Weinberg-Lauch

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Weinberg-Lauch
Allium vineale1.jpg

Weinberg-Lauch (Allium vineale)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Lauchgewächse (Allioideae)
Tribus: Allieae
Gattung: Lauch (Allium)
Art: Weinberg-Lauch
Wissenschaftlicher Name
Allium vineale
L.

Der Weinberg-Lauch (Allium vineale) oder Weinbergs-Lauch ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lauch (Allium).

Merkmale[Bearbeiten]

Der Weinberg-Lauch wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 50 (70) cm. Ihre bläulichgrünen, kahlen, hohlen und vor allem zur Spitze hin röhrigen Laubblätter sind fast stielrund und an der Oberseite engrinnig. Sie umfassen mit der Scheide den Stängel.

Der dichte, kugelige, doldige Blütenstand bringt meist nur wenige rote, grünliche oder weiße Blüten, dafür aber viele Brutzwiebeln hervor. Die sechs Staubblätter sind etwas länger als die stumpfen Perigonblätter und besitzen zwei lange Zähne und verlängern sich später bis auf die doppelte Länge der Perigonblätter. Es kommen manchmal auch völlig blütenlose Blütenstände vor, die nur mit Brutzwiebeln besetzt sind, diese bilden ca. 30% der Population[1]. Die Verbreitung erfolgt vor allem über diese Brutzwiebeln und Brutzwiebeln an den Knollen[2]. Dadurch ist die genetische Vielfalt dieser Art stark eingeschränkt[3].

Die Blütezeit reicht von Juni bis August.

Die oberirdischen Brutzwiebeln schmecken nach Knoblauch und werden auf dem Balkan als Würze verwendet. Sie können auch der Milch von Nutztieren[4] und Getreideprodukten[5] einen Knoblauchgeschmack verleihen.

Standort[Bearbeiten]

Der Weinberg-Lauch wächst in Weinbergen, Wiesen[6] und Feldern, an Wegrändern, in Gebüschen und auf sonnigen Hügeln. Am auffälligsten ist er aber auf Streuobstwiesen, wo er im zeitigen Frühjahr wegen seiner vielen Tochterzwiebeln in ganzen Büscheln sichtbar wird, da er noch vor dem Gras austreibt. Er bevorzugt Sandböden, wird in Osteupa aber auch auf Lehmböden gefunden[7]. In Skandinavien wird er ausschließlich an der Küste gefunden[8].

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Weinberg-Lauch kommt von Südost, Süd- und Mitteleuropa bis nach Südskandinavien vor[9]. Er findet sich an der Dnepr-Mündung, auf der Krim und in Transkaukasien sowie in Syrien[10], im Iran und in Nordafrika[11]. In Deutschland ist er verbreitet bis zerstreut zu finden; er geht nur wenig über die Gebiete mit Weinbauklima hinaus und fehlt den höheren Lagen der Alpen und im schottischen Hochland ganz. In Großbritannien und Irland gilt er als eingeschleppt[12].

In den USA, Australien und Neuseeland[13] wurde er eingeschleppt [14] und wird in den USA als Unkraut mit großem Aufwand bekämpft[15].

Nomenklatur[Bearbeiten]

Der Weinberglauch wurde früher auch als Allium sylvestre bezeichnet, ein Name, der heute für Kohl-Lauch verwendet wird [16]. Es werden folgende Unterarten unterschieden:

  • var. butbiferum Syme, mit Brutzwiebeln und Blüten
  • var. compactum Thuill., nur mit Brutzwiebeln
  • var. capsuliferum Koch, nur Blüten

Dies ist jedoch nicht allgemein anerkannt[17].

Zum Teil auch nur regional gebräuchliche Bezeichnungen für den Weinberg-Lauch sind oder waren: wilder Briesslauch (Schlesien), Hundsknoblauch, Hundslauch (Schlesien), Hundsöllig (Eifel), Hundszwiebel, wilder Knoblauch, Rebenlauch und Wildlauch.[18].

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Manche Autoren nehmen an, daß der Weinbergslauch bereits in der Odyssee erwähnt wird, als die Pflanze, mit der Kirke die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelte[19]. Die meisten Autoren gehen aber davon aus, daß hier Allium moly gemeint ist. John Gerard empfiehlt angeblich, die Blätter der Pflanze im Frühjahr mit Butter zu verspeisen, er meint aber vielleicht den Kohl-Lauch. Sonst wird die Pflanze in den frühneuzeitlichen Kräuterbüchern nur selten erwähnt[20].

Belege[Bearbeiten]

  • Gustav Hegi (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mittel-Europa . Band 2. Hanser Verlag, München 1939.
  • Gunter Steinbach (Hrsg.): Wildblumen (Steinbachs Naturführer). Mosaik Verlag GmbH, München 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weinberg-Lauch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ruth H. Richens 1947, Allium Vineale L. Journal of Ecology 34/1, 211. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  2. Ruth H. Richens 1947, Allium vineale L. Journal of Ecology 34/1, 211. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  3. Alf Ceplitis 2001, The Importance of Sexual and Asexual Reproduction in the Recent Evolution of Allium vineale. Evolution 55/8, 1581-1591. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/2680376.
  4. Ruth H. Richens 1947, Allium Vineale L. Journal of Ecology 34/1, 217. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  5. Michael S. Defelice 2003, Wild Garlic, Allium vineale L.: Little to Crow About. Weed Technology 17/4, 894. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/3989777
  6. Ruth H. Richens 1947, Allium vineale L. Journal of Ecology 34/1, 215. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  7. Ruth H. Richens 1947, Allium vineale L. Journal of Ecology 34/1, 215. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  8. Ruth H. Richens 1947, Allium vineale L. Journal of Ecology 34/1, 215. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  9. Ruth H. Richens 1947, Allium Vineale L. Journal of Ecology 34/1, Abb. 1 (Verbreitungskarte). URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  10. Ruth H. Richens 1947, Allium vineale L. Journal of Ecology 34/1, 214. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  11. Michael S. Defelice 2003, Wild Garlic, Allium vineale L.: Little to Crow About. Weed Technology 17/4, 891. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/3989777
  12. Ruth H. Richens 1947, Allium Vineale L. Journal of Ecology 34/1, 209-226. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  13. Michael S. Defelice 2003, Wild Garlic, Allium vineale L.: Little to Crow About. Weed Technology 17/4. 890. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/3989777
  14. z. B. Peter F. Zika 1987, The First Record of Allium Vineale L. (Liliaceae) for Vermont. Rhodora 89/857, 93-94. DOI: 10.2307/23312364, Stable URL: http://www.jstor.org/stable/23312364
  15. Andrew Leys, Fred W. Slife 1968, The Response of Wild Garlic (Allium vineale) to the Timing of Spray Applications of Chlorsulfuron. Weed Science 34/5, 718-723. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/4044421; John W. King, Robert E. Frans 1981, Wild Garlic (Allium vineale) Control with Glyphosate. Weed Science 29/6, 717-722. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/4043483.
  16. Michael S. Defelice 2003, Wild Garlic, Allium vineale L.: Little to crow about. Weed Technology 17/4. 890. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/3989777
  17. Ruth H. Richens 1947, Allium vineale L. Journal of Ecology 34/1, 209-226. URL: http://www.jstor.org/stable/2256778.
  18. Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, Seite 21
  19. Michael S. Defelice 2003, Wild Garlic, Allium vineale L.: Little to crow about. Weed Technology 17/4, 891. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/3989777
  20. Michael S. Defelice 2003, Wild Garlic, Allium vineale L.: Little to crow about. Weed Technology 17/4, 891. Stable URL: http://www.jstor.org/stable/3989777