Tiefseeberg

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Denson-Seamount im Pazifik, nahe der Staatsgrenze zwischen den USA und Kanada
Kette der New-England-Seamounts vor der Nordostküste der USA

Tiefseeberge oder Seeberge (englischer Fachausdruck: seamount) sind unterseeische Berge, die sich vom Meeresboden etwa 1.000 bis 4.000 m hoch erheben, aber den Meeresspiegel nicht erreichen. Meistens handelt es sich um submarine Vulkane.

Entstehung und Entwicklung[Bearbeiten]

Tiefseeberge und die ähnlichen Guyots entstehen an den divergierenden Plattengrenzen der mittelozeanischen Rücken oder innerhalb einer ozeanischen Platte im Rahmen des Hot-Spot-Vulkanismus. Durch die Bewegung der ozeanischen Kruste im Verlauf des Seafloor Spreading (Meeresbodenspreizung) verlieren die Vulkane den Kontakt zu ihrer Magmenquelle und die Magmenförderung erlischt.

Seeberge zeichnen sich durch sehr steile Hänge und eine relativ geringe Ausdehnung im Kuppenbereich aus.

Im Unterschied zu Guyots ragen Seeberge per definitionem nicht über die Meeresoberfläche hinaus und unterliegen damit auch nicht der abtragenden Wirkung der Meeresbrandung. Allerdings können sich Seeberge zu Inseln entwickeln, wie man es bei Surtsey sah und etwa bei dem Seeberg Loihi bei Hawaii erwartet.

Seamounts und Inseln als Hindernisse der Subduktion in Japan (Honshū)

Vorkommen[Bearbeiten]

Tiefseeberge kommen in allen Ozeanen vor, besonders aber in der Nähe von mittelmeerischen Rücken wie dem mittelatlantischen Rücken und Hot Spots. So gibt es zum Beispiel eine ungewöhnliche Häufung im östlichen Nordatlantik.

An Subduktionszonen, wo eine Kontinentalplatte unter die andere abtaucht, wie etwa am sogenannten Pazifischen Feuerring, können diese Vulkane Hindernisse bilden. Die untertauchende Platte bleibt gewissermaßen hängen und dies führt zu heftigen Erdbeben.

Beispiele für Tiefseeberge im Pazifik sind in die Hawaii-Emperor-Inselkette,[1] im Atlantik die Gorringe-Bank und im Mittelmeer Ferdinandea und Marsili.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Tangwald

Seeberge sowie ihre Fauna sind bislang kaum erforscht. Die Tiefsee, in der absolute Dunkelheit herrscht, beherbergt jedoch eine große Anzahl Tierarten, zum Beispiel Tintenfische wie den Riesenkalmar, die sich jedoch oftmals durch niedrige Reproduktionsraten auszeichnen. Im Gegensatz zum umgebenden Ozean zeichnen sich Tiefseeberge durch ein erhöhtes Vorkommen von Organismen aus, da sie in die an Zooplankton reiche Zone bis 1000 Meter Tiefe ragen und hier durch ihre felsige Oberfläche eine Besiedlung durch sessile Filtrierer (z. B. Schwämme, Korallen, Armfüßer, Seelilien und Haarsterne, Moostierchen) ermöglichen.[2] Wenn die Kuppe der Meeresberge in die obere lichtdurchflutete Zone reicht, können auch Pflanzen auf ihnen wachsen. Vor allem große Braunalgen, deren Ansammlungen als „Tangwälder“ bezeichnet werden, nutzen diesen Lebensraum. Die Bewohner höher gelegener Tiefseeberge sind in Gefahr, durch die Fischerei mit riesigen Grundschleppnetzen ausgefischt und getötet zu werden.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Malcolm R. Clark u. a.: Seamounts, Deep-Sea Corals and Fisheries. S. 20–24.
  2. Karen Stocks: Seamount Invertebrates: Composition and Vulnerability to Fishing. In: Telmo Morato, Daniel Pauly (Hrsg.): Seamounts: Biodiversity and Fisheries (= Fisheries Centre Research Reports. ISSN 1198-6727, Bd. 12, Nr. 5). Vancouver 2004, S. 17–24.