Vitali Halberstadt

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Vitali Halberstadt

Vitali Halberstadt (* 20. März 1903 in Odessa, Ukraine; † 25. Oktober 1967 in Paris, Frankreich) war ein französischer Autor von Schachkompositionen.

Partieschach[Bearbeiten]

Halberstadt errang in jüngeren Jahren auch im praktischen Schach Erfolge. So gewann er 1925 punktgleich mit Abraham Baratz die Meisterschaft von Paris. Auch bei späteren Stadtmeisterschaften und französischen Turnieren erzielte er ordentliche Ergebnisse, im Jahr 1928 war er in Hyères gemeinsamer Turniersieger mit Marcel Duchamp und John O’Hanlon.

Komposition[Bearbeiten]

Seit 1924 verfasste er mehr als zweihundert Studien, von denen 19 in das FIDE-Album aufgenommen wurden. 1957 wurde Halberstadt Internationaler Schiedsrichter für Schachkompositionen.[1] Zusammen mit dem berühmten Künstler Marcel Duchamp, der wie erwähnt auch ein starker Schachspieler war, verfasste Halberstadt ein an der Einbeziehung ästhetischer Elemente orientiertes Buch über Bauernendspiel-Studien.

Wie André Chéron bevorzugte Halberstadt analytische Studien, selten arbeitete er im romantischen Stil.[2] Er war Redakteur der Studienrubrik in der Schachzeitschrift Thèmes-64. 1954 gab er in Paris eine Sammlung seiner Studien heraus. Sie umfasste 77 seiner Arbeiten.

Vitali Halberstadt
Magyar Sakkvilág 1938, 3. Preis
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Weiß am Zug gewinnt




Lösung:

1.f5-f6+ Kg7-h8!
2.Lg8-d5! Se2-d4
3.Ld5-e4 Sh2-g4
4.f6-f7 Sh4-f5+!
5.Le4xf5 Sg4-h6
6.f7-f8T+! und Gewinn
oder
2. ... Se2-f4
3.Ld5-e4 Sh2-g4
4.f6-f7 Sf4-g6+!
5.Le4xg6 Sg4-h6
6.f7-f8L!! und Gewinn
Zum Patt würde jeweils 6.f8D+? Sg8+ führen. In der unteren Variante scheitert 6.f8T+? an 6...Kg7 7.Lc2 Sg8+ 8.Ke8 Sf6+ und Dauerschach.


Privates[Bearbeiten]

Vitali Halberstadt emigrierte nach dem Russischen Bürgerkrieg nach Frankreich und wohnte bis zu seinem Tode in Paris. Seine Frau starb Anfang der 1960er Jahre in einem Verkehrsunfall, bei dem auch sein Sohn schwer verletzt wurde. Halberstadts Gesundheitszustand verschlechterte sich danach so weit, dass er mit der Schachkomposition aufhörte und erst in den letzten zwölf Monaten seines Lebens wieder komponierte.

Halberstadt war ein sehr gebildeter Mensch und hatte neben dem Schach noch vielfältige weitere intellektuelle Interessen im Bereich der Kunst. So war er an Philosophie, Literatur und Malerei interessiert. Außerdem hatte Halberstadt Kontakte zu bedeutenden und bekannten Personen der französischen Kultur und des Schachs, unter anderem zu André Cheron, Alfred Cortot, Savielly Tartakower, Eugène Snosko-Borowski und dem mit ihm befreundeten Marcel Duchamp.

Das Grab Halberstadts befindet sich auf dem Pariser Friedhof Auteuil.

Werke[Bearbeiten]

  • Vitali Halberstadt und Marcel Duchamp: L'opposition et les cases conjuguées sont réconciliées (Paris-Brüssel 1932, deutsche Ausgabe 2001 unter dem Titel Opposition und Schwesterfelder, ISBN 3-932170-35-0)
  • Vitali Halberstadt: Curiosités Tactiques des Finales, Paris 1954

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internationale Schiedsrichter für Schachkompositionen
  2. Filip Semjonowitsch Bondarenko: Galereja schachmatnych etjudistow (Galerie der Studienkomponisten). Fiskultura i sport, Moskwa, 1968, S. 254

Weblink[Bearbeiten]