Zechstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert die geologische Zeitepoche, das Lößnitz-Weingut wird unter Zechstein (Lößnitz) erläutert.
Dyas - Perm von Mitteleuropa
-305 —
-300 —
-295 —
-290 —
-285 —
-280 —
-275 —
-270 —
-265 —
-260 —
-255 —
Zech-
stein
Chronostratigr.
Gliederung

Zechstein ist eine lithostratigraphische Gruppe der Dyas im nördlichen Mitteleuropa. Die Dyas (das Zweigeteilte, nach der Unterteilung in Rotliegend und Zechstein) war der in Mitteleuropa geprägte Name für das Perm, der sich aber international nicht durchsetzen konnte. Früher wurde der Begriff Zechstein (wie auch das Rotliegend) auch als Zeiteinheit betrachtet und mit dem Oberperm korreliert. Dies hat sich als inkorrekt erwiesen, denn die Liegend-Grenze Rotliegend/Zechstein ist diachron und reicht deutlich in das Oberperm hinein. Auch die Hangend-Grenze Zechstein/Buntsandstein liegt vor der internationalen Perm-Trias-Grenze. Der Zechstein wird deshalb heute in der Literatur nur noch als Gesteinseinheit (= Einheit der Lithostratigraphie) interpretiert, nicht mehr als Zeitintervall der Erdgeschichte. Das Zentrum des Zechsteinbeckens lag in Nord- und Mitteldeutschland sowie in Polen. Der Zechstein folgt auf die Gesteinseinheit des Rotliegend und wird von der lithostratigraphischen Gruppe des Buntsandstein überlagert.

Geschichte und Namensgebung[Bearbeiten]

Zechstein ist einerseits ein bergmännischer Begriff, der „zäher Stein“ bedeutet – andererseits erinnert dieses Wort an den „Zechstein“, auf dem die Zechen (Bergwerksgebäude) für den Abbau des Kupferschiefers lagen.

Definition[Bearbeiten]

Der Zechstein im lithostratigraphischen Sinne beginnt mit der Ablagerung des Kupferschiefers. Das von Norden kommende Zechsteinmeer hinterließ bei seinen großräumigen Vorstößen in die heutigen mitteleuropäischen Regionen bis zu sieben Zyklen mit erosiv-sedimentären/marin-euxinischen Sedimenten (Werra, Staßfurt, Leine, Aller, Ohre, Friesland und Fulda). In der Literatur wird gelegentlich noch ein achter Zyklus diskutiert, der bisher aber nicht sicher nachgewiesen werden konnte. Aufgrund regionaler Varianz in der Morphologie des Grundgebirges sowie aufgrund eines Wandels dieser Paläogeographie im Laufe des Oberperms sind nirgends im Zechsteinbecken alle Zyklen vollständig ausgebildet.

Der Zechstein wird heute im Wesentlichen mit den internationalen chronostratigraphischen Stufen des Wuchiapingium und Changhsingium korreliert, die zur Serie des Lopingium (oder Oberperm) zusammengefasst werden. Der Zechstein endet jedoch noch kurz vor der Perm-Trias-Grenze im oberen Changhsingium. Die Zechsteinbasis ist diachron, und deshalb könnte die Rotliegend-Sedimentation noch bis in das Wuchiapingium hineinreichen.[1] In absoluten Zahlen ausgedrückt begann der Zechstein vor etwa 257,3 Millionen Jahren und endete vor etwa 251 Millionen Jahren.

Untergliederung[Bearbeiten]

Die Zechstein-Gruppe gliedert sich im Beckenzentrum in Norddeutschland in sieben Formationen, die den sieben Zyklen entsprechen (in stratigraphischer Abfolge):

Am Beckenrand am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges:

In der Nordpfalz, ebenfalls am Beckenrand, wird abgelagert:

In der Oberpfalz:

Am Beckenrand in Baden-Württemberg wird die Zechstein-Gruppe in vier Formationen untergliedert:

Die Kirnbach-Formation verzahnt sich mit der Zechsteindolomit-Formation und der Tiegersandstein-Formation, letztere verzahnt sich auch mit der Langenthal-Formation.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Der Kupferschiefer hatte auf Grund seiner regional verstärkt auftretenden Buntmetallführung als Silber- und Kupferlieferant vom Mittelalter bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhundert große volkswirtschaftliche Bedeutung[2].

Der zweite wichtige Bodenschatz, der in der Zechsteinepoche gebildet wurde, sind die heute noch stark in Abbau stehenden Stein- und Kalisalze.

Als dritter bedeutender Bodenschatz werden die mächtigen Anhydritvorkommen bzw. der aus ihnen durch Wasseraufnahme hervorgegangene Gips seit Jahrhunderten intensiv genutzt.[3] Besonders im Südharzer Zechsteingürtel prägen Gipstagebaue heute vielerorts das Landschaftsbild. Dies führt zu heftigen Kontroversen zwischen den Verbänden der Gipsindustrie[4] und Naturschutzbestrebungen[5].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Neuenhof-Formation des Oberrotliegenden
  2. Heinrich Bahlburg und Christoph Breitkreuz: Grundlagen der Geologie. München: Spektrum Akademischer Verlag, 22004, S. 129
  3. Mandy Henning: Freiwillige Kooperationen zwischen Naturschutz und Gipsindustrie am Beispiel des Landkreises Osterode am Harz. Dipl.-Arb., Univ. Lüneburg, Fachbereich Umweltwissenschaften, 2006, S. 31 ff. (PDF-Datei; 3,21 MB)
  4. Die Arbeitsgemeinschaft Harzer Gipsunternehmen
  5. Naturfreunde Niedersachsen: Gipskarst im Südharz

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Menning, Reinhard Gast, Hans Hagdorn, Karl-Christian Käding, Theo Simon, Michael Szurlies, und Edgar Nitsch: Zeitskala für Perm und Trias in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002, zyklostratigraphische Kalibrierung der höheren Dyas und Germanischen Trias und das Alter der Stufen Roadium bis Rhaetium 2005. Newsletters on Stratigraphy, 41(1-3): 173–210, Stuttgart 2005 ISSN 0078-0421
  • Edgar Nitsch und Hubert Zedler: Oberkarbon und Perm in Baden-Württemberg. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, Informationen, 22: 7–102, Freiburg 2009.

Weblinks[Bearbeiten]