Co-Creation

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Co-Creation (Ko-Kreation) beschreibt die Methode, den Prozess oder das Ergebnis eines gemeinschaftlichen Schöpfungprozesses mehrerer Personen oder Statusgruppen. Ursprünglich aus dem Marketing und den Wirtschaftswissenschaften als Form der interaktiven Produktgestaltung mit Prosumenten hervorgegangen, wird der Begriff in verschiedenen Fachdisziplinen und sozialen Bewegungen verwendet, um entweder als Oberbegriff oder Anfang der Kollaboration und kollektiven Entscheidungsfindung zu fungieren.

Anwendungsspezifische Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Marketing und der Produktentwicklung ist Co-Creation ein Managementansatz, der Unternehmen und Kunden kollaborieren lässt. Der grundlegende Gedanke ist, dass Kunden und Unternehmen durch Zusammenarbeit Synergieeffekte erzeugen können. Geprägt wurde der Begriff von C. K. Prahalad und Venkat Ramaswamy durch die Veröffentlichung des Harvard Business Review Artikels, „Co-opting Customer Competence“ im Jahre 2000.[1] Co-Creation besteht aus zwei wesentlichen Schritten: 1. Beitrag und 2. Auswahl. Im ersten Schritt wird eine Idee abgegeben, im zweiten Schritt werden die aussichtsreichsten Ideen ausgewählt.

Beispielhaft kann ein Turnschuh individualisiert werden und die jeweilige Produktkombination on-demand produziert werden. Nachfrage und Angebot entstehen so gewissermaßen zeitgleich und in durch die Kooperation von Unternehmen und Kundschaft (Co-Creation of Value).

Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Co-Creation ist zudem eine besondere Form des Prozessmanagements bei zunehmender Komplexität und Mehrperspektivität verbunden, die auf einen Konsens in frühen Phasen der Ideenfindung, der Meinungsbildung und des Entscheidungsprozesses abzielt. Damit findet sie insbesondere bei transdisziplinären Fragestellungen, sowie in der transformativen Wissenschaft, Begleitforschung, Feldforschung und Auseinandersetzung mit der Zivilgesellschaft (Third Mission u. a.) Beachtung.[2] Wesentlicher Teil des Prozesses ist Zusammenführung von Positionen, Erfahrungen und Wissen der Beteiligten, sodass der Begriff eng mit dem Konzept der gemeinsamen Wissensproduktion (Co-Production of Knowledge) Sheila Jasanoffs und der kollektiven Intelligenz verwandt ist.[3]

Gelegentlich wird Co-Creation zur Beschreibung von Reallaboren und des Technologietransfers verwendet.[4]

Chancen und Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chancen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine in der Wirtschaft zu erkennende Asymmetrie zwischen Kundenbedürfnissen und Zielen der Produzenten lässt sich durch die Zusammenarbeit von Unternehmen mit ihren Kunden mindern. Kunden erhalten die Möglichkeit direkten Einfluss auf ein Produkt zu haben und Unternehmen profitieren durch angepasste und bedarfsorientierte Produkte. Gleichzeitig reduzieren sich die Kosten der F&E-Abteilungen, sowie die Time-to-Market von Produkten.[5]

Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen müssen die Ideen ihrer Kunden filtern, dies kann sich abhängig von der Quantität der Vorschläge und Art der Zusammenarbeit zwischen Kunden und Unternehmen als ein Problem identifizieren.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Co-Creation lässt sich aufgrund der aktuellen Definitionen nicht eindeutig von Crowdsourcing, Open Source und Open-Innovation abgrenzen. Eine gängige Betrachtung ist, dass Crowdsourcing und Co-Creation die Hauptteilmengen von Open-Innovation sind.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C.K. Prahalad, Venkatram Ramaswamy: Co-opting Customer Competence. In: Havard Business Review. Havard Business Review, 1. Januar 2000, abgerufen am 7. Juli 2018 (englisch).
  2. Patrizia Nanz, Ortwin Renn, Mark Lawrence: Der transdisziplinäre Ansatz des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS). Konzept und Umsetzung. In: IASS Potsdam. GAIA, oekom Verlag, 1. Januar 2017, abgerufen am 17. Februar 2020.
  3. W. H. Voorberg, V. J. J. M. Bekkers, L. G. Tummers: A Systematic Review of Co- Creation and Co-Production: Embarking on the social innovation journey. In: Taylor & Francis Online. Public Management Review, 30. Juni 2014, abgerufen am 17. Februar 2020 (englisch).
  4. Saxony5. Smart University Grid. Wissensströme intelligent vernetzen. In: Innovative Hochschule. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Referat Fachhochschulen, abgerufen am 17. Februar 2020.
  5. Gaurav Bhalla: Collaboration and Co-Creation. Hrsg.: Knowledge Kinetics. Springer Science+Business, New York 2011, ISBN 978-1-4419-7081-7, S. 10–30.
  6. Daniel Markgraf: Co-Creation Definition. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, abgerufen am 7. Juli 2018.