Wadō-Ryū

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Wadō-Ryū (jap. 和道流) ist eine Stilrichtung des Karate. Die Bedeutung von Wadō ist gleichzusetzen mit der Weg des Friedens, Ryū bedeutet so viel wie Schule. Das verwendete Kanji Wa (jap. ) ist auch ein Kanji für Japan, somit ist durch den Einfluss des japanischen Jiu Jitsu im Wadō-Ryū der japanische Weg gemeint im Gegensatz zu den aus Okinawa stammenden anderen Karatestilrichtungen.[1]

Entwicklung[Bearbeiten]

Prof. Hironori Ōtsuka (8. Dan im Shindo Yoshinryu Jiu Jitsu; 10.Dan im Wadō-Ryū Karate), Begründer des Wadō-Ryū und Schüler von Gichin Funakoshi, kombinierte das von Funakoshi unterrichtete Karate mit Techniken des Shindo Yoshinryu Jiu Jitsu.

Entwicklung in Japan[Bearbeiten]

Am 1. April 1939 wurde die Stilrichtung vom Dai Nippon Budoku Kai offiziell als Karate-Stilrichtung registriert. Die Japan Karatedo Federation (JKF) nahm im Mai 1964 Wadō-Ryū als Stilrichtung auf, es erfolgte eine Umbenennung des Fachverbandes für Wadō-Ryū in JKF Wadokai. Ōtsuka Hironori ernannte 1981 seinen Sohn Ōtsuka Jiro zu seinem Nachfolger, der die JKF Wadokai verließ und die Wadō-Ryū Renmei gründete und ihr seitdem vorsteht.

Entwicklung in Europa[Bearbeiten]

Im Jahr 1963 demonstrierten die japanischen Karateka Suzuki Tatsuo, Arakawa Toru und Takashima Hajime erstmals auf einer zweimonatigen Reise durch Europa und Amerika Wadō-Ryū-Karate. Im darauffolgenden Jahr ließen sich Suzuki Tatsuo und sein Assistent Shiomitsu Mifume in England nieder, um Wadō-Ryū zu unterrichten. Beide trennten sich Ende der 1980er Jahre voneinander und gründete ihre eigenen Wadō-Organisationen, die International Karate-Do Federation (WIKF) und die Wadō-Ryū Karate-Do Academy.

Suzuki Tatsuo holte weitere Karateka nach Europa und unterstützte deren Einsatz bei der Verbreitung des Wadō-Ryū: 1965 gründete Kōno Teruo in den Niederlanden die Dutch Wadō-Kai Federation, ab 1970 lebte Kōno in Deutschland und führte dort als ranghöchster Karateka die Wadō-Ryū-Stilrichtung an. Im Jahr 1984 waren in Europa 16 japanische Wadō-Ryū-Trainer aktiv:[2]

  • Suzuki Tatsuo (8. Dan), Shiomitsu Masufumi (6. Dan), Sakagami Kuniaki (6. Dan), Suzuki Shizuo (6. Dan) und Shinohara Yoshitsugu (4. Dan) in England
  • Ōgami Shingo (6. Dan) in Schweden
  • Ogata Takashi (5. Dan) in Finnland
  • Muramatsu Hideo (6. Dan) in den Niederlanden
  • Kōno Teruo (7. Dan) und Imai Shuzō (5. Dan) in Deutschland
  • Uchikawa Kunio (4. Dan) in Frankreich
  • Saito Moriya (6. Dan) und Igarashi Yasaharu (5. Dan) in Spanien
  • Toyama Yutaka (6. Dan) in Italien
  • Kan Shibamori (3. Dan) in Österreich
  • Kamigaito Yoshikazu (6. Dan) in Belgien

Merkmale des Stils[Bearbeiten]

Beim Wadō-Ryū wird die Energie des Angriffs durch Umlenken und Ausweichen ins Leere laufen gelassen und anschließend oder gleichzeitig durch Hebel, Wurf-, Tritt- oder Schlagtechniken gekontert. Die technische Ausführung unterliegt folgenden Prinzipien:

  • Sanmi Ittai - Jede Technik im Wadō-Ryū (Ten gi) beinhaltet gleichzeitig eine Änderung der Stellung (Ten i) und eine Gewichtsverlagerung des Körpers (Ten tai)[3]
  • Ausführung aller Bewegungen unter Vermeidung folgender Fehler: Keine falsche oder überflüssige Technik, keine überflüssige Bewegung, kein überflüssiger Kraftaufwand[4]
  • Kontrolle des eigenen Schwerpunkts
  • Tai Sabaki - Verlassen der Angriffslinie durch Ausweichen
  • Abwehr eines Angriffs und Konter erfolgen gleichzeitig (kein Zeitverlust)
  • Kyusho - Techniken sind auf vitale Punkte des Angreifers gerichtet
  • Fließende Übergänge zwischen den einzelnen Techniken

Optisch sind Unterschiede im Vergleich zu anderen Stilrichtungen wie z.B. Shotokan in den Katas auffällig: Wadō-Ryū-Katas haben ein leichteres, weniger kraftvolles Erscheinungsbild und sind ökonomisch in der Bewegung. Abwehrtechniken blocken nicht einen gegnerischen Angriff, sondern lenken diesen um.

Kihon Kumite[Bearbeiten]

Kihon Kumite ist eine von Ōtsuka Hironori entwickelte Trainingsmethode bestehend aus 10 Partnerübungen, um die Prinzipien des Wadō-Ryū zu erlernen.[5] Beim Kihon Kumite wird die Energie eines Angriffs zum eigenen Zweck ausgenutzt oder neutralisiert, was in drei Verfahrensweisen unterteilt werden kann:

  • den Angriff "fließen lassen" (nagasu), wie z. B. in Kihon Kumite Nanahonme (Nr. 7)
  • den Angriff "umlenken" (inasu), wie in z. B. Kihon Kumite Ipponme (Nr.1)
  • den Angriff "reingehen" oder "mitgehen" (noru), wie z. B. in Kihon Kumite Sanbonme (Nr. 3)

Kata[Bearbeiten]

Wadō-Ryū verfolgt einen anderen Ansatz beim Kata-Training als andere Stilrichtungen. Ōtsuka Hironori übernahm zwar die Katas von Funakoshi Gichin, benutzte aber ein anderes Kanji für den Begriff Kata. Die Bedeutung Urgussform oder Schablone (jap. ) der Kata im Shōtōkan ersetzte er im Wadō-Ryū durch die Bedeutung Symbol (jap. ). Damit soll nicht die stets gleiche Form einer Kata das Ziel des Übenden sein, sondern Veränderungen einer Kata durch Alter und andere individuelle Eigenschaften des Karateka erlaubt und sogar gefördert werden.[6]

Im Wadō-Ryū werden folgende Kata trainiert:

Pinan shodan (平安初段) Naihanchi (内畔戦) Jion (慈恩)
Pinan nidan (平安二段) Kushanku Jitte (十手)
Pinan sandan (平安三段) Chinto Niseishi
Pinan yondan (平安四段) Seishan Wanshu
Pinan godan (平安五段) Bassai (抜塞) Rohai (鷺牌)

Im Wadō-Ryū wird offiziell die Pinan nidan vor der Pinan shodan gelehrt und trainiert.[7] Als Katas des Wadō-Ryū hat Hironori Ōtsuka 1940 bei der Dainippon Butokukai lediglich die fünf Pinan-Katas, Naihanchi, Kushanku, Chinto und Seishan registrieren lassen.[8] Um die Prinzipien des Wadō-Ryū zu lernen, sind diese Katas ausreichend.

Gegenwärtige Vertreter[Bearbeiten]

Momentan (Juni 2004) ist ranghöchster Vertreter dieser Stilrichtung der Sohn des Meisters, Jiro (Hironori) Ōtsuka (* 18. Februar 1934). Des Weiteren vertritt Japans erfolgreichster Karate-Nationaltrainer Seiji Nishimura den Wadō-Ryū-Stil.

Der Deutsche Karate Verband hat dem Holländischen Trainer Rob Zwartjes den 9. Dan verliehen. Im Deutschen Karate Verband ist Shuzo Imai (8. Dan) der z.Z. (Stand: September 2010) ranghöchste Vertreter der Stilrichtung. Seit dem 16. September 2006 ist Marie-Luise Weber (1. Dan) aus München Bundesstilrichtungsreferentin für Wadō-Ryū-Karate im DKV. Zuvor waren der aus Hamburg stammende Uwe Hirtreuter (7. Dan) und Friedemann Böhme (5. Dan) aus Bayern Bundesreferenten. Eine weitere große Persönlichkeit ist Christel Ehlert aus Rendsburg. Sie trägt den 6. Dan und ist damit eine von wenigen Frauen in Deutschland, welche den 6. Dan besitzen. Weiterer bedeutender Vertreter des Stils und ehemaliger Kapitän der deutschen Karatenationalmannschaft ist Heinrich Reimer (6.Dan).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uozumi Takashi, Alexander Bennett, The history and spirit of budo, International Budo University, Katsuura City, Chiba, Japan, 2010, ISBN 978-4-9980893-4-6, S. 108.
  2. Ben Pollock: Karate Wado-ryu: from Japan to the West. 1. Auflage. Manchester 2014, ISBN 978-1-291-65036-5, S. 199.
  3. Roberto Danubio, Wadoryu Karatedo - Kihon, Kata, Kumite. Wado Ryu Karate Media, 2010, ISBN 978-3-033-02264-5, S. 13.
  4. Josef Schäfer: KARATE DO, Tradition & Innovation. Verlag Pukrop, 2002, ISBN 3-00-009946-8, S. 26.
  5. Roberto Danubio, Wadoryu Karatedo - Kihon, Kata, Kumite. Wado Ryu Karate Media, 2010, ISBN 978-3-033-02264-5, S. 240.
  6. Josef Schäfer: KARATE DO, Tradition & Innovation. Verlag Pukrop, 2002, ISBN 3-00-009946-8, S. 215.
  7. Shingo Ohgami, Karate Katas of Wadoryu, Japanska Göteborg, ISBN 91-970231-0-8, S. 10.
  8. Roberto Danubio, Wadoryu Karatedo - Kihon, Kata, Kumite, Wado Ryu Karate Media, 2010, ISBN 978-3-033-02264-5, S. 82.

Bibliographie[Bearbeiten]

Wadō-Ryū-spezifische Literatur[Bearbeiten]

  • Hironori Ôtsuka: Wado Ryu Karate. 1977, ISBN 0-920129-18-8.
  • Teruo Kono: Der Weg zum Schwarzgurt. 1981, ISBN 3-9804461-0-7.
  • Teruo Kono: Der Weg des Schwarzgurtes. 1996, ISBN 3-9804461-1-5.
  • Shingo Ohgami: Introduction to Karate. Japanska Magasinet, 1984, ISBN 91-970231-1-6.
  • Shingo Ohgami: Karate Katas of Wadoryu. Japanska Magasinet, 1984, ISBN 91-970231-0-8.
  • Roberto Danubio, Wadoryu Karatedo - Kihon, Kata, Kumite. Wado Ryu Karate Media, 2010, ISBN 978-3-033-02264-5.
  • Josef Schäfer: KARATE DÔ, Tradition & Innovation. Pukrop-Verlag, 2002, ISBN 3-00-009946-8.
  • Ben Pollock: Karate Wado-ryu: from Japan to the West. 1. Auflage. Manchester 2014, ISBN 978-1-291-65036-5. Beschreibt die Verbreitung und Entwicklung des Wadō-Ryū in den 1960ern und 1970ern in Europa.

Stilrichtungsübergreifende Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Sparmann: Die 12 Karate Kata. Verlag Weinmann, Berlin 1990, ISBN 3-87892-027-X. Beschreibt die ersten 6. Kata des Shotokan- und des Wadō-Ryū.
  • Roland Habersetzer: 39 Karate-Kata. Aus Wadō-Ryū, Gōjū-ryū und Shitō-ryū. 1. Auflage. Palisander Verlag, 2010, ISBN 978-3-938305-15-7. Enthält die Beschreibung aller offiziellen Kata des Wadō-Ryū außer der Kata Jitte.

Weblinks[Bearbeiten]

Videos[Bearbeiten]

Europameisterschaft 1987

Internetseiten von Landesverbänden[Bearbeiten]

Sonstige Internetseiten[Bearbeiten]