William Heytesbury

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William Heytesbury (William of Heytesbury, auch Gugliemus Hentisberus oder Tisberus; * vor 1313; † 1372 oder 1373) war ein Philosoph und Logiker, - und einer der bekanntesten der Oxford Calculators (oder Mertonian Calculators) am Merton College, zusammen mit Thomas Bradwardine, John Dumbleton, Richard Kilvington und Richard Swineshead.

Leben[Bearbeiten]

Heytesbury wurde vor 1313 geboren, vermutlich im County Wiltshire, Diözese Salisbury. Im Jahre 1330 wurde er am Merton College zum Fellow ernannt. Er amtierte 1338/1339 als Erster Finanzverwalter (Bursar) am Merton College, und obwohl er auch ein Fellow am Queen’s College im Jahre 1340 wurde, kehrte er ans Merton College zurück. 1348 promovierte er zum Doktor der Theologie. 1371 bis 1372 war er Chancellor der Universität Oxford.

Er starb im Winter 1372/1373.

Wirken[Bearbeiten]

In seiner Arbeit wandte er logische Verfahren zu den Problemlösungen der Unendlichen Teilbarkeit, des Kontinuums und der Kinematik an. Er bearbeitete diese logischen Probleme, indem er die Suppositionstheorie auf die logische Darstellung problematischer Aussagen (Sophismata) anwendete.

Seine Arbeiten hatten Einfluss auf die Entwicklung der frühen modernen Wissenschaften. Er entwickelte das Mean Speed Theorem (Berechnung der Distanz in einem Zeitraum unter einheitlicher Beschleunigung) und war Wegbereiter der mathematischen Analyse des Kontinuums des 19. Jahrhunderts (z.B. Finite-Elemente-Methode).

Heytesburys Hauptwerk war Regulae solvendi sophismata (Rules for Solving Sophisms) (1335).

Heytesbury’s Logik[Bearbeiten]

Konstanten, Variablen und Funktionen der Prädikatenlogik:
∀ = ein Existenzquantor
∃ = ein Universalquantor

  • Gegenwärtiges existiert zwischen Vorherigem und Zukünftigem:
    ∀x → ∃y
       (Als Variablen: x = "eine Zeit nach dem Jetzt", y = "eine Zeit vor dem Jetzt")
  • Der Mensch lebt in einem Kontinuum oder Individuen existieren zwischen Vorherigem und Zukünftigem:
    ∀x → ∃y
       (Als Variablen: x = "eine Zeit nach dem Gegenwärtigen", y = "ein Mensch" — Folgerung: y existiert in x)

Einfluss[Bearbeiten]

Heytesburys Werke beeinflussten das Wirken folgender Wissenschaftler:

Werke[Bearbeiten]

  • 1335 Regulae solvendi sophismata. (Rules for Solving Sophisms)
    • 1. On insoluble sentences. (Selbst-referenzierende Paradoxien)
    • 2. On knowing and doubting. (Wissen und Zweifel und deren inhaltliche Zusammenhänge)
    • 3. On relative terms. (Voraussetzungen der Relativpronomen)
    • 4. On beginning and ceasing. (Anfangen und Aufhören)
    • 5. On maxima and minima. (Grenzen der Kapazität)
    • 6. On the three categories. (Geschwindigkeit und Beschleunigung in Beziehung zu Ort, Quantität und Qualität)
  • De probationibus conclusionum tractatus regularum solvendi sophismata. (On the Proofs of Conclusions from the Treatise of Rules for Resolving Syllogisms.) Pavia 1483
  • De sensus composito et diviso. (On the Compound and Divided Senses.) Bonetus Locatellus (Hrsg.) (1483)
  • De veritate et falsitate propositionis. (Truth and Falsehood of Premises.) Bonetus Locatellus (Hrsg.) (1483)
  • De tribus praedicamentis.
  • Liber Calculationum.

Literatur[Bearbeiten]

  • Norman Kretzmann, Anthony Kenny, Pinborg (Hrsg.): The Cambridge History of Later Medieval Philosophy. 1982.
  • John Longeway: William Heytesbury. In: The Stanford Encyclopedia of Philosophy. 2003.
  • Curtis Wilson: William Heytesbury. Medieval logic and the rise of mathematical physics. University of Wisconsin Press, Madison 1956.

Weblinks[Bearbeiten]