United-Airlines-Flug 811

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United-Airlines-Flug 811
747-ua2.png

Die Boeing 747 kurz nach der Dekompression (Rekonstruktion)

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Explosive Dekompression
Ort Pazifischer Ozean nahe Honolulu, Hawaii
Datum 24. Februar 1989
Todesopfer 9
Verletzte 38
Überlebende 346
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Boeing 747-122
Betreiber United Airlines
Kennzeichen N4713U
Abflughafen Los Angeles International Airport
Zielflughafen Kingsford Smith International Airport in Sydney
Passagiere 337
Besatzung 18
Liste von Katastrophen der Luftfahrt

Am 24. Februar 1989 kam es an Bord des United-Airlines-Flug 811 (engl. United Airlines Flight 811) zu einer explosiven Dekompression, durch die neun Passagiere mit ihren Sitzen aus dem Flugzeug geschleudert und in den Tod gerissen wurden.

Der Unfall[Bearbeiten]

Unfallhergang[Bearbeiten]

United-Airlines-Flug 811 startete am 24. Februar 1989 vom Los Angeles International Airport mit Zwischenstopps in Honolulu auf Hawaii, in Auckland, Neuseeland und Ziel Sydney, Australien. An Bord der Boeing 747-100 mit dem Kennzeichen N4713U befanden sich drei Piloten, 15 Flugbegleiter und 337 Passagiere.

Etwa 16 Minuten nach dem Start zum Weiterflug von Honolulu nach Auckland und noch während des Steigflugs, in einer Höhe von ca. 22.500 ft (6900 m) und einer Entfernung von etwa 108 km (58 sm) von Honolulu, öffnete sich die vordere Frachtraumtür plötzlich; dies führte zu einer Dekompression des Flugzeugrumpfs. Die Luke riss anschließend vollständig ab und nahm einen Teil der Rumpfverkleidung mit sich, so dass über der eigentlichen Öffnung für die Frachtraumtür noch ein etwa vier mal viereinhalb Meter großes Loch im Rumpf entstand. Durch das entstandene Loch wurden fünf Sitzreihen der Businessklasse aus dem Flugzeug geschleudert, auf denen insgesamt neun Passagiere saßen. Ein Flugbegleiter, der sich in der Nähe des Lochs aufhielt, wurde schwer verletzt.

Bedingt durch den Druckabfall leiteten die Piloten einen Notsinkflug ein, um wieder auf eine Höhe zu gelangen, in der der Sauerstoff-Partialdruck wieder ausreichend war, um eine Hypoxie zu vermeiden. Durch die Dekompression waren Teile der Tür in das Triebwerk 3 gelangt, welches sofort ausfiel. Triebwerk 4 war ebenfalls beschädigt und in Brand geraten. Zudem waren die Klappen beschädigt worden. Trotz der Schäden an Rumpf, Triebwerken und Klappen gelang den Piloten eine sichere Landung in Honolulu. Die Passagiere wurden ohne weitere Verletzungen in 90 Sekunden über die Notrutschen evakuiert.

Ursache[Bearbeiten]

Der Vorfall wurde höchstwahrscheinlich durch falsche Verkabelung, verbunden mit einem schlechten Verschlussmechanismus der Frachtluke, ausgelöst. Zu dieser Zeit besaß die 747 der Version 100 ein kleines Inspektionsfenster, welches bündig mit der Frachtluke abschloss, so dass die Bodencrew visuell überprüfen konnte, ob die Bügel der Tür auf „Verriegelt“ standen. Es gab jedoch mehrere Mängel im Design: Man konnte den Verriegelungsmechanismus nicht nah genug und nicht vollständig einsehen. Zudem war der Schaltkreis, der die Stromversorgung der Frachtluke regelt, defekt und konnte im Flug auslösen und damit die Frachtluke öffnen. Die Frachtluke, die nach außen öffnet, wurde dadurch aufgesprengt und vom Rumpf abgetrennt. Dabei riss sie einen Teil der Rumpfverkleidung mit sich, wodurch die Fluggastkabine in 22.500 Fuß Höhe dem dort herrschendem Luftdruck ausgesetzt wurde.

Ursachenermittlung[Bearbeiten]

Von Tauchern der United States Navy geborgene Cargotür

Zwei Teile der Frachtluke wurden am 26. September und 1. Oktober 1990 aus dem Pazifik geborgen.

Der Neuseeländer Lee Campbell war eines der Opfer von Flug 811. Seine Eltern Kevin und Susan stellten Nachforschungen an, um herauszufinden, was die Ursache für die Dekompression war. Ihre Nachforschungen ergaben, dass ein Konstruktionsfehler des Verschlussmechanismus der Frachtluke vorlag. Zwei spätere Vorfälle stützten die Hypothese der Campbells:

1991 kam es erneut zu einem Zwischenfall[1] bei der Frachtluke einer Boeing 747 der United Airlines auf dem New Yorker Flughafen JFK. Wartungspersonal war auf der Suche nach der Ursache für das Auslösen einer Sicherung. Während der Diagnose kam es zu einer unbeabsichtigten Auslösung des Verschlussmechanismus für die Frachtluke, wodurch diese sich öffnete. Die Öffnung der Luke führte dann zu ähnlichen Schäden, wie sie an der Frachttür des Fluges 811 festgestellt worden waren.

Eine weitere Störung in einer Frachtluke einer 747 der Pan American in London Heathrow veranlasste den Hersteller Boeing dazu, alle Kunden um Behebung der Störung zu bitten. Die FAA verkürzte die Frist bis zum Austausch des Mechanismus auf 30 Tage. Ursprünglich war eine Frist bis zur nächsten regulären Wartung vorgesehen.

Untersuchungsergebnisse[Bearbeiten]

Die US-amerikanische Transportsicherheitsbehörde gab aufgrund ihrer Untersuchung eine dringende Empfehlung für alle im Dienst befindlichen Boeing 747-100 heraus, den Verschlussmechanismus durch nicht fehlerhafte Verschlüsse zu ersetzen[2]. Eine weitere – nicht verbindliche – Empfehlung sprach sich dafür aus, alle nach außen öffnenden Luken durch nach innen öffnende Luken zu ersetzen, da diese durch den Kabineninnendruck nicht herausgesprengt werden können. Seit diesem Vorfall hat es keine gleichgelagerten Unfälle mehr mit der 747-100 gegeben.

1989 wurde der Crew eine Auszeichnung des United States Secretary of Transportation verliehen[3]. Das Flugzeug wurde repariert und unter der Kennung N4724U wieder registriert. 1990 wurde es erneut in Dienst gestellt. 1997 wurde es an die gambische Fluggesellschaft Air Dabia verkauft, die das Flugzeug als C5-FBS registrierte. Nach dem Ende der Gesellschaft wurde das Flugzeug im Jahr 2000 auf dem Plattsburgh International Airport eingelagert und im Jahr 2004 in Plattsburgh, NY, ausgeschlachtet.

United Airlines unternahm nach dem Unglück zahlreiche Versuche, den Verlust der Frachtluke R5 im Flugsimulator nachzustellen. Keine Besatzung war nach dem Verlust der Luke noch in der Lage gewesen, die 747 sicher zu landen.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

  • Der Unfallhergang wurde in der Serie Mayday – Alarm im Cockpit unter dem Titel Unlocking Disaster (auch unter Explosive Evidence) in englischer Sprache und als Um Haaresbreite auf deutsch dargestellt.
  • Die TV-Serie Akte X stellt den Unfall dar, führte die Ursache jedoch auf Außerirdische zurück.
  • Auch die 4. Geschichte in der Episode 17 (2.11) der Serie X-Factor: Das Unfassbare mit dem Titel Engel benutzt diesen Unfall als Vorlage für eine angeblich wahre Geschichte.

Vergleichbare Zwischenfälle[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sicherheitsempfehlung der NTSB (Safety Recommendation A91-84 & 84) vom 28. August 1991
  2. Unfalluntersuchungsbericht der NTSB (Nummer AAR-92/02), Kurzfassung
  3. Honoring the Crew of United Airlines Flight 811, House of Representatives, Seite H1798, 10. Mai 1989, aus der Library of Congress.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: United Airlines Flight 811 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien