Islamische Revolution

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Dieser Artikel behandelt die Islamische Revolution im Iran 1979. Für die abstrakte Idee einer islamischen Revolution siehe Revolutionsexport#Islamische Revolution.
Ayatollah Chomeini bei seiner Rückkehr aus dem Exil am 1. Februar 1979 am Flughafen in Teheran

Die Islamische Revolution (persischانقلاب اسلامیEnghelāb-e Eslāmi) war eine vielschichtige revolutionäre Massenbewegung im Iran, die 1979 zur Absetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi und zur Beendigung der Monarchie im Iran führte. Symbolfigur und später Revolutionsführer war Ajatollah Ruhollah Chomeini, der in der Revolution sein Staatskonzept durchsetzte und neues Staatsoberhaupt wurde.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Mohammad Mossadegh

1953 kam es in der iranischen Hauptstadt Teheran zum Sturz des am 28. April 1951 zum Ministerpräsidenten des Iran gewählten Mohammad Mossadegh. In dem als Operation Ajax in die Geschichte eingegangenen Putsch sorgten die Geheimdienste der USA und Großbritanniens für die Reinstallation der Pahlavi-Dynastie. Mossadegh, der während seiner Amtszeit als Nationalheld gefeiert wurde, hatte die iranische Ölwirtschaft verstaatlicht, um die Ausbeutung der iranischen Ölfelder durch die britische Anglo-Persian Oil Company zu stoppen. Damit löste er eine internationale Krise aus (Abadan-Krise), die letztlich zu seinem Sturz führte. Die Staatsführung übernahm nach der Absetzung Mossadeghs erneut Schah Mohammad Reza Pahlavi.

[Bearbeiten] Der Schah und die Opposition

Die folgenden Jahre waren geprägt durch rigoroses Durchgreifen des Schahs und seines Geheimdienstes SAVAK. Politische Opposition gegen die Monarchie und den autoritären Herrschaftsstil des Schahs war nicht zugelassen und wurde mit zunehmender Härte unterdrückt. Dennoch gab es drei wichtige Oppositionsbewegungen:

Zum einen waren die linken Gruppen politisch und oppositionell aktiv. Die kommunistische Tudeh-Partei leistete überwiegend friedlichen Protest durch die Organisation von Streiks und Demonstrationen. Die oftmals maoistisch oder marxistisch geprägten Volksmudschahedin führten einen bewaffneten Guerillakrieg. Beide Bewegungen sahen sich erheblicher Verfolgung ausgesetzt, viele Führungspersönlichkeiten wurden hingerichtet.

Mohammad Reza Pahlavi und Farah Diba Pahlavi, 1977

Eine zweite Oppositionsbewegung bildete die von Mossadegh gegründete Nationale Front (auch als Nationale Widerstandsbewegung bezeichnet), ein Zusammenschluss diverser Parteien. Unter ihnen fanden sich Demokraten, Befürworter einer nationalen Nutzung der Ölressourcen und Wirtschaftsliberale. Ein prominenter Anhänger dieser Bewegung war Mehdī Bāzargān.

Die dritte und für die Revolution entscheidende Oppositionsbewegung gegen den Schah bildete die so genannte Hezbollah. Deren Mitglieder und Sympathisanten bestanden meist aus Anhängern der religiösen Mullahs um Ajatollah Chomeini. Sie forderten schon lange vor der Revolution die Absetzung des Schahs und die Errichtung eines schiitischen Gottesstaates in denen die Regeln des Islams gelten und das Recht gemäß der Schari'a ausgelegt werden sollten.

1963 stellte sich Chomeini offen gegen den Schah und dessen Weiße Revolution, woraufhin er festgenommen wurde. Das Ansehen Chomeinis war bereits so groß, dass es als Reaktion auf seine Inhaftierung Massendemonstrationen und Ausschreitungen gab, bei denen viele Iraner starben (von Seiten des Schahs wurde die Anzahl der Toten auf 86 beziffert, Chomeini sprach von 15.000 und eine später angefertigte Studie der Polizeidaten beziffert 380 Tote). Chomeini bezichtigte den Schah weiter eines unislamischen Verhaltens, kritisierte ihn scharf und wurde schließlich 1964 ins türkische Exil verbannt. Von dort führte ihn sein Weg über die heilige Stadt der Schiiten Nadschaf im Irak, schließlich auf Befehl Saddam Husseins nach Paris.

[Bearbeiten] Chomeini im Exil

Chomeini in Paris vor westlichen Medien

Im Exil entwickelte Chomeini das Staatsprinzip der Welayat-e-faghih („Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten“), das er 1970 in einem Buch publizierte. Der Einfluss der im Iran verbliebenen Chomeini-Anhänger war ungebrochen, und über die Schüler des Exilanten verbreiteten sich seine Visionen im Land.

In den 1970er Jahren wurde der generelle Unmut gegen den Schah, der aufgrund der repressiven Methoden des SAVAK und der verschwenderischen Lebensweise des Monarchen bei gleichzeitig immensen Armutserscheinungen in der Bevölkerung weit verbreitet war, durch die Einführung eines neuen Kalenders nochmals verstärkt. Der Schah ersetzte praktisch über Nacht den islamischen Kalender mit einem Kalender, der auf der Inthronisation des persischen Königs Kyros II. basierte und verärgerte damit die gläubigen Schiiten im Land. Als der Schah auf Drängen des US-Präsidenten Jimmy Carter mehrere hundert politisch Inhaftierte Oppositionelle aus der Haft entließ und die Verhältnisse in den iranischen Gefängnissen generell verbesserte, wurde die Oppositionsbewegung unverhofft gestärkt. Mit der Ermordung des populären schiitischen Schriftstellers Ali Schariati 1977 durch den SAVAK begann der wütende Massenprotest gegen das Schah-Regime.

[Bearbeiten] Die Iranische Revolution

Nach einer umstrittenen Veröffentlichung der schahtreuen Presse gegen Chomeini kam es Anfang Januar 1978 in Qom zu ersten Zusammenstößen studentischer Demonstranten mit der Armee. Der Artikel mit dem Titel Iran und schwarzer und roter Kolonialismus, dessen Autor bislang unbekannt ist, bezeichnete Chomeini als „Draufgänger, einen prinzipienlosen Lakaien kolonialer Machtzentren, einen Karrieristen…“ [1] und gilt gemeinhin als Auslöser der Revolution.[2][3][4] Bei den Demonstrationen kamen einige Studenten ums Leben.

[Bearbeiten] 1978

Nach schiitischer Tradition wurde 40 Tage um die Toten getrauert. Im ganzen Land wuchs die Aufmerksamkeit. Nach Ablauf dieser Frist kam es am 18. Februar zu erneuten Demonstrationen, diesmal im ganzen Iran. Zu den heftigsten Zusammenstößen kam es in Täbris, wo über 100 Demonstranten starben. Erneut legten sich 40 Tage des Gedenkens über das Land, und am 29. März wiederholte sich das Szenario. Die Demonstrationen wurden im 40-Tage-Takt immer größer und arteten in Zerstörung von Kinos, Luxushotels, Regierungsgebäuden und allem, was die Weltanschauung des Schahs repräsentierte, aus. Im August des Jahres starben bei einem Feuer in einem Kino in Abadan 477[5], nach anderen Quellen mindestens 600[6] Menschen. Obwohl Kinos ein bevorzugtes Ziel der Demonstranten waren, konnte sich die Überzeugung durchsetzen, die SAVAK sei für das Feuer verantwortlich. Daraufhin gingen weit über 10.000 Menschen für die Opfer des Brandes auf die Straße.

Der Schah war gezwungen, die USA um Hilfe zu bitten, die ihm zwar ihre Unterstützung zusicherten, aber nie in die Geschehnisse eingriffen. Im September des Jahres 1978 waren Massendemonstrationen an der Tagesordnung, und der Schah rief unter Berufung auf das Kriegsrecht ein allgemeines Demonstrationsverbot aus. Am 8. September begannen in Teheran massive Proteste, die Anzahl der Todesopfer betrug 88 nach Emad al-Din Baghi. Der Tag ging als Schwarzer Freitag in die Geschichte ein. Es kam zusätzlich zu den Demonstrationen zu Massenstreiks, die die iranische Wirtschaft beinahe völlig zum Erliegen brachten.

Massendemonstration am Freiheitsturm in Teheran

Die sogenannten Muharram-Proteste gipfelten in einer Massendemonstration mit über 2 Millionen Teilnehmern rund um den Teheraner Freiheitsturm am 2. Dezember 1978. Die aufgebrachte Menge forderte den Rückzug des Schahs und die Rückkehr von Ajatollah Chomeini.

[Bearbeiten] 1979

Am 16. Januar blieb dem Schah nur die Flucht aus dem Iran. Seine Abschiedsworte waren:[7]

„Ich musste in Bezug auf die Unruhen, die es in unserem Land gibt, viel Geduld aufbringen. Jetzt bin ich müde und benötige dringend Ruhe und Erholung…“

Der Schah hatte die politische Macht bereits am 31. Dezember 1978 auf Schapur Bachtiar, ein führendes Mitglied der Nationalen Front, übertragen, der aber dem Druck der Massen nicht standhalten konnte und Ajatollah Chomeini noch im Januar die Einreise in den Iran gewährte. Die SAVAK wurde aufgelöst, politische Gefangene befreit und Symbole der Schahherrschaft zerstört.

Am 1. Februar landete Chomeini in Teheran und wurde von Millionen Iranern begeistert empfangen. Inzwischen war er in den Augen vieler Schiiten zu einem Heiligen geworden,[8] zu einem Retter der Nation, von Gott gesandt. Er erklärte die Errichtung eines Gottesstaates zu seinem Ziel. Nach anfänglichen Konflikten und Kämpfen innerhalb der Armee erklärte sich diese schließlich als neutral und ebnete den Weg zu einer neuen Staatsform.

James A. Bill beziffert die Gesamtzahl der Opfer der letzten 13 Monate vor dem Sturz des Schahs mit über 20.000 Toten und mehr als 100.000 Verletzten.[9]

[Bearbeiten] Die Islamische Republik Iran

Hauptartikel: Politische Entwicklung des Iran

Chomeini konnte sich mit seinem im Exil ausgearbeiteten Staatskonzept des Welayat-e-faghih gegen die Befürworter einer weltlichen Demokratie durchsetzen. Die Verfassung, die Chomeini zum Obersten Rechtsgelehrten ernannte und die theokratische Islamische Republik Iran konstituierte, wurde am 31. März 1979 per Volksentscheid mit überwältigender Mehrheit angenommen. Auf den Wahlzetteln gab es die Wahlmöglichkeiten:

  • Islamische Republik:
    • Ja (grün)
    • Nein (rot)

Iran wurde damit zum Gottesstaat unter der Herrschaft einer Minderheit der höchsten geistlichen Autorität des schiitischen Islams, welche nicht zögerte, unter Anwendung brachialer Gewalt ihre Herrschaft im Iran durchzusetzen.

Zunächst integrierte Chomeini die beiden anderen Oppositionsbewegungen in seinem Staatsmodell, griff aber bald hart durch. Die Mitglieder der Tudeh-Partei und jeglicher linker Opposition sahen sich einer brutalen Verfolgung ausgesetzt, ähnlich wie zu Zeiten der Schahherrschaft. Auch die weltliche Opposition wurde zum Opfer von Inhaftierungen, Folterungen und Hinrichtungen. Die Volksmudschahedin entwickelten sich Anfang der 1980er Jahre zur bedrohlichsten konterrevolutionären Bewegung, die viele Attentate auf Angehörige des Chomeini-Stabes verübte.

[Bearbeiten] Reaktionen

Die iranisch-amerikanischen Beziehungen kamen mit der Geiselnahme von Teheran völlig zum Erliegen. Die USA wurden von Chomeini als Feindbild aufgebaut und als Großer Satan bezeichnet.

Der Anspruch Chomeinis, die Revolution in die islamischen Nachbarländer zu exportieren (Revolutionsexport), führte unter den dortigen Monarchien zu einer ablehnenden Haltung gegenüber Iran. Saddam Hussein begann 1980 sogar den Iran-Irak-Krieg, der bis 1988 andauerte und die Exportambitionen des Chomeini-Regimes letztlich zunichte machte.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Bahman Nirumand/Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht. Hamburg 1987, ISBN 3-499-12718-0, S. 161f..
  2. Amir Taheri: Chomeini und die Islamische Revolution. Hamburg 1985, ISBN 3-455-08237-8, S. 248ff..
  3. Monika Gronke: Geschichte Irans. München 2003, S. 109.
  4. Katajun Amirpur/Reinhard Witzke: Schauplatz Iran. Freiburg 2004, ISBN 3-451-05535-X, S. 68.
  5. Nirumand/Daddjou 1987, S. 167
  6. Taheri 1985, S. 274
  7. Nirumand/Daddjou 1987, S. 202
  8. Taheri 1985, S. 251
  9. James A. Bill: The Iranian Revolution and the Changing Power Structure. In: Iran in der Krise. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1980, ISBN 3-87831-341-1.

[Bearbeiten] Literatur

  • Amad Farughy/Jean-Loup Reverier: Persien: Aufbruch ins Chaos? Eine Analyse der Entwicklung im Iran von 1953–1979. München 1979, ISBN 3-442-03846-4.
  • Ahad Rahmanzadeh: Revolution und Re-Islamisierung im Iran. In: Mitteilungen des deutschen Orient-Instituts. Nr. 21, Hamburg 1984.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Islamische Revolution – Bilder, Videos und Audiodateien

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