Tilomar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Subdistrikt Tilomar
Tilomar (Osttimor)
Red pog.svg
Asan Foun-Lagune an der Küste von Maudemo
Hauptstadt Tilomar
Fläche 194,64 km²[1]
Einwohnerzahl 7.043 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Beiseuc 1.257
Casabauc 808
Lalawa 2.065
Maudemo 2.913
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Cova Lima
Lage des Distrikts Cova Lima

Tilomar (Tilômar) ist die Hauptstadt des osttimoresischen Subdistrikts Tilomar im Distrikt Cova Lima.

Der Ort[Bearbeiten]

Dier Ort liegt nahe der Südküste im Suco Lalawa, 98 km in Luftlinie südwestlich von der Landeshauptstadt Dili und etwa 18 km westlich von Suai in einer Meereshöhe von 328 m. Tilomar verfügt über eine Grundschule (Escola Primaria Lalawa),[3] einen Hubschrauberlandeplatz und eine medizinische Station.[4]

Der Subdistrikt[Bearbeiten]

Orte und Flüsse in Tilomar
Sumpfwald umschließt den See Onu Laran im Süden von Lalawa

Der Subdistrikt liegt im Südwesten Cova Limas. Nördlich befinden sich die Subdistrikte Fatumean, Fohorem und Suai. Im Westen grenzt Tilomar an das indonesische Westtimor.

Tilomar teilt sich laut der offiziellen Verordnung von 2003 in drei Sucos[5]: Beiseuc (ehemals Foholulik, Faholulic), Lalawa und Maudemo (Maudemu). Bis 2004 wurde zusätzlich der Suco Casabauc (Casabauk) geschaffen.[6]

Das bewaldete Tilomar-Reservat ist ein seit 1983 existierendes Schutzgebiet mit einer Fläche von schätzungsweise 12.800 Hektar. 2000 wurde es zum Wildschutzgebiet erklärt. Außerdem wurde das Gebiet als Important Bird Area ausgewiesen. Hier finden sich seltene Vogelarten, wie die stark gefährdete Wetar-Taube und der Gelbwangenkakadu, aber auch der Mähnenhirsch und das Leistenkrokodil im Fluss Tafara.[7] Die 205 Hektar Sandelholz sind die größten Bestände im Distrikt und gehören zu den letzten Reste des Exportguts, wofür Timor jahrhundertelang bekannt war.[8]

Im Subdistrikt leben 7.043 Menschen (2010,[1] 2004: 6.135[6]). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher des Tetum Terik, eines Dialekts der Amtssprache Tetum. Eine große Minderheit spricht die Nationalsprache Bunak. Auffällig ist im Subdistrikt der hohe Anteil von Müttern im Teenageralter. Pro Jahr kommt es zu 114,5 Lebendgeburten pro 1.000 Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Dies ist landesweit der höchste Wert (Landesdurchschnitt: 59,2) und liegt sogar über dem weltweiten Höchstwert von El Salvador von 108 Geburten. Der Altersdurchschnitt beträgt 18,2 Jahre (2010,[1] 2004: 18,4 Jahre[10]).

59 % der Haushalte im Subdistrikt bauen Mais an, 58 % Maniok, 53 % Gemüse, 48 % Kokosnüsse, 15 % Reis und 8 % Kaffee.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Lalawa war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[11][12] Gouverneur José Celestino da Silva führte im März 1895 eine Offensive gegen Lalawa, Casabauc und weitere benachbarte Reiche um sie endgültig für Portugal zu unterwerfen.[13]

Die Bunak im höher gelegenen Teil von Lalawa und in Beiseuc kamen in einem großen Flüchtlingsstrom aus dem Distrikt Bobonaro, als sie im Zweiten Weltkrieg vor der japanischen Armee flohen. Guerillaeinheiten der Alliierten hatten gegen die Japaner von Lolotoe und dem Ort Bobonaro aus operiert, woraufhin im August 1942 die japanischen Truppen Vergeltungsmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung in Bobonaro durchführten, was vermutlich mehreren Zehntausend Menschen das Leben kostete und andere in die Flucht trieb.[14]

Um den Angriffen der indonesischen Armee 1976 zu entgehen, flohen die meisten Einwohner der Subdistrikte Fohorem, Fatululic, Fatumean und Tilomar zum Berg Taroman. Andere flohen in die Dörfer Dato Tolu, Fatuloro, Taroman und Lactos.[15] Die Bunak im Flachland zwischen Suai und der Grenze zu Indonesien wurden aus nördlichen Sucos Cova Limas, wie Fatululic und Taroman, durch die indonesische Besatzungsmacht zwangsumgesiedelt. Offizielles Ziel war ein Entwicklungsprogramm für den Reisanbau.[14]

Im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendums in Osttimor 1999 kam es auch in Tilomar zu Gewalttaten. Hier im Subdistrikt Tilomar, in Salele hatte die pro-indonesischen Miliz Laksaur ihre Basis. Oberster Kommandant der Miliz war Olivio Mendonça Moruk (auch bekannt als Alisio Mau). Der Beamte für Öffentliche Arbeit war früher Chefe de Suco von Foholulik, wurde aber wegen Korruption und sexuellem Missbrauch entlassen.[16] Am 23. April 1999 wurden drei Unabhängigkeitsbefürworter ermordet, ein weiterer verschwand aus dem Dorf Niquiir (Nikir). Indonesisches Militär und Mitglieder von Laksaur zerstörten im Dorf Fatuc Metan (Fatukmetan) mehrere Häuser und folterten die Bewohner. 950 Einwohner flohen in eine Kirche und eine Schule. Der Führer von Laksaur in Tilomar (Danton) Miguel Mau wurde für die Verbrechen am 26. November 2003 zu neun Jahren Haft verurteilt.[17]

Am 24. Juli 2000 wurde der neuseeländische INTERFET-Soldat Leonard Manning am Hügel Foho Debululik bei einem Gefecht mit neun Milizionären erschossen. Es war das erste Mal seit dem Vietnamkrieg, dass ein neuseeländischer Soldat in einem Gefecht fiel und Manning war der erste im Kampf getötete INTERFET-Soldat. Zu seinem Gedenken wurde in Tilomar ein weißes Gedenkkreuz aufgestellt[18] und eine Stiftung gegründet, die jährlich an acht Schülern aus Cova Lima ein Stipendium für die Technische Schule Dom Bosco nahe Baucau vergibt. Seitdem starben vier weitere neuseeländische Soldaten in Osttimor.[19]

Am 30. Juli 2001 wurde ein indonesischer Soldat an der Grenze bei Tilomar von neuseeländischen Soldaten erschossen, nachdem er das Feuer auf sie eröffnet hatte.[20]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tilomar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  3. Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB)
  4. UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 449 kB)
  5. UNMISET
  6. a b Direcção Nacional de Estatística Census 2004
  7. BirdLife IBA Factsheet
  8. Important Bird Areas in Timor-Leste (Englisch) (PDF-Datei; 1,87 MB)
  9. a b Seeds of Life
  10. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  11. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  12. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  13. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  14. a b Antoinette Schapper: Finding Bunaq: The homeland and expansion of the Bunaq in central Timor, S. 175, in: Andrew McWilliam, Elizabeth G. Traube: Land and Life in Timor-Leste: Ethnographic Essays, 2011
  15. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  16. Masters of Terror - Olivio Mendonca Moruk
  17. The Conviction of Covalima Laksaur militia member Miguel Mau (englisch)
  18. Australian Defence Image Library: Leonard Manning memorial at Tilomar
  19. Scoop,15. Juli 2010, Wreath-laying At Tilomar, Timor-Leste
  20. Find Articles, 30. Juni 2001, Indonesian soldier dies in shoot-out with N.Z. peacekeepers

-9.3333333333333125.11666666667Koordinaten: 9° 20′ S, 125° 7′ O