ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī

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Abd al-Qādir al-Dschīlānī

ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī (arabisch عبد القادر الجيلاني, DMG ʿAbd al-Qādir al-Ǧīlānī, manchmal auch mit der Nisba al-Dschīlī arabisch الجيلي oder Gīlānī persisch  گیلانی, oder kurdisch Evdilqadirê Geylanî, * 1077/1078 in der Provinz Gilan; † 1166 in Bagdad) war ein hanbalitischer Gelehrter, Prediger und Sufi, auf den der Qādirīya-Orden zurückgeführt wird. Er ist verwandt mit dem ebenfalls bekannten Sufi Ahmed Rifai, dessen Rifai-Orden eng mit der Qadiri zusammenarbeitet. Gegen die verbreitete Annahme, dass er Kurde[1] gewesen sei, werden die religiösen Titel seyyid (Nachfahre von Hussain ibn Ali) und scharif (Nachfahre von Hasan ibn Ali) angeführt. Da Hussain und Hasan beides Söhne von Imam Ali waren, wird ihm somit arabische Herkunft zugeschrieben.

Leben[Bearbeiten]

ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī reiste im Alter von 18 Jahren nach Bagdad, um seine traditionelle islamische Ausbildung zu vertiefen. Er studierte dort hanbalitisches Fiqh bei Ibn ʿAqīl und Abū Saʿd al-Mubārak al-Mucharrimī, Literatur bei Abu Zakariya und die Hadith-Literatur bei Bakr al-Muzaffar.

Al-Mucharrimī war gleichzeitig ein Sufi und verlieh ihm die Chirqa, den sufischen Flickenrock.[2] ʿAbd al-Qādir hatte außerdem noch einen anderen sufischen Meister namens Hammād ad-Dabbās, der um 1131 starb.[3] Später verlieh er selbst zwei anderen hanbalitischen Gelehrten die sufische Chirqa, nämlich den beiden Brüdern Abū ʿUmar Ibn Qudāma (st. 1210) und Muwaffaq ad-Dīn ibn Qudāma (st. 1223).[4]

Werke[Bearbeiten]

ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī soll mehr als 50 Werke verfasst haben. Zu den bekanntesten gehören:

  • al-Ġunya li-ṭālibī ṭarīq al-ḥaqq, 1996 in Beirut ediert.
  • al- Fatḥ ar-rabbānī wa-l-faiḍ ar-raḥmānī, 1988 von Muḥammad S. al-Bauwāb in Beirut ediert.
  • Futūḥ al-ġaib, Sammlung von 78 Predigten, übersetzt von Walther Braune. Berlin [u.a.]: de Gruyter 1933.
  • Ǧalāʾ al-ḫāṭir fī l-bāṭin wa-ẓ-ẓāhir, arabisches Werk in 50 "Sitzungen" (maǧālis), in dem al-Dschīlānī seine sufischen Lehren darlegt. Es wurde 1994 von Chālid az-Zarʿī und ʿAbd an-Nāsir Sirrī ediert. Digitalisat. Dilâver Gürer hat in einem 2000 veröffentlichten Aufsatz die verschiedenen Handschriften von diesem Werk beschrieben und seinen Inhalt in türkischer Sprache zusammengefasst.[5]

Verehrung[Bearbeiten]

Es wird erzählt, dass Abd al-Qādir al-Dschīlānī durch seine Predigten eine solche Menschenmenge anzog, dass er unter freiem Himmel zu ihr sprechen musste, weil kein Gebäude ausreichend Platz bot. Seine möglicherweise bemerkenswertesten Eigenschaften waren Toleranz und Nächstenliebe. Beispielsweise findet man in keinem seiner literarischen Werke auch nur ein Wort der Feindschaft gegenüber dem Christentum. Generell gelten die Anhänger Abd al-Qādir al-Dschīlānīs noch bis in die Gegenwart als äußerst tolerant und fortschrittlich, zwar in der Nähe der Orthodoxie angesiedelt, aber weit entfernt von Fanatismus, egal ob religiöser oder politischer Art.

Abd al-Qādir al-Dschīlānīs Ruhm wurde sehr groß. Er wird muhyi ud-din (Wiederbeleber der Religion) genannt, denn aufgrund einer Legende half er eines Tages einer schwachen und elenden Person auf, die er völlig erschöpft am Straßenrand vorfand, und versorgte sie zusätzlich mit einer Mahlzeit. Der anschließend wieder zu Kräften Gekommene enthüllte ihm, dass er „die Religion des Islam“ sei, wodurch Abd al-Qādir al-Dschīlānī zu diesem Ehrennamen gelangte.

Seine Verehrer geben ihm die Titel al-Ghauth al-Aʿẓam ("die Höchste Hilfe") und Sulṭān al-auliyā ("Sultan der Heiligen"). Auch Ibn Taimīya hielt ʿAbd al-Qādir in Ehren und verfasste einen Kommentar zu seiner Predigtsammlung Futūḥ al-ġaib.[6]

Grabstätte[Bearbeiten]

Sein Grab in Bagdad ist noch heute eine stark frequentierte Pilgerstätte frommer Sufis, die hauptsächlich aus dem indo-pakistanischen Raum stammen. Die Pilger, die dort oft wochenlang bleiben, gehen schweigend mit einem kleinen Besen umher und reinigen das Heiligtum. Es wird als ein höchst verdienstliches Werk angesehen, die Schwelle eines Heiligen zu fegen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walther Braune: ʿAbd al-Ḳādir al-Djīlānī. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Band 1, S. 69a–70b.
  • Carl Brockelmann: Geschichte der arabischen Litteratur. Leiden 1937–1949. Bd. I², S. 560-563, Supplementband I, S. 777-779.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Philip Khuri Hitti, "Islam, a way of life ", University of Minnesota Press (August 12, 1970). pg 64: "The earliest and most attractive Sufi order was al-Qadiri, named after its founder, the Persian ‘Abd al-Qadir al-Jili (al-Jilani 1077–1166)
  2. Vgl. Braune 69a.
  3. Vgl. Braune 69a.
  4. Vgl. George Makdisi: "Ibn Taimīya: a Ṣūfī of the Qādiriya order" in Ders. Religion, Law and Learning in Classical Islam S. 118-129. Hier S. 123.
  5. Vgl. Dilâver Gürer: "Abdülkâdir Geylânî'nin fazla tanımayan bir eseri Cilâü'l-hâtir fil-bâtin ve'z-zâhir" in Journal of the History of Sufism (2000) 21-51.
  6. Vgl. Makdisi 126f.