Vertrag von Aigun

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In den Verträgen von 1858 und 1860 an Russland abgetretene Gebiete

Der Vertrag von Aigun (chin. 瑷珲条约, pinyin: Aìhún Tiáoyuē, russisch Айгунский договор) wurde zwischen Russland und Qing-China am 28. Mai 1858 in der mandschurischen Stadt Aigun geschlossen. Er fügt sich in die Reihe der „Ungleichen Verträge“ ein, zu deren Abschluss China im 19. Jahrhundert aufgrund der eigenen wirtschaftlichen und militärischen Schwäche von ausländischen Mächten gezwungen werden konnte. Die russische Seite wurde durch den Generalgouverneur von Ostsibirien Nikolai Nikolajewitsch Murawjow-Amurski vertreten, die chinesische durch den Oberbefehlshaber des chinesischen Heeres Yishan. Der Vertrag wurde am 14. Juni 1858 vom chinesischen Kaiser und am 20. Juli von der russischen Regierung ratifiziert.

Der Vertrag war das Ergebnis eines langen russischen Expansionsprozesses im Amur-Gebiet und im Fernen Osten. Eine besonders wichtige Rolle dabei spielte die Amur-Expedition des russischen Forschers Gennadi Iwanowitsch Newelskoi. In der Präambel des Vertrages wurde festgestellt, dass er im „gemeinsamen Einverständnis“ und „für die große ewige Freundschaft zwei großer Staaten“ geschlossen wurde. Der russisch-chinesische Grenzverlauf wurde folgendermaßen geregelt: Das linke Ufer des Amur vom Fluss Argun bis zur Ozeanmündung wird Russland zugeschlagen, während das rechte Ufer flussabwärts bis zum Fluss Ussuri im Besitz der Chinesen bleibt. Das Land vom Fluss Ussuri bis zum Meer wird „bis auf weiteres“ als „gemeinsam nutzbares Gebiet“ eingestuft. Für die anderen Staaten wird der Flussverkehr gesperrt.

Insgesamt verlor China durch diesen Vertrag Teile der Mandschurei, die ihm infolge des Vertrags von Nertschinsk 1689 zugesprochen worden waren. Der Vertrag von Aigun wurde bereits zwei Jahre später durch den Pekinger Vertrag von 1860 ergänzt.

Siehe auch: Ungleiche Verträge

 Wikisource: Айгунский договор – Quellen und Volltexte (russisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • Jonathan D. Spence: Chinas Weg in die Moderne (= dtv 30795). Aktualisierte und erweiterte Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2001, ISBN 3-423-30795-1.
  • Text des Vertrages in: Дмитрий Алексеевич Пещуров (Hrsg.): Сборник договоров России с Китаем. 1689–1881 гг. (= Россия-Договоры). МИД, Санкт-Петербург 1889 (Nachdruck: Michael Weiers (Hrsg.): Die Verträge zwischen Russland und China. 1689–1881. = The treaties between Russia and China. 1689–1881 (= Wehling Reprints. Nr. 1). Faksimile der 1889 in Sankt Petersburg erschienenen Sammlung mit den Vertragstexten in russischer, lateinischer und französischer sowie chinesischer, mandschurischer und mongolischer Sprache. Wehlung, Bonn 1979, ISBN 3-88437-000-6).