Zwischen den Jahren

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Zwischen den Jahren beschreibt als Redewendung heute in der Regel die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester/Neujahr, die in der Schweiz Altjahrswoche genannt wird. Ursprünglich umfasste der damit gemeinte Zeitraum entweder die sogenannten Rauhnächte (auch zwölf heilige Nächte, Zwölfnächte genannt) oder die Zeit zwischen dem Ende des alten Jahres (24. Dezember) und Beginn des neuen Jahres (6. Januar). Während der Zeitraum zwischen den Jahren wegen der christlichen Feste eine sehr unterschiedliche Anzahl von Brückentagen aufweist, liegen die Rauhnächte fest zwischen dem 21. Dezember (Wintersonnenwende) und dem 6. Januar. Für den Zeitraum zwischen Weihnachten (25. Dezember) und Erscheinung des Herrn (6. Januar) ist auch der Begriff zwölf Weihnachtstage (kurz auch die Zwölften) geläufig.

Alternative Bezeichnungen[Bearbeiten]

Die Redewendung in dieser Form war vor allem in Baden und Westfalen beheimatet. Andernorts gab es abweichende Ausdrücke für denselben[1], unter anderem:

Friesland twasche ujl en nai
Schleswig twische de dage
Dänemark juletylvten
Schweden mellandagarna
Norwegen romjul
England twelve nights
Böhmen/Vogtland Unter-, Inter- bzw. Zwischennächte

Ursprung[Bearbeiten]

Bereits im Alten Ägypten wurde die Zeit zwischen den Jahren mit Heriu-renpet benannt, die im Alten Reich noch der Nilschwemme sowie der Jahreszeit Achet zugeordnet war und zwischen dem Monat Ipet-hemet als „Jahresschließer“ und dem Wepet-renpet als „Jahresöffner“ lag.

Der Ursprung des zwölf- beziehungsweise des dreizehntägigen Zeitraums liegt im Unterschied zwischen der Jahreseinteilung nach Mond- und Sonnenkalender begründet. Zwischen beiden Zählweisen für ein Jahr liegt eine Differenz von zwölf Tagen (Epagomene), wobei nach der Zählweise des Mondkalenders zwölf Tage zum astronomisch korrekten Sonnenumlauf in 365 Tagen fehlen.

Offensichtlicher ist der Zusammenhang mit dem kirchlichen Dodekahemeron, jenen zwölf Tagen (Nächten), die 567 auf dem Konzil von Tours als besonders verehrungswürdig erklärt wurden.[2] Dieser Zeitraum – allerdings beginnend mit dem Julfest (Wintersonnenwende) – wird auch für die Zeit des Kaisers Konstantinos Porphyrogennetos († 959) überliefert.[3]

Bis zur Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. war der Beginn des neuen Jahres in weiten Teilen Europas der 6. Januar. Dieses Datum geht auf römische Bräuche und Verschiebungen des Kalenders zurück. Das Jahresende wurde dagegen traditionell am 24. Dezember begangen, so dass die Zeit bis Beginn des nächsten Jahres „zwischen den Jahren“ lag.

Zudem wurde der Gregorianische Kalender – insbesondere aus konfessionellen Gründen – nicht überall gleichzeitig eingeführt. Daher differierten in diesen Jahrzehnten um die Jahreswende die Jahreszahlen zwischen den Gebieten des alten und neuen Kalenders. Auch darauf wird der Ausdruck „zwischen den Jahren“ zurückgeführt.[4]

Papst Innozenz XII. legte dann 1691 den letzten Tag des Jahres – benannt nach Papst Silvester I. – verbindlich fest.

Daher können aufgrund der historischen Entwicklung unterschiedliche Zeiträume mit dem Ausdruck Zwischen den Jahren in Verbindung gebracht werden.

21. Dezember bis 6. Januar Rauhnächte (Dodeka-hḗmeron)
24. Dezember bis 6. Januar im Mittelalter zwischen „Ende“ des alten und „Beginn“ des neuen Jahres sowie
nach der Kalenderreform aufgrund des konfessionell unterschiedlichen Jahresbeginns
24. Dezember bis 1. Januar Zwischen Weihnachten und Beginn des Neuen Jahres (spätestens nach verbindlicher Festlegung durch Papst Innozenz und Übernahme durch die anderen Konfessionen)

Darüber hinaus gibt es in anderen Kulturräumen vergleichbare Zeiträume, zum Beispiel in Großbritannien die sogenannte Boxing Week zwischen Boxing Day (26. Dezember) und dem New Year’s Eve. In Schweden heißt derselbe Zeitraum heute auch Mellandagarna. In Norwegen nennt sich dieser Zeitraum – allerdings erst mit dem 27. Dezember beginnend – Mellomjul (auch Romjul, Romhelg).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Band 9, 1903, S. 16.
  2. Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Band 9, 1903, S. 15.
  3. Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 16, 2000, S. 103–104.
  4. Kalendarischer Flickenteppich in Süddeutschland – Die “Zeit zwischen den Jahren” erinnert an konfessionellen Streit und Fünf Tage zwischen den Jahren – Früher: konfessioneller Widerspruch – heute: Zeit der Bilanz