Weiße Revolution
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Die Weiße Revolution war ursprünglich ein 6-Punkte Programm, welches von Schah Mohammad Reza Pahlavi am 9. Januar 1963 auf dem Nationalkongress der Bauern von Iran in Teheran vorgestellt und am 26. Januar 1963 durch ein nationales Referendum verabschiedet wurde.
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[Bearbeiten] Vorgeschichte
Der erste Schritt der Landreform, einer Umverteilung des Landes von Großgrundbesitzern an kleinere Landarbeiter, wurde im eigentlichen Sinne schon Ende der 50er Jahre begonnen. Insbesondere der Schah vergab mehr als 500.000 Hektar Land an mehr als 30.000 besitzlose Familien. [1] Unter Mohammad Mossadegh kam die Landverteilung kurzzeitig zum Stillstand.
Zum Ende der Regierungszeit von Premierminister Manouchehr Eghbal war vom damaligen Landwirtschaftsminister Jamshid Amuzegar dem Parlament ein Gesetz zur Landreform vorgelegt worden, das aber von den Vertretern der Großgrundbesitzer im Parlament so verwässert worden war, dass es trotz des am 6. Juni 1960 verabschiedeten ersten Gesetzes zur Landreform zu keiner Neuverteilung des Landbesitzes im Iran kam.
Mit der "Weißen Revolution" wollte Mohammad Reza Schah die wirtschaftliche und soziale Reform Irans in einem koordinierten Reformvorhaben vorantreiben. Das Kabinett von Premierminister Asadollah Alam war beauftragt, die Reformen in entsprechende Gesetze zu fassen. Das Programm der Weißen Revolution sollte von der breiten Mehrheit der Bevölkerung Irans getragen werden. Aus diesem Grund wurde ein Referendum durchgeführt, in dem die iranischen Bürger darüber abstimmen sollte, ob sie die Reformvorhaben Mohammad Reza Schahs befürworten oder ablehnen. Obwohl Chomeini das Referendum als ein gegen Gott gerichtetes Vorhaben brandmarkte und alle Gläubigen aufrief, nicht an der Abstimmung teilzunehmen, sprachen sich 5.598.711 Iraner dafür und nur 4.115 dagegen aus. Großayatollah Husain Borudjerdi hatte sich ebenfalls gegen das Vorhaben ausgesprochen, doch durch seinen Tod im März 1961 wurde die gegen die Weiße Revolution gerichtete Fatwa ungültig.
Im Vorfeld des Referendums gab es Diskussionen, ob Frauen, die bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Wahlrecht hatten, ebenfalls an der Abstimmung teilnehmen sollten. Um die Rechtmäßigkeit des Referendums nicht zu gefährden, einigte man sich darauf, dass Frauen ihre Stimme in von Männerstimmen getrennte Urnen werfen sollten, dass die Stimmen der Frauen getrennt ausgezählt aber nicht dem rechtlich bindenden Abstimmungsergebnis hinzugerechnet werden sollten.
Am 27. Februar 1963 verabschiedete der Schah ein Dekret, mit dem die iranischen Frauen das allgemeine und freie Wahlrecht erlangten.
[Bearbeiten] Inhaltliche Zielsetzung
Die ursprünglichen 6 Punkte der Weißen Revolution umfassten[2]:
- Abschaffung des Feudalsystems und Verteilung des Ackerlandes von Großgrundbesitzern an Bauern
- Verstaatlichung aller Wälder und Weideflächen
- Privatisierung staatlicher Industrieunternehmen zur Finanzierung der Entschädigungszahlungen an die Großgrundbesitzer
- Gewinnbeteiligung für Arbeiter und Angestellten von Unternehmen
- Allgemeines Wahlrecht für Frauen
- Bekämpfung des Analphabetentums durch den Aufbau eines Hilfslehrerkorps
Die am meisten kontrovers diskutierten Punkte dieses Reformprogramms waren die Landreform und die Stärkung der Rechte der Frauen. In beiden Bereichen standen die Reformvorstellungen von Mohammad Reza Schah im Widerspruch zu den Vorstellungen der Geistlichkeit. In ihrer Gegnerschaft zur Landreform fanden die Geistlichen starke Verbündete bei den Großgrundbesitzern. Die Allianz gegen die Stärkung der Frauenrechte war weniger klar definiert. Dafür fanden sich breite Schichten der Bevölkerung, die ihre konservativen Vorstellungen von der Rolle der Frau in Ehe und Gesellschaft nicht aufgeben wollte. Die Geistlichkeit bildete das Sprachrohr der Konservativen und die Kaufleute des Basars finanzierten den Feldzug der Geistlichkeit gegen jede Veränderung.[3]
[Bearbeiten] Reaktionen
Trotz der überwältigenden Zustimmung der Iraner im Referendum vom 26. Januar 1963 lehnten die Kleriker die Weiße Revolution weiter ab. Der schärfste Gegner der angestrebten Reformen war, wie bereits betont, Ruhollah Chomeini. Am 3. Juni 1963 griff Chomeini während der Aschura-Feierlichkeiten den Schah in einer Rede in Qoms Faizieh Schule persönlich an, indem er eine Rede gegen den Tyrannen unserer Zeit hielt:
„Diese Regierung ist gegen den Islam gerichtet. Israel ist dagegen, dass im Iran die Gesetze des Korans gelten. Israel ist gegen die erleuchtete Geistlichkeit ... Israel benutzt seine Agenten in diesem Land, um den gegen Israel gerichteten Widerstand zu beseitigen ... der Koran, die Geistlichkeit ... Oh Mr. Schah, oh erhabener Schah, ich gebe Ihnen den guten Rat nachzugeben und (von diesen Reformen) abzulassen. Ich will keine Freudentänze der Bevölkerung sehen, an dem Tag, an dem Sie das Land auf Befehl Eurer Meister verlassen werden, so wie alle jubelten, als Ihr Vater das Land einst verlassen hat.[4]“
Nach dieser Rede wurde Chomeini am 5. Juni 1963 verhaftet. Er sollte das Land verlassen müssen und nicht Mohammad Reza Schah, so wie Choemeini es sich gewünscht hatte, wenn er sein Reformprogramm nicht einstellte.
Die Verhaftung Chomeinis führte zu von Geistlichen und Religionsschülern angeführten gewalttätigen Demonstrationen in Qom, Shiraz, Mashhad und Teheran. Mehr als 10.000 Demonstranten zogen durch die Straßen Teherans. Premierminister Alam rief die Armee zu Hilfe, nachdem er nur noch mit einem gepanzerten Fahrzeug den Regierungssitz verlassen konnte. Zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg herrschte in Teheran der Ausnahmezustand. Truppen marschierten in den Straßen auf, und es wurde auf Demonstranten geschossen. Tausende wurden verletzt, die Zahl der Toten wird von Alam mit 20 angegeben, andere sprechen von 80 bis 90 Toten. Der Widerstand gegen Mohammad Reza Schah unter Chomeini hatte sich formiert. Führende Politiker der Islamischen Republik Iran erklären heute, dass der Aufstand im Juni 1963 gegen die Wahlrechtsreform Alams die Geburtsstunde der islamischen Revolution gewesen sei.[5]
Trotz erheblicher Widerstände des Klerus setzte der Schah seine Reformpläne, die 1963 von der Mehrheit der Bevölkerung auch unterstützt wurden, durch.[6]. Premierminister Alam hatte als ersten den politischen Preis für die angestrebten Reformen zu bezahlen. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der gegen die Reformen gerichteten Proteste war sein politisches Schicksal als Premierminister besiegelt. Am 7. März 1964 trat Alam zurück.
Ihm folgte Hassan Ali Mansour. Während Alam von den Reformgegnern nur zum Rücktritt gezwungen worden war, bezahlte Premierminister Mansour seinen Einsatz für die Reformen mit seinem Leben. Am 22. Januar 1965, wenige Tage vor dem ersten Jahrestag der Weißen Revolution, hielt der Wagen von Mansour gegen 10 Uhr vor dem Parlamentsgebäude an. Mansour wollte seine erste Rede zur Lage der Nation vor dem Parlament halten. Mansour stieg aus dem Wagen aus und Mohammad Bokharaii, ein Mitglied der Fedajin-e Islam, trat aus der Menge der wartenden Zuschauer auf Mansour zu und schoss drei mal. Mansour wurde zurück in den Wagen gelegt und zum Krankenhaus gefahren, wo er nach fünf Tagen verstarb.
Mohammad Reza Schah wollte sich auch durch einen Mordanschlag auf den Premierminister nicht von seinem Reformvorhaben abbringen lassen. Er ernannte den engen Vertrauten Mansours Amir Abbas Hoveyda bis zu seiner Bestätigung durch das Parlament zum geschäftsführenden Premierminister. Hoveyda sollte für die nächsten 13 Jahre Premierminister bleiben.
[Bearbeiten] Weitere Entwicklung
In späteren Jahren wurden die Reformen der Weißen Revolution um folgende Punkte erweitert[7]:
- Einrichtung eines Versorgungssystems für die unentgeltliche medizinische Betreuung (1964)
- Entwicklung der Landwirtschaft (1964)
- Einrichtung von Schiedsgerichten (1964)
- Verstaatlichung von Flüssen und Seen (1967)
- Wiederaufbauprogramm für Städte und ländliche Gebiete (1967)
- Reorganisierung der staatlichen Verwaltungsstellen sowie Dezentralisierung des Erziehungswesens (1967)
- Mitarbeiterbeteiligung an staatlichen und privaten Unternehmen (1975)
- Preisüberwachung (1975)
- Kostenlose Ausbildung und kostenlose Schulspeisung für alle Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse Grundschule (1975)
- Kostenlose Nahrungsergänzungsmittel für schwangere Frauen und Kleinkinder bis zum 3. Lebensjahr (1975)
- Einführung eines nationalen Sozialhilfesystems (1975)
- Preiskontrolle für Grundstücke (1977)
- Veröffentlichung der Einkommen hoher Regierungsbeamter und deren Frauen und Kinder (1977)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Seite 460
- ↑ Gholam Reza Afkhami: The life and times of the Shah. UC Press 2009. S. 231.
- ↑ Gholam Reza Afkhami: The life and times of the Shah. UC Press 2009. S. 237.
- ↑ Gholam Reza Afkhami: The life and times of the Shah. University of California Press. 2009, S. 234.
- ↑ Abbas Milani: Eminent Persians. Syracuse University Press, 2009, S. 51.
- ↑ Gholam Reza Afkhami: The life and times of the Shah. UC Press 2009. S. 237.
- ↑ Gholam Reza Afkhami: The life and times of the Shah. UC Press 2009. S. 601.

