Gambia

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Staat Gambia; zum Fluss siehe Gambia (Fluss).
Republic of The Gambia
Republik Gambia
Flagge Gambias
Wappen Gambias
Flagge Wappen
Wahlspruch: „Progress, Peace, Prosperity“
(eng., „Fortschritt, Frieden, Wohlstand“)
Amtssprache Englisch
Hauptstadt Banjul
Staatsform Republik
Regierungssystem Präsidialsystem
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Präsident Yahya Jammeh
Fläche 11.295 km²
Einwohnerzahl 1.713.267 (Berechnung Mai 2013)
Bevölkerungsdichte 151,68 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Nominal
2007[1]
  • 653 Mio. US$ (167.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 411 US$ (162.)
Human Development Index 0,439 (165.)[2]
Währung Dalasi (GMD)
Unabhängigkeit 18. Februar 1965
(vom Vereinigten Königreich)
Nationalhymne For The Gambia Our Homeland
Zeitzone UTC±0
Kfz-Kennzeichen WAG
ISO 3166 GM, GMB, 270
Internet-TLD .gm
Telefonvorwahl +220
Nigeria Ghana Elfenbeinküste Togo Liberia Burkina Faso Mali Guinea Benin Niger Sierra Leone Gambia Senegal Kap Verde Mauretanien AlgerienGambia in its region.svg
Über dieses Bild
Gambia-Koart(politesch).png

Gambia [ˈgambi̯a] (englisch The Gambia [ðə ˈgæmbɪə]) ist eine Republik in Westafrika, die an den Ufern des Gambia liegt. Mit Ausnahme eines kurzen Küstenabschnittes an der Mündung des Flusses in den Atlantischen Ozean wird Gambia vollständig vom Staat Senegal umschlossen. Mit einer Fläche von ungefähr 11.000 Quadratkilometern ist das Land der kleinste Flächenstaat des Kontinents. Gambia hat rund 1,7 Millionen Einwohner.[3]

Zum Namen Gambia[Bearbeiten]

Die genaue etymologische Herkunft des Namens Gambia ist nicht bekannt, es gibt mehrere Deutungen dazu. Er wurde in der Zeit der europäischen Entdecker vor rund 500 Jahren zum ersten Mal schriftlich benutzt. Als sie ihre Expeditionen immer weiter nach Süden ausdehnten, fertigten sie gleichzeitig Karten über die Regionen für zukünftige Reisen an. Ortsnamen wurden in ihren Berichten erwähnt und auf den Karten markiert. Da die Expeditionen zuerst auf dem Wasserweg erfolgten, waren die Flüsse in der Region Senegambia von großer Bedeutung.[4][5]

Alvise de Cadamosto bezieht sich in den Berichten seiner Expeditionen 1455 und 1456 auf den Fluss und das Land als Gambra oder Cambra. Duarte Pacheco Pereira berichtet, dass der Fluss die Grenze bildet zwischen dem Königreich Jolof im Norden und dem der Guambea, welches in der Sprache der Mandinka auch Guabu genannt wird. Im Jahr 1552 kennt João de Barros zwei Bezeichnungen für den Fluss; die Menschen entlang des Flusses nennen ihn Gambu, während die Portugiesen ihn Gambea nennen. Richard Jobson stellte 1632 fest, dass der Fluss von einigen Gambia genannt wird, von anderen aber wiederum Gamba. Aus linguistischer Sicht gab es einige Verwirrung darüber, ob die Worte Cambra, Gambra, Gambu, Guabu und Guambea sich auf den Fluss, das Mandinka-Reich Kaabu oder auf Fluss und Reich beziehen. Beide Wortstämme teilen sich Ka oder Ga (Kam/Gam). Die Silben bra, bu und bea scheinen unterschiedliche Bedeutungen zu haben. Die Silbe Bu bezieht sich im Speziellen auf das Land der Kaabu, während die Silben Bra und Bea sich auf den Fluss beziehen. Die Silbe bra von Cadamosto könnte ihren Ursprung vom Wort Bur der Wolof haben, das soviel wie König bedeutet. Dies könnte erklären, dass Gambia ursprünglich von Gambura in der Bedeutung als Platz des Königs zu verstehen ist. Die Nähe des Jolof-Reiches zur nördlichen Grenze zu Kaabu könnte erklären, wie ein Wolof-Wortstamm sich mit der Sprache der Mandinka vermischt haben kann.[4]

Aus der mündlichen Überlieferung, die in Westafrika eine weitere wichtige historische Quelle ist, stammt eine andere Deutung des Namens Gambia. Nach einer Wiedergabe des Griot Fabala Kanuteh an Samuel Carter[5] heißt es, als die Portugiesen James Island besuchten, sandte der König von Niumi, Seneke Jamme, einen Boten zu den Fremden. Dieser Bote mit dem Namen Kambi Manneh wurde von den Portugiesen gefragt, „was ist der Name dieses Ortes?“ Seine Antwort auf die Frage, die er wohl nicht richtig verstanden hatte, war: „Mein Name ist Kambi“. Kambi-yaa bedeutet Kambis Ort oder an Kambis Ort.[5] Die Geschichte wurde in dieser Form ebenfalls vom Griot Foday Musa Suso wiedergegeben, nur der vollständige Name des Boten war Kambi Sonko.[4]

Im 19. Jahrhundert beziehen sich die Dokumente auf die Siedlung am Fluss Gambia (englisch Settlement on the River Gambia). 1888 wurde die Kolonie als die Kolonie von Gambia (englisch The Colony of the Gambia) bezeichnet. In der kolonialen Zeit wurden keine Unterschiede zwischen den Schreibweisen Gambia und The Gambia gemacht. Seit der Unabhängigkeit Gambias ist der offizielle Name des Staates The Gambia mit einem großgeschriebenen Artikel. Auf diese Schreibweise wird besonders in englischsprachigen Schriften geachtet.[5]

Nach einer weiteren Theorie stammt der Ursprung des Namens vom portugiesischen Wort câmbio („Austausch“, „Wechsel“ oder „Handel“). Câmbio könnte die Übersetzung der Bezeichnung für den Fluss der damaligen Bevölkerung im 15. Jahrhundert sein. Das Wort ba dimma (nach anderer Deutung fura), wird dabei als Quelle[6] genannt. Ba dimma kommt aus der Mandinka-Sprache (ba-djio = Fluss).

Die Bewohner am Fluss haben keinen speziellen Namen für ihn, das allgemeine Wort für Fluss in Fula ist maayo, baa in Mandinka oder dex in Wolof. Der Begriff Kambi Bolongo, der eine Schlüsselrolle in Alex Haleys Roman Roots spielt, ist einzig im Flussmündungsgebiet bekannt. Bolongo ist ein Wort für Creek.[5]

Geographie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geographie Gambias
Gambia an der Westküste Afrikas

Gambia liegt an der Westküste des afrikanischen Kontinents und ist mit 11.295 km² dessen kleinster Flächenstaat. Die ungefähr 740 Kilometer lange Grenze folgt auf einer Länge von etwa 480 km sowie einer Breite von 10 bis 50 km dem Verlauf des Gambia-Flusses. Abgesehen vom Küstenabschnitt ist Gambia vom zwanzigmal größeren Senegal umschlossen. Häufig wird das Land als eine Enklave bezeichnet, was aber den Zugang zum Atlantischen Ozean nicht berücksichtigt. Der ungewöhnliche Grenzverlauf Gambias ergibt sich aus der Tatsache, dass dies die Reichweite der Kanonen der britischen Schiffe auf dem schiffbaren Teil des Flusses war.

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm Banjul

Das Klima ist tropisch mit einer ausgeprägten Regenzeit und Trockenzeit. Die Trockenzeit dauert von November bis Mai. Sie ist beeinflusst vom trockenen Nordost-Wind aus der Sahara, genannt Harmattan. Die Durchschnittstemperaturen steigen dabei auf Werte zwischen 21 und 27 Grad Celsius an, wobei Spitzenwerte bis über 40 °C erreicht werden können. Die relative Luftfeuchtigkeit bleibt im Bereich zwischen 30 und 60 Prozent.

Gewässer[Bearbeiten]

Gambia hat eine Küstenlinie von ungefähr 80 Kilometern Länge. Etwa 1.300 km², also 11,5 Prozent der Landesfläche, sind Wasserflächen. Davon trägt der Gambia-Fluss – einer der Hauptströme Afrikas – mit seinen Seitenarmen den Hauptanteil.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Flora[Bearbeiten]

Galeriewald bei Janjanbureh Island
Männliche Siedleragame
Eine Grüne Meerkatze

Die geographische Position des Landes, kombiniert mit den umfangreichen Feuchtgebieten, sorgt für eine große Anzahl verschiedenster Pflanzenarten. Ungefähr 530 verschiedene Pflanzenarten sind in Gambia bekannt. Der nördliche Teil des angrenzenden Senegal liegt in der Sahelzone, weiter im Süden Westafrikas schließt sich der tropische Regenwald (Guineazone) an. Die Übergangszone, in der auch Gambia liegt, nennt man Sudanzone. Feuchtsavanne ist der vorherrschende Vegetationstyp, wobei nördlich des Gambias die Vegetation spärlicher ist.

Nach der Landnutzungsstudie von 1998 waren etwa 45 % der Landesfläche mit unterschiedlichen Waldtypen bedeckt. Allerdings betrug der Anteil geschlossenen Waldes („dense forest“, mit geschlossenem Kronendach) nur knapp 9 % der Landesfläche, während etwa dreiviertel der Waldfläche als „Waldsavanne“ klassifiziert wurde. Weitere 32 % der Landesfläche wurden als parkartige, offene Busch-Savanne bezeichnet, die meist saisonal beackert wird. Typischerweise werden bei der Umwandlung von Wald in landwirtschaftliche Fläche Einzelbäume bestimmter Baumarten auf den Feldern stehen gelassen; nämlich meist solche, die einen Wert als Lieferant von Früchten (z.B. „Buschmango“ (Cordyla pinnata), Baobab), Medizinalprodukten (z.B. „westafrikanisches Mahagoni“ Khaya senegalensis), Viehfutter (grünes Laub während der Trockenzeit, z.B. Anabaum (Faidherbia albida)) oder technische Fasern (z.B. Rinde des Baobab für die Herstellung von Seilen) haben. Die Waldsavanne kann man grob einteilen in eine Variante auf tiefgründigeren, besseren Böden mit höheren Niederschlägen (besonders in der West Coast Region und in der westlichen Hälfte der Lower River Region) und in eine Variante, die eher auf den flachgründigeren Plateaus mit niedrigeren Niederschlägen im Osten des Landes zu finden ist. Die häufigsten Baumarten sind Khaya senegalensis, Cordyla pinnata, Daniellia oliveri, Pterocarpus erinaceus, Prosopis africana. Auf den trockeneren Plateaus sind außerdem der rote Seidenwollbaum und Afzelia africana vertreten. Auf den besseren Standorten im Westen sind dagegen Anogeissus leiocarpa, Néré (Parkia biglobosa) und Sterculia setigera häufiger zu finden. Auf weiter Fläche ist die Waldsavanne durch Waldbrände, Überweidung und übermäßige Nutzung seit Jahrzehnten degradiert und in der Artenzusammensetzung stark verändert worden. Statt der ursprünglichen Artenvielfalt sind robuste Pionierpflanzen wie Terminalia macroptera und verschiedene Combretum-Arten vorherrschend geworden.

Über eine Strecke von gut 200 km von der Mündung landeinwärts finden sich, soweit der Einfluss des Salzwassers – der so genannten Brackwasserzone – reicht, am Ufer des Gambia dicht verschlungene Mangrovenwälder. Weiter flussaufwärts sowie an einigen der meist kurzen Frischwasserzuflüsse, die zum Teil nur in der Regenzeit Wasser führen, finden sich an den Rändern der Fließgewässer Reste von immergrünem Galeriewald. Hier wachsen außer den meisten der für die Waldsavanne genannten Baumarten auch Ebenholz, Erythrophleum guineense, Milicia regia, sowie die Äthiopische Palmyrapalme (Borassus aethiopum) und zahlreiche Lianen. Typische Beispiele von Galeriewald sind im Abuko Nature Reserve und bei dem Ort Pirang in einem kleinen staatlichen Forest Park erhalten geblieben.

Entlang des Atlantiks erstreckte sich vor der Überbauung der Küste durch hauptsächlich touristische Infrastruktur ein Streifen von Küstenwald (Coastal Woodland), der besonders durch geschlossene Bestände der Athiopischen Palmyrapalme gekennzeichnet ist. Weiterhin sind dort Allophyllus africanus, Malacantha alnifolia mit charakteristisch unrundem Stamm und der dornige Busch Fagara zanthoxyloides häufig vertreten. Ein gut erhaltener und geschützter Rest des typischen Küstenwaldes ist bei Bijilo zu finden.

Einige in Gambia nicht heimische Baumarten werden in größerem Maße angepflanzt. Insbesondere wurden Plantagen mit der aus Südostasien stammenden Gmelina arborea angelegt, beispielsweise im Nymbai Forest Park in der West Coast Region, wo eine kleine Sägewerks-Industrie entstanden ist. Diese schnellwachsende Baumart hat sich auch gut bewährt zur Pflanzung auf Feuerschutzstreifen und zur Markierung von unterschiedlichen Besitzverhältnissen in der Waldsavanne, weshalb in Reihen gepflanzte Gmelina ziemlich augenfällig entlang von Straßen und Wegen zu sehen sind. Weitere Baumarten, die in Westafrika nicht heimisch sind, aber in Gambia aus forst- oder landwirtschaftlichen Gründen regelmäßig angepflanzt werden, sind z.B. Teakbaum (Tectona grandis), Mango (Mangifera indica), Niembaum (Azadirachta indica) und Eukalyptus-Arten.

Fauna[Bearbeiten]

Großwild wie Elefanten, Löwen oder Giraffen wurde im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Kolonialherren und Wilderern ausgerottet. Dennoch bietet Gambia mit seinen umfangreichen Savannen- und Feuchtgebieten noch heute einer großen Anzahl von Tierarten Lebensraum.

Ungefähr 108 Säugetierarten, wie die verschiedenen kleine Antilopenarten, beispielsweise die Sitatungas oder die Buschböcke, sind hier heimisch. Primaten sind häufig anzutreffen, darunter Guinea-Paviane und Grüne Meerkatzen aber auch Westafrikanische Stummelaffen und Husarenaffen. Erfolgreich hat man die letzten Schimpansen des Landes in ein Naturreservat übersiedelt.

Für die große Vielfalt der bunten Vogelwelt ist das Land bekannt. Über 540 Vogelarten (Liste der Vögel Gambias (englisch)) sind in der Fachliteratur beschrieben – ein Drittel dieser Vögel sind Zugvögel.

Einst galt der Gambia als krokodilreichster Fluss Afrikas; heute sind in freier Wildbahn nur noch selten Krokodile anzutreffen, darunter das Nilkrokodil und das Stumpfkrokodil. Zu den Echsen gehört auch der bis zu zwei Meter große Nilwaran. Selten geworden, aber gefährlicher sind die Flusspferde, von denen oberhalb von Elephant Island noch ungefähr 100 Exemplare leben.

Die geschützte Küstenlinie ist ein beliebtes Laich- und Aufwuchsgebiet für diverse Fische. Delfine sind in der Flussmündung zu beobachten.

Siehe auch: Gambo

Städte und Ortschaften[Bearbeiten]

Weil die Hauptstadt Banjul auf einer Insel liegt, kann sie nicht weiter expandieren. Dadurch ist Serekunda in der Kombo-St. Mary Area mit Abstand die größte Ortschaft und mit 415.962 Einwohnern das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ethnien[Bearbeiten]

Anteil Ethnie

39,5 % Mandinka
18,8 % Fulbe
14,6 % Wolof
10,6 % Diola
8,9 % Serahuli
2,8 % Serer
1,8 % Aku
0,8 % Manjago
0,7 % Bambara
1,5 % Andere Ethnien
Die Datenerhebung stammt aus dem Jahr 1993

Die größte Bevölkerungsgruppe ist die der Mandinka mit einem Anteil von ungefähr 40%, gefolgt von den Fulbe und den Wolof. Ein Anteil von einem Viertel verteilt sich auf die restlichen ethnischen Gruppen.

Sprachen[Bearbeiten]

Englisch blieb nach der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich 1965 offizielle Amtssprache. Der meiste Schriftverkehr wird auf Englisch abgewickelt. In der Küstenregion kann man davon ausgehen, dass man sich immer gut auf Englisch verständigen kann. Selbst im dörflichen Hinterland wird man immer jemanden finden, der englische Sprachkenntnisse hat.

Da in Gambia viele verschiedene Ethnien leben, die sich hauptsächlich durch ihre eigene Sprache definieren, sind die Gambier recht polyglott. Häufig sprechen sie mehrere Sprachen fließend oder können sich zumindest darin verständigen. Neun Sprachen sind hauptsächlich verbreitet, aber über zwanzig verschiedene Sprachen[7] werden in diesem kleinen Land gesprochen. Am weitesten verbreitet ist mit etwa 454.000 Sprechern[8] das Mandinka aus der Gruppe der Mande-Sprachen. Topographische Bezeichnungen sind häufig in Mandinka. Das Wolof mit etwa 165.000 Sprechern, das die größte Verbreitung in Senegal hat, wird vor allem in der Küstenregion um Banjul und in der Kombo-St. Mary Area gesprochen. Wolof wird oft als Handels- und Geschäftssprache benutzt und diente auch in der Zeit der Konföderation Senegambia als Parlamentssprache. Das Fulfulde (oder Fulani) wird von etwa 263.000 Gambiern gesprochen.

Die farbenfrohe Kleidung der Frauen

Die arabische Sprache ist eine alte Schriftsprache im Gambia-Tal. Im Zuge des Transsaharahandels kamen schon seit dem 10. Jahrhundert v. Chr.[9] nordafrikanische Händler zu den westafrikanischen Herrscherhäusern. Durch die Annahme des Islam wurde die arabische Sprache, die heute als Bildungssprache und Sprache der Religion gilt, auch in die Region südlich des Maghreb verbreitet. Durch die grenznahen Kontakte mit Senegal haben viele Gambier auch fundierte Französisch-Kenntnisse. Gambier, die Kontakt mit dem Tourismus haben, besitzen oft zusätzlich Sprachkenntnisse in Deutsch, Niederländisch, Schwedisch oder Finnisch.

Religionen[Bearbeiten]

Moschee in Gambia
Das heilige Krokodil auf einer Ein-Dalasi-Münze.
Das Streicheln der Krokodile soll Glück bringen

Gambias Bevölkerung ist zu 90 Prozent muslimisch, neun Prozent christlich, und etwa ein Prozent gehört traditionellen indigenen afrikanischen Religionen an.

Zwischen allen Religionen herrscht eine ruhige und friedliche Koexistenz. Gambia ist ein weltlicher Staat, der den Respekt vor allen kulturellen und traditionellen Werten fördert. Dieser Zustand garantiert Freiheit für alle, die Religion ihrer Wahl auszuüben. Vor diesem Hintergrund ist es in Gambia traditionell üblich, dass offizielle Veranstaltungen mit Gebeten eines christlichen Priesters und eines muslimischen Imams eröffnet werden.

Der islamische Staat zeigt sich fortschrittlich, ist weder antiwestlich noch fremdenfeindlich. Der Islam hat bisher nur wenig Einfluss auf die Politik. Die Scharia, die islamische Rechtsprechung, wird nur selten angewandt.

Ein Tier mit mythologischer Bedeutung ist das Krokodil. Es gilt als heiliges Tier und Fruchtbarkeitssymbol. So sehen die Westafrikaner zum Beispiel im Vollmond – in der Mandinka-Sprache Bambo genannt – ein Krokodil. In den Dalasi-Banknoten ist dieses Tier als Wasserzeichen eingearbeitet. Auch gibt es ein Sprichwort, in dem es heißt:

„Erblickst du im Fluss ein weißes Krokodil, kriegst du Kinder viel.“

Es gibt drei bekannte heilige Krokodilbecken, die unter anderem für den Tourismus betrieben werden. Das meistbesuchte ist das Heilige Krokodilbecken von Kachikally bei Bakau. Daneben gibt es Anlagen bei Barra und Allahein. Dort werden in langer Familientradition Krokodile aufgezogen, die dann die Besucher – sofern sie mutig sind – berühren dürfen. Dieses Berühren soll Glück und Fruchtbarkeit bringen. Auch das Wasser aus diesen Kultstätten wird für rituelle Zwecke benutzt.

Als Baum mit mystischer Bedeutung gilt der Baobab (Affenbrotbaum).

Unter den indigenen Religionen findet sich der Voodoo. Im Gegensatz zum Voodoo-Kult in Haiti versteht sich der Voodoo in Westafrika in der Regel als eine weiße, heilende und gute Magie. Trotzdem werden gelegentlich Geschichten verbreitet, in denen jemand böswillig etwas mit Voodoo bewirkt haben soll. Es wurde beispielsweise ein Beschuldigter gelyncht, weil er angeblich einem anderen das Geschlechtsteil weggezaubert hatte.[10]

Bildung[Bearbeiten]

Eine Grundschule

Der Alphabetisierungsgrad liegt nach einer Schätzung von 2003 bei 40,1 Prozent. Nach Geschlechtern aufgeteilt sind das 47,8 Prozent der Männer und 32,8 Prozent der Frauen. Die Staatsausgaben für das Bildungswesen lagen 2002 bei 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das Schulsystem ist ans britische System angelehnt, eine Schulpflicht besteht in der Greater Banjul Area. Das Einschulungsalter liegt bei sieben Jahren in der Primary School, die sechs Schuljahre umfasst. Nach einem guten Abschluss folgt die fünfjährige Secondary High School. Danach ist der Weg offen für die zweijährige High School in Banjul. Dieser Abschluss berechtigt zum Besuch einer Universität.

In Serekunda gibt es die im Jahr 1998 gegründete Universität von Gambia, die 1999 ihren Lehrbetrieb aufnahm. Zuvor mussten die Studenten ins Ausland gehen, wenn sie ein Medizin- oder Agrarstudium beginnen wollten.

Demografie[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung 1950–2010 (berechnet)
Bevölkerungspyramide von 2006 (berechnet)
Junge Gambierin mit ihrem Baby

Der Staat Gambia hat nach einer Schätzung eine Einwohnerzahl von über 1,6 Millionen (Schätzung Juli 2006)[11] und wächst mit einer Rate von 2,84 Prozent pro Jahr. Dieser Wert ist im Laufe der Zeit angestiegen und erreichte im Jahr 1993 den Zenit mit 3,88 Prozent. Seitdem sinkt die Wachstumsrate wieder. Bei einer Fläche von 11.295 km² macht das eine Bevölkerungsdichte von 145 Einwohner pro km² aus. Weltweit liegt Gambia damit auf Rang 52.

Die Bevölkerungsstruktur zeigt den für ein Entwicklungsland typischen Aufbau, was man in der leichten Pagodenform in der Alterspyramide erkennen kann. So macht zum Beispiel die Altersgruppe der bis 14-Jährigen einen Anteil von 44,3 Prozent aus. Die Gruppe der Alten hat nur einen Anteil von 2,7 Prozent. Die restlichen 53,0 Prozent sind die Einwohner zwischen 15 und 64 Jahre.

Die Verteilung auf die beiden Geschlechter ist nahezu gleich. In der Altersstruktur ist kein Ausschlag zu erkennen, der auf gesellschaftliche Veränderungen wie zum Beispiel Kriege, Katastrophen oder einen Pillenknick hindeutet. Bei der Gruppe der bis 14-Jährigen überwiegt leicht mit einem Verhältnis 1,01:1 der männliche Anteil und auch bei der Gruppe der Alten liegt das Verhältnis zu Gunsten des männlichen Anteils bei 1,05:1. In der restlichen Bevölkerungsgruppe liegt das Verhältnis des männlichen Anteils bei 0,99:1.

In Gambia liegt das mittlere Alter (Median) bei 17,7 Jahren (♂ 17,6 Jahre/ ♀ 17,8 Jahre). Man kann für die im Jahr 2006 Geborenen von einer Lebenserwartung von 54,1 Jahren ausgehen (♂ 52,3 Jahre/ ♀ 56,0 Jahre). Die Todesrate beträgt 12,3 Sterbefälle pro Jahr und 1.000 Einwohner. Die Geburtenrate beträgt 39,4 Geburten pro Jahr und 1.000 Einwohner. Dabei liegt die durchschnittliche Kinderzahl bei 5,3 Geburten pro Frau. Die Säuglingssterblichkeit liegt bei 71,6 Todesfällen pro 1000 Geburten (♂ 78,1 / ♀ 64,9).

Das Land verzeichnet eine positive Einwanderungsrate, die bei 1,29 Einwanderern pro 1.000 Einwohner liegt. Die Gründe liegen wohl in den wirtschaftlichen Verhältnissen, die besser sind als in Guinea und Guinea-Bissau; auch aus Ghana gibt es viele Immigranten.

Gesundheit[Bearbeiten]

Die Staatsausgaben für das Gesundheitswesen, gemessen an dem Anteil am Bruttoinlandsprodukt, betrugen 1990 2,2 Prozent und stiegen 2001 auf 3,2 Prozent. Auch die Zahl der Ärzte und des Personals im Gesundheitswesen erhöhte sich im gleichen Zeitraum. Durch die neue Universität ist es nun auch möglich, Ärzte im eigenen Land auszubilden.

Erfolgreiche Programme zur AIDS-Bekämpfung sorgten dafür, dass die AIDS-Rate in Gambia rückläufig ist. Sie lag 2003 bei 1,2 Prozent, was im Vergleich mit dem schwarzafrikanischen Durchschnitt von neun Prozent besonders niedrig ist. Auch das Malaria-Kontroll-Programm Gambias gilt als vorbildlich für ganz Westafrika.

Die Verbesserung in der klinischen Versorgung zeigt sich darin, dass im Jahr 2003 zum ersten Mal in der gambischen Geschichte eine junge Frau aus Brikama Fünflinge bekam. Sie brachte die Kinder unter weltweitem Medieninteresse gesund in einer Klinik zur Welt.

Weibliche Genitalverstümmelung[Bearbeiten]

Wie in den Nachbarstaaten stellt auch in Gambia die Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung eine große Gefahr für die körperliche und seelische Gesundheit von Mädchen und Frauen sowie ihrer Kinder dar. Im Zusammenhang mit der niedrigen Alphabetisierungsquote der Frauen, der vor allem auf dem Land fehlenden Bildung und den zementierten, von Aberglauben beeinflussten Vorstellungen über weibliche Sexualität hat sich die Praxis bis ins 21.Jahrhundert fortgesetzt. Abhängig von der Zugehörigkeit zu den unterschiedlichen Ethnien liegt der Prozentsatz genitalverstümmelter Frauen zwischen 12,5 % bei den Wolof und 98 % bei den Sarahule.[12] Allerdings sinkt, auch in Folge von Aufklärungskampagnen [13], die Anzahl der Befürworterinnen allmählich von 71 % im Jahr 2005 auf 64 % wenige Jahre später.[14] Die Beschneidungen werden nur von Frauen vorgenommen, und Frauen sind auch diejenigen, die am stärksten an der Praxis festhalten.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Gambias
Karte der Region, Ausschnitt aus der Carte de la Barbarie de la Nigritie et de La Guinee von Guillaume Delisle (1707)
Die Ruinen von James Island
Briefmarke der Kolonie Gambia (1944)

Die fruchtbaren Ufer des Gambia-Flusses sind seit Jahrtausenden besiedelt. Ein schriftliches Zeugnis gab der Karthager Hanno der Seefahrer um 470 v. Chr. im Bericht seiner Reise nach Westafrika. Die Verbindung zum Mittelmeerraum riss erst mit dem Fall des Römischen Reiches und der Ausbreitung des Islam ab.

Mitte des 15. Jahrhunderts führten zahlreiche von Heinrich dem Seefahrer initiierte Entdeckungsfahrten an die Westspitze von Afrika. Darunter waren die Seefahrer Dinis Dias, Alvise Cadamosto und Nuno Tristão. In den folgenden Jahren übernahmen portugiesische Händler die Route mit Schiffen als Transportmittel. Zu diesem Zeitpunkt war Gambia Teil des Reiches Mali.

1618 vergab König James I. einer britischen Gesellschaft das Privileg zum Handel mit Gambia und der Goldküste (heute Ghana). Auch die Niederlande und das Herzogtum Kurland hatten kurzzeitig Kolonien auf dem Gebiet des heutigen Gambia. Vom späten 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stritten sich England und Frankreich um die politische und wirtschaftliche Herrschaft über die Flüsse in Senegal und Gambia. Der Pariser Frieden von 1763 übertrug Großbritannien die Herrschaft über Gambia, die Franzosen bekamen lediglich eine kleine Enklave um Albreda nördlich des Flusses. Diese wurde 1857 an Großbritannien abgetreten.

In der Zeit des transatlantischen Sklavenhandels wurden mehr als drei Millionen Sklaven nach Amerika verschleppt. Erst 1807 hörte Großbritannien offiziell mit dem Sklavenhandel auf, was dem Handel in Gambia vorerst keinen Abbruch tat. Im Jahr 1816 bauten die Engländer in Bathurst (heute Banjul) einen Militärstützpunkt. Die folgenden Jahre unterstand Banjul zeitweise dem britischen General-Gouverneur in Sierra Leone. Erst 1888 wurde Gambia eine eigenständige Kolonie. Dabei wurde die Grenze zwischen der französischen Kolonie Senegal und Gambia endgültig festgelegt.

Am 18. Februar 1965 wurde Gambia als konstitutionelle Monarchie ins Commonwealth aufgenommen. Bei einem Besuch von Senegals Präsident Léopold Sédar Senghor 1967 in Gambia wurde ein Abkommen über intensive Zusammenarbeit zwischen (dem damals noch nicht so genannten) Banjul und Dakar geschlossen.[15] Am 24. April 1970 wurde Gambia in eine Republik innerhalb des Commonwealth umgewandelt. Erster Präsident der Republik wurde der bisherige Ministerpräsident Sir David Dawda Kairaba Jawara, der bis 1994 fünfmal wiedergewählt wurde. 1981 erschütterte ein gewaltsamer Staatsstreich das Land. Im Nachspiel zum Putsch unterzeichneten Gambia und Senegal am 12. Dezember 1981 einen Vertrag, der die Vereinigung der Streitkräfte, der Währung und des Wirtschaftsraumes in der Konföderation Senegambia vorsah. Diese Konföderation bestand vom 1. Februar 1982 bis zum 30. September 1989, als Gambia aus dem Bund austrat.

Vor der gambischen Küste ereignete sich 2002 eine der größten Katastrophen der Seefahrt der Nachkriegszeit. Die senegalesische Fähre Le Joola, die damals einzige Fähre zwischen Ziguinchor (Region Casamance) und Dakar, sank in einem Sturm. Dabei kamen über 1.800 Menschen um.

Am 2. Oktober 2013 erklärte die gambische Regierung mit sofortiger Wirkung die Mitgliedschaft im Commonwealth of Nations für beendet. Großbritannien hatte zuletzt, wie auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die Menschenrechtslage in Gambia gerügt. Die Regierung in der Hauptstadt Banjul teilte mit, das westafrikanische Land wolle „niemals Mitglied einer neokolonialen Einrichtung“ oder einer Institution sein, „die für eine Fortsetzung des Kolonialismus steht“.[16]

Politik[Bearbeiten]

Das Regierungsgebäude „State House“ des Präsidenten auf einer 25-Dalasi-Banknote
Wahrzeichen von Banjul und Gambia, Arch 22
Banjul, die Hauptstadt

Gambia ist eine Republik unter dem Staatspräsidenten Yahya Jammeh. Der junge Leutnant Jammeh kam 1994 durch einen militärischen, aber weitgehend unblutigen Staatsstreich an die Macht, der aus einem Protest der Soldaten über verspätete Soldauszahlungen entstand. Er kündigte damals an, mindestens bis zum Jahr 1998 allein regieren zu wollen. Dennoch wurden bereits 1996 wieder Wahlen abgehalten, aus der Jammeh klar als Sieger hervorging. Eine neue Verfassung[17] wurde 1997 eingeführt.

Tatsächlich waren die Jahre von 1996 bis 2000 von einer gewissen Stabilität und wirtschaftlichem Aufschwung geprägt: Der internationale Flughafen in Banjul sowie zahlreiche Straßen wurden modernisiert, ein neues Krankenhaus, neue Schulen, eine Fernsehstation und ein riesiges Revolutionsdenkmal entstanden, der Tourismus war wieder eine gute Einnahmequelle.

2000 wurden (laut Amnesty International) mindestens 14 Personen bei einer Straßenschlacht zwischen studentischen Demonstranten und der Polizei getötet. Schulen waren zeitweilig geschlossen, Patrouillen prägten das nächtliche Stadtbild.

2001 wurde Jammeh erneut wiedergewählt. 2002 gewann die Alliance for Patriotic Reorientation and Construction (APRC) die Wahl zur Nationalversammlung, allerdings boykottierte die Oppositionspartei UDP die Wahl. Sie kritisierte die Wahl, die von der Independent Electoral Commission (IEC) organisiert wurde, weil nach ihrer Ansicht das Wahlsystem fehlerhaft war.

Am 16. Dezember 2004 wurde der regierungskritische Journalist Deyda Hydara ermordet. Zuvor hatte er das neue Mediengesetz angeprangert, nach dem Journalisten für das Schreiben eines „verleumderischen Artikels“ (zum Beispiel: üble Nachrede, Veröffentlichung aufrührerischer Artikel) zu einer Haftstrafe von mindestens sechs Monaten verurteilt werden können. Vier Tage nach der Tat protestierten Hunderte von Journalisten gegen Hydaras Ermordung und für den Erhalt der Pressefreiheit.

Verfassung[Bearbeiten]

Die aktuell gültige Verfassung Gambias trat zum 1. Januar 1997 in Kraft.

Staatsoberhaupt[Bearbeiten]

Amtierender Präsident Yahya Jammeh
Die Kairaba Avenue in Serekunda

Das Staatsoberhaupt vereint in seinem Amt die Funktion des Regierungschefs und des Oberbefehlshabers der Streitkräfte. Einen Premierminister bzw. Ministerpräsidenten gibt es seit 1970 nicht mehr. Das Staatsoberhaupt wird alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Das zweithöchste Amt als Vizepräsidentin hat Isatou Njie Saidy seit 1997 inne.


Parteien[Bearbeiten]

Gambia ist ein von einer Partei dominiertes Land; an der Macht ist die Alliance for Patriotic Reorientation and Construction. Oppositionelle Parteien sind erlaubt, erlangten aber in der Vergangenheit keinen großen Einfluss. Im Jahr 2005 bildeten fünf oppositionelle Parteien, also praktisch die gesamte Opposition des Landes, eine Koalition mit dem Namen National Alliance for Democracy and Development (NADD).

Wahlen[Bearbeiten]

Das Parlament, das in der National Assembly tagt, und das Staatsoberhaupt werden alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Das aktive Wahlrecht hat jeder Gambier, der über 18 Jahre alt ist und sich zuvor zur Wahl hatte registrieren lassen. Die Wahlen selber fanden in der Vergangenheit frei und ohne Druck statt, es wurde keine Kritik von Oppositionellen und ausländischen Beobachtern geäußert.

Präsidentschaftswahlen fanden im September 2006 und November 2011 statt, die letzten Parlamentswahlen im Januar 2007. Verschiedene Oppositionsparteien hatten ein Bündnis geschlossen, um als geeinte Kraft besser gegen die regierende Partei APRC konkurrieren zu können.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2006 wurde Yahya Jammeh mit 67,3 % der Stimmen wiedergewählt.

Im November 2011 wurde Jammeh für eine vierte Amtszeit bestätigt. Er erhielt nach Angaben der Wahlkommission 72 % der Stimmen, die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft hatte im Vorfeld aber die Präsidentschaftswahlen als „nicht frei, fair und transparent“ kritisiert und die Entsendung von Wahlbeobachtern abgelehnt.[18]

Mitgliedschaft in internationalen Organisationen[Bearbeiten]

Gambia ist Mitglied in verschiedenen internationalen Organisationen und Gruppierungen. Zu den wichtigsten zählen die Vereinten Nationen und ihre Unter- und Sonderorganisationen, der Internationalen Währungsfonds und die Weltbank. Auf regionaler Ebene sind die Afrikanische Union und die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) am wichtigsten.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Politische Karte Gambias

Der Staat Gambia ist in fünf Regionen und zwei Gemeinden (englisch municipalities), die Stadt Banjul und die Gemeinde Kanifing, unterteilt.[19]

Region Abkürzung Code Ort der Verwaltung Landfläche
in km²
Einwohner
Greater Banjul Area GBA B Banjul 88 454.233
Lower River Region LRR L Mansa Konko 1618 75.841
Central River Region CRR M Janjanbureh 2895 207.574
North Bank Region NBR N Farafenni 2256 178.612
Upper River Region URR U Basse Santa Su 2070 202.153
West Coast Region WCR W Brikama 1764 594.854
10.691 1.713.267

Einwohner (Berechnung Mai 2013)[3]

Militär[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gambia National Army

Der Anteil der Staatsausgaben für Verteidigung liegt bei einem halben Prozent des Bruttoinlandsproduktes (Schätzung 2006).[11] Damit gehört Gambia zu den Staaten mit den geringsten Militärausgaben weltweit. Es gibt eine knapp 2000 Mann starke Armee, die Gambian National Army (GNA). Sie beinhaltet auch die Gambia Navy (GN), Presidential Guard und der Gambia National Guard. Eine Wehrpflicht besteht nicht.

Die Armee wurde, zunächst infolge des Putsches von 1981, als eine 200 Mann starke Einheit 1983 gegründet. Vorher gab es seit der Unabhängigkeit keine bewaffneten Streitkräfte im Land, lediglich eine 750 Mann starke Polizei und einen halb so großen Verband mit dem Namen Field-Force. Man hatte bis zum Putsch ein Verteidigungsabkommen mit dem Senegal abgeschlossen.

Obwohl das Land nur eine kleine Armee besitzt, beteiligt es sich intensiv an Friedensmissionen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union (AU), so zum Beispiel an der United Nations Mission in Liberia (UNMIL). Seit Dezember 2004 beteiligt sich Gambia an einer Friedensmission in Sudan unter Führung der Afrikanischen Union.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Süduferstraße zwischen Soma und Janjanbureh

Seit der Ankunft der Portugiesen im 15. Jahrhundert war der Fluss ein Haupthandels- und Transportweg zum afrikanischen Hinterland. Von Elfenbein, Eisen, Gold, Sklaven bis hin zu Erdnüssen wurde auf dem Fluss alles transportiert. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wird der Flusstransport durch den Passagierverkehr beherrscht.

Obwohl der Gambia weitestgehend schiffbar ist, wird er heute für Transportzwecke in das gambische Hinterland im Grunde genommen überhaupt nicht mehr genutzt. Auch der öffentliche Personenverkehr in West/Ost-Richtung hat sich nun ganz auf die Straße verlagert.

Die Kraftwerksleistung zur Erzeugung von Strom betrug 2009 etwas mehr als 60 Megawatt Leistung, die ausschließlich von Dieselgeneratoren erzeugt werden.[20] 80 Prozent aller Staatsausgaben dienen dem Öleinkauf, und damit ist Gambia anfällig für steigende Energiepreise.[20] Die Energieversorgung ist lückenhaft, nur jeder zweite Bewohner in den städtischen Siedlungen und jeder vierte in den ländlichen Siedlungen ist ans Stromnetz angeschlossen. Die Netzverluste sind gravierend, rund 40 Prozent der einspeisten Energie gehen verloren. Gründe liegen in der Leitungsschwäche und im Diebstahl.[20]

Im Bereich der Erneuerbare Energien hat man in Gambia noch kaum investiert, eine erste 150-kW-Windkraftanlage entstand an der atlantischen Küste in Batokunku.[20]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Ein Jahr nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1965 hat Gambia den Linksverkehr auf den Straßen abgeschafft. Seitdem wird auf den Straßen wie in den anderen westafrikanischen Staaten rechts gefahren. Fahrzeuge, die rechts gesteuert werden, sind nicht mehr zugelassen.

Das Straßennetz hat eine Länge von ungefähr 3.742 Kilometern (2003). Davon sind 723 Kilometer asphaltiert. Nördlich des Gambia-Flusses befindet sich eine wichtige Straße (North Bank Road), die das Land durchquert. Bedeutender für den Fernverkehr ist jedoch die South Bank Road, die von Banjul über Brikama bis nach Basse Santa Su durch das ganze Land verläuft. Seit einigen Jahren werden auch zunehmend Ampeln installiert, meist aber noch mit Unterstützung eines Verkehrspolizisten, da sich die Ampel noch nicht bei allen Fahrern als ernstzunehmendes Verkehrssignal durchgesetzt hat. 2009 waren bereits sechs Ampeln vorhanden.

Den öffentlichen Personennahverkehr übernehmen Buschtaxis. Die Minibusse fahren die Hauptverkehrsstraßen ab und lassen sich einfach durch Handzeichen anhalten. Konventionelle Taxis in gelber Farbe mit einem grünen Querstrich sind zahlreich vorhanden. In den Touristenzentren fahren aber auch noch grün lackierte Taxis. Sie haben spezielle staatliche Lizenzen, die sie auch als Touristenführer auszeichnen.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Gambia besitzt heute kein aktiv betriebenes Streckennetz mehr. In den 1930er Jahren gab es bei Brikama eine zwölf Kilometer lange Strecke.

Luftverkehr[Bearbeiten]

Etwas außerhalb von Banjul befindet sich Gambias einziger Flughafen. Das Flugfeld des Banjul International Airport wurde 1987 von der NASA als transatlantische Notlandestelle für Space Shuttles ausgewählt und in den folgenden Jahren für diese Aufgabe angepasst. Neu misst das Flugfeld 3.600 m.

Wasserverkehr[Bearbeiten]

Eine kleine Fähre bei Janjanbureh

Der Tiefwasserhafen von Banjul spielt für den internationalen Warenverkehr eine große Rolle, betrieben wird er von der staatlichen Gambia Ports Authority.

Der Gambia-Fluss ist bis 390 Kilometer ins Landesinnere schiffbar. Hochseeschiffe können, bedingt durch den Tiefgang, den Gambia bis etwa 190 Kilometer befahren.

Auf dem Fluss gibt es einige Fähren, die für den Personen- und Kraftfahrzeugverkehr eine wichtige Nord-Süd-Verbindung darstellen. Bis in die 1970er-Jahre war die Binnenschifffahrt nahezu die einzige Möglichkeit, ins Landesinnere zu kommen. Erst in den 1980ern schritt der Ausbau der Fernstraßen voran, seit dem Untergang der Lady Chilel Jawara 1984 wurde keine regelmäßige Fährverbindung längs des Flusses aufgenommen.

Eine wichtige Fährverbindung befindet sich zwischen Banjul und Barra am nördlichen Ufer der Gambia-Mündung, auf der wichtigen Verkehrsstrecke nach Dakar. Für den Fährverkehr wurde am 25. Juli 2005 die in der Ukraine gebaute Fähre Kanilai vom Präsidenten Jammeh in Dienst gestellt. Die Fähre mit 50 Metern Länge, 12,5 Metern Breite und einem Tiefgang von 1,7 Metern kann maximal 250 Tonnen Fracht sowie 1.200 Personen befördern. Die maximale Zahl der Passagiere wurde aber auf 600 begrenzt.[21]

Telekommunikation[Bearbeiten]

Satellitenkommunikation in Gambia auf einer 10-Dalasi-Banknote
Ein Telecenter in Fajara

Die staatliche Gambia Telecommunications Company, kurz Gamtel, ist Gambias wichtigstes Telekommunikationsunternehmen. Neben den rund 50.000 Festnetz-Anschlüssen (Stand 2004) betreibt sie ein Mobilfunknetz. In der Banjul Greater Area und im Westen der Western Division ist dies flächendeckend, in den anderen Landesteilen besteht Netzversorgung mit Mobilfunk nur in den Ballungsräumen.

Ein weiteres Unternehmen, das in Gambia ein Mobilfunknetz betreibt, ist die afrikaregionale Africell. Zusammen haben die beiden Anbieter über 220.000 Mobilfunkteilnehmer (Stand September 2005), das sind 25 Prozent der 15- bis 64-Jährigen oder 1,9 Handys pro Haushalt. Die Anzahl der Teilnehmer stieg innerhalb von fünf Jahren um das Vierzigfache, damit hat Gambia eine der höchsten Mobilfunkquoten von ganz Afrika.

Nach einer Schätzung von 2005 gibt es im Land 49.000 private Internetnutzer, das sind knapp sechs Prozent der 15- bis 64-Jährigen. Diese Zahl hat sich innerhalb von vier Jahren verzehnfacht. Es gibt eine Vielzahl von Telecentern, die verschiedene Kommunikationsdienste wie Internet-Terminals, Fax-Geräte oder Festnetztelefone gegen Entgelt zur Verfügung stellen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Fischfang an der Küste
Die traditionelle Art, Getreide zu zerstampfen
Touristen bevorzugen nicht nur die schönen Strände …
… sondern auch die farbenfrohe Natur. Im Bild ein Dorfweber (Ploceus cucullatus).

Gambia besitzt keine Bodenschätze, die sich wirtschaftlich erschließen ließen – Landwirtschaft, Tourismus und Fischerei sind die Haupterwerbszweige des Landes.

Nach einer Schätzung aus dem Jahr 2005 liegt das Bruttoinlandsprodukt kaufkraftbereinigt bei 2,39 Milliarden Euro, das entspricht 1.460 Euro pro Einwohner. Dennoch zählt Gambia zu den ärmsten Ländern der Welt: Noch 2003 belief sich der Anteil der Bevölkerung mit weniger als einem US-Dollar pro Tag (nicht kaufkraftbereinigt) auf 59 Prozent.

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Die Erdnuss, Gambias wichtigstes Exportgut

Zwei Drittel der Erwerbstätigen arbeiten im Bereich der Landwirtschaft, die ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Der Gambia-Fluss mit seinen Nebenflüssen ist Gambias Lebensader. Das Flusswasser lässt sich am effizientesten in der Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen verwenden. Die dicht besiedelten Gebiete Westgambias hängen völlig von der Nutzung des Grundwassers für den industriellen und häuslichen Gebrauch ab.

Die mit Abstand wichtigste Kulturpflanze ist die Erdnuss, die leicht sandige Böden bevorzugt. Jedes zweite landwirtschaftlich genutzte Feld ist ein Erdnussfeld. Sie bringt mit ihren Nebenprodukten 78 Prozent der Exporterlöse ein. Die exportorientierte, auf die Erdnuss ausgerichtete Landwirtschaft macht es aber notwendig, dass ein Fünftel der benötigten Nahrungsmittel eingeführt werden muss.

Daneben wird Hirse und Sorghum, Maniok und Mais kultiviert. Reis, das Grundnahrungsmittel Nummer eins, wird nicht ausreichend im Land produziert und muss zusätzlich importiert werden.

Eine untergeordnete Rolle für den Export spielt Baumwolle, die in den östlichen Landesteilen angebaut wird, und Palmkernöl. Die Ölpalme wird in erster Linie an der Küste angebaut.

Tourismus[Bearbeiten]

Der Tourismus in Gambia leistet nach der Landwirtschaft den zweitwichtigsten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Die meisten Touristen besuchen das Land der Strände wegen. Daneben sind Fluss- und Vogelexkursionen besonders wichtig. Auch kulturell Interessierte kommen nach Gambia, um das Trommeln auf einer Djembé in einem mehrtägigen Kurs zu lernen.

Mitte der 1960er-Jahre begann ein schwedisches Reisebüro, Reisen nach Gambia anzubieten. Die Zahl der Hotelbetten stieg von anfänglich 52 auf 4.500 im Jahr 1989. Durch die Zunahme des Tourismus in den letzten 30 Jahren wurde nach und nach mehr als die Hälfte der erschlossenen Küstenlinie bebaut, und die Regierung Jammeh forciert die weitere Zunahme des Fremdenverkehrs.

In den Schlagzeilen erscheint Gambia im Zusammenhang mit Sextourismus. Die so genannten Bumster versuchen, sich auf charmante Weise als Reisebegleiter anzupreisen. Allein reisende Frauen, die sich sicher im Land bewegen wollen, nehmen die Dienste gelegentlich an. Die Bumster hoffen, für sich und ihre Familien Almosen zu erhalten, oder spekulieren auf eine Heirat mit anschließender Emigration ins „Paradies“ Europa.

Im Sommer 2008 haben mehrere europäische Regierungen ihre Reisewarnungen an schwule Männer verschärft, nachdem zwei Spanier lediglich ihrer Homosexualität wegen verhaftet worden waren. „Man müsse bei einem Besuch des westafrikanischen Landes äußerst vorsichtig sein, so die Empfehlung.“[22]

Industrie und verarbeitendes Gewerbe[Bearbeiten]

Es gibt keine ausgeprägte industrielle Fertigung in Gambia. Die größeren privaten Unternehmen beschäftigen sich mit dem Straßen- und Häuserbau. Weiter gibt es die Brauerei Banjul Breweries, einen Fahrradhersteller und eine Gießerei. Ein Betrieb eines Pharmaherstellers wurde 2007 eröffnet. Es gibt auch viele Kleinbetriebe, die Möbel herstellen, Metall verarbeiten, Holzschnitzereien fertigen oder Fisch verarbeiten.

Staatshaushalt[Bearbeiten]

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 153,1 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 129,1 Mio. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,4 % des BIP.[11]

Die Staatsverschuldung betrug 2007 357 Mio. US-Dollar oder 54,9 % des BIP.[23]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Kultur[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

Radio SYD, der erste kommerzielle Hörfunksender

Zeitungen[Bearbeiten]

Zeitungen haben in den letzten Jahren mit dem Sinken der Analphabetenquote an Bedeutung gewonnen. Mit fünf Ausgaben in der Woche ist The Daily Observer die bedeutendste. Die Regierung Jammeh ist aber bestrebt, die Rechte der Presse einzuschränken oder gar sie zu verbieten. Unter anderem wurde das Erscheinen der Tageszeitung The Point untersagt.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen nahm am internationalen Tag der Pressefreiheit (3. Mai 2005)[25] Präsident Jammeh neu in die Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ auf und machte dadurch weltweit darauf aufmerksam, dass die Bedingungen für Journalisten in Gambia nicht die besten sind.

Radio und Fernsehen[Bearbeiten]

Die staatliche Rundfunkgesellschaft, die Gambia Radio & Television Services (GRTS,) ist der einzige Fernsehsender. Von GRTS gibt es fünf Hörfunkprogramme, es wird aber auch Rundfunk aus dem benachbarten Senegal empfangen. Nach einer Schätzung von 1997 gibt es 197.000 Radios.

Siehe auch: Hörfunk in Gambia

Musik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Musik Gambias
Djembé, ein typisches westafrikanisches Musikinstrument
Trommler bei einem Fest

Traditionelle Instrumente in Gambia sind Balafon, Kora und Djembé. Man findet im ganzen Land immer Männer, die zum Zeitvertreib auf einer Djembé spielen. Dadurch ist in den Dörfern, am Strand oder abends zu Geselligkeiten immer ein Rhythmus in der Luft, der in der Regel angenehm und beruhigend wirkt. Für die Touristen werden Trommelkurse angeboten, bei denen die Gäste das Trommelspielen vor Ort erlernen können.

In Westafrika gibt es eine Reihe von Musikern, die populäre Musik produzieren. So ist im Nachbarland Senegal Youssou N’Dour ein Superstar, dies ist in Gambia nicht anders. Aus Gambia ist der Musiker Foday Musa Suso international bekannt, in der Schweiz und Deutschland hat sich der Kora-Spieler und Sänger Tata Dindin einen Namen gemacht.

Weit verbreitet sind neben der internationalen Popmusik auch Reggae und die afrokaribische Musik. Der Afrikanische Hip-Hop wird auch verbreitet gehört, es konnte sich mit dem Gambischen Hip-Hop eine eigene Musikszene entwickeln.


Essen und Trinken[Bearbeiten]

Die gambische Küche gehört zur westafrikanischen Küche und ist wie diese durch die nordafrikanischen Länder von der arabischen Küche beeinflusst worden. Es gibt in diesem kleinen Land keine typisch gambischen Spezialitäten; die verbreiteten Gerichte sind in Variationen oder mit anderem Namen auch in Senegal und den anderen westafrikanischen Ländern zu finden. Im Gegensatz zu Senegal, wo sich die französische Küche der ehemaligen Kolonialmacht mehr durchgesetzt hatte, konnte die englische Küche in Gambia nicht Fuß fassen.

Gemeinsame Mahlzeit; hier das Reisgericht Benachin

Gekocht wird viel mit frischem und getrocknetem Fisch. Folgende Fische werden beispielsweise dabei verwendet: Frauenfisch, Barrakuda, Meeräsche, Korallenfische und Seezunge. Als Beilage werden Reis, Süßkartoffeln, Maniok, Okra und andere Gemüsesorten verwendet. Typisch für die gambische Küche ist die Erdnusssoße.

Die Hauptgerichte sind Chicken Yassa (oder sisay yassa), ein in Zitronensaft und Zwiebeln sauer eingelegtes Hähnchen und Benachin, ein Reisgericht, das mit frischem Gemüse und getrocknetem Fisch zubereitet wird. Daneben gibt es Domoda, einen Eintopf mit Erdnusssoße, der mit Fleisch und Gemüse zubereitet wird. Als kleine Zwischenmahlzeit gelten die Fish Cakes, mit Fisch und Gewürzen gefüllte frittierte Teigtaschen. Als Süßspeise gibt es das Chakery, das mit Joghurt zubereitet wird. Neben frischem Obst wird man immer frisch geröstete Erdnüsse bekommen.

Auf Grund des islamischen Glaubens ist Alkohol nicht weit verbreitet. Die Volksgruppen Aku und Diola aber trinken gerne Palmwein. Dazu wird gegorener Saft aus Palmen mittels aufgehängter Flaschen gesammelt. Das Hauptgetränk der Gambier ist aber Ataya, ein grüner Tee, der wie im nordafrikanischen Raum im Rahmen einer rituellen Teezeremonie getrunken wird. Ferner werden Fruchtsäfte (Mango, Guave, Papaya, Tamarinde) und der aus getrockneten Hibiskusblüten (Hibiscus sabdariffa) zubereitete Bissap-Saft getrunken. Eine weitere Spezialität des Landes ist der Kinkéliba-Tee.

Kleidung[Bearbeiten]

Typisches Straßenbild in Westafrika 2004

Die Westafrikaner tragen gerne bunte Kleider, die Stoffe sind dünn gewebt und in der Batik-Technik gefärbt. Im Straßenbild der Küstenregion um Serekunda mischt sich die europäische Kleidung gleichberechtigt mit den traditionellen Gewändern. Trotz vielfach staubiger und unbefestigter Straßen sind Gambier stets bestrebt, sauber und modisch gekleidet zu sein.

Für das islamische Freitagsgebet kleiden sich die meisten Männer, auch die jungen Männer in der Küstenregion, die sonst gerne westliche Kleidung tragen, in einen Kaftan. Die muslimischen Sitten werden aber hier freier ausgelegt, Frauen haben hier andere Möglichkeiten, Modebewusstsein zu zeigen. So ist eine freie Schulter überhaupt nichts Verwerfliches, selbst eine entblößte Brust einer stillenden Frau wird dort eher akzeptiert als in westlichen Ländern. Einzig das Knie einer Frau sollte bedeckt sein; selbst diese Regel wird in der Küstenregion lockerer gehandhabt.

Sport[Bearbeiten]

An den Olympischen Sommerspielen 2004 nahmen zwei Sportler aus Gambia teil: zum einen Jaysuma Saidy Ndure, der an den Leichtathletik-Wettbewerben 100-Meter und 200-Meter der Männer teilnahm, und zum anderen Adama Njie, die am 800-Meter-Lauf der Frauen teilnahm. Drei Teilnehmer vertraten Gambia bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking: der Boxer Badou Jack, die Leichtathletin Fatou Tiyana und der Leichtathlet Suwaibou Sanneh. In der Olympischen Geschichte Gambias gab es bisher noch keine Medaillen.

Internationale Golfturniere werden auf dem Fajara Golf Course ausgetragen.

Fußball[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fußball in Gambia
Independence Stadium
Gambisches Wrestling

Die Nation ist stark vom Fußball begeistert, in der Nähe von Banjul gibt es ein großes Stadion, das 40.000 Zuschauer fassen kann. Das 29 Millionen Euro teure Independence Stadium wurde von den Chinesen im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes gebaut. Dieses Stadion wird auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Die gambische Fußballnationalmannschaft (genannt The Scorpions) befindet sich zurzeit in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 148. (161 Punkte)
(Stand: 17. Juli 2014)[26]. In der Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 unterlag die Mannschaft in der ersten Qualifikationsrunde gegen die Mannschaft aus Liberia und konnte sich damit nicht weiter qualifizieren. Das U20-Team hingegen qualifizierte sich für die Junioren-WM. Dort konnte das unerfahrene Team am 9. Juli 2007 durch einen 2:1-Erfolg über das portugiesische Team den Einzug in das Achtelfinale der U20-Weltmeisterschaft in Kanada perfekt machen, wo es sich allerdings Österreich mit 1:2 geschlagen geben musste.

Wrestling[Bearbeiten]

Volkssport mit großer Tradition unter den Männern, vor allem der Ethnie der Diola, ist das afrikanische Wrestling, eine Form des Ringkampfes. Dieses Wrestling hat in Gambia eine ähnliche Stellung wie das Sumō-Ringen in Japan. Unter den Herrscherfamilien gab es schon im 11. Jahrhundert Ringerwettkämpfe. Heute wird der Wettkampf in jedem Dorf, besonders im Süden an der Grenze zu der senegalesischen Region Casamance, ausgetragen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Steinkreise von Wassu

Als Wahrzeichen des Landes und der Hauptstadt gilt das Arch 22. Die Geschichte des Landes ist im National Museum in Banjul, in der noch einige Gebäude aus kolonialer Zeit erhalten sind, zu erkunden. Weitere koloniale Reste sind unter anderem auf James Island, in Juffure und in Janjanbureh (früher Georgetown) zu finden. Von der Lamin Lodge lässt sich gut das Ökosystem Mangrovenwald im Tanbi Wetland Complex beobachten. Der Abuko Nature Reserve zeigt anschaulich einen Galeriewald. Schwer erreichbar ist das Mungo-Park-Memorial bei Karantaba Tenda.

Größtenteils ungeklärt sind noch die Herkunft und der Zweck der megalithischen Steinkreise von Wassu. Ähnliche Anlagen sind sogar in der gesamten Region zu finden.

Feiertage[Bearbeiten]

Hauptartikel: Feiertage in Gambia

Die elf gesetzlichen Feiertage gründen sich auf die beiden Nationalfeiertage am 18. Februar (Independence Day) und am 22. Juli (Republic Day) und die religiösen Feiertage der beiden größten im Land vertretenen Religionen. Trotz der Mehrheit der muslimischen Bevölkerung haben die christlichen Feiertage ihren Platz, dies liegt begründet in der britischen Kolonialgeschichte.

Der Sonntag ist seit der Kolonialzeit wöchentlicher Ruhetag. Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, so wird er auf den folgenden Montag verschoben, der dann arbeitsfrei ist.

Der Freitag ist der Gebetstag der Moslems, strenggläubige halten nach dem Mittagsgebet (Freitagsgebet) ihre Geschäfte geschlossen.

Sonstige Themen[Bearbeiten]

Umwelt[Bearbeiten]

Die häufigsten Naturkatastrophen, die das Land bedrohen, sind Buschfeuer, Dürren, Küstenerosion, Überschwemmungen, Sandstürme und Heuschreckenplagen.

Seit den 1970er-Jahren kommt es - zusammen mit Buschbränden - zu häufigerem Auftreten von Dürrekatastrophen. Seit Mitte der 1980er-Jahre treten Sandstürme, die mehr als drei Tage dauern, fast jährlich auf. In den letzten zwanzig Jahren sind weite Abschnitte der Küstenlinie zwischen Banjul und Tanji durch Erosion bei Sturmfluten beschädigt worden, wobei es auch zu erheblichen Verlusten an Besitztümern gekommen ist. Seit kurzem treten Überschwemmungen des Flusses jährlich auf, die in vielen Teilen des Landes Felder und Gebäude beschädigen. Im Jahr 2004 bekämpfte die gesamte westafrikanische Region eine riesige Population Heuschrecken. Die gambische Regierung rief deshalb vorsorglich den Notstand aus.

Die Erweiterung der Ackerflächen, Überweidung durch Viehwirtschaft, Buschbrände und unerlaubter Holzeinschlag hat den Waldanteil von ungefähr 70 Prozent in den sechziger Jahren auf weniger als neun Prozent im Jahr 2000 verringert.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Abuko Nature Reserve

Der Abuko Nature Reserve ist das bekannteste Naturschutzgebiet in Gambia. Der 1968 eingerichtete etwa hundert Hektar große Park liegt ungefähr zwanzig Kilometer südlich der Kombo-St. Mary Area.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Gambia – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Gambia

Literatur[Bearbeiten]

Allgemein
  • Ulla Ackermann: Merian live!, Senegal, Gambia. Gräfe und Unzer, München 2002, ISBN 3-7742-0730-5.
  • Thomas Baur: Senegal, Gambia: [Senegambia und den Bijagos-Archipel mit diesem praktischen Urlaubshandbuch entdecken, erleben und genießen]. Rump, Bielefeld 2002, ISBN 3-8317-1112-7.
  • Hartmut Buchholz: Senegal, Gambia. DuMont, Köln 1998, ISBN 3-7701-4189-X.
  • Jojo Cobbinah: Senegal / Gambia. Meyer Reiseführer, Frankfurt 2002, ISBN 3-89859-103-4.
  • Ilona Hupe, Manfred Vachal: Gambia. Kleines Urlaubsparadies in Westafrika. Hupe, München 1999, ISBN 3-932084-19-5.
  • Rosel Jahn: Gambia: Reiseführer mit Landeskunde; mit einem Reiseatlas. Mai, Dreieich 1997, ISBN 3-87936-239-4.
  • Gertrud Premke: Erlebnis Gambia: Erlebnisse - mystische Geschichten - Landeskunde. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2004, ISBN 3-8334-2044-8.
  • Michel Renaudeau: The Gambia =: La Gambie. Delroisse, Boulogne 1978, ISBN 2-85518-036-8.
  • Reisebegleiter, The Gambia. FTI Touristik Publications, München 1999
  • Katharina Kane: Lonely Planet – the Gambia & Senegal. Lonely Planet Publications, Footscray 2006, ISBN 1-74059-696-X.
Flora und Fauna
  • Clive Barlow, Tim Wacher, Tony Disley: Birds of the Gambia and Senegal. Christopher Helm Publishers, London 2005, ISBN 0-7136-7549-7.
  • Phyllis Kasper: Some Common Flora of The Gambia. Traute Warnke Verlag, Reinbek 1993, ISBN 3-9801591-3-2.
  • Lamin Bojang, Ralf Ludwig: Results and Analysis of the National Forest Resources Inventory of The Gambia 1997/98. DFS/GTZ 1998
Sprache
  • Michael Franke: Wolof für den Senegal, Wort für Wort. Kauderwelsch. Band 89. Rump, Bielefeld 1998, ISBN 3-89416-280-5.
  • Karin Knick: Mandinka für Gambia, Wort für Wort. Kauderwelsch. Band 95. Rump, Bielefeld 1994, ISBN 3-89416-286-4.
Geschichte
  • Werner Forman: Schwarze Königreiche: das Kulturerbe Westafrikas. Atlantis-Verlag, Luzern/ Herrsching 1988, ISBN 3-7611-0715-3.
  • Colin McEvedy: The Penguin atlas of African history. Penguin Books, London 1995, ISBN 0-14-051321-3.
  • Donald R. Wright: The world and a very small place in Africa: a history of globalization in Niumi, the Gambia. M.E. Sharpe, London 2004, ISBN 0-7656-1007-8.
Karten
  • Stephen C. Stringall: Gambia Map. International Travel Maps, Vancouver 2003, ISBN 1-55341-217-6.
  • World Mapping Project (Hrsg.): Senegal & Gambia Mit exakten Höhenlinien, Höhenschichten-Relief, Gradnetz und Ortsindex. GPS-tauglich. Rump, Bielefeld 2004, ISBN 3-8317-7123-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Gambia – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Gambia – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Gambia – Reiseführer
 Wikimedia-Atlas: Gambia – geographische und historische Karten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Human Development Index, abgerufen am 10. Oktober 2013
  3. a b auf bevoelkerungsstatistik.de (online nicht mehr erreichbar, letzter Zugriff Mai 2013)
  4. a b c The Origins of ’The Gambia von Hassoum Ceesay in der Zeitung The Daily Observer (online) vom 18. Dezember 2007, Zugriff Juni 2010
  5. a b c d e David P. Gamble: Gambia (World Bibliographical Series) ABC-Clio, ISBN 1-85109-068-1.
  6. Gambia. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 6, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 887.
  7. Fischer Weltalmanach 2000, Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1999, ISBN 3-596-72000-1.
  8. Ethnologue report for Gambia www.ethnologie.com
  9. Hupe: Gambia, Jahn: Gambia (genauere Angaben unter Literatur)
  10. ‚Penis snatcher‘ takes a hard beating (engl.)
  11. a b c d e Gambia im „CIA – The World Factbook“ wenn nicht anders angegeben; Angaben vom März 2006
  12. Terre des Femmes spricht von 76 % genitalverstümmelter Frauen in Gambia,Abruf vom 11. Februar 2014
  13. Auswärtiges Amt zu Genitalverstuemmelung und Aufklärungsprojekten, Abruf vom 11. Februar 2014
  14. Terre des Femmes zur Befürwortung von Genitalverstümmelung seitens der Frauen in Gambia,Abruf vom 11. Februar 2014
  15. Meyers Memo S. 463 Abschnitt 5 Zeile 3
  16. Gambia verlässt das Commonwealth. In: tagesschau.de. 3. Oktober 2013, abgerufen am 3. Oktober 2013.
  17. Verfassung Gambia vom Januar 1997 – geändert 2001 http://www.ncce.gm/files/constitution.pdf
  18. Neue Zürcher Zeitung: Gambias Staatschef Jammeh gewinnt Präsidentschaftswahl, 25. November 2011.
  19. The Gambia – Background Gambia Bureau of Statistics, Zugriff Juni 2010
  20. a b c d Für die Windmühlen kämpfen Berliner Zeitung (online) vom 6. Mai 2009
  21. Indienststellung der Fähre Kanilai Ferry (englisch)
  22. Queer.de: „Spanier in Gambia wegen Homosexualität verhaftet“, 4. Juni 2008
  23. Country Profile Gambia (PDF; 142 kB)
  24. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4.
  25. siehe auch: Wikinews:15. Internationaler Tag der Pressefreiheit
  26. Die FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. In: fifa.com, Juli 2014. Abgerufen am 17. Juli 2014
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13.5-15.5Koordinaten: 14° N, 16° W