Stiftung Liebenau

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Stiftung Liebenau
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Rechtsform Kirchliche Stiftung des privaten Rechts auf katholisch-kirchlicher Grundlage
Gründung 1870
Sitz Meckenbeuren-Liebenau
Leitung Berthold Broll (seit 2002)
Markus Nachbaur (seit 2005)
Prälat Michael H. F. Brock (seit 2011)
Mitarbeiter 6750 (Stand 2015)
Branche Sozial-, Gesundheits- und Bildungsunternehmen
Website stiftung-liebenau.de
Hauptsitz der Stiftung in Meckenbeuren-Liebenau

Die Stiftung Liebenau mit Sitz im Meckenbeurener Ortsteil Liebenau ist ein aus christlicher Motivation heraus entstandenes, unabhängiges Sozial-, Gesundheits- und Bildungsunternehmen, das 1870 seine Arbeit aufnahm. Laut § 1 ihrer Satzung ist die Stiftung Liebenau eine „kirchliche Stiftung des privaten Rechts auf katholisch-kirchlicher Grundlage“. Sie ist in Deutschland, Österreich, Italien, der Schweiz, Bulgarien und der Slowakei tätig. Entsprechend ihrem Stiftungszweck bietet sie vielfältige Einrichtungen, Dienste und gemeinwesenorientierte Angebote in der Altenhilfe und der Hilfe für Menschen mit Behinderung (Behindertenhilfe), im Gesundheitswesen, im Bildungsbereich und in der Kinder- und Jugendhilfe. Sie arbeitet eng mit der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist und der Stiftung Helios – Leben im Alter zusammen. Insgesamt arbeiten rund 6750 Mitarbeiter in den Einrichtungen des Verbunds der Stiftung Liebenau, die jährlich mehrere tausend Menschen unterstützen, versorgen oder behandeln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss in Liebenau

Die Initiative zur Gründung der Stiftung Liebenau geht auf den Tettnanger Kaplan Adolf Aich zurück, der 1870 das Schloss Liebenau kaufte und zusammen mit 13 Tettnanger Bürgern eine „Pfleg- und Bewahranstalt“ gründete. Sie sollte eine „Zufluchtsstätte“ für Menschen mit unheilbaren Krankheiten und Behinderungen werden. In den Anfangsjahren arbeitet der Kaplan dort mit sechs barmherzigen Schwestern (heute: Franziskanerinnen von Reute, die bis 1975 in Liebenau wirkten). 1895 wurde die Anstalt um ein neu erbautes Haus erweitert. Somit konnten Ende des 19. Jahrhunderts bereits über 400 Menschen betreut werden. Im Jahr 1925 entstand der zweite große Wohnbereich für Menschen mit geistiger Behinderung in Rosenharz bei Bodnegg. Zwei Jahre später wird ein weiteres Haus im nahegelegenen Hegenberg gekauft.

Ab Juli 1940 wurden 501 Bewohner der Anstalt im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms in der Tötungsanstalt Grafeneck und der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Der Anstaltsleitung gelang es, einige Personen zu retten, indem sie als landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche Hilfskräfte eingestellt wurden. Wenige Bewohner konnten zu ihrer Familie entlassen werden. Lebten vor der Aktion T4 noch über 1000 Menschen in der Stiftung Liebenau, waren es danach nur noch etwas mehr als 500. Einige Gebäude der Anstalt wurden als Wehrmachtslazarett und für eine ausgelagerte Abteilung des Auswärtigen Amts genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die karitative Stiftungsarbeit wieder in vollem Umfang weitergeführt. 1952 wurde die Don-Bosco-Schule (Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum) erbaut und Ende der 1960er Jahre entstanden die Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Die Einrichtung wird 1970 von „Heil- und Pflegeanstalt Liebenau“ in Stiftung Liebenau umbenannt. 1971 wurde das Institut für sozialpädagogische Berufe in Ravensburg gegründet und ein Jahr später ein Kinder- und Jugenddorf in Hegenberg eröffnet. Zwei Jahre später wurde die Krankenabteilung im Liebenauer Schloss zum Fachkrankenhaus. Daraus entstand die heutige St.-Lukas-Klinik. 1980 eröffnete in Ravensburg die Sonderberufsschule Berufsbildungswerk Adolf Aich, eine Einrichtung zur beruflichen und sozialen Rehabilitation von Jugendlichen mit Lernbehinderungen.

Seit 1990 ist die Stiftung Liebenau auch in der Altenhilfe tätig. Um für Menschen mit und ohne Behinderung Arbeitsplätze zu schaffen und dauerhaft zu sichern, gründete die Stiftung Liebenau in den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten mehrere gewerbliche Tochtergesellschaften und Stiftungsbetriebe. Diese bieten unterschiedlichste Dienstleistungen und Produkte an: u.a. Catering, Textil- und Gebäudeservice, Garten- und Landschaftsbau, Forst- und Landwirtschaft.

Seit dem Ende der 1990er Jahre engagiert sich die Stiftung Liebenau auch außerhalb Deutschlands und ist aktuell in sechs mittel- und südeuropäischen Ländern mit ihren Angeboten aktiv. Die Jahre seit der Jahrtausendwende sind geprägt von einem starken Wachstum in den meisten Tätigkeitsfeldern sowie der nationalen und europäischen Expansion. Bspw. wurde das Liebenauer Netzwerk Familie aufgebaut mit mehr als 60 Diensten, Hilfen und Angeboten, die sich an Familien mit Kindern im Vorschul- und Schulalter richten. Neben ihren eigentlichen Tätigkeiten nimmt die Stiftung Liebenau auf nationaler und europäischer Ebene auch ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr. Als Mitglied des Brüsseler Kreises, einem Verein aus 13 gemeinnützigen sozial- und gesundheitswirtschaftlichen Unternehmen, und des Netzwerk: Soziales neu gestalten (SONG) wirkt sie aktiv an der Gestaltung politischer Rahmenbedingungen im Sozialbereich mit und fordert gesellschaftliche Solidarität mit ihren Zielgruppen ein.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standorte der Stiftung Liebenau in Deutschland
Standorte der Stiftung Liebenau in Europa

Für folgende gemeinnützige Tochtergesellschaften (gGmbH) in Deutschland fungiert die Stiftung Liebenau als Holding:

  • Liebenau Teilhabe gemeinnützige GmbH (Schwerpunkt: Hilfe für Menschen mit Behinderung)
  • Liebenau Dienste für Menschen gemeinnützige GmbH (Schwerpunkt: Hilfe für Menschen mit Behinderung)
  • Liebenau Kliniken gemeinnützige GmbH (Schwerpunkt: medizinische Versorgung von Menschen mit Intelligenzminderung)
  • Liebenau Therapeutische Einrichtungen gemeinnützige GmbH (Schwerpunkt: medizinische Versorgung von Menschen mit Intelligenzminderung)
  • Liebenau Lebenswert Alter gemeinnützige GmbH (Schwerpunkt: Altenpflege)
  • Liebenau Leben im Alter gemeinnützige GmbH (Schwerpunkt: Altenpflege)
  • Liebenau Berufsbildungswerk gemeinnützige GmbH (Schwerpunkt: berufliche und soziale Rehabilitation von Jugendlichen mit Lernbehinderungen)

Für folgende ausländische gemeinnützige Tochtergesellschaften fungiert die Stiftung Liebenau als Holding:

  • Liebenau Österreich gemeinnützige GmbH (Österreich/Schwerpunkt: Altenpflege)
  • Liebenau Österreich Service gemeinnützige GmbH
  • Liebenau Österreich Sozialzentren gemeinnützige GmbH
  • Liebenau Schweiz gemeinnützige AG (Schwerpunkt: Altenpflege)
  • Liebenau Italien gemeinnützige GmbH (Schwerpunkt: Altenpflege)

Dienstleister und Stiftungsbetriebe der Stiftung Liebenau:

  • Liebenau Service GmbH (Schwerpunkt: Dienstleistungen in den Bereichen Gebäude-, Textilservice, Catering, Organisationsberatung und Training)
  • Liebenau Gebäude- und Anlagenservice GmbH (Schwerpunkt: Dienstleistungen und Handwerksleistungen in den Bereichen Elektro, Sanitär und Heizung)
  • Liebenau Beratung und Unternehmendienste GmbH (Schwerpunkt: Dienstleister in den Bereichen IT-Services, Rechnungswesen und Personalabrechnung)
  • Liebenau Objektservice GmbH (Schwerpunkt: Hauswirtschaftliche Dienstleistungen)
  • Forstbetriebe (Schwerpunkt: Dienstleistungen rund um den Wald wie Pflanzung, Waldpflege und Holzernte)
  • Liebenauer Landleben (Bereiche: Gärtnerei, Obst- und Weinbau, Landwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau, Verkaufsladen und Gastronomie)

Die Stiftung Liebenau ist unter anderem auch an folgenden sozialen Einrichtungen beteiligt:

  • Institut für soziale Berufe gGmbH (IfsB) (Schwerpunkt: Aus-, Fort- und Weiterbildung)
  • CSW – Christliches Sozialwerk gGmbH im Bistum Dresden-Meißen (Schwerpunkt: Eingliederungs-, Kinder- und Jugendhilfe)
  • Franz von Assisi gGmbH (Schwerpunkt: Kinder- und Jugendhilfe)
  • St. Nikolaus – süddeutsches Kinderhospiz gGmbH
  • Gesellschaft für Entwicklungspsychiatrie und Integration gGmbH (Schwerpunkt: Kinder- und Jugendpsychiatrie)
  • Casa Leben im Alter gGmbH (Österreich)
  • Bulgarisch-Deutsches Sozialwerk St. Andreas e.V. (Bulgarien)
  • Fondazione S. Elisabetta (Italien)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Schnieber: In unserer Mitte – der Mensch. Stiftung Liebenau. Senn, Tettnang 1995, ISBN 3-88812-169-8.
  • Berthold Broll, Helmut Staiber, Dieter Worrings: In Freiheit Beziehungen gestalten. Erfahrungen, Standpunkte und Perspektiven aus der Stiftung Liebenau. Lambertus, Tettnang 1992, ISBN 3-78411-403-2.
  • Anna Grebe: Fotografische Normalisierung. Zur sozio-medialen Konstruktion von Behinderung am Beispiel des Fotoarchivs der Stiftung Liebenau. Transcript, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8376-3494-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]