der Freier strafbedroht ist. Andererseits gibt es feministische Strömungen, die die freiwillige Prostitution positiv sehen.[13]

Eine amtsdeutsche Umschreibung für Prostituierte war früher Personen mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr (HWG). Personen, die gewerblich häufig wechselnden Geschlechtsverkehr hatten, waren dazu verpflichtet, regelmäßig eine amtliche Untersuchungsbestätigung, den so genannten „Bockschein“ vorzulegen.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Das Rotlichtviertel von Frankfurt am Main bei Nacht, Mai 2005

Die Prostitution des beginnenden 21. Jahrhunderts ist geprägt von der Zersplitterung in verschiedenste Positionen und Anschauungen, die von totalem Verbot und massiver Kriminalisierung bis zu völliger Legalisierung und Anerkennung als Arbeit reichen. Im Kontrapunkt zu den Prostitutionsgegnern, die sich selbst Abolitionisten nach dem Abolitionismus zur Abschaffung der Sklaverei nennen, formierten sich national und international Menschenrechtsverbände und Aktivistengruppen, die mit immer größerem Selbstbewusstsein die Anerkennung und Entkriminalisierung der Prostitution forderten und bis zur Gegenwart in Presse und Medien erbitterte Kämpfe mit den Prostitutionsgegnern führen und dazu auch die sozialen Medien und das Internet nutzen.

Der Europäische Gerichtshof erklärte in seiner Entscheidung vom 20. November 2001, dass Prostitution zu den Erwerbstätigkeiten gehört, die „Teil des gemeinschaftlichen Wirtschaftslebens“ im Sinne von Art. 2 EG sind.[14] In Deutschland gewann Felicitas Schirow am 1. Dezember 2001 mit einem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichtes einen Prozess, den sie um die vom Berliner Bezirksamt Wilmersdorf geforderte Schließung ihres Bordellbetriebes, des Café Pssst!, führte. In der Urteilsbegründung des Gerichtes hieß es, die Prostitution sei heute nicht mehr als sittenwidrig anzusehen, es habe eine Veränderung der Wertvorstellungen gegeben. Obwohl das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf im Februar 2001 gegen das Urteil Antrag auf Zulassung der Berufung stellte.[15] Parallel dazu gewann Stephanie Klee einen Prozess, in dem sie erfolgreich ihren Lohn für sexuelle Dienstleistungen einklagte. Beide Urteile konnten als Präzedenzfall gewertet werden und gelten für das Zustandekommen des am 1. Januar 2002 in Kraft getretenen Prostitutionsgesetzes als bedeutend.

Die zunehmende Globalisierung und Öffnung der Grenzen veränderte das Bild der Prostitution. Viele Flüchtlinge und Bewohner aus Nationen mit prekären Lebensverhältnissen drängen in die reichen Staaten, so dass ein großer Sektor von Armuts- und Elendsprostituierten entstanden ist, der die einheimischen Prostituierten zu verdrängen droht und damit verbundene Schattenwirtschaft und neue kriminelle Strukturen mit sich bringt.

Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM) des Europäischen Parlaments schlug dem Parlament im sog. Honeyball-Report, benannt nach der Vorsitzenden Mary Honeyball, die Empfehlung des „Nordisches Modell“ vor. Am 26. Februar 2014 wurde diese Resolution vom Europäischen Parlament verabschiedet.[16] Die nicht bindende Resolution wurde mit 343 Stimmen angenommen, 139 Abgeordnete stimmten dagegen, 105 enthielten sich.[17][18] Ähnlich positionierte sich der Europarat am 8. April 2014 mit der Resolution 1983 (2014)[19][20] Menschenrechts-, Frauen- und Prostitutiertenverbände, wie Gesundheitsexperten, Wissenschaftler und Polizeiverbände kritisierten die Beweisaufnahme und Quellenrecherche als unzureichend, selektiv und manipulativ und führten ins Feld, dass bei einer Freierbestrafung das Abrutschen der Prostituierten in die Illegalität und dunkle Kanäle zu befürchten ist, wo sie nicht mehr erreichbar wären.[21][22][23][24][25][26]

Formen und Ausprägungen[Bearbeiten]

Prostitution im öffentlichen Raum[Bearbeiten]

Prostitution in Wohnmobilen in Lyon (Frankreich) 2006
Koberfenster in Amsterdam
Bar in einem Edelbordell

Bei der öffentlichen Prostitution stehen die Prostituierten an bestimmten, offiziell dafür vorgesehenen oder inoffiziell bekannten, offen einsehbaren Stellen und bieten sich potentiellen Kunden an. Abwandlungen sind Prostitution an Straßen, in Hotelbars, Raststätten und an ähnlichen Orten. Relativ neu ist die Verrichtungsbox als kontrollierte Variante des Straßenstrichs. Bei der Straßenprostitution findet der Sex in der Regel entweder im Auto oder in Hotels statt, oft in sogenannten Stundenhotels, die darauf spezialisiert sind. Wohnwagenprostitution findet man an einigen Land- und Bundesstraßen, zumeist im ländlichen Raum. Die Prostituierten warten in Wohnwagen, die an Parkplätzen, Autobahnraststätten oder Feldwegmündungen stehen, auf Kunden.

Hauptartikel: Straßenprostitution

Prostitutionsstätten[Bearbeiten]

Eingangstüren zu Wohnungen, in denen der Prostitution nachgegangen wird

Bordelle sind spezielle Häuser, die über einen Kontaktraum verfügen, in denen der Freier eine Prostituierte oder einen Stricher (House of Boys) auswählen kann und dann mit ihr oder ihm ein Zimmer für den Sex (ähnlich einem Stundenhotel) aufsucht. Abwandlungen sind Laufhäuser oder Straßen mit schaufensterähnlichen Räumen im Erdgeschoss, in denen die Prostituierten sitzen.

Bei Modellprostitution mieten die Prostituierten Zimmer in so genannten Modellwohnungen an, die häufig ehemalige Gewerberäume oder Mietwohnungen sind. Sie werben in Lokalzeitungen oder im Internet, um Kunden anzuziehen. Eine Sonderform dessen ist die Terminwohnungs- und Reiseprostitution: Prostituierte, die über eine gewisse Zeitspanne in verschiedenen Orten jeweils eine kurze festgelegte Zeit arbeiten und dann weiterziehen. Viele Häuser setzen gezielt auf diese Art der Arbeit, weil sie immer frische, neue Gesichter und damit steten Kundenzulauf garantieren. Oftmals sind diese Häuser landes- oder gar bundesweit untereinander vernetzt, ähnlich wie bei einer Ladenkette, und die Arbeitnehmerinnen sind als feste Angestellte in das Rotationsprinzip eingebunden. Um immer eine ausreichende Besetzung des Teams in sämtlichen Häusern zu gewährleisten, gibt es „feste Rotatoren“, meistens weniger flexible Nebenerwerbs-Prostituierte mit festen familiären Bindungen und aus anderen beruflichen Erwerbszweigen, die ihre Arbeitszeiten fest terminlich mit den Einsatzorten vereinbaren und abgleichen, und „spontane Springer“, zum größten Teil haupterwerbliche Prostituierte, die quer durch die Lande geschickt werden können, um eventuellen Bedarf zu decken.

Bei Prostitution in Swingerclubs oder ähnlichen Treffs sitzen die Prostituierten in einer wohnlichen Atmosphäre mit den Freiern zusammen. Für die Ausübung der sexuellen Handlungen sucht man entweder Einzelräume auf oder sie finden auf sogenannten „Spielwiesen“ statt, wobei es durchaus vorkommen kann – und soll – dass mehrere Paare gleichzeitig (bis hin zum Gruppensex) den Geschlechtsverkehr ausüben. Hier arbeiten weitestgehend gewerbliche Prostituierte, die Teilnahme von weiblichen Besuchern ist jedoch nicht ausgeschlossen und wird von manchen der Gäste sogar erwartet. Gewöhnlich wird vom Freier ein Pauschalbetrag für eine bestimmte Zeit im Voraus bezahlt, der es ihm ermöglicht, mit mehreren der anwesenden Damen zu verkehren. Kaltes oder warmes Büffet, Getränke (Alkohol wird allerdings nicht überall ausgeschenkt, um Komplikationen mit Gästen aus dem Wege zu gehen) sind im Preis inbegriffen. Zusätzliche Leistungen wie erotische Massagen, Sauna oder Whirlpool gehören ebenfalls zum Programm der meisten Partytreffs in Deutschland.

In Nachtclubs sitzen Prostituierte, die Animierdamen, an der Bar und warten dort auf Kundschaft. In der Regel bekommen die Frauen Provision wenn sie mit den Gästen trinken und ihnen (teure) Getränke verkaufen. Nachtclubs mit Bordellbetrieb unterliegen dem Prostitutionsgesetz.[27]

Darüber gibt es Fälle, in denen sich ethnische Männercafés und Kulturvereine zu Einrichtungen entwickelt haben, in denen Glücksspiel, Drogenhandel, Hehlerei und bordellähnlicher Betrieb vorkommt.[28][29]

Seit der Legalisierung von Prostitution im Jahr 2002 haben sich vermehrt Großbordelle in Deutschland etabliert. Diese entsprechen oft luxuriösen Wellness-Oasen mit Sauna, Whirlpool und Massagebereich. Häufig sind diese miteinander über verschiedene Gesellschaftsformen und GmbHs vernetzt. Der Leiter der Kriminalpolizei in Augsburg kritisiert, dass die offiziell eingesetzten Geschäftsführer häufig Strohmänner seien, während im Hintergrund die eigentlichen Verantwortlichen direkt aus dem Schwerstkriminellen- und Zuhälter-Milieu stammten.[30] Tendenzen zu Großbordellen gibt es aktuell insbesondere in Deutschland und in Spanien.

Hauptartikel: Bordell

Begleitservice und Besuchsprostitution[Bearbeiten]

Bei Begleitservice oder Besuchsprostitution (Callgirls, Callboys) werden Prostituierte direkt über Kontaktanzeigen im Internet und Printmedien oder über Vermittlungsagenturen gebucht. Die gewünschte Dienstleistung (meist mit einem sexuellen Hintergrund) wird beim Kunden zu Hause, in einem Hotel oder in einer separat angemieteten Wohnung erbracht. In der gehobenen Callgirl- bzw. Callboy-Szene (Escortdienst) gehen die gebuchten Damen und Herren unter Umständen auch auf Reise oder lassen sich auf Bestellung ins Ausland ein- und ausfliegen. Im Internet findet die Anbahnung meist über Erotikportale und Freierforen statt. Freierforen dienen auch dem Austausch über Gütekriterien der Leistung.

Zielgruppe[Bearbeiten]

Die Zielgruppe von Prostitution werden Freier, Kunden, Klienten oder Gäste genannt. Als Bezeichnungen für weibliche Prostitutionskunden haben sich entsprechende weibliche Formen eingebürgert (Freierin, Sugarmommy).

Datenlage[Bearbeiten]

Anteil der Männer, die schon einmal für Sex bezahlt haben Quellen: Månsson 2002, Lautrup 2005, Weitzner 2007, Kleiber 2005.[31][32][33]
Land  %-Anteil Stichprobe Jahr Quelle
Finnland 13 % 624 1999
Norwegen 11 % 1617 1992
Schweden 13 % 1475 1996
Dänemark 14 % 6350 2005
Großbritannien 7 % 7941 1991
Niederlande 14 % 392 1989
Schweiz 19 % 1260 1992
Spanien 39 % 409 1992
Rußland 10 % 870 1996
USA 16 % 1709 1992
Australien 16 % k. A. 2003
Deutschland 18 % 524 1994 Kleiber und Velten[34]

Wie viele Freier es gibt, ist nicht genau bekannt. Udo Gerheim, Universität Oldenburg, schrieb 2012: „Es muss daher konstatiert werden, dass zur Zeit keine verlässlichen und abgesicherten quantitativen Primärdaten über das soziale Feld der Prostitution existieren.[35]“ Die in wissenschaftlichen und journalistischen Werken genannten Größenordnungen von 1,2 Millionen Kunden pro Tag und 400.000 SexarbeiterInnen in Deutschland sind lediglich Schätzwerte und Hochrechnungen, die teilweise aus den 1980er Jahre stammen. Hintergrund für diese Datenlücke ist, dass die Prostitution als Themengebiet für im oftmals männlich-dominierten Wissenschaftssystem wenig Reputation verspricht und als anstössig gilt. Vorhandene Untersuchgen beschränken sich auf die Institution Prostitution und auf Prostituierte. Dabei überwiegen juristische, medizinische und sozial-hygienische Aspekte. Gerheim schrieb hierzu 2012: „Die männliche Nachfrage nach käuflichem Sex blieb und bleibt strukturell aus diesem Diskurs- und Disziplinarregime ausgeschlossen und in ihrer sozialen Praxis unangetastet.“[36]

Die wenigen Untersuchungen die sich mit der männlichen Nachfrage Seite beschäftigen, konzentrieren sich auf kriminologische und psychiatrische Aspekte, (Freier als Sexualstraftäter, Freier migrantischer Prostituierter) sowie auf medizinische Fragestellungen wie HIV-Infektionen und auf Machtkonstellationen und Gewaltprävalenz. Hierzu schreibt Gerheim: „Im Vergleich zur bisherigen administrativen Regulation der Prostitution kann diese staatsfeministisch inspirierte Machttechnologie als entscheidender sozialpolitischer und juristischer Paradigmenwechsel betrachtet werden. Die Rollen in diesem gesellschaftlichen Drama sind in Gestalt des Freiers als männlicher (Gewalt-)Täter und der Sexarbeiterinnen als hilfloses weibliches Opfer unwiderruflich festgelegt.[37]“ In diesem Kontext wird die männliche Prostituionsnachfrage mit sexueller Gewalt und Vergewaltigung gleichgesetzt. Die spärlich vorliegenden quantitativen Ergebnisse unterliegen zudem hohen Unsicherheiten. Diese ergeben sich aufgrund unterschiedlicher Erhebungsmethoden (telefonisch, online, schriftlich, persönlich), Erhebungspersonal (Mann oder Frau), Verständnis von Prostitution und der Häufigkeit prostitutiver Tätigkeiten (einmalig, gelegentlich, regelmäßig).

Für Deutschland haben Kleiber und Velten 1994 die Ergebnisse ihrer quantitativ empirischen Untersuchung vorgelegt. Dieser zufolge sind 18 Prozent der männlichen Bevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren zu den regelmäßigen Prostitutionskunden zu rechnen.[38]

Für die dänischen Daten, konnte zudem 2005 differenziert werden, dass 60 % der prostitutiv aktiven Männer „nur“ einmaligen bis geringen (bis zu fünf mal) Kontakt zu Sexarbeiterinnen hatten.[39]

Gerheim schrieb hierzu 2012: „Es kann festgestellt werden, dass auch global betrachtet nur ein kleiner Teil der männlichen Gesamtbevölkerung Prostitution aktiv und regelmäßig nutzt und dass für eine relevante Größe der Männer die Nachfrage nach käuflichen Sex lediglich ein singuläres bzw. marginales Ereignis darstellt;[40]

Insgesamt ist die Anzahl der Prostitutionskunden in der westlichen Welt rückläufig, was zum einen mit einer Zunahme der Möglichkeiten sexueller Aktivitäten außerhalb von Partnerschaften in Gestalt von Seitensprungportalen, Swingerclubs sowie Telefon- und Internetangeboten und zum anderen auf die Folgen von Finanz- und Wirtschaftskrisen zurückgeführt wird. Gleichzeitig ist eine Zunahme des Prostitutionsangebots zu verzeichnen.[41]

Ethnografie[Bearbeiten]

Männliche Prostitutionskunden stammen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen. Gelegentlich, z. B. im Kinsey-Report, wird von einer Überrepräsentation älterer Männer gesprochen. Deutliche Unterschiede hinsichtlich Einkommen und Bildung lassen sich allerdings bezüglich der nachgefragten Prostitutionssegemente beobachten. Belastbarer sind Hinweise auf eine Überrepräsentanz von weißen Mittelklassefrauen im Bereich des weiblichen Sextourismus.[42]

Angebot diverser Sexualpraktiken[Bearbeiten]

Spintria

Angeboten werden eine Reihe von Sexualpraktiken, die in der Regel wegen des Entgelts vorher abgesprochen werden. Von der Vielfalt der Stellungen und Praktiken zeugen schon die Abbildungen auf den Spintriae aus dem Römischen Reich.

BDSM[Bearbeiten]

Für Sadomasochisten findet in sogenannten SM-Studios eine Prostitutionsform statt, welche auf den sexuellen Genuss von „Strenge und Schmerz“ aufbaut. Die aktiv Ausübenden werden Domina/Dominus genannt, die passiv „Duldenden“ Sklave/Sklavia. Diese Szene zählt sich selbst in der Regel nicht zum herkömmlichen Prostitutionsgewerbe. Allerdings sprechen sich einige Prostituierte dafür aus, auch Prostitution im BDSM-Bereich explizit als solche zu benennen.[43]

Sexualassistenz oder Surrogatpartner[Bearbeiten]

Eine Sonderform der Prostitution stellt das Angebot sogenannter Surrogatpartner (auch Sexualassistenz oder Sexualbegleitung genannt) dar: Menschen, die aufgrund einer Behinderung keine andere Möglichkeit der sexuellen Befriedigung haben oder mangels eigenen Partners in einer Sexualtherapie niemanden haben, mit dem sie beispielsweise aufgrund einer Potenzschwäche neues Vertrauen schöpfen können, nehmen die Dienste von männlichen oder weiblichen Ersatzpartnern in Anspruch. Sexualassistenten sind, etwa durch inzwischen existierende spezielle Ausbildungsgänge, auf die besonderen Bedürfnisse behinderter Menschen spezialisiert oder speziell therapeutisch geschult. Im Gegensatz zu vielen anderen therapeutischen oder behinderungsspezifischen Hilfen obliegt die Finanzierung dieser Dienstleistung in aller Regel den betroffenen Menschen selbst. Auch eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen (‚Sex auf Krankenschein‘) ist in Deutschland – anders als etwa in den Niederlanden – gesetzlich ausgeschlossen. In Dänemark werden mit staatlicher Hilfe bessere Möglichkeiten zur Befriedigung sexueller Bedürfnisse für behinderte Menschen angeboten, das heißt, es werden nach Wunsch Prostituierte für diese Menschen engagiert.

Entgelt[Bearbeiten]

Trotz des Rechtsanspruchs der Prostituierten auf Bezahlung, im Zuge der Einführung des Prostitutionsgesetzes, erfolgt die Bezahlung in der Regel per Vorkasse. Bei einem vertrauensvollen Verhältnis zwischen Freier und Prostituierten, z.B. bei „Stammfreiern“, kann in der Praxis von dieser Regel abgewichen werden. Freier, die nicht bezahlen wollen, werden im Jargon als „Nuttenpreller“ bezeichnet. Wird der Freier bestohlen, handelt es sich um Beischlafdiebstahl. Verlangt die Prostituierte mehr Geld als vereinbart, wird dies im Jargon als „Nachkobern" bezeichnet. Das Simulieren des Vaginalverkehres durch die vorgehaltene Hand wird umgangssprachlich als "Klappe schieben" bezeichnet. Es spielt auf eine prostitutive Praxis gegenüber unerfahrenen, jungen oder betrunkenen Männern an, die insbesondere in der historischen Seemanns- und Soldatenprostitution oder bei sexuell ungebildeten Männern üblich war und im Bereich der Straßen- und Parkprostitution auftreten kann.

Rahmenbedingungen[Bearbeiten]

Gründe für unfreiwillige Sexarbeit und Zwangsprostitution[Bearbeiten]

Die Gründe, aus denen Menschen sich dazu gezwungen sehen, Sex als Arbeit ausüben zu müssen, können sehr unterschiedlich sein und sind oft mehrschichtig. Die Abgrenzung zwischen Zwang und freiwilliger Berufswahl kann schwierig sein. In wirtschaftlich schwachen Ländern, beispielsweise in Ländern der Dritten Welt, ergreifen die Menschen diese Tätigkeit meistens, weil sie sonst keine andere Möglichkeit sehen, ihren täglichen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Auch freiwillige Prostituierte können bei mangelnder Unterstützung ihres Umfeldes, sei es sozial, gesellschaftlich oder materiell, in Abhängigkeitsverhältnisse gebracht und letztlich in die unfreiwillige Prostitution geraten, aus welchen sie von sich aus nur schwer Wege hinaus finden. Nicht selten verbindet sich die Prostitution zusätzlich mit anderen kriminellen Tatbeständen wie Zuhälterei, Erpressung und Menschenhandel.

Hauptartikel: Zwangsprostitution

Zuhälterei[Bearbeiten]

Das Warten eines Zuhälters auf eine Prostituierte nach der ärztlichen Kontrolle (Berlin, 1890)

Zuhälter üben oft Zwang auf die für sie tätigen Prostituierten aus, entweder damit sie sich überhaupt prostituieren oder damit sie den gewünschten Anteil an den Einnahmen an ihn oder sie abliefern. Bei allen Formen der Prostitution können die Prostituierten unter der Kontrolle eines männlichen oder weiblichen Zuhälters stehen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Zuhälter die Prostituierten unter Einsatz von Gewalt oder psychischer Manipulation (also durch gezieltes Ausnutzen persönlicher Schwächen), gelegentlich auch suchterzeugender Drogen, in einem Zustand der Abhängigkeit halten; eine besondere gewaltsame Abhängigkeit wird im Fall des Menschenhandels (siehe auch Moderne Sklaverei) geschaffen. Betroffen sind häufig ungebildete Menschen aus Zweit- oder Drittweltländern. In solchen Situationen geht der Verdienst ganz oder weitgehend an die Zuhälter. Eine Gegenleistung wird bestenfalls darin geleistet, indem für den Schutz der Prostituierten in dem oft nicht ungefährlichen Milieu gesorgt wird.

Zuhälter können aber trotz ihrer Kommission dazu führen, dass Prostituierte mit weniger Arbeit mehr verdienen. So zeigt eine empirische Analyse von Prostituierten in Chicago, dass Zuhälter zahlungskräftigere und -willigere Kunden rekrutieren als Prostituierte alleine. Auch können Prostituierte mit Zuhälter vor Gewalt von Kunden besser geschützt sein.[44]

Die Grenzen sind bisweilen aber fließend: Die Ehefrau oder Freundin kann mit Prostitution zum Lebensunterhalt der Lebensgemeinschaft beitragen oder bestreitet ihn sogar gänzlich, ohne dass der partizipierende Partner hier als Zuhälter zu bezeichnen wäre.

Hauptartikel: Zuhälterei

Menschenhandel[Bearbeiten]

Am Menschenhandel sind oftmals Mitglieder von kriminellen Vereinigungen oder entsprechenden Organisationen (Mafia, Outlaw Motorcycle Gangs und ähnliche) beteiligt.

Insbesondere gibt es einen Bereich des grenzüberschreitenden Menschenhandels, bei dem Menschen aus wirtschaftlich schwachen Ländern oder armen ländlichen Gebieten von Menschenhändlern unter Vorspiegelung legaler Arbeitsmöglichkeiten an andere Orte gelockt oder verschleppt werden, wo sie durch körperliche und seelische Gewalt und Freiheitsberaubung in persönliche und finanzielle Abhängigkeit gebracht und dann zur Prostitution gezwungen werden.

Hauptartikel: Menschenhandel

Kinderprostitution[Bearbeiten]

Kinderprostitution war bereits im Altertum bekannt. Schon der römische Dichter Martial berichtete in einem seiner Epigramme erfreut darüber, dass Kaiser Domitian ein Gesetz gegen die Prostitution Minderjähriger erlassen hatte.

Schätzungen von UNICEF zufolge werden weltweit etwa drei bis vier Millionen Kinder im Rahmen von Kinderprostitution kommerziell sexuell ausgebeutet; dabei ist die Definition von „Kind“ meistens „Person unter 18 Jahren“. Prostitution von Personen unter 14 Jahren – Kind im Sinne des deutschen Strafrechtes – geschieht ebenfalls, ist aber sehr viel seltener.

Hauptartikel: Kinderprostitution

Gewalt[Bearbeiten]

Sex-Worker-Denkmal Belle im Amsterdamer Rotlichtviertel De Wallen mit der Aufschrift „Respect sex workers all over the world.“

Prostitution findet häufig „im Verborgenen“ statt, was vielfach als Grund dafür angesehen wird, dass Prostituierte mitunter Opfer von psychischer und physischer Gewalt werden. Serienmörder wählen mitunter Prostituierte als Opfer, wie beispielsweise Jack the Ripper und Robert Pickton. Interessenvertretungen riefen den 17. Dezember als „Internationalen Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter_innen“ (International Day to End Violence Against Sex Workers) aus.[45]

Drogenbedingte Prostitution[Bearbeiten]

Ein Grund für Prostitution können Zwangslagen sein, wie die Geldbeschaffung für Suchtmittel wie Drogen und Alkohol.

Hauptartikel: Beschaffungsprostitution

Gesundheitliche und sozialhygienische Aspekte[Bearbeiten]

Eine Prostituierte in Tijuana, Mexiko

Schlechte Arbeitsbedingungen, aber auch die fehlende gesellschaftlichen Akzeptanz und damit verbundene Rechtlosigkeit, die dazu führt, dass Sexarbeiterinnen etwa ein Doppelleben führen müssen, werden als Ursache für ein körperliches und psychisches Ausbrennen (Burnout) gesehen, unter denen einige Prostituierte leiden.[46] Eine Studie von 2005 ergab, dass 41 Prozent bei Ausübung der sexuellen Dienstleistung durch Freier Gewalt erlebten. Täter sind aber auch die eigenen Beziehungspartner. Es wurden Knochenbrüche, Verstauchungen, Verletzungen im Gesicht bis hin zu Brandwunden beschrieben.[47]

In einer Lübecker Studie (110 Teilnehmerinnen) aus dem Jahr 2007 wurde bei einem Viertel der untersuchten Prostituierten eine behandlungsdürftige sexuell übertragbare Krankheit diagnostiziert. Fast die Hälfte war von einer akuten oder stattgehabten Infektion betroffen. In Bezug auf Syphilis und Hepatitis B war der Prozentsatz im Vergleich zu einer sich nicht prostituierenden Kontrollgruppe signifikant erhöht. Nicht signifikant erhöht waren: Chlamydieninfektion, Aminkolpitis, Candidainfektion und HIV. Der Prozentsatz bei Hepatitis C betrug bei Prostituierten 4,5 % und bei der sich nicht prostituierenden Kontrollgruppe 0 %.

Sexuell übertragbare Krankheiten können über einen längeren Zeitraum bestehen und erhebliche Folgeschäden und Folgekosten nach sich ziehen, welche sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, Zahl der Freier und deren weiteren Sexualpartner potentieren. Aufgrund der in Deutschland seit 2001 vorgeschriebenen Freiwilligkeit der Untersuchung empfiehlt die Studie ein vermehrtes Zugehen auf die Prostituierten und die Schaffung einer langfristigen Vertrauensbasis. Die hohe Fluktuation bei Prostituierten stehe dem jedoch entgegen.[48]

Eine Untersuchung des Robert Koch Instituts (1425 Teilnehmer_innen)von 2010/11 in mehreren Gesundheitsämtern kommt jedoch zu dem Schluss, das sich Prostituierte hierin nicht von der Allgemeinbevölkerung abheben. Eine höhere Ansteckungsgefahr hatten lediglich Personen, die erst vor kurzen der Prostitution nachgehen, Drogen nehmen oder auf Nachfrage Sex ohne Kondom praktizieren.[49] Der Bochumer Dermatologe Norbert H. Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG), warnte im Dezember 2013 anlässlich der Tagung „Sexarbeit und STI-Forschung“ in Köln vor Restriktionen für Sexarbeiterinnen und vor Strafverfolgung von Freiern: „Wenn wir von unserem Vorgehen bei der HIV-Infektion lernen wollen, dann sehen wir, dass alle Staaten, die versucht haben, über Zwangsmaßnahmen die HIV-Epidemiologie einzudämmen, dramatische Zuwächse an Infektionen hatten.“ Er warnt vor ähnlichen Effekten in Deutschland, wenn Sexarbeiterinnen und Freier in Deutschland Strafen oder noch stärkere Stigmatisierungen befürchten müssen.[50]

Gesellschaftliche und politische Akzeptanz[Bearbeiten]

Gesellschaftliche Bewertungen[Bearbeiten]

Prostitution wird mitunter als „unmoralisch“, „unsittlich“ und „gesellschaftsverderbend“ betrachtet. Von Teilen der Bevölkerung werden Prostituierte als „minderwertig“ angesehen. Bis in die 60er Jahre wurde Frauen, sobald sie einmal von der Gesellschaft als „gefallene Frau“ betrachtet wurden (uneheliche Schwangerschaft, Verlust der Jungfernschaft vor der Ehe im Allgemeinen) einer Art Teufelskreis ausgesetzt: Standen einer Frau keine Verdienst- oder Karrieremöglichkeiten zur Verfügung, verblieben ihr nur noch wenige Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

Auf der anderen Seite spricht sich zumindest in Deutschland laut einer Anfang 2014 veröffentlichten Emnid-Umfrage eine Mehrheit der Bevölkerung gegen das Verbot von Prostitution aus.[51] Auch der Appell für Prostitution Ende 2013 fand in Deutschland prominente Unterstützer.

Staatliche Verfolgungen[Bearbeiten]

Die Bekämpfung der Prostitution wurde mit der Sorge um den allgemeinen sittlichen Zustand der Gesellschaft begründet, zugleich aber durch die Durchsetzung rigider Wert- und Moralvorstellungen (Arbeits- und Ausbildungsverbot für Frauen oder diesbezügliche Beschränkungen, Abtreibungsverbot, Strafbarkeit homosexueller Handlungen usw.) immer wieder neu angefacht. Dazu kam, dass Prostituierte auch öffentlich stigmatisiert wurden: Im Mittelalter mussten Prostituierte besondere Schleier und Bänder tragen, teils wurde ihnen sogar ein Schandmal auf Stirn oder Nacken gebrannt oder tätowiert, um sie für immer als „gefallen“ zu kennzeichnen. Noch bis in die Moderne hinein wurden Frauen und Männern, die in den Verdacht der Prostitution gerieten, in Akten als „sexuell auffällig“ oder „abnorm“ geführt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden diese systematisch deportiert und mussten einen Schwarzen Winkel tragen. Das KZ Ravensbrück ist ein Synonym für die Kasernierung von Prostituierten und deren Missbrauch. Bis heute wurde keine der misshandelten Frauen entschädigt, da die Angst vor Schande und Diskriminierung viele dazu veranlasste, besser zu schweigen, als sich zu äußern.

Gesetzliche Modelle[Bearbeiten]

Rechtliche Stellung der Prostitution in Europa:
  • Prostitution legal und durch den Gesetzgeber reglementiert
  • Prostitution legal, aber organisierte Aktivitäten wie Bordelle illegal; Prostitution nicht gesetzlich reglementiert
  • Prostitution illegal
  • keine Daten

Grundsätzlich lassen sich aus rechtlicher Sicht vier unterschiedliche Zugänge zur Prostitution feststellen:[52]

  1. Beim Prohibitionsprinzip werden alle mit Prostitution in Verbindung stehenden Handlungen und Personen bestraft.
  2. Das Abolitionsprinzip hat als langfristiges Ziel die Abschaffung der Prostitution. Die Prostituierten selbst werden bei diesem Prinzip als Opfer angesehen und nicht rechtlich belangt. Sehr wohl aber werden in Zusammenhang mit Prostitution stehende Handlungen wie Zuhälterei, Unterhaltung von Bordellen und Frauenhandel bestraft, mancherorts auch die Freier.
  3. Das Regulationsprinzip toleriert Prostitution als notwendiges Übel und stellt es unter staatliche Kontrolle. Das Gesetz schreibt Genehmigung von Bordellen und Registrierung, Gesundheitskontrolle und Steuerpflicht für Prostituierte vor.
  4. Das Entkriminalisierungsprinzip sieht Sexarbeit als Form der Erwerbsarbeit an und regelt sie entsprechend, das heißt, Prostitution wird entkriminalisiert und der Ausbeutung von Prostituierten rechtlich entgegengewirkt.

Während die Tendenz derzeit in einigen Staaten Europas wie beispielsweise in Schweden stark in Richtung Abolitionsprinzip geht, folgen andere Länder wie Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Niederlande eher dem Entkriminalisierungsprinzip.[52]

In Deutschland gilt die Prostitution seit dem Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes (ProstG) am 20. Dezember 2001 rechtlich nicht mehr als sittenwidrig.[53] Während früher Verträge über geschlechtliches Verhalten als sittenwidrig und damit gem. § 138 I BGB als nichtig angesehen wurden, erkennt § 1 Satz 1 ProstG erstmals einen Entgeltanspruch von Prostituierten an, der – nachträglich – entsteht, wenn die sexuellen Handlungen vorgenommen worden sind. Entsprechend ist auch das Verfügungsgeschäft über dieses Entgelt wirksam. Allerdings ist davon das Verpflichtungsgeschäft zu unterscheiden. Da die Bereitschaft zu geschlechtlichem Verhalten um der Menschenwürde willen jederzeit widerruflich sein muss, kann ein Erfüllungsanspruch hinsichtlich der Leistung der Prostituierten nicht bestehen. Der Besuch bei Prostituierten vollzieht sich jedoch weiterhin in der Regel im Geheimen, da er in Teilen der Bevölkerung weiterhin als sittlich anstößig gilt.

Veränderungen der gesellschaftlichen Einstellungen zeigen jedoch eine zunehmende Akzeptanz von Prostitution. Laut einer Umfrage von Infratest dimap aus dem Jahre 1999 bejahten über 70 % der Altersgruppen zwischen 18 und 59 Jahren die Frage, ob Prostitution ein anerkannter Beruf mit Steuer- und Sozialversicherungspflicht sein soll. 66 % der Männer und 69 % der Frauen sprachen sich dafür aus. Methodisch wurde die Umfrage allerdings insoweit kritisiert, als nach „Pflichten“ und nicht nach „Rechten“ für Prostituierte gefragt wurde. Eine andere Formulierung hätte den Kritikern zufolge zu anderen Ergebnissen führen können. [54]

Kritiker der Prostitution bemängeln neben den Gefahren der finanziellen und sexuellen Ausbeutung der Prostituierten (Zwangsprostitution) oder der Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten unter anderem die auch mit ihrer öffentlichen Akzeptanz verbundene Sexualisierung der Gesellschaft, vor allem aber die Herabwürdigung des Intimbereichs der Person zu einer verfügbaren Ware. Die Käuflichkeit der sexuellen Dienstleistung laufe zumindest Gefahr, den Menschen selbst zu einem käuflichen Objekt zu degradieren. Hierin liege ein Verstoß gegen die Menschenwürde der Prostituierten und zugleich die Verletzung des persönlichen Achtungsanspruchs des Freiers, der eine Ware erhalte, wo er das Geschenk freier persönlicher Zuwendung erhalten sollte.

Befürworter des Entkriminalisierungsprinzips der Prostitution sind hingegen bemüht, die Prostitution als einen normalen Beruf zu etablieren, dessen Ausübung lediglich vor Missbrauch und anderen Berufsrisiken zu schützen sei. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die Erfahrungen in diversen Ländern, die Prostitution verboten haben, zeigen, dass das Verbot nicht funktioniere und die Bedingungen für die Frauen durch ein Verbot noch schlechter geworden seien.[55]

Befürworter des Regulationsprinzips erwarten von der Durchführung regelmäßiger Untersuchungen sowie der behördliche Registrierung aller Prostituierten eine effizientere Bekämpfung von AIDS und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen.[56]

Prostitution findet je nach örtlicher Sittenverordnung statt. Manche Städte haben Sperrbezirke eingerichtet. Das heißt, dass Prostituierte ihrem Beruf nur an Orten nachgehen dürfen, an denen kein Wohngebiet ist und sich keine Schulen, Krankenhäuser, Kirchen oder sonstigen sozialen oder religiösen Einrichtungen befinden. Oft bildete sich im Rahmen dessen nicht selten ein Rotlichtmilieu, wenn nicht gar ein ganzes Rotlichtviertel aus. Prägnante Beispiele sind in Hamburg-St. Pauli die Reeperbahn oder das Bahnhofsviertel in Frankfurt am Main.

Verbände, Selbsthilfegruppen und Fachberatungsstellen[Bearbeiten]

Die erst im 20. Jahrhundert in der Öffentlichkeit sichtbare Hurenbewegung ist sehr dezentral organisiert.

Deutschland[Bearbeiten]

Die Gewerkschaft ver.di versucht, mit einem Arbeitskreis Prostitution (Fachbereich 13 Besondere Dienstleistungen), die Interessen von Prostituierten zu vertreten. Dabei konzentriert sich die Gewerkschaft auf die arbeitsrechtliche Absicherung von Prostituierten, unter anderem mit einem Muster-Arbeitsvertrag. Als Arbeitgeberverband im Bereich der Prostitution gibt es den Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen (BSD) mit Sitz in Berlin. Seit Oktober 2013 existiert auch der von Sexarbeitern/-innen mit dem Ziel der Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen gegründete Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD).

Ebenfalls in Berlin sitzt die älteste deutsche Selbsthilfeorganisation für Prostituierte, der 1981 gegründete Verein Hydra, der 2011 das Projekt Diwa gegründet hat. Das Modellprojekt, das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird, will Sexarbeiterinnen unterstützen, die über einen Umstieg nachdenken und sich weiterbilden und qualifizieren möchten. In Frankfurt am Main ist die 1998 gegründete Selbsthilfeorganisation Doña Carmen für Prostituierte ansässig. Daneben gibt es zahlreiche Beratungsstellen und Organisationen im In- und Ausland, die jedoch in vielen Fällen nicht kontinuierlich fortbestehen. Der Bochumer Verein Madonna hilft Prostituierten beim Ausstieg und vermittelt Umschulungen, häufig in den Bereich der Altenpflege. Der 1985 von der katholischen Ordensschwester Lea Ackermann gegründete Verein SOLWODI unterstützt Zwangsprostituierte in Deutschland und weltweit mit Beratung, Begleitung und Ausstiegshilfen.

Das Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (bufas) setzt sich ein für die dauerhafte Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern, deren rechtliche und soziale Gleichstellung mit anderen Erwerbstätigen sowie die Entkriminalisierung der Sexarbeit. Im Jahre 2014 sind 16 Fachberatungsstellen Mitglieder. Der Arbeitskreis der deutschsprachigen Stricherprojekte (AKSD) besteht aus acht Mitgliedseinrichtungen deutschlandweit und setzt sich ein für die Verbesserung der gesellschaftlichen und psychosozialen Situation männlicher Sexarbeiter. Schwerpunkt der Tätigkeit sind gesundheitsfördernde Maßnahmen (einschließlich Prävention von HIV und STI), eine sozialpädagogische und psychosoziale Versorgung mittels Anlauf- und Beratungsstellen und die Online- und Chatberatung Info4Escorts für Escorts, Callboys und Taschengeldjungs.

Internationale Organisationen[Bearbeiten]

International sind Beratungsstellen und Interessenvertretungen im 1991 gegründeten Network of Sex Work Projects (NSWP) organisiert. Ein Vorläufer des NSWP war das International Committee for Prostitutes' Rights (ICPT), das 1985 in Amsterdam die World Charter For Prostitutes’ Rights veröffentlichte. Ein Zusammenschluss europäischer Hurenorganisationen ist seit 2004 das International Committee on the Rights of Sexworkers in Europe (ICRSE).

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Prostitution – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Prostitution
Formen
Regionale Situation

Literatur[Bearbeiten]

Prostitution allgemein[Bearbeiten]

  • Sabine Grenz: (Un)heimliche Lust: Über den Konsum sexueller Dienstleistungen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14776-5.
  • Sabine Grenz, Martin Lücke (Hrsg.): Verhandlungen im Zwielicht. Momente der Prostitution in Geschichte und Gegenwart. Transcript Verlag, 2006, ISBN 3-89942-549-9.
  • Vern Leroy Bullough: History of Prostitution. University Books, New Hyde Park, NY 1964. (übersetzt ins Italienische als Italian as Storia Della Prostituzione. dall Oglio, Mailand 1967)
  • Norbert Campagna: Prostitution. Eine philosophische Untersuchung. Berlin 2005.
  • Nils Johan Ringdal: Die neue Weltgeschichte der Prostitution. Piper, München/ Zürich 2006, ISBN 3-492-04797-1.
  • Max Gruber: Die Prostitution vom Standpunkte der Sozialhygiene aus betrachtet. Vortrag. 1900.
  • Elisabeth von Dücker (Hrsg.): Sexarbeit. Prostitution – Lebenswelten und Mythen. Edition Temmen, Bremen 2005, ISBN 3-86108-542-9.
  • Marcel Feige: Das Lexikon der Prostitution. Das ganze ABC der Ware Lust. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89602-520-1.
  • Alice Frohnert: Ansichten der Prostitution. Dimensionen des heutigen Frauenbildes, dargestellt am Beispiel der Prostitutionsthematik in Texten der Boulevardpresse. R. G. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-89406-675-X.
  • Alice Frohnert: Dimensionen der Prostitution, Poly- und Monogamie: analysiert im Rahmen der patriarchalischen Gesellschaftsordnung. Weidler, Berlin 1992, ISBN 3-925191-67-4.
  •  Christian Friedrich Majer: Der Prostitutionsvertrag und die guten Sitten (PDF). In: JSE. 3/2012, S. 5–22.

Freiwillige Prostitution und Sexarbeit[Bearbeiten]

  • BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bundestagsfraktion: „Auf dem Prüfstand: Das Prostitutionsgesetz – Dokumentation des Fachgesprächs am 16. August 2004 im Deutschen Bundestag“
  • Micha Ebner: Berufsratgeber für Huren. ISBN 3-8370-1418-5.

Milieuprostitution und Zuhälterwirtschaft[Bearbeiten]

Migration und Sexarbeit[Bearbeiten]

  • Laura María Agustín: Sex at the Margins: Migration, Labour Markets and the Rescue Industry. Zed Books, London 2007 (Rezension siehe www.reflect-online.org)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prostitution – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Prostitution – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. frauenrat.de
  2. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Prostitution. Januar 2014 (online)
  3. Kleine Anfrage der Fraktion der Linken
  4. Das Gilgamesch-Epos. übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Albert Schott. Verlag Reclam, Stuttgart 1988, ISBN 3-15-007235-2, S. 12.
  5. Franz Kogler (Hrsg.): Herders neues Bibellexikon. Freiburg im Breisgau, 2008, ISBN 978-3-451-32150-4.
  6. Peter Schuster: Das Frauenhaus. Städtische Bordelle in Deutschland (1350–1600). Schöningh, Paderborn 1992, ISBN 3-506-78251-7.
  7. Stephan Gottschalt: Die Neuordnung der gewerblichen Prostitution durch die Reformation. Grin Verlag, München 2010, ISBN 978-3-640-97504-4.
  8. Franz S. Hügel: Zur Geschichte, Statistik und Regelung Der Prostitution. Dogma, 2012, ISBN 978-3-95507-579-8, S. 143.
  9. a b c d Bernard de Mandeville: Eine Bescheidene Streitschrift für Öffentliche Freudenhäuser Oder ein Versuch über die Hurerei wie sie jetzt im Vereinigten Königreich praktiziert wird. Verfasst von einem Laien. Aus dem Englischen, annotiert und mit einem Essay versehen von Ursula Pia Jauch. Carl Hanser Verlag, München 2001, S. 60, Anmerkung 55, ebenso S. 140.
  10. Romina Schmitter: Prostitution – Das älteste Gewerbe der Welt? In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 9/2013, S. 23 f.
  11. Philipps, S. 86.
  12. Quelle vielleicht (!): Der Spiegel, 4. Januar 2004.
  13. spiegel.de
  14. EuGH v. 20. November 2001 – Rs. C-268/99
  15. Website des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin: "Café Pssst" gegen Land Berlin, 28. Februar 2001. (abgerufen am 1. Juli 2014)
  16. diestandard.at
  17. europarl.europa.eu
  18. votewatch.eu
  19. Europarat: Resolution 1983 (2014)
  20. Europarat: Video der Sitzung vom 8. April 2014
  21. menschenhandelheute.net
  22. Stellungnahme des Frauenrates
  23. nswp.org
  24. sexworkeurope.org
  25. berufsverband-sexarbeit.de
  26. nswp.org
  27. Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten (ProstG)
  28. focus.de
  29. Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Länderkompetenzen Prostitution“ (online)
  30. Klaus Bayerl: Prostitutionsgesetz: Zuhälter-Profit statt Prostituierten-Rechte. (online)
  31. Sven-Axel Månsson: "Men’s practices in prostitution and their implications for social work". Paris 2002.
  32. Claus Lautrup:""Det skal ikke vaere eb krop mod krop – oplevelse…“ En sociologisk undersogelse om prostitionskunder“. Kopenhagen 2005.
  33. Ronald Weitzner: „Prostitution as a form of Work”. In: Sociology Compass 1 (1). 2007.
  34. Dieter Kleiber, Doris Velten: “Prostitutionskunden: Eine Untersuchung über soziale und psychologische Charakteristitika von Besuchern weiblicher Prostituierter in Zeiten von AIDS“. Nomos Verlag Baden-Baden.4. Januar 1994. ISBN 3789032603
  35. Udo Gerheim: "Die Produktion des Freiers – Macht im Feld der Prostitution Eine soziologische Studie." transcript Genderstudies. transcript Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1758-0, S. 7 (online)
  36. Udo Gerheim: "Die Produktion des Freiers – Macht im Feld der Prostitution. Eine soziologische Studie." transcript Genderstudies. transcript Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1758-0, S. 8
  37. Udo Gerheim: "Die Produktion des Freiers – Macht im Feld der Prostitution. Eine soziologische Studie." transcript Genderstudies. transcript Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1758-0, S. 9
  38. Udo Gerheim: Motive der männlichen Nachfrage nach käuflichem Sex. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 9/2013, S. 44.
  39. Claus Lautrup: ""Det skal ikke vaere eb krop mod krop – oplevelse…“ En sociologisk undersogelse om prostitionskunder“. Kopenhagen 2005.
  40. Udo Gerheim: "Die Produktion des Freiers – Macht im Feld der Prostitution. Eine soziologische Studie." transcript Genderstudies. transcript Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1758-0, S. 16–17
  41. Sven-Axel Månsson: Man’s Practice in Prostitution: The case of Sweden. Vortrag des Autors beim 15. World Congress for Sexology, 24.–28. Juni 2001, Paris
  42. Lorna Martin: Sex, sand and sugar mummies in a Caribbean beach fantasy. In: The Guardian, 23. Juli 2006
  43. Cem Yıldız: Fucking Germany: Das letzte Tabu oder mein Leben als Escort. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-938060-39-1.
  44. Steven Levitt, Sudhir Venkatesh: Empirical Analysis of Street-Level Prostitution. September 2007. (PDF; 1,6 MB)
  45. Menschenhandel heute (online)
  46. Martina Schuster: Mit Professionalität gegen Burnout. In: Elisabeth von Dücker, Museum der Arbeit Hamburg (Hrsg.): Sexarbeit: Prostitution-Lebenswelten und Mythen. Bremen 2005.
  47. Christa Oppenheimer: Gewalterfahrungen und Gesundheitssituation bei Prostituierten. In: Sozialextra. September 2005, Springer Verlag, S. 37.
  48. Anna Wolff: Untersuchung zum Infektionsstatus von Prostituierten in Lübeck. Inauguraldissertation. Heidelberg 2007, S. 52–54 (online)
  49. rki.de
  50. Ärztezeitung (online)
  51. jesus.de
  52. a b http://www.sjoe.at/content/frauen/themen/koerper/article/618.html Interview mit Eva van Rahden von SILA
  53. Hiervon abweichend etwa Christian F. Majer: Der Prostitutionsvertrag und die guten Sitten. In: JSE. 3/2012, S. 5 ff. (online auf: zeitschrift-jse.de)
  54. Cornelia Helfferich u.a. Sozialwissenschaftliches Frauenforschungsinstitut Freiburg: Untersuchung „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes“ im Auftrag des BMFSFJ
  55. Julia Ortner: Verunsicherte Voyeure. In: Falter. 23/04 vom 2. Juni 2004.
  56. http://www.statistik.at/web_de/Redirect/index.htm?dDocName=017760 Statistik Austria: Gerichtliche Kriminalstatistik 2005, ISBN 3-902479-92-2, S. 21: Durch das Bundesgesetz BGBl. Nr. 243/1989 wurde der § 210 StGB, der bislang die gewerbsmäßige gleichgeschlechtliche Unzucht mit einer Person männlichen Geschlechts unter Strafe stellte, aufgehoben. Diese gesetzliche Maßnahme ist das Ergebnis einer ausführlichen Diskussion, in der die Befürworter hauptsächlich dahingehend argumentierten, dass die im Zusammenhang mit der Verbreitung von AIDS getroffenen Gegenmaßnahmen, insbesondere die Durchführung regelmäßiger Untersuchungen sowie die behördliche Registrierung aller Prostituierten, durch die allgemeine Strafbarkeit der männlichen homosexuellen Prostitution in ihrer Effizienz stark beeinträchtigt würden.