Vaseline

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Weiße Vaseline (Vaselinum album)

Vaseline (auch Vaselin, pharmazeutisch Vaselinum album = ‚weiße Vaseline‘, Vaselinum flavum = ‚gelbe Vaseline‘) ist ein salbenartiges Gemisch aus festen und flüssigen Kohlenwasserstoffen aus Erdöl mit einem Schmelzbereich von 38 bis 58 °C.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Firmensitz Chesebroughs in New York City, 24 State Street (um 1890)

1859 suchte der verarmte Chemiker Robert Chesebrough eine Möglichkeit, dem Bankrott zu entrinnen. Da er in seinem Kerosinvertrieb keine Zukunft mehr sah, beabsichtigte er, ins Erdölgeschäft einzusteigen. Im an Erdölvorkommen reichen Titusville, Pennsylvania, fielen ihm an Bohrgestängen eigenartige paraffin-ähnliche Rückstände auf. Die Ölarbeiter waren zwar von der schmierigen Masse, die die Pumpen verstopfte, nicht begeistert, hatten aber bereits durch Zufall herausgefunden, dass Schürf- und Brandwunden besser heilten, wenn man sie damit bestrich. Durch diese Tatsache hellhörig geworden, nahm er mehrere Gläser des Erdölabfallproduktes mit nach Hause und versuchte, in Experimenten den Grundbestandteil zu extrahieren. 1870 gelang es ihm schließlich, die erste reine Vaseline herzustellen, der er anfangs noch den Namen „Petroleumgallert“ gab.

1872 patentierte er das Verfahren zur Gewinnung der Vaseline und ließ den Markennamen Vaseline schützen. Ist nicht das Markenprodukt gemeint, wird Vaseline im englischen Sprachgebrauch als Petroleum Jelly (Erdöl-Gelee) bezeichnet.

Über die Herkunft der Bezeichnung „Vaseline“ gibt es zwei unterschiedliche Versionen. Freunde Chesebroughs meinten, der Name sei ihm in den Sinn gekommen, da er anfangs die Blumenvasen seiner Frau anstelle von Laborgläsern verwendet habe. Mitarbeiter in seiner Fabrik dagegen erklärten, Chesebrough habe den Namen aus zwei Bestandteilen zusammengesetzt, für den ersten habe er das angepasste deutsche Wort „Wasser“ und für den zweiten entsprechend das griechische Wort „elaion“, das Olivenöl bedeutet, gewählt.[1]

Gewinnung und Zusammensetzung[Bearbeiten]

Vaseline wird aus Rückständen bei der Erdöldestillation gewonnen. Die Rohvaseline wird zur Reinigung und Bleichung mit Schwefelsäure, Bleicherden und Aktivkohle behandelt.[2] Vaseline besteht zu 70 bis 90 % aus einem flüssigen Anteil aus stark verzweigten iso-Paraffinen und Olefinen. Der feste Anteil (10 - 30 %) besteht aus kristallinen Komponenten (n-Paraffine) und mikrokristallinen Komponenten (wenig verzweigte iso-Paraffine)[3].

Während weiße Vaseline durch eine spezielle Aufarbeitung fast vollständig bis vollständig entfärbt ist, wird diese Aufreinigung bei gelber Vaseline nicht durchgeführt. In ihrer Reinheit unterscheiden sich beide Vaselinearten neben dem Aussehen der Substanz dahingehend, dass die Grenze für das Vorhandensein unerwünschter aromatischer, polycyclischer Kohlenwasserstoffe bei weißer Vaseline wesentlich niedriger liegt als bei gelber Vaseline[4].

Analytik[Bearbeiten]

Das hochkomplexe Gemisch von Kohlenwasserstoffen wird bevorzugt durch chromatographische Verfahren getrennt. Zur Anwendung kommen die HPLC und die GC/MS-Kopplung.[5] Diese Verfahren erlauben die hochspezifische qualitative und quantitative Bestimmung einzelner Komponenten. Sie werden auch eingesetzt, wenn es sich um die Untersuchung von Hautlipiden nach Anwendung vaselinehaltiger Produkte handelt.[6]

Verwendung am Menschen[Bearbeiten]

Vaseline wird beim Menschen auf der Haut durch Ausnutzen des Okklusionseffekts als Hautschutz gegen rissige Hände oder spröde Lippen und im Gesicht gegen Auskühlung durch Verminderung der Verdunstung der Hautfeuchte verwendet.

Anwendungen hat sie zudem als Gesichtsschutz bei rauem Wetter und Kälte, Make-up-Entferner und zum Entfernen von Teerflecken auf Haut und Leder.[7]

Von der Anwendung im Inneren der Nase sollte jedoch abgeraten werden, da dadurch das Risiko einer Lipid-Pneumonie gegeben ist. Dabei handelt es sich um eine chemisch verursachte, potentiell tödliche Form der Lungenentzündung.[8]

Vaseline wird auch als Gleitmittel bei diversen Sexualpraktiken eingesetzt, ist hierfür jedoch nur bedingt geeignet, da sie z. B. Kondome aus Latex durchlässig werden lässt.

Sonstige Verwendung[Bearbeiten]

  • Vaseline wird in der Kosmetik und Pharmazie als Salbengrundlage eingesetzt, in der Lederverarbeitung als Imprägnierungssalbe.
  • In der Industrie wird sie als wirksamer Schmierstoff mit gutem Korrosionsschutz eingesetzt. Sie verhält sich chemisch neutral gegenüber allen Werkstoffen.
  • Vaseline dient als Grundlage zur Herstellung von Melkfett.
  • Als umweltfreundlicher Unterwasser-Bewuchsschutz für Motorboote und Segelyachten.
  • Pflege und Schutz von Gegenständen aus Glattleder, z. B. Fahrradsätteln, Stiefeln oder Motorradbekleidung.
  • Zur Pfotenpflege bei Hunden.
  • Zum Fetten von Reißverschlüssen.
  • Im Tattoo-Bereich.
  • Als Hautschutz am Gesäß beim Radfahren.
  • In Vaseline getränkte Watte wird im Outdoorbereich als Zunder verwendet
  • Als Frostschutz für Türgummis am Auto

Einzelnachweise[Bearbeiten]

 Commons: Vaseline – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Charles Panati: Universalgeschichte der ganz gewöhnlichen Dinge, München 1998, S. 282 ff.
  2. Arnold Willmes, Taschenbuch Chemische Substanzen, Harri Deutsch, Frankfurt (M.), 2007.
  3. Bauer, Frömming, Führer: Pharmazeutische Technologie, 9. Auflage (2012), Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mBH, S. 425
  4. Ph. Eur. (Europäisches Arzneibuch), Govi-Verlag, Eschborn
  5. de Koning S, Janssen HG, Brinkman UA: Group-type characterisation of mineral oil samples by two-dimensional comprehensive normal-phase liquid chromatography-gas chromatography with time-of-flight mass spectrometric detection., J Chromatogr A. 2004 Nov 26;1058(1-2):217-21, PMID 15595671.
  6. Bortz JT, Wertz PW, Downing DT: The origin of alkanes found in human skin surface lipids., J Invest Dermatol. 1989 Dec;93(6):723-7, PMID 2584738.
  7. Anwendungshinweis auf dem Etikett der Vaseline-Dose der Firma Abtei.
  8. A. C. Brown, P. C. Slocum, S. L. Putthoff, W. E. Wallace, B. H. Foresman: Exogenous lipoid pneumonia due to nasal application of petroleum jelly. In: Chest. 105, Nr. 3, 1994, S. 968–9. PMID 8131586.