Advocacy

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Advocacy (Deutsch: Befürwortung) bezeichnet in der Politikwissenschaft die öffentliche Einflussnahme auf die Politikgestaltung stellvertretend für ein kollektives Interesse. Von der Interessenvertretung im weiteren Sinn unterscheidet sich Advocacy dadurch, dass nicht ausschließlich oder in erster Linie die eigenen Interessen vertreten werden. Vom Lobbying unterscheidet sich Advocacy durch die strategische Einbeziehung der Öffentlichkeit, d. h. eines nicht spezifizierten und unmittelbar betroffenen Publikums.[1] Der Begriff Advocacy wurde ins Deutsche als „themenanwaltschaftliche Interessenvertretung“[2] übersetzt.

Advocacy wird meist durch sogenannte Advocacy-Organisationen betrieben, welche Wissen, Beziehungen und materielle Ressourcen einsetzen, um moralischen und politischen Druck zu erzeugen.[3] Margaret E. Keck und Kathryn Sikkink haben vier politische Strategien beschrieben, mit denen Akteure in Advocacy-Netzwerken arbeiten:

  1. „Informationspolitik“ (information politics), die Fähigkeit, politisch brauchbare Informationen schnell und glaubwürdig dort hinzubringen, wo sie die größte Wirkung erzeugen;
  2. „Symbolpolitik“ (symbolic politics), die Fähigkeit, sich auf Symbole, Aktionen und Geschichten zu berufen, die eine Situation auch für ein entferntes Publikum verständlich machen,
  3. „Hebelpolitik“ (leverage politics), die Fähigkeit, mit Macht ausgestattete Akteure einzubeziehen, wenn schwächere Mitglieder des Netzwerk kaum eine Einflusschance haben, sowie
  4. „Rechenschaftspolitik“ (accountability politics), worunter der Versuch zu verstehen ist, mit politischer Entscheidungsgewalt ausgestattete Akteure an zuvor formulierte Absichten und Prinzipien zu binden und sie daran zu erinnern, ihr Mandat verantwortungsvoll auszufüllen.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniel Kremers: Ein Kampf ums Recht: Cause Lawyering für die Interessen temporärer Arbeitsmigrant*innen in Japan. In: Moritz Bälz (Hrsg.): Zeitschrift für Japanisches Recht. Sonderheft 9. Carl Heymanns Verlag, Köln 2018, S. 174 (zjapanr.de [PDF]).
  2. Deutscher Bundestag: Bericht der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ Bürgerschaftliches Engagement: auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft. Drucksache 14/8900. Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, 3. Juni 2002, ISSN 0722-8333 (bundestag.de [PDF]).
  3. Daniel Kremers: Zuwanderung, ein Gemeinwohl? : Funktionen der Zivilgesellschaft in der Diskussion um Japans technisches Praktikum zwischen „Menschenrechten“ und „Humanressourcen“. Halle 2015, DNB 1074116143.
  4. Margaret E. Keck, Kathryn Sikkink: Activists beyond Borders: Advocacy Networks in International Politics. Cornell University Press, Ithaca, NY 1998, ISBN 978-0-8014-7129-2 (degruyter.com).