Trichom

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Dieser Artikel behandelt Trichome bei Pflanzen; für Trichome bei Insekten und anderen Gliederfüßern siehe Trichom (Gliederfüßer).

Als Trichome (Pflanzenhaare) bezeichnet man haarähnliche Strukturen auf den Oberflächen von Pflanzen, die in Größe, Form und Dichte variieren und unterschiedliche Funktionen ausüben.

Trichom bei der Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana)
Drüsenhaare als Klebfalle am Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia)
Dicht stehende Silikathaare als Fraßschutz. Typisch für die Raublattgewächse, hier bei einer Ochsenzunge.

Physiologie[Bearbeiten]

Trichome können aus einer oder mehreren epidermalen Zellen bestehen (im Gegensatz zur Emergenz, die auch aus hypodermalen Schichten besteht). Man kann sie je nach Pflanze in unterschiedlicher Form auf der ganzen Pflanzenoberfläche finden. Sie kommen als Schutz-, Stütz- und Drüsenhaare und im Wurzelbereich als absorbierende Haare vor. Sie sind mitunter in einem regelmäßigen Muster auf der Epidermis angeordnet, wobei deren Basis über mehrere Pflanzenzellen hinwegreicht (8–10 Epidermiszellen).

Üblicherweise bildet sich das Trichom aus einer einzelnen epidermalen Zelle, deren DNA-Gehalt und Wachstum um ein Vielfaches erhöht ist. Das Trichom ist hohl und verzweigt sich im Laufe seiner Entwicklung unter Umständen an seinem Ende mehrmals. Die Oberfläche eines Trichoms ist von unzähligen scharfen oder warzigen Auswüchsen überzogen. Zytoplasma und Zellkern sind nur im Basalteil zu finden, wo ebenso Calciumcarbonat-Kristalle vorhanden sind.

In niederschlagsärmeren Gebieten ist die Dichte der Trichome erhöht. Je mehr Trichome oder je stärker verzweigte Trichome vorhanden sind, desto höher ist die Lichtbrechung an der Pflanzenoberfläche, was zu einem reduzierten Lichteinfall und damit reduzierter Temperatur in den betreffenden photosynthetisch aktiven Organen führt. Die verstärkte Lichtbrechung, die letztlich also zu einer Reduktion des Wasserverlustes führt, erkennt man gut an dem silbrig weißen Schimmern mancher Blätter oder Sprossachsen. Ganz im Gegensatz dazu gibt es auch sogenannte Hydathoden, die für eine aktive Wasserabgabe sorgen. Trichome schützen die Pflanze auch vor Schädlingsbefall, da sie ein Hindernis für Insekten darstellen. Drüsenhaare halten Insekten durch die Produktion von ätherischen Ölen aktiv ab.

Typen[Bearbeiten]

Einteilung nach Funktion[Bearbeiten]

Blattstiel mit Drüsenhaaren bei einer Angenehmen Akelei. Für einige Arten der eurasisatischen Akeleien sind Drüsenhaare wichtige diagnostische Merkmale zur Arttrennung.
  • Drüsenhaare: Produktion von ätherischen Ölen, Insektenabwehr
  • Fühlhaare: reizbare Haare zum Beispiel an den Klappfallen bestimmter fleischfressender Pflanzen
  • Hydathoden: sorgen für aktive Wasserabgabe vor allem bei tropischen Pflanzen. Eine spezielle Form der Trichom-Hydathode ist die Perldrüse.
  • Kletterhaare/Klimmhaare: zum Beispiel beim Kletten-Labkraut
  • Nektarien
  • Saughaare: Wasseraufnahme
  • Salzhaare: scheiden überflüssiges Salz aus. Vor allem bei salztoleranten Pflanzen, die an den Meeresküsten wachsen.
  • Abgestorbene Haare als Schutz vor Austrocknung (wie beispielsweise bei den Levkojen)
  • Brennhaare

Einteilung nach Form der Haare[Bearbeiten]

  • Einfache Haare: unverzweigte Haare, die einzellig, einzellreihig oder auch mehrzellreihig sein können.
  • Zwei- bis fünfarmige Haare: ein- oder mehrzellige Haare mit zwei bis fünf Armen.
  • Sternhaare: sitzende oder gestielte Haare mit zahlreichen langen Strahlen, die sternförmig abstehen – entweder in einer Ebene oder räumlich angeordnet. Sternhaar ist auch fossil gut bekannt. Vermutlich von Eichen stammend, ist es der weitaus häufigste organische Einschluss in Baltischem Bernstein aus dem Eozän.[1]
  • Schuppenhaare: beinahe scheibenförmige, mehrzellige Haare, die sitzend oder gestielt sein können. Am Rande sind sie glatt oder durch freie Spitzen der Zellen gezähnt.
  • Baumhaare: ein- oder mehrzellige Haare mit einer Hauptachse und Verzweigungen auf mehreren Ebenen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Medenbach: Eichenhaare und -Blüten im Baltischen Bernstein. In: Oberhessische Naturwissenschaftliche Zeitschrift. 60, 1998–2000.
  2. W.L. Theobald, J.L. Krahulik, R.C. Rollins: Trichome description and classification aus C.R. Metcalfe, L. Chalk: Anatomy of the Dicotyledons, Clarendon, 2. Auflage, 1979, Oxford, S. 45 (Zitiert nach:  Gerhard Wagenitz: Wörterbuch der Botanik. 2. Auflage. Nikol, Hamburg 2008, ISBN 3-937872-94-9, S. 334, 335.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trichom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien