Wissenschaftsethik

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Die Wissenschaftsethik befasst sich mit den ethischen Aspekten der wissenschaftlichen Forschung. Dies bezieht sich sowohl auf ethische Standards innerhalb der Wissenschaften als auch auf die gesellschaftlichen Auswirkungen des Forschungsprozesses.

Ziele[Bearbeiten]

Die Wissenschaftsethik sucht Antworten auf die Fragen: Was ist im Rahmen des wissenschaftlich Möglichen ethisch erlaubt? Welche Dinge sollten besser unerforscht bleiben? Inwiefern trägt ein Wissenschaftler Verantwortung für die Anwendung der Arbeitsergebnisse?

Neben gesetzlichen Regelungen über wissenschaftliches Fehlverhalten sind zwei Instrumente zu nennen, mit denen Grundsätze der Wissenschaftsethik praktisch umgesetzt werden:

Beide Instrumente vertrauen auf die innerwissenschaftliche Korrektur von Fehlentwicklungen, da staatliche Grenzziehungen in Deutschland aufgrund der in Artikel 5 des Grundgesetzes garantierten Forschungsfreiheit problematisch sind.

Ethikkommissionen sind vor allem üblich im Bereich medizin- und bioethischer Fragestellungen. Fachspezifische Ethikcodes und berufsbezogene Ethikcodes, die ethische Regeln für einzelne Berufsgruppen aufstellen, sind nicht scharf voneinander zu trennen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Laufe der späten 1930er Jahre wurde beispielsweise absehbar, dass die enormen Energien der Kernspaltung auch für Waffen genutzt werden können. Robert Oppenheimers Rolle bei Entwicklung und Ersteinsatz von Kernwaffen im Manhattan-Projekt zeigt den Interessenkonflikt zwischen Machbarkeitsdenken, persönlichen Idealen und nationalen Interessen. Albert Einstein, der wichtige theoretische Grundlagen entwickelte, wandte sich nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden gegen den Einsatz von Kernwaffen. Bei der Atombombenentwicklung stand als Argument beständig die Entwicklungsgefahr durch die Nationalsozialisten im Hintergrund. Die Kritik an der Wissenschaft richtet sich eigentlich gegen die Schaffung von Waffen, die buchstäblich auf Knopfdruck das gesamte menschliche Leben auf der Erde zerstören könnten (Overkill).

Seit den 1990er Jahren steht die Genforschung im Zentrum ethischer Diskussionen. Bei der Nutzung von Embryonen für die Stammzellenforschung gilt es abzuwägen, welche Formen menschlichen Lebens vor äußeren Eingriffen zu schützen sind (vergleiche auch die Debatten zu Abtreibung und Sterbehilfe). Ein noch weiter reichendes ethisches Dilemma stellt sich beim therapeutischen oder klonenden Eingriff in die menschliche Keimbahn. Die Wissenschaft stellt Methoden zur Verfügung, die das menschliche Leben an sich verändern. Befürworter der Eugenik erhalten geeignete Werkzeuge. Hier richtet sich die Kritik gegen das Desinteresse vieler Wissenschaftler, sich ethischen Fragen zu stellen und Verantwortung für absehbare Folgen ihres Tuns zu übernehmen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Hammer: Selbstzensur für Forscher? Schwerpunkte einer Wissenschaftsethik. Edition Interfrom, Zürich 1983, ISBN 3-7201-5162-X.
  • Thomas Reydon: Wissenschaftsethik: Eine Einführung, Stuttgart: Ulmer/UTB, 2013.

Weblinks[Bearbeiten]