Viridiana

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Viridiana
Originaltitel Viridiana
Produktionsland Mexiko,Spanien
Originalsprache Spanisch
Erscheinungsjahr 1961
Länge 90 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Luis Buñuel
Drehbuch Julio Alejandro
Luis Buñuel
Benito Pérez Galdós
Produktion Gustavo Alatriste
Musik Gustavo Pittaluga
Kamera José F. Aguayo
Schnitt Pedro del Rey
Besetzung

Viridiana ist ein mexikanisch-spanischer Film von Luis Buñuel aus dem Jahr 1961.

Handlung[Bearbeiten]

Die Novizin Viridiana wird kurz vor ihrer Aufnahme in den Orden dazu gedrängt, ihren Onkel, den Gutsbesitzer Don Jaime, noch einmal zu besuchen. Dieser war finanziell für ihren Lebensunterhalt aufgekommen, hatte sich jedoch persönlich nie um sie gekümmert.

Don Jaime befindet, dass Viridiana seiner vor Jahrzehnten in der Hochzeitsnacht verstorbenen Ehefrau verblüffend ähnlich sieht. Er versucht, Viridiana zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen, doch sie beharrt auf der baldigen Rückkehr ins Kloster.

Am letzten Abend bittet Don Jaime Viridiana, das Hochzeitskleid seiner verstorbenen Frau anzuziehen, was Viridiana auch tut. An diesem Abend gesteht Don Jaime Viridiana seine Liebe und bittet sie, seine Frau zu werden und für immer bei ihm zu bleiben, doch Viridianas heftige Abwehr lässt keinen Zweifel an der Aussichtslosigkeit dieses Antrags. Mit Hilfe der Haushälterin Ramona betäubt Don Jaime sie und trägt sie ins Bett. Am nächsten Morgen behauptet er, sie vergewaltigt zu haben, wohl in der Hoffnung, Viridiana würde sich durch den vermeintlichen Verlust ihrer Jungfräulichkeit als Braut Christi für nicht mehr geeignet halten und dadurch für ihn wieder erreichbar werden. Viridiana beharrt jedoch auf ihrer sofortigen Abreise. Als sie schon in den Bus steigen will, wird sie von der Polizei zurückgeholt: Don Jaime hat sich im Garten des Gutes an einem Obstbaum erhängt.

Sein Testament benennt als Erben des Gutes Viridiana und Don Jaimes unehelichen Sohn Jorge. Während Jorge, den die bereits bestehende feste Beziehung zu der mit ihm angereisten Lucia nicht hindert, ein Auge auf Viridiana zu werfen, versucht, das im Laufe der Jahrzehnte ziemlich heruntergekommene Gut zu sanieren, widmet Viridiana sich der Armenfürsorge. Sie bringt eine Gruppe von Bettlern in einem Nebengebäude unter und versorgt sie mit dem Nötigsten.

Als die Hauseigentümer zu einem Notartermin in eine weit entfernte Stadt reisen, nutzen die Bettler die Gelegenheit, um im Haus ein Festgelage zu veranstalten, richten dabei einige Verwüstung an und werden schließlich von den vorzeitig zurückkehrenden Hauseigentümern überrascht. Einer der Bettler schlägt Jorge nieder, ein anderer versucht, Viridiana zu vergewaltigen. Die vom Hausmädchen Ramona gerufene Polizei kann noch Schlimmeres verhindern.

In der Schlussszene kommt Viridiana dazu, als Jorge gerade der Bediensteten Ramona unverhohlene Avancen macht. Gegenüber Viridiana erklärt er, sie würden nur Karten spielen und lädt sie zu einer Partie ein. Und so sieht man in der letzten Einstellung Viridiana, Ramona und Jorge beim gemeinsamen Kartenspiel.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film stellt die katholische Frömmigkeit und Moral der damit nicht immer vereinbaren Realität gegenüber. So reicht beispielsweise Viridianas religiöser Eifer so weit, dass sie im Gepäck eine Dornenkrone mit sich führt, doch die Gefühlslage ihres Onkels nachzuvollziehen gelingt ihr nicht. Den Bettlern lässt sie zwar viel Zuwendung zukommen und betet oft mit ihnen, kann jedoch nicht absehen, dass deren Wünsche eines Tages über gute Worte, Brot und Gebet hinausgehen.

Die Schlussszene sollte ursprünglich nur Viridiana und Jorge beim Kartenspiel zeigen, doch den offiziellen spanischen Moralhütern schien dies zu intim und demzufolge anstößig, so dass man beschloss, eine dritte Person mit an den Tisch zu setzen. Den Zensoren entging dabei, dass nun eine ménage à trois angedeutet wurde, denn immerhin hatte Jorge das Kartenspiel vor Viridiana nur als Ausflucht benutzt (um seine Annäherungsversuche gegenüber Ramona nicht zugeben zu müssen) und es somit (für diese Szene) zu einer Metapher für erotische Handlungen werden lassen.[1]

Kritik[Bearbeiten]

„Sozial- und religionskritischer Film von großer formaler wie thematischer Kraft, mit dem Buñuel heiligmäßige christliche Lebensbemühung durch die ebenso radikale Konfrontation mit Unmoral, Bosheit und sozialem Elend auf die Probe stellt. Die in zahlreichen zwielichtigen Symbolen ausgedrückte Polemik gegen die christliche Botschaft ist freilich nicht leicht zu entschlüsseln.“

Lexikon des Internationalen Films[2]

„Ein gesellschaftskritischer Film, der am Beispiel einer dem Kloster entlaufenen Nonne aufzeigt, wie auch das bestgemeinte Handeln zum Scheitern verurteilt sein kann. Ein Film voll harter, aber nicht liebloser oder gar zersetzender Kritik. Erwachsenen zum Nachdenken und möglichst auch zur Aussprache in kirchlichen Kreisen empfohlen.“

Evangelischer Filmbeobachter[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Buñuel: Mein letzter Seufzer. S. 228f.
  2. Viridiana im Lexikon des Internationalen Films
  3. Herausgegeben vom Evangelischen Presseverband München, Kritik Nr. 231/1962