Venusmuscheln

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Venusmuscheln
Eine Venusmuschel der Art Callista brevisiphonata aus den japanischen Gewässern

Eine Venusmuschel der Art Callista brevisiphonata aus den japanischen Gewässern

Systematik
Klasse: Muscheln (Bivalvia)
Unterklasse: Autolamellibranchiata
Überordnung: Verschiedenzähner (Heterodonta)
Ordnung: Venusmuschelartige (Veneroida)
Überfamilie: Veneroidea
Familie: Venusmuscheln
Wissenschaftlicher Name
Veneridae
Rafinesque, 1815
Unterfamilien
  • Chioninae
  • Circinae
  • Clementinae
  • Cyclininae
  • Dosiniinae
  • Gemminae
  • Meretricinae
  • Pitariinae
  • Samarangiinae
  • Sunettinae
  • Tapetinae
  • Venerinae
Mercenaria mercenaria.

Die Venusmuscheln (Veneridae; italienisch: Vongole) sind eine Familie von Muschelarten in der Ordnung Veneroida. Die Familie umfasst zwölf noch nicht abgesicherte Unterfamilien mit zahlreichen Gattungen – die ebenfalls noch nicht taxonomisch abgesichert sind – und über 400 Arten, wovon die meisten essbar sind.

Die Venusmuscheln kommen weltweit in allen Küstengewässern vor, meist in und auf sandigem Untergrund. Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt in den warmen Meeren. Die ältesten Vertreter der Familie stammen aus dem Valanginium (Unterkreide)[1].

Beschreibung[Bearbeiten]

Typische Schalenmerkmale[Bearbeiten]

Mythen und Geschichten[Bearbeiten]

In der Antike galt die Muschel allgemein als geschlechtsloses Wesen, das aus dem Meerschaum entstand. Auch Aristoteles war von dieser Ansicht, die in der Folge bis ins späte Mittelalter weitergegeben wurde, überzeugt. Nach der griechischen Mythologie wurde Aphrodite bzw. die römische Venus u.a. aus dem Meerschaum und in der Folge aus einer Muschel geboren.

Der Name der Venusmuscheln wird auch von ihrer Gestalt abgeleitet. Die leicht eingerollte Grundform der Venusmuscheln ähnelt angeblich als Ganzes mit sehr viel Fantasie dem Bauchnabel der Schönheitsgöttin Venus, die Ansicht von Wirbel und Ligament von dorsal gleicht mit viel Einbildungskraft der Vulva einer Frau.

Als das Porzellan nach Europa gelangte, wurde es so angeblich nach „porcellano“, einem italienischen Spitznamen für die Glänzende Venusmuschel Callista chione benannt. Die Schalen dieser Art glänzen innen und außen so, als ob sie poliert wären - so wie Porzellan. „Porcellano“ (übersetzt „Schweinchen“) leitet sich von der oval-bauchigen und bräunlich-rosa glänzenden Schale dieser Venusmuschel ab.

Systematik[Bearbeiten]

Phylogenie der Veneridae[Bearbeiten]

Nach Kappner und Bieler [2] sind Chioninae und Venerinae zwei getrennte Gruppen, wobei die Gattungen Chamelea, Clausinella, Tawera und Timoclea neu zu den Venerinae zugeordnet werden. Morphologisch unterscheiden sich die beiden genannten Gruppen durch getrennte Siphone und (meist) einen vorderen Nebenzahn bei den Venerinae sowie verschmolzene Siphone und keinen vorderen Nebenzahn bei den Chioninae.

Weitere Untersuchungen zur Klärung der Phylogenie sind notwendig. Gattungen sind in Klammern hinter den Unterfamilien angegeben.

Veneridae 

Callista chione


     

Meretrix lyrata


 N.N. 

 Pitar rudis


 N.N. 

 Macrocallista squalida


 N.N. 

 Periglypta


     

 Placamen


     

 Dosiniinae (Dosinia, Petunculus; Gattungen evtl. monophyletisch)


 N.N. 

 Tapetinae (Ruditapes, Paphia, Katelysia; Gattungen nicht monophyletisch)


 N.N. 

 Chioninae (Lirophora, Anomalocardia, Mercenaria, Humilaria, Puberella, Ameghinomya, Chiona, Chionista, Protothaca, Callithaca) (zu wenig Daten)


     

 Venerinae (Chamelea, Venus, Clausinella, Globivenus, Ventricoloidea, Dosina, Tawera, Ameghinomya, Eurhomalea, Timoclea, Antigona) (Gattungen nicht monophyletisch)








Unterfamilien[Bearbeiten]

Liste der Gattungen[Bearbeiten]

Hier eine Auflistung der Gattungen von Venusmuscheln (möglicherweise unvollständig) ohne Berücksichtigung der Gruppierung nach Unterfamilien:

Einige fossile Gattungen[3]:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Venusmuscheln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Yasuo Kondo und Shin-ichi Sano: Origination of extant heteroconch families: Ecological and environmental patterns in post-Paleozoic bivalve diversification. Palaeontological Research, 13: 39-44, Tokyo 2009 doi:10.2517/1342-8144-13.1.039
  2. Mol Phylogenet Evol. 2006 Aug;40(2):317-31. Epub 2006 Apr 18. Phylogeny of venus clams (Bivalvia: Venerinae) as inferred from nuclear and mitochondrial gene sequences. Kappner I, Bieler R.
  3. Raymond C. Moore: Treatise on Invertebrate Paleontology, Part N, Mollusca 6, Bivalvia (Volume 2). The University of Kansas & Geological Society of America, Boulder, Colorado, 1969.

Literatur[Bearbeiten]

  • [1] Isabella Kappner & Rüdiger Bieler, 2006. Phylogeny of venus clams (Bivalvia: Venerinae) as inferred from nuclear and mitochondrial gene sequences. Molecular Phylogenetics and Evolution, 40(2): 317-331
  • Michael Amler, Rudolf Fischer & Nicole Rogalla: Muscheln. Haeckel-Bücherei, Band 5. Enke Verlag, Stuttgart 2000 ISBN 3-13-118391-8.
  • Rüdiger Bieler & Paula M. Mikkelsen: Bivalvia - a look at the Branches. Zoological Journal of the Linnean Society, 148: 223-235, London 2006.
  • Victor Millard: Classification of the Mollusca. A Classification of World Wide Mollusca. Rhine Road, Südafrika 1997 ISBN 0-620-21261-6