Abd ar-Rahman III.

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Gravur ʿAbd ar-Rahmāns III., 19. Jahrhundert

ʿAbd ar-Rahmān III. (arabisch عبد الرحمن, DMG ʿAbd ar-Raḥmān; * 889; † 15. Oktober 961 in Córdoba) war von 912 bis 929 achter Emir und von 929 bis 961 erster Kalif von Córdoba. Sein Herrschaftsantritt und seine erfolgreiche Niederschlagung der Rebellion von ʿUmar ibn Hafsūn markieren einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der umaiyadischen Herrschaft in al-Andalus.[1]

Als Emir[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ʿAbd ar-Rahmān III. war ein Großneffe von al-Mundhir und trat 912 die Nachfolge seines Großvaters Abdallah (der ʿAbd ar-Rahmāns Vater hatte hinrichten lassen) im Emirat von Córdoba an. Ihm gelang zunächst die Unterdrückung mehrerer Revolten und 913 die Unterwerfung von Sevilla. Der Aufständische ʿUmar ibn Hafsūn unterwarf sich 915 gegen Zusicherung von Straffreiheit ʿAbd ar-Rahmāns Herrschaft und blieb bis zu seinem Tod im Jahre 918 ihm gegenüber loyal.[2] Erleichtert wurde ʿAbd ar-Rahmāns Vorgehen durch sich anschließende Machtkämpfe innerhalb des Hafsun-Clans.

Nachdem ʿAbd ar-Rahmān schon 914 die Flotte aufgerüstet hatte, reagierte er 917 erstmals auf Hilfsgesuche berberischer Fürsten im Maghreb gegen die Fatimiden.[3]

Auch der Ausbruch eines Bürgerkriegs in León (925) schwächte die muslimischen Aufständischen in den Markgrafschaften, die von León unterstützt wurden. 928 mussten die Hafsuniden in Bobastro kapitulieren, ʿAbd ar-Rahmān ließ die Festung schleifen.[4] Im selben Jahr wurden die Marwaniden von Mérida unterworfen. Mit der Eroberung von Toledo konnte die Befriedung des Reiches abgeschlossen werden.

Als Kalif[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. Januar 929 nahm ʿAbd ar-Rahmān III. den Titel eines Kalifen an und begründete damit das Kalifat von Córdoba. Das geschah unter anderem deshalb, weil er sich von den schiitischen Fatimiden bedroht sah, die ebenfalls das Kalifat für sich beanspruchten. Jeder andere, der den Titel „Befehlshaber der Gläubigen“ (amīr al-muʾminīn) für sich verwende, sei ein Betrüger, ließ er öffentlich erklären, womit er sowohl den fatimidischen Kalifen al-Mahdī (reg. 909–934) als auch den abbasidischen Kalifen al-Muqtadir (reg. 908–932) meinte.[5]

In der Folgezeit kam es mit den Fatimiden auch zu Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Marokko. 931 wurden zunächst die Küstenstädte Ceuta und Tanger besetzt (Melilla war schon 927 erobert worden) und zu Festungen ausgebaut. Des Weiteren wurde durch Bündnisse mit den Berberstämmen der Banu Ifran oder Magrawa sowie der Salihiden eine weitere Expansion der Fatimiden in Marokko verhindert.

Auch gegen Kastilien und León konnte ʿAbd ar-Rahmān III. sich in den andauernden Kämpfen gut behaupten, so wurden unter anderem León und Navarra 920 besiegt. Allerdings erlitt er im August 939 in der Schlacht von Simancas eine schwere Niederlage gegen León, bei der er verwundet wurde und nur knapp der Gefangenschaft entkommen konnte. Dennoch konnte 951 die Oberhoheit der Umayyaden über León, Kastilien und Barcelona durchgesetzt werden, was zu erheblichen Tributzahlungen der Christen führte. Die Bedeutung des Kalifats von Córdoba im Mittelmeerraum ist auch daran zu erkennen, dass Byzanz 946 mit den Umayyaden ein Bündnis gegen die Fatimiden abschloss und auch Otto der Große eine deutsche Gesandtschaft nach Córdoba schickte.

Unter ʿAbd ar-Rahmān III. kam es nach der Befriedung des Landes zu einem großen Wirtschaftsaufschwung. Dieser wurde u. a. durch die Einführung orientalischer und persischer Bewässerungstechniken in der Landwirtschaft und der Einführung der Seidenraupenzucht begünstigt. Auch der Fernhandel im Mittelmeerraum hatte eine große Bedeutung.

Durch die Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft und eine starke Bautätigkeit stieg Córdoba neben Konstantinopel und Bagdad zu den bedeutendsten Kultur- und Wirtschaftszentren des Mittelmeerraums auf. Unter anderem wurde nach 936 die Medina Azahara-Palaststadt bei Córdoba unter Maslama ibn Abdallah errichtet. ʿAbd ar-Rahmāns Favoritin, die Christin Mardschān, errichtete mehrere Moscheen und gründete fromme Stiftungen.[6]

Wie sein Sohn al-Hakam II. hatte auch ʿAbd ar-Rahmān III. einen männlichen Harem.[7] Nach dem Tod von ʿAbd ar-Rahmān im Oktober 961 wurde al-Hakam II. Kalif von Córdoba.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Évariste Lévi-Provençal, Emilio García Gómez (Hrsg.): Una Crónica anónima de Abd al-Rahman III al-Nasir. Madrid 1950, LCCN 55-027295.
  • Maribel Fierro: ʾAbd al-Rahman. The First Cordoban Caliph. Makers of the Muslim World. Oneworld Publications, Oxford 2005, ISBN 1-85168-384-4.
  • Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. C.H. Beck, München 2004. ISBN 3-406-47486-1.
  • Arnold Hottinger: Die Mauren. Arabische Kultur in Spanien, Wilhelm Fink Verlag, München 1995, ISBN 3-7705-3075-6.
  • Stephan Ronart, Nandy Ronart (Hrsg.): Lexikon der Arabischen Welt. Ein historisch-politisches Nachschlagewerk. Artemis Verlag, Düsseldorf 1972, ISBN 3-7608-0138-2.
  • Janina M. Safran: Defining Boundaries in al-Andalus: Muslims, Christians, and Jews in Islamic Iberia. Cornell University Press, Ithaca, 2013, ISBN 9780801451836, S. 59–69.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abd ar-Rahman III. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Safran: Defining Boundaries in al-Andalus 2013, S. 38–39.
  2. Vgl. Safran: Defining Boundaries in al-Andalus 2013, S. 64.
  3. Vgl. Safran: Defining Boundaries in al-Andalus 2013, S. 68.
  4. Vgl. Safran: Defining Boundaries in al-Andalus 2013, S. 68.
  5. Vgl. Safran: Defining Boundaries in al-Andalus 2013, S. 68f.
  6. Vgl. Alejandro García Sanjuán: Till God Inherits the Earth. Islamic Pious Endowments in al-Andalus (9-15th Centuries). Leiden: Brill 2007. S. 95.
  7. E. Michael Gerli (Hrsg.): Medieval Iberia: An Encyclopedia. Routeledge, 2003, S. 397 (online).
Vorgänger Amt Nachfolger
Abdallah von Córdoba Emir von Córdoba / ab 929 Kalif von Córdoba
912–961
al-Hakam II.