Tie-Break

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Der oder das[1] Tie-Break, auch Tiebreak (engl. tie, Gleichstand, wörtlich etwa Gleichstandsbrecher) ist ein Zähl- oder Wertungsverfahren im Sport, mit dem Entscheidungen abgekürzt werden. Besonders bekannt ist es vom Tennis. Dort dient es als Spiel mit besonderer Zählweise, um in einem bisher unentschiedenen Satz beim Stand von 6:6 eine Entscheidung herbeizuführen. Der Gewinner des Tie-Break entscheidet den Satz mit 7:6 für sich. Es gibt auch einen Tie-Break im Volleyball, im Turnen, im Squash, im Schach und im Bowls. Die Regeln fallen jeweils anders aus als im Tennis (vgl. auch das Elfmeterschießen beim Fußball).

Tennis[Bearbeiten]

Zählweise[Bearbeiten]

Anders als beim herkömmlichen Tennisspiel zählt ein Ballwechsel als genau ein Punkt. Gewonnen hat der Spieler, der zuerst mindestens sieben Punkte und gleichzeitig zwei Punkte Vorsprung erreicht hat.

  • Aufschlagrecht: Das Aufschlagrecht wechselt nach dem ersten Punkt und dann nach jedem zweiten Punkt, so dass bei jedem Spielstand mit einer ungeraden Punktesumme ein Aufschlagwechsel stattfindet. Der Rückschläger des vorangehenden Spiels hat im Tie-Break als Erster das Aufschlagrecht. Der erste Aufschlag wird von rechts ausgeführt, wie zu Beginn eines normalen Aufschlagspieles. Danach wird nach jedem Aufschlagwechsel von links aufgeschlagen. Im nachfolgenden Satz hat derjenige das Aufschlagrecht, der im Tie-Break beim ersten Ballwechsel Rückschläger war.
  • Seitenwechsel: Die Spielfeldseite wird alle sechs Punkte gewechselt. Jedoch darf dabei kein Spieler eine Pause einlegen, wie es bei einem Seitenwechsel sonst üblich ist.
  • Notation der Ergebnisse: Bei der Notation eines Spielergebnisses wird der abschließende Punktestand eines Tie-Breaks üblicherweise in Klammern angegeben, z. B. 6:4, 7:6 (10:8). Bei der verkürzten Schreibweise wird die Tie-Break-Punktzahl des Satzgewinners weggelassen, da sie entweder 7 beträgt oder, falls sie größer ist als 7, aus der Punktzahl des Verlierers durch Addition von 2 errechenbar ist (z. B. bedeutet 7:6(3) ein Tie-Break-Ergebnis von 7:3, 7:6(8) ein Tie-Break-Ergebnis von 10:8).

Als weitere von der ITF erlaubte Zählweise gibt es den Match-Tie-Break. Hier werden nicht sieben, sondern 10 Punkte bis zum Gewinn benötigt. Alle anderen oben für den Tie-Break genannten Regularien gelten so auch für den Match-Tie-Break, der mittlerweile weltweit bei fast allen Turnieren als Ersatz für den entscheidenden dritten Satz gespielt wird, insbesondere bei allen Doppelturnieren der ATP, WTA, ITF, TE und aller der ITF angeschlossenen Landesverbände.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Tie-Break wurde 1963 vom Amerikaner Jimmy van Alen erfunden, 1970 wurde er in die Tennisregeln aufgenommen. Zunächst wurde im letzten und entscheidenden Satz kein Tie-Break gespielt, um nicht wenige Ballwechsel über Sieg und Niederlage entscheiden zu lassen. Heute wird in jedem Satz beim Stande von 6:6 ein Tie-Break gespielt; außer bei den Australian Open, den French Open, in Wimbledon und im Davis Cup. Hier wird im letzten und entscheidenden Satz die Tie-Break-Regel nicht angewandt. Im Davis-Cup wurde der Tie-Break generell erst im Jahr 1989 eingeführt. Anfänglich wurde der Tie-Break beim Stand von 8:8 gespielt, dies wurde später jedoch auf das heute übliche 6:6 geändert.

Der längste Tie-Break der Profi-Tennisgeschichte fand am 1. Juli 1985 im Spiel Gunnarson/Mortensen gegen Frawley/Pecci im Doppel in Wimbledon statt. Beim 6:3, 6:4, 3:6, 7:6 gewannen Gunnarson/Mortensen den Tie-Break des vierten Satzes mit 26:24.[2]

Tie-Break im Schach[Bearbeiten]

Während bei Schachturnieren verschiedene Arten der Feinwertung angewandt werden, kommt es bei Wettkämpfen zwischen zwei Spielern bei einem Gleichstand nach der vereinbarten Anzahl von Partien in der Regel zu weiteren Partien mit verkürzter Bedenkzeit. Um den Anzugsvorteil auszugleichen, wird zunächst eine gerade Anzahl von Schnell- oder Blitzpartien gespielt. Ist auch dann noch keine Entscheidung gefallen, wird oft eine einzige Blitzpartie gespielt, bei der Weiß etwas mehr Bedenkzeit (zum Beispiel fünf Minuten gegen vier Minuten) bekommt, dafür aber gewinnen muss, während Schwarz ein Remis zum Wettkampfsieg reicht. Meist wird die Farbverteilung dieser Entscheidungspartie ausgelost. Bei den US-Meisterschaften hat sich dagegen ein System etabliert, bei dem beide Spieler vor Partiebeginn ein verdecktes Gebot abgeben müssen, mit wie viel Bedenkzeit (maximal 45 Minuten) sie spielen möchten. Der Spieler mit dem niedrigeren Gebot darf dann die Farbe wählen, während sein Gegner die volle Bedenkzeit erhält. Auch hier gilt, dass der Spieler mit den schwarzen Steinen bei einem Remis den Wettkampf gewinnt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden
  2. The Age: Breaking with tradition