Weinbau in China

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Weinbau in China wird bereits seit etwa 4600 Jahren in unterschiedlicher Ausprägung betrieben. Der Traubenwein, in China als Traubenalkohol (chinesisch 葡萄酒Pinyin Pútáojiǔ) bezeichnet, musste jedoch lange neben dem beliebteren Reiswein ein Nischendasein fristen. In jüngerer Zeit wurde der Weinbau intensiviert, die Weinerzeuger des Landes produzieren heute über 13 Millionen Hektoliter pro Jahr (Stand 2010). Im internationalen Vergleich ist dies der sechstgrößte Wert.[1] Es wird prognostiziert, dass die Volksrepublik China 2020 den größten Weinmarkt der Welt darstellen werde.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die älteste weinähnliche Substanz, die auf dem heutigen Staatsgebiet gefunden wurde, stammt aus der Provinz Henan. Forscher datierten die etwa 200 Tongefäße, in denen sich neben Rückständen von Traubenwein auch Reste von einem vergorenem Reis-Honig-Gemisch befanden, auf 2600 Jahre vor Christus. Damit zählt der 1995 nahe Rizhao gemachte Fund zu den ältesten in der Geschichte des Weins. [3]

Weingut Changyu

Schriftlich bezeugt ist Weinbau zur Zeit der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert. Etwa fünf Jahrhunderte später berichtete der Asienreisende Marco Polo von einem vorzüglichen Wein aus der Gegend um Taiyuan. Der Traubenwein, der mit der aufkommenden Popularität von Fruchtweinen, hergestellt z.B. aus Litschi, um seine Stellung unter den chinesischen Getränken kämpfen musste, verschwand zeitweise vollends aus dem Getränkespektrum Chinas, als im 14. Jahrhundert der Anbau verboten wurde. Die Anbauflächen wurden zu Getreidefeldern umgenutzt, da diese als Nahrungsmittel einen größeren Wert hatten.[4]

Mit der Einführung von europäischen Reben im 19. Jahrhundert erfuhr die unbedeutend gewordene Weinkultur in China neue Impulse. Der Diplomat Zhang Bishi leistete damit Pionierarbeit, als er 1892 in Yantai ein Weingut gründete, das unter dem Namen Changyu bis heute besteht und das älteste in China ist.[3]

Heutige Produktion[Bearbeiten]

Weinanbaugebiete in China

Heute zählt China zu den ambitioniertesten Aufsteigern in der internationalen Weinlandschaft, in kaum einem anderen Land wird die Ausweitung des Weinanbaus so intensiv betrieben wie in China, auch dank der Unterstützung der Regierung.[5] Gehörten chinesische Weine zu Anfang des Aufschwungs zu den billigen Massenweinen, so finden sie in jüngerer Zeit Anklang auch unter Kennern.[6][7]

Der Aufschwung wurde teilweise durch Fachwissen europäischer Experten eingeleitet. Einzelne Unternehmen stiegen in den chinesischen Markt ein, 2009 erregte Château Lafite-Rothschild mit dem Vorhaben, eine Kopie des französischen Stammweinguts in Penglai zu errichten, Aufsehen. Die Weine sollten zunächst nur für den chinesischen Markt produziert werden.[6]

Die größten unter den ungefähr 600 Weinerzeugern sind Great Wall, Dynasty, Changyu und Grand Dragon. Die drei erstgenannten befinden sich in Staatsbesitz, zusammen erzeugen sie über 40 % der Gesamtproduktion Chinas.[8]

In China werden vorwiegend rote Rebsorten angebaut.[7]

Kontroversen[Bearbeiten]

Etwa 90 % der als heimisch deklarierten Produktion werden im Inland verkauft. Die Weine stammen aber teilweise nur zum Schein aus China selbst. Es ist mitunter üblich, Weine aus dem Ausland zuzukaufen und der chinesischen Produktion beizumengen.[8]

2010 wurde durch einen Fernsehbericht öffentlich, dass 30 Weinerzeuger aus der Provinz Hebei Wein systematisch gestreckt und falsch etikettiert hatten. Die Behörden reagierten mit der Schließung der Betriebe.[3]

Anbaugebiete[Bearbeiten]

Das Zentrum des chinesischen Weinbaus stellt die Bohai-Region in der Provinz Shandong an der Ostküste Chinas dar, doch auch in anderen Gegenden Chinas wird Weinanbau betrieben. Hervorzuheben sind hier das Gebiet rund um Turfan in der uigurischen Region Xinjiang, die Gegend rund um Zhangjiakou in der Provinz Hebei östlich von Peking, die nordostchinesische Mandschurei mit der Stadt Tonghua sowie der Norden Ningxias um Yinchuan und Teile Gansus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wein-Weltwirtschaft 2010, Schweizerische Weinzeitung (PDF), abgerufen am 29. November 2013
  2. Johnny Erling: Wie ein Deutscher China Wein und Wohlstand brachte. welt.de, 3. Juli 2014, abgerufen am 3. Juli 2014
  3. a b c Joel B. Payne: China: Wein als Chance, Falstaff vom August 2011, abgerufen am 29. November 2013
  4. China und seine Weingebiete, ernestopauli.ch
  5. Inna Hartwich: Im Reich der Reben, Berliner Zeitung Online vom 24. November 2013, abgerufen am 29. November 2013
  6. a b Ein französisches Weingut - mitten in China, Spiegel Online vom 3. November 2013, abgerufen am 29. November 2013
  7. a b Carsten Dierig: Chinesische Winzer stürmen Europas Weinmarkt, Welt.de vom 26. März 2012, abgerufen am 16. Dezember 2013
  8. a b Chateau China, Schweizerische Weinzeitung vom März 2011, abgerufen am 29. November 2013 (PDF)