Lifau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Ort und Suco Lifau im osttimoresischen Distrikt Oecusse. Für den gleichnamigen Ort und Suco im Distrikt Manatuto, siehe Lifau (Laleia).
Suco Lifau
Der Suco Lifau liegt an der Nordküste vom Subdistrikt Pante Macassar. Der Ort Lifau liegt im Westen des Sucos.
Daten
Fläche 19,14 km²[1]
Einwohnerzahl 2.049 (2010)[2]
Chefe de Suco João da Costa
(Wahl 2009)
Orte Position[3] Höhe
Kolam Cina 9° 12′ S, 124° 19′ O-9.2041666666667124.314722222220 m
Lifau 9° 13′ S, 124° 18′ O-9.2166666666667124.35 m
Najalu 9° 13′ S, 124° 17′ O-9.2227777777778124.2780555555612 12 m
Nepobai 9° 14′ S, 124° 18′ O-9.2341666666667124.3041666666748 48 m
Oemolo 9° 14′ S, 124° 19′ O-9.2272222222222124.3113888888924 24 m
Postusika 9° 12′ S, 124° 19′ O-9.2022222222222124.323611111110 m
Taosero 9° 13′ S, 124° 17′ O-9.2197222222222124.284444444440 m
Tulaica 9° 14′ S, 124° 18′ O-9.2277777777778124.29517 17 m
Lifau (Osttimor)
Lifau
Lifau

Lifau (Lifáo, Liphao, Leiffauw) ist ein osttimoresischer Ort im Suco Lifau (Subdistrikt Pante Macassar, Distrikt Oecusse).

Name[Bearbeiten]

Der Name „Lifau“ leitet sich aus dem Uab Meto von „lé’àl“ (deutsch Leute) „nanfaun“ (deutsch viele) ab. Eine Quelle leitet den Namen ab von liatnamfau neitin, was „viele Freunde, die zum reden kommen“ bedeutet. Aufgrund seiner Bedeutung als Handelshafen in der frühen Kolonialzeit erhielt der Ort den Beinamen „énò naek“, das große Tor.[4]

Der Ort[Bearbeiten]

Der Ort liegt an der Küste der Sawusee, sechs Kilometer westlich von der Stadt Pante Macassar, in Luftlinie 287 km westlich von der Landeshauptstadt Dili. Die Meereshöhe beträgt m. Bei Lifau befindet sich am Strand ein Monument, das an die erste Landung der Portugiesen auf Timor erinnert.

Der Suco[Bearbeiten]

Reisfelder in Oemelo

Im Suco leben 2.049 Einwohner (2010,[2] 2004: 1.938[5]). Fast 99 % der Einwohner geben Baikeno als ihre Muttersprache an. Eine Minderheit spricht Tetum Prasa.[6]

Lifau liegt an der Nordküste des Subdistrikts Pante Macassar und hat eine Fläche von 19,14 km².[1] Westlich liegt der Suco Taiboco, südlich Lalisuc und östlich der Suco Costa. Westlich vom Ort Lifau liegt ein zusammenhängendes Siedlungszentrum aus mehreren Ortsteilen, die sich entlang einer Straße reihen, die von der Küstenstraße in das Landesinnere führt. Dies sind Taosero, Tulaica (Tulaika) und Nepobai.[7] In Tulaica gibt es eine Grundschule, die Escola Primaria Tulaica.[8][9] Östlich des Siedlungszentrums liegt das Dorf Oemolo, westlich liegt an der Küste der Ort Najalu. Weiter im Nordosten mündet der Tono, der wichtigste Fluss Oecusses, in die Sawusee. Auf der anderen Uferseite liegen die Dörfer Kolam Cina und Postusika.[7]

In Lifau befinden sich die drei Aldeias Nefobai, Oemolo und Tulaica.[10]

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Padrão markiert den Ort, an dem die Portugiesen erstmals Timor betraten
Karte der Bucht von Lifau von William Dampier, 1699

In Tulaica hatte das alte timoresische Reich Ambeno ursprünglich seinen Sitz.[11]

Am 18. August 1515 landeten die Portugiesen in der Nähe des heutigen Lifaus erstmals auf Timor. 1515 folgten bereits die ersten Dominikaner, die 1556 die Siedlung Lifau zur Sicherung des Sandelholzhandels gründeten. Die Händler blieben aber in dieser Zeit nur wenige Wochen in Lifau und lebten dort in provisorischen Unterkünften. Nach der großangelegten Invasion der Portugiesen ins Innere Timors im Jahr 1642, nahm die Einwanderung der Topasse nach Timor zu. Die Topasse waren Nachfahren von portugiesischen Soldaten, Seeleuten und Händlern und Frauen von Solor und Flores. Die Topasse bestimmten maßgeblich die Entwicklungen auf Timor im 17. und 18. Jahrhundert. Unterstützt wurden sie dabei von den Dominikanern. Zentrum der Topasse auf Timor wurde Lifau, die Hauptbasis der Portugiesen auf Timor.

Die Zahl der Portugiesen waren zu dieser Zeit nie sehr zahlreich in der Kolonie. 1689 gab es gerade mal etwa 50 Portugiesen in Lifau. 1697 brandschatzten französische Piraten den Ort. Zuvor hatten sie schon die niederländische Festung in Kupang überfallen. Ein Reisender berichtet 1699, dass der Stützpunkt, der inzwischen nach Kupang der zweitwichtigste Hafen Timors war, zwar in kürzester Zeit 600 Mann mit Handfeuerwaffen und Schwertern aufstellen könne, es aber an einem Fort und einem Waffenmagazin fehle. Von den drei Portugiesen vor Ort, waren zwei Priester. Die restliche Bevölkerung bestand aus Topasse und einigen chinesischen Händlern. Zeitgenössische Berichte beschreiben die Einwohner als Halsabschneider, zu denen Sklavenhändler und –jäger ebenso gehörten, wie Deserteure aus verschiedenen Ländern. Die eigentliche Macht lag in den Händen der Topasse.

Ab 1702 war Lifau Hauptstadt der Kolonie mit dem aus Portugal erstmals auf Timor residierenden Gouverneur António Coelho Guerreiro. Die vom ihn in Auftrag gegebene Karte von Lifau zeigt bereits eine komplexe Siedlungsstruktur mit militärischen und zivilen Einrichtungen, wie die Ermida de St. Antonio und ein Krankenhaus.

1719 begann die Cailaco-Rebellion. Erst rebellierten einheimische Herrscher, dann auch Topasse. Mehrfach wurde Lifau von ihnen belagert. 1759 verkaufte der portugiesische Gouverneur Vicento Ferreira de Carvalho (1756 bis 1759) eigenmächtig Lifau an die Niederländer, doch wurden diese 1760 an der Übernahme von Topasse daran gehindert. Am 11. August 1769 wurde der portugiesische Gouverneur António José Teles de Meneses durch die Topasse dazu gedrängt Lifau zu verlassen. Neue Hauptstadt der Portugiesen auf Timor wurde Dili. Lifau selbst verlor an Bedeutung, weil die Topasse-Herrscher im nahegelegenen Pante Macassar residierten. Das Angebot der Topasse an die Niederländer, nun Lifau zu übernehmen, lehnten diese nach reiflicher Überlegung ab.

Kultur[Bearbeiten]

Jährlich findet eine Karfreitagsprozession (Procissão do Ama Senhor Morto) in Lifau statt, zu der mehr als Tausend Christen kommen, auch aus dem indonesischen Westtimor. Dabei wird die Kreuzigung Jesu in einem Schauspiel nachgestellt.[12]

Politik[Bearbeiten]

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Xistu Gomes Bano zum Chefe de Suco gewählt.[13] Bei den Wahlen 2009 gewann João da Costa.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lifau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Census 2010; PDF; 22,6 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  3. Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  4. Laura Suzanne Meitzner Yoder: Custom, Codification, Collaboration: Integrating the Legacies of Land and Forest Authorities in Oecusse Enclave, East Timor, S. 57, Yale University 2005 (PDF-Datei; 1,46 MB)
  5. Direcção Nacional de Estatística Census 2004
  6. Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Lifau (Tetum; PDF; 8,3 MB)
  7. a b Timor-Leste GIS-Portal
  8. UNMIT-Karte von August 2008 (PDF; 401 kB)
  9. Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB)
  10. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  11. Yoder 2005 S. 58.
  12. Bilder der Passionsspiele auf dem Facebookaccount der ZEESM, abgerufen am 11. Juni 2014.
  13. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 - Resultados
  14. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 - Resultados

-9.2166666666667124.3Koordinaten: 9° 13′ S, 124° 18′ O