advanced TrainLab

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ICE TD „advanced TrainLab“ in Nürnberg Hbf, 2018

Als advanced TrainLab wird ein Triebzug der Baureihe 605 (ICE TD) der Deutschen Bahn bezeichnet, mit dem neue Techniken für den Sektor Schiene erprobt und getestet werden sollen.[1]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Tests wurde ein ICE-Triebzug der Baureihe 605 (5517), welcher zuvor bei der DB Fernverkehr AG außer Dienst gestellt wurde, zu einer Art Testlabor umgerüstet. Er wurde dabei u. a. mit ETCS ausgerüstet und erhielt eine Sensorik zur selbstständigen Hinderniserkennung. Die Inbetriebsetzung fand im April 2020 statt.[2] Ein weiterer Triebzug (5519[3]) diente zunächst als Reservefahrzeug, dessen Umrüstung war im August 2020[4] im Gang.

Dazu wurde und wird der im Jahr 2001 für den Personenfernverkehr auf nicht elektrifizierten Strecken gebaute Zug nun mit einer leistungsfähigeren Bordnetzspannung, größeren Arbeitsplätzen, zahlreichen Antennen und Sensoren sowie einem großen Datennetzwerk im Zug ausgestattet.[5]

Der Endwagen erster Klasse (Baureihe 605.5) soll in der bisherigen Form erhalten bleiben. Der mit Küche ausgerüsteten Mittelwagen (Baureihe 605.1) soll zum Besprechungsraum umfunktioniert werden. Im Endwagen (605.0) und Mittelwagen (605.2) soll je nach Einsatzzweck ein Teil der Sitzplätze entfernt werden.[3]

Ziele und Idee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuartige und/oder im deutschen Schienennetz schwer zu erprobende Fahrerassistenzsysteme können auf speziell ausgewählten Strecken getestet und von Experten an Bord ausgewertet werden. Zudem werden Kooperationen mit Hochschuleinrichtungen zu Forschungs- und Entwicklungszwecken angeboten.[6]

Ein wichtiger Bestandteil der Versuchsreihen sind zudem Tests im Bereich des autonomen Fahrens und des automatisierten Bahnbetriebs (Automatisierungsgrade 2–4).

Gleichzeitig können aber auch andere Dinge getestet werden. Dazu gehören beispielsweise Umwelteinflüsse wie Luftströmungen und Aerodynamik, aber auch Messungen der Lautstärke des Zuges und Versuche zur Energieeffizienz eines Zuges auf verschiedenen Streckenarten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Advanced-Trainlab-Triebzug 5517 am 6. Dezember 2018 in Berlin-Ostkreuz

Generell ist das advanced TrainLab für alle Strecken in Deutschland zugelassen und aufgrund des Dieselantriebs auch auf nicht elektrifizierten Strecken einsetzbar.

Die DB hat im Dezember 2018 erste Testfahrten auf der Bahnstrecke Annaberg-Buchholz–Schwarzenberg durchgeführt. Sie gilt aufgrund ihrer Eigenschaften mit Gefällen, Steigungen, engen Radien, beschrankten und unbeschrankten Bahnübergängen als ideale Teststrecke für verschiedenste Versuchsreihen. Außerdem hat die DB Netz AG in Kooperation mit Thales hier parallel begonnen, die neueste Leit- und Sicherungstechnik zu verbauen und zu testen.

Am 20. Dezember 2018 fand mit dem mit rund 200 Fachleuten vollbesetzten 605 017 eine Präsentationsfahrt durchs Erzgebirge statt. Zahlreiche Schaulustige säumten die Strecke.[3]

Die ersten offiziellen Versuche und Erprobungsfahrten sollen 2019 auf der genannten Strecke durchgeführt werden.[7]

Am 20. März 2019 fuhr das advanced TrainLab das erste Mal auf dem befahrbaren Stammbahngleis, in Höhe des Bahnhofs Berlin Lichterfelde West. Seitdem ist er dort häufiger für Versuche zu Gast.[1][8] Vom 14. bis 25. Oktober 2019 wurde der Zug für Adhäsionsmessfahrten in der Prignitz eingesetzt.[9]

Am 18. November 2020 verunfallte der Zug bei einer Fahrt gegen einen Prellbock in Berlin-Nikolassee.[10]

Im Rahmen einer Erprobung sollte die Eignung der Berliner Goerzbahn als Strecke zur Objekt- und Hinderniserkennung in einem städtischen Umfeld getestet werden.[11] Durch die 40, zum Teil unbeschrankten, Bahnübergänge auf der 2,5 km langen Strecke und der nahen Wohnbebauung weist die Strecke eine Besonderheit auf.[12] Hierfür wurden Anfang 2021 Testfahrten auf der Strecke durchgeführt.[11] Das Ergebnis, ob die Berliner Goerzbahn als Teststrecke genutzt wird, ist noch offen.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b advanced TrainLab: das schnellste Labor auf Schienen. Deutsche Bahn AG, abgerufen am 23. Oktober 2019.
  2. ICE-TD-Testzug nach Umbau wieder unterwegs. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 6, Juni 2020, ISSN 1421-2811, S. 276.
  3. a b c ICE-TD fährt ins Erzgebirge. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 2, Februar 2019, ISSN 1421-2811, S. 73.
  4. „Digitales Testfeld Bahn“ wird ausgebaut: Neue Fahrzeuge, neue Infrastruktur. In: Rail Business. Nr. 33, 10. August 2020, ISSN 1867-2728, ZDB-ID 2559332-8.
  5. Deutsche Bahn AG: Umbaumöglichkeiten im advanced TrainLab. Abgerufen am 1. Januar 2019.
  6. Deutsche Bahn AG: Was ist das advanced TrainLab DB? Abgerufen am 1. Januar 2019.
  7. MDR Sachsen: ICE-Testzug hält im Erzgebirge. Abgerufen am 1. Januar 2019.
  8. ICE „Volker“ zu Besuch im Südwesten: Laborzug absolviert Testfahrt auf der alten Stammbahntrasse. Abgerufen am 23. Oktober 2019.
  9. ICE-TD in der Prignitz. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 12, Dezember 2019, ISSN 1421-2811, S. 611.
  10. DB-Baureihen. In: Lok Magazin. Nr. 1, Januar 2021, ISSN 0458-1822, S. 22.
  11. a b Ein ICE in Lichterfelde: DB-Versuchszug fährt auf der Berliner Goerzbahn. 12. Februar 2021, abgerufen am 12. Februar 2021.
  12. a b Bahn schickt ICE zum Testen über die alte Berliner Goerzbahn. Abgerufen am 13. Februar 2021.