Vertrag von Paravicini

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Timor und Nachbarinseln im 17. und 18. Jahrhundert

Im Vertrag von Paravicini schlossen 48 Kleinkönige der Inseln Solor, Roti, Sawu, Sumba und einem Großteil Westtimors 1756 ein Bündnis mit der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC). Treibende Kraft hinter dem Vertrag war sein Namensgeber, der Diplomat Johannes Andreas Paravicini.

Hintergrund[Bearbeiten]

In der Region kämpfte die VOC mit Portugal um die Vormachtstellung. 1749 mussten die Portugiesen und die mit ihnen verbündeten Topasse und Timoresen in der Schlacht von Penfui eine verheerende Niederlage hinnehmen. In Folge dieser liefen mehrere Kleinkönige Timors zu den Niederländern über.

Der Vertrag und seine Auswirkungen[Bearbeiten]

Festlichkeit bei dem Paravicini von einheimischen Herrschern umgeben ist, 1756
Niederländisch- (orange) und Portugiesisch-Timor (grün) 1911 (Grenzziehung aus niederländischer Sicht)

Paravicini lobte in dem Vertrag die Niederländer als liberal und vom Glück begünstigtes Volk. Nur unter ihnen seien die großen Tugenden der Menschheit zu finden. Sie würden keine Unterschiede machen zwischen „schwarze und weiße Völker“. Im Gegenteil, sie sähen „alle Menschen als Brüder, mit den gleichen Grundrechten,“ bei den zwischenmenschlichen Beziehungen. Man könne das erkennen, wenn man den „elenden und armen“ Stützpunkt der Portugiesen auf Timor Lifau mit dem „gesegneten“, niederländischen Kupang vergleiche. Eine erstaunliche Aussage, denn Lifau befindet sich in einer der fruchtbarsten Regionen der Insel, während Kupang in einem deutlich weniger fruchtbaren Gebiet liegt. Offenbar war dies eine Demonstration dessen, was man mit niederländischen Fleiß erreichen könnte.[1]

Nachdem sich fast hundert Jahre die niederländische Einflusssphäre auf Kupang und die benachbarte Region erstreckte, konnte die VOC nun das Gebiet auf fast das gesamte heute indonesischen Westtimors ausdehnen. Die endgültige Grenzziehung wurde aber erst 1916 festgelegt.

Unter den Unterzeichnern war auch ein gewisser Jacinto Correa (Hiacijinto Corea), König von Wewiku-Wehale und Großfürst von Belu, der auch im Namen von 27 ihm traditionell unterstehenden Reiche im Zentrum Timors den dubiosen Vertrag von Paravicini unterschrieb.[2] Als 1749 ein portugiesischer Angriff auf das niederländische Kupang in einem Desaster endete, brach die portugiesische Herrschaft in Westtimor zusammen. Ein Großteil der regionalen Herrscher Westtimors schlossen 1756 Verträge mit der niederländischen Ostindien-Kompanie. Darunter auch ein Jacinto Correa, König von Wewiku-Wehale und Großfürst von Belu, der auch im Namen vieler Gebiete im Zentrum Timors den dubiosen Vertrag von Paravicini unterschrieb. Dies beinhaltete Dirma, Lakekun, Samoro, Fatulete, Letisoli, Batuboro, Lanqueiro, Suai, Atsabe, Reimeia, Diribate, Maroba, Lidak, Jenilu, Sukunaba, Biboki und Insana und zudem die Einflusssphäre Wehales: Wewiku, Manufahi, Tiris, Alas, Luca, Viqueque, Corara und Banibani. Zum Glück für die Portugiesen war Wehale nicht mehr mächtig genug, alle lokalen Herrscher auf die Seite der Niederländer zu ziehen. So blieben die 16 östlichen ehemaligen Vasallen Wehales unter der Flagge Portugals, während Wehale selbst und der Rest der 27 Reiche nominell unter niederländische Vorherrschaft kam. Die Teilung der Insel besteht noch heute in das indonesische Westtimor und den unabhängigen Staat Osttimor.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650-1769
  2. James J. Fox: “The Paradox of Powerlessness: Timor in Historical Perspective”, 9. Dezember 1996, Department of Anthropology, Research School of Pacific and Asian Studies, The Australian National University (PDF; 70 kB)
  3. Hans Hägerdal, Servião and Belu: Colonial conceptions and the geographical partition of Timor (PDF-Datei; 338 kB)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]