Zwickmühle (Schach)

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Die Zwickmühle ist ein spezielles Schachmotiv, und zwar eine mehrfache Wiederholung eines Abzugsschachs.[1] In einer Folge von Schachgeboten und Abzugsschachs gewinnt man Material. Der Ausdruck wurde von Aaron Nimzowitsch im Jahre 1925 für dieses Kombinationsmotiv eingeführt.[2] Eine Zwickmühle kommt in der Turnierpraxis sehr selten vor.

Der Schachbegriff ist von der Zwickmühle im Mühlespiel abgeleitet.

Partieschach[Bearbeiten]

Berühmt wurde die Zwickmühle durch die Partie Torre – Lasker, Moskau 1925. Hier entstand nach dem 24. Zug von Schwarz folgende Stellung:

Torre – Lasker
Moskau 1925
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Stellung nach dem 24. Zug von Schwarz
Weiß am Zug




Auf den ersten Blick befindet sich Weiß in Schwierigkeiten. Der gefesselte Läufer auf g5 ist angegriffen, wenn er wegzieht geht durch Dxh5 die Dame verloren.
Torre spielte dennoch 25.Lf6! mit dem Doppelangriff Dxb5 und Txg7+. Nach dem erzwungenen
25. ... Dxh5
26.Txg7+ ist eine Zwickmühle eingerichtet.

Torre – Lasker
Moskau 1925
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Stellung nach dem 26. Zug von Weiß
Schwarz am Zug




26. ... Kh8 einziger Zug
27.Txf7+ Abzugsschach
27. ... Kg8 einziger Zug
28.Tg7+ Kh8
29.Txb7+ Kg8
30.Tg7+ Kh8 Torre verzichtet auf Txa7+, um den schwarzen Turm auf a8 nicht ins Spiel zu bringen.
31.Tg5+ jetzt holt er noch die Dame ab Kh7. Die Zwickmühle ist beendet.
32.Txh5 Kg6
33.Th3 Kxf6
34.Txh6+ Weiß hat nun drei Bauern mehr. Lasker spielte noch einige Züge weiter und gab im 43. Zug auf.

Das zweite Beispiel ist ein echter Schachklassiker aus dem Jahre 1956: die sogenannte „Partie des Jahrhunderts“.

D. ByrneR. J. „Bobby“ Fischer
New York 1956
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Stellung nach dem 18. Zug von Weiß
Schwarz am Zug




18. ... Lxc4+ 19. Kg1 Se2+ 20. Kf1 Sxd4+ 21. Kg1 Se2+ 22. Kf1 Sc3+ 23. Kg1 axb6 und Schwarz gewann später.

Nach einem vorausgegangenen Damenopfer auf b6 folgt eine Serie von Schachs durch den schwarzen Läufer und den abziehenden Springer, wobei der weiße König nur zwei Felder abwechselnd betreten kann, also eine typische Zwickmühle.

Die Zwickmühle als taktisches Motiv dient nicht nur als Mattangriff auf den gegnerischen König, sondern auch die Dame kann Zielfigur sein[3] oder sie dient dazu, eine gegnerische Figur von der Verteidigung auszuschließen.[4]

Problemschach[Bearbeiten]

Nachfolgend ein Beispiel aus der Schachkomposition, in der die Serie der Abzugsschachs zwangsläufig zum Matt führen. Die Stellung ist zweifellos charakterisiert durch die schwarze Bauernkette entlang der großen Diagonale.

Alfred O. Karlström
(6081) Die Schwalbe 02/1940
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
                                                             (3+10)
Matt in 13 Zügen


Lösung:[1][5]
 
1.Ta2! (droht 2. Lxb6+ nebst 3. Lc7#)
1. ... Lh2 2. Lxb6+ Kb8 3. La7+ Ka8 4. Lxc5+ Kb8 5. La7+ Ka8 6. Lxd4+ Kb8 7. La7+ Ka8 8. Lxe3+ Kb8 9. La7+ Ka8 10. Lxf2+ Kb8 11. La7+ Ka8 12. Lg1+ Kb8 13. Lxh2#



Konsekutive wechselseitige Schachgebote des Turms durch Abzug des Läufers und des Läufers selbst durch Verstellung der Abzugslinie.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernst Bönsch: Kleines Lexikon Schach. Das königliche Spiel von Abtausch bis Zugzwang, Sportverlag, Berlin 1988. ISBN 3-328-00233-2, S. 125
  2. Aaron Nimzowitsch: Mein System: Ein Lehrbuch des Schachspiels auf ganz neuartiger Grundlage, Schachversand E. Niggemann, Heiden 2010. ISBN 3-942-38360-8, S. 187f.
  3. Partie Karakas – Semjonowa, Budapest 1980. Abgerufen am 6. November 2012.
  4. Partie Schneider – Lund, Karlskrona 1983. Abgerufen am 6. November 2012.
  5. Karl Fabel: Kurioses Schach, Südwest-Schachreihe Bd. 2, 2. unveränderte Aufl., Walter Rau Verlag, Düsseldorf und Kempten 1972, S. 12–13