Adolf Aich

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Adolf Aich
Gedenktafel für Adolf Aich, Andachtsstätte Föhrenbühl, Wolketsweiler

Wilhelm Adolf Aich[1] (* 25. September 1824 in Rottenburg am Neckar; † 10. Juli 1909 in Untermarchtal) war ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher und Gründer der „Stiftung Liebenau“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 4. Februar 1859 war Aich Kaplan von St. Johann in Tettnang. 1866 gründete er den St.-Johann-Verein, der ein spendenfinanziertes Krankenhaus „für Unheilbare“ errichten sollte, und begab sich auf Reisen in 20 Diözesen, um Spendengelder zu sammeln. Dieser Verein ging später 1868 in der Stiftung Liebenau auf. Mit den gesammelten Spenden konnte Aich das „Schlösschen Liebenau“ (heute zu Meckenbeuren) kaufen. Dort richtete er eine Klinik für behinderte und benachteiligte Menschen ein. Bis 1878 war Aich Vorstand der Anstalt.

Von 1874 bis 1904 war Aich Pfarrer in Wilhelmskirch (heute zu Horgenzell). 1886 entstand auf seine Anregung hin die Andachtsstätte „Föhrenbühl“ im nahen Wolketsweiler (ebenfalls heute zu Horgenzell), für die zunächst eine Lourdes-Grotte errichtet wurde.

Stiftung Liebenau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. März 1866 wurde von Aich in Tettnang der St.-Johann-Verein mit dem Ziel als Trägerverein für ein von Staat und Gemeindebehörden unabhängiges Pflegeheim gegründet.[2] Am 25. Juni 1868 wurden die Statuten der Stiftung vom bischöflichen Ordinariat durch Josef Lipp genehmigt und die Stiftung mit dem Namen Pflege- und Heil-Anstalt für chronisch Kranke ins Leben gerufen.[3] Am 29. Juni 1870 kaufte Aich für 17500 fl. von Johann Christian Bertram, einem hochverschuldetem Bauunternehmer aus Ulm, das Schloss Liebenau inklusive der Liegenschaften.[4]

Die Stiftung Liebenau existiert heute noch mit zahlreichen Einrichtungen in der Region Bodensee-Oberschwaben, im benachbarten Österreich, sowie in der Schweiz und Bulgarien. 2015 waren insgesamt 6469 Mitarbeiter in den unterschiedlichen Tochtergesellschaften, zugeordneten Unternehmen und sonstigen Rechtsträger beschäftigt, die gemeinsam einen konsolidierten Umsatz von 310 Mio. Euro erwirtschafteten. Hinzu kommen mehr als 2300 ehrenamtlich Tätige.[5]

Neben Einrichtungen der Behindertenhilfe und Seniorenhilfe betreibt die Stiftung u. a. das nach Aich benannte „Berufsbildungswerk Adolf Aich“ in Ravensburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Link: Die Stiftung Liebenau und ihr Gründer Adolf Aich. Hrsg. von der Stiftung Liebenau. Liebenau, 1983
  • Andreas Holzem: Konfession und Sozialstiftung in Württemberg (1870 - 1970): Stiftungsrecht und Religionskultur der Stiftung Liebenau zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik Deutschland. In: Richard Puzza (Hrsg.): Tübinger Kirchenrechtliche Studien. Band 6. LIT Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-8258-1122-8
  • Karl-Hermann Kästner, Daniel Couzinet: Der Rechtsstatus kirchlicher Stiftungen staatlichen Rechts des 19. Jahrhunderts: eine Untersuchung am Beispiel der Stiftung Liebenau. In: Jus ecclesiasticum : Beiträge zum evangelischen Kirchenrecht und zum Staatskirchenrecht. Band 82. Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-16-149622-6, ISSN 0449-4393.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Adolf Aich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Von der Familie Aich gestiftete Gedenktafel beim Altenpflegeheim 'Haus St. Johann'; Tettnang, 1998
  2. Andreas Holzem: Konfession und Sozialstiftung in Württemberg (1870 - 1970): Stiftungsrecht und Religionskultur der Stiftung Liebenau zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik Deutschland. In: Richard Puzza (Hrsg.): Tübinger Kirchenrechtliche Studien. Band 6. LIT Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-8258-1122-8, S. 19.
  3. Karl-Hermann Kästner, Daniel Couzinet: Der Rechtsstatus kirchlicher Stiftungen staatlichen Rechts des 19. Jahrhunderts: eine Untersuchung am Beispiel der Stiftung Liebenau. In: Jus ecclesiasticum : Beiträge zum evangelischen Kirchenrecht und zum Staatskirchenrecht. Band 82. Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 978-3-16-149622-6, ISSN 0449-4349, S. 89 f.
  4. Kaufvertrag zwischen Adolf Aich und Johann Christian Bertram. In: Archiv der Stiftung Liebenau. 29. Juni 1870.
  5. Susanne Droste-Gräff, Helga Raible: Anstifter mit dem Jahresbericht 2015. Hrsg.: Stiftung Liebenau, Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, Stiftung Helios – Leben im Alter. Meckenbeuren Juli 2016 (stiftung-liebenau.de [PDF; 8,0 MB; abgerufen am 14. September 2016]).