Abu Kamal

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البوكمال / al-Būkamāl
Abu Kamal
Abu Kamal (Syrien)
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Koordinaten 34° 27′ N, 40° 56′ OKoordinaten: 34° 27′ N, 40° 56′ O
Basisdaten
Staat Syrien

Gouvernement

Deir ez-Zor
Höhe 170 m
Einwohner 52.020 (2003)
Abu Kamal liegt am Ufer des Euphrat
Abu Kamal liegt am Ufer des Euphrat

Abu Kamal oder al-Bukamal (arabisch البوكمال, DMG al-Būkamāl, französisch Abou Kamal, türkisch Ebu Kemal) ist die letzte Stadt am Euphrat im Osten Syriens vor der Grenze zum Irak.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Abu Kamal werden 52.020 Einwohner (Schätzung 2003) angegeben.[1] Die Stadt liegt auf etwa 170 Meter Höhe im gleichnamigen Distrikt des Gouvernements Deir ez-Zor am südlichen Rand der syrischen al-Dschasira-Ebene. Bis zum irakischen Grenzübergang sind es sieben Kilometer, das antike Mari liegt neun Kilometer nordwestlich.

In der Region herrscht Vollwüstenklima mit weniger als 120 Millimeter Jahresniederschlag. Damit ist Landwirtschaft nur in einem bewässerten Streifen entlang des Euphrat möglich. Selbst Weidegebiete für Viehnomaden sind kaum vorhanden.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Einkommensquelle in Abu Kamal ist der Grenzhandel und der Schmuggel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In römischer Zeit war Abu Kamal ein wichtiger Handelsposten zwischen dem Römischen Reich und Asien. Von Zenobia erobert, wurde es Teil des Königreiches Palmyra. Im 17. Jahrhundert wurde die Stadt, damals Abukamal oder Ebukemal Sitz eines osmanischen Sandschak in dem Vilâyet ar-Ruha, dem heutigen Sanliurfa.

Zwischen 1881 und 1909 wurde das damalige Dorf zur Stadt ausgebaut, die durch Zuwanderer aus dem irakischen Ort Ana wuchs. Die Franzosen besetzten Abu Kamal 1921 und machten die Stadt zum Sitz einer Garnison. 1932 hatte der Ort etwa 1000 Einwohner, Anfang der 1940er Jahre besaß er eine Polizeistation, ein Post- und ein Zollamt. Es gab aus Stein gemauerte Häuser und breite, rechtwinklig angelegte Straßen, nachdem die zuvor weiter östlich gelegene Siedlung durch eine Flut zerstört worden war. 1946 wurde Abu Kamal Teil des unabhängigen Syrien. Für 1970 wurden 9000 Einwohner geschätzt.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Invasion des Irak durch die Vereinigten Staaten im Irakkrieg 2003 erlebte die Stadt zunächst einen wirtschaftlichen Aufschwung. Seitdem der Grenzübergang geschlossen wurde, blieb der geschäftige Handel aus und die politische Lage angespannt. Ausländer, die in die Stadt kamen, wurden vom syrischen Geheimdienst mit Argwohn betrachtet.

Abu Kamal befindet sich in der Nähe der irakischen Stadt al-Qa'im, die zum Übergangspunkt für irakische Aufständische wurde und im November 2005 Schauplatz der Operation Steel Curtain war.

Während der Proteste in Syrien 2011 fanden in Abu Kamal im Mai die ersten Freitagdemonstrationen statt. Die Stadt wurde anschließend unter dem Einsatz von Panzern besetzt. Im Juni zogen diese wieder ab. Drei Wochen später wurde Abu Kamal abermals besetzt und seitdem fanden, laut Berichten von irakischen Einwohnern, fast täglich Kämpfe mit Einsatz von Kriegswaffen statt (Stand: November 2011).

Die Terrormiliz ISIS eroberte die Stadt sowie die in Stadtnähe gelegene Militärbasis. Erst Ende Juni 2016 gelang es syrischen Rebellen, dem Islamischen Staat die Grenzstadt streitig zu machen und die Militärbasis zurückzuerobern.[3][4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The governorates of Syria and all Cities of more than 35,000 inhabitants, citypopulation.de, 20. Juli 2009.
  2. Eugen Wirth: Syrien, eine geographische Landeskunde. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1971, S. 437.
  3. Syrian rebels launch attack on ISIS-held town, Reuters/alarabiya vom 28. Juni 2016, abgerufen 29. Juni 2016
  4. Syrische Rebellen drängen IS-Miliz, Deutschlandfunk Nachrichten vom 29. Juni 2016, abgerufen 29. Juni 2016